Podgorica / Montenegro

Name:
Professor Elmar Bordfeld

Wohnort:
Podgorica, Montenegro

Korporation:
KStV Flamberg Bonn

Erfahrungsbericht:

Vor Anker gegangen

Elmar Bordfeld war von 1971 bis 1987 Chefredakteur des deutschen Osservatore Romano im Vatikan, danach Chefredakteur des „Ruhrwort“ in Essen. Jetzt arbeitet er als freier Journalist für die KNA in Podgorica / Montenegro

Eigentlich bin ich ja schon im journalistischen Ruhestand und kann seit Jahren als MAP (im Jargon des Auswärtigen Amtes: Mit-Ausreisender Partner) meiner Frau folgen. Sie ist im diplomatischen Dienst tätig, und jetzt, nach jeweils vierjährigen Aufenthalten in Slowenien und Bulgarien an die deutsche Botschaft in Podgorica, Montenegro, versetzt worden. Das Land ist seit 2006 von Serbien unabhängig, hat rund 630.000 Einwohner, viele „schwarze Berge“ (aber auch grüne) und eine fast 300 Kilometer lange Adriaküste, nach dem englischen Dichter Lord Byron „die schönste Begegnung von Land und Meer.“ Felsige Berghänge verschmelzen mit azurblauem Wasser an einer Küste, die in den sechziger Jahren Stars wie Sophia Loren, Elizabeth Taylor und Kirk Douglas anlockte. Die traumhafte Bucht von Kotor ist inzwischen UNESCO-Weltkulturerbe.

Umzug von Sofia nach Podgorica Ende August 2011 bei 43 Grad im Schatten. Erstes Staunen über das neue Land, das in die EU aufgenommen werden möchte. Es wächst die Lust, noch ein wenig journalistisch tätig zu werden. Mit meiner bisherigen bulgarischen „Accreditation-Card“ hatte ich “free access to all open for journalists events in governmental institutions of the Republic of Bulgaria“. Also besorge ich mir vom Chefredakteur der KNA ein Akkreditierungsschreiben für eine Tätigkeit als freier Korrespondent in Montenegro. Vuk Vujnovic, beim Premierminister Montenegros zuständig für Internationale Medienkontakte, empfängt mich und teilt mir zunächst einmal seine Freude darüber mit, dass ich der erste Auslandskorrespondent mit festem Wohnsitz in Podgorica sei. Weitere Kollegen würden das Land von Belgrad, Sarajewo und Wien beobachten. Presseausweise habe man nicht, aber ich könne mich mit allem gerne an ihn wenden, und er würde alles Notwendige veranlassen.

Das lasse ich mir nicht zwei Mal sagen und berichte ihm, dass der Beginn meiner Tätigkeit im Moment noch an einem fehlenden Internetzugang scheitert. Wochenlang hätte ich vergeblich versucht, die Telefongesellschaft zur Schaltung einer ISDN-Leitung in mein Haus zu bewegen. Diese werde offensichtlich durch ein defektes Kabel verhindert. Vuk begreift: die Reputation seines Landes steht auf dem Spiel und handelt schnell. Am nächsten Tag stehen fünf Leute mit Suchgeräten im Vorgarten. Sofort alarmiere ich den Hauseigentümer, der seit fünf Jahren für die Reparatur des bei Bauarbeiten gekappten Telefonkabels kämpft und mir seinen entsprechend umfangreichen Ordner zeigt. Er weist den Fünfer-Trupp auf die betreffende Stelle vor dem Haus hin. Einer buddelt, vier schauen zu. In wenigen Minuten ist das defekte Kabel gefunden und repariert. Zwei Stunden später funktioniert mein Internet.

Jetzt kann ich nach fünf Wochen meine ersten Eindrücke auch per E-Mail schildern: Montenegro, Land in der Entwicklung nach schwieriger Vergangenheit: 500 Jahre unter Türkenjoch, Jahrzehnte unter jugoslawischem Kommunismus, in den 90er Jahren von den Balkankonflikten betroffen. Als säbelschwingende Haudegen gegen die Türken gefürchtet, leben sie heute friedlich zusammen: Montenegriner, Serben, Kroaten, Bosnier und Albaner. Und auch die verschiedenen religiösen Gruppierungen vertragen sich: Orthodoxe (serbische und montenegrinische), Katholiken, Muslime. Montenegro, ein kleines, aber wichtiges Land mit stabilisierendem Einfluss auf die gesamte Balkanregion. Hoffentlich bleibt mir noch Zeit, per Segelboot die Küste zu erkunden.

Kb Elmar Bordfeld lebt zur Zeit in Montenegro
Kloster Ostrog zu dem Pilger aus dem ganzen Balkan strömen
Olivenfest in der Stadt Bar
Serbisch-orthodoxe Auferstehungskirche
Hotelinsel Sveti Stefan an der Adriaküste Montenegros
Seitenarm des Skodersees
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