Festschrift 1985

    Festschrift: 1885 - 1985 - Geschichte und Geschichten

    1.       Statt eines Vorwortes.

    2.       Wo ist unser Archiv?.

    3.       Weiter auf der Suche.

    4.       Entrümpelung.

    5.       KV-Familie.

    6.       Keilarbeit.

    7.       Auf Gegenseitigkeit.

    8.       Über die Gründung des AHZ.

    9.       Der AHZ um die Jahrhundertwende.

    10.     Die Zeit zwischen den Kriegen.

    11.     Reaktivierung nach 1945.

    12.     AHZ "Drei Hasen".

    13.     Zur 75-Jahrfeier.

    14.     Höhepunkte.

    15.     Mitgliederentwicklung.

    16.     Ferienzirkel "Vagantia".

    17.     Vorstände.

    18.     Die "Drei-Hasen-Story".

    19.     Veranstaltungsprogramme.

    20.     Dank.

    21.     Anhänge.

    Verzeichnis der Kb, die seit Kriegsende dem K. V. Altherrenzirkel Paderborn angehören bzw. angehört haben (Stand September 1985)

    Mitgliederliste KV-Altherrenzirkel "Drei Hasen" (Stand September 1985)

    Verzeichnis der in der "Vagantia" aktiven Kartellbrüder (Ostern 1959)

    Vorstand.

     

    1.   Statt eines Vorwortes

    Der Tag des 100. Geburtstages kommt üblicherweise nicht überraschend: bei der Spezies "Mensch" zumindest nicht, bei juristischen Personen, bei Körperschaften, Vereinen usw. kann das anders sein. Unser AHZ liefert dafür ein Beispiel.

    Im Spätherbst 1984 feierte der CV-Philisterzirkel in Paderborn das 100jährige Bestehen. Es lag nahe, die Frage nach dem, Alter für den Schwesterverband zu stellen. Achselzucken. - Gibt es bei uns ein Archiv? Nein! Beim Verband muß aber doch ein Archiv bestehen.

    Anfragen! Warten! Dann die Antwort

    "Lieber Kartellbruder ... !

    Wie angekündigt, bin ich der Entstehung des Zirkels Paderborn inzwischen nachgegangen und habe dabei festgestellt, daß er Anfang 1885 entstanden ist. In der Anlage füge ich den entsprechenden Beleg aus dem "Korrespondenzblatt, Nr. 43, Berlin 1885, bei.

    Ich bleibe mit den besten kartellbrüderlichen Grüßen Dein

    W. Löhr"

    213

    Anzeigen von Philisterzirkeln und Ferienkommersen

    In Paderborn hat sich ein Philisterzirkel aufgethan, derselbe hält allmonatlich eine Versammlung und zwar am ersten Dienstag im Monat in einem Raume des Paderborner Bürgervereins. An jedem anderen Dienstag sind ebenfalls daselbst Philister zu finden. Die Geschäfte des Zirkels führt als Vorsitzender Gymnasiallehrer Dr. Enk, als Stellvertreter prakt. Arzt Schlüter.

     

    Der AHZ hat in diesem Jahr Geburtstag! Hatte das denn wirklich niemand gewußt? Bei einigen hätte es bei der Frage nach dem Gründungsjahr des KV in Paderborn "klingeln" müssen, Sie werden sehen warum. Was machen? Das Datum verschweigen? Nicht schön! Eine große Feier? Aus organisatorischen Gründen nicht mehr durchführbar. Festschrift? Kein Material vorhanden! Beschluß: kleine "familiäre Feier", ein "Festgottesdienst" und ein "akademischer Festakt" im Rathaus. Damit ist den Prinzipien: religio, scientia et amicitia Rechnung getragen.

    2.   Wo ist unser Archiv?

    Man kann doch nicht das 100jährige Jubiläum feiern, ohne etwas mehr als die obige Notiz zu haben. Was sagen die älteren KbKb? Ich war vor dem Krieg noch nicht in Paderborn; - ich bin erst später dazugestoßen; - ich krieg das nicht mehr genau voreinander; - andere KbKb müssen doch viel mehr darüber wissen; - nach dem Krieg war der Zahnarzt Dr. Kleymann von Anfang an sehr aktiv.

    Das war die heiße Spur. "Lieber Kb Kleymann, was wissen Sie noch über die Zeit vor dem Krieg, und wie hat es wieder angefangen?"

    "Lieber Kb ...

    Als ich im Dezember 1936 nach Paderborn kam, fand ich hier einen blühenden Altherren Philistercirkel vor. Anfang 1937 fand im Westfälischen Hof die letzte Damenveranstaltung statt.

    Wir hatten zu dieser Zeit im Westf. Hof einen eigenen Aufbewahrungsschrank für unsere Akten, Liederbücher und für den eigenen Vollwichs des Philistercirkels, der bei Kneipen auch gebraucht wurde. Ich schätze, daß es im Laufe des Sommers 37 zur Beschlagnahme der gesamten Akten, Liederbücher und sonstigen Utensilien durch die Gestapo gekommen ist und die Zusammenkünfte unter dem Namen KV-Philistercirkel verboten worden sind. Es fanden ab Sommer 37 auch keine Veranstaltungen des Cirkels mehr statt. Als die Gestapo bei unserem Kassierer, dem Kartellbruder Rechtsanwalt Franz Feldmann, erschien und die Kasse eines "kath. Männervereins" beschlagnahmen wollte, gab er zur Antwort, er wisse nichts von einem kath. Männerverein, dessen Kassierer er sein sollte. Die Kasse hat er dann sofort bei den Franziskanerpatres abgegeben.

    Cirkelmitglieder aus dieser Zeit sind:

    Rechtsanwalt Feldmann, Zahnarzt Dr. Breuer, Direktor Tilmann (PESAG), Direktor Lange (PESAG), Fabrikant Fritz Ostermann (Brot), Rechtsanwalt Funke, Zahnarzt Dr. Herzig, Dr. Wiß (Arzt), Bauunternehmer Josef Backhaus, Studienrat Leppelmann, Studienrat Schoppe, Fabrikant Bette aus Delbrück, Amtsgerichtsrat Berkemeier aus Delbrück (später Paderborn), Zahnarzt Dr. Kleymann, Kaufmann Josef Wegener, Dr. med. Fritz Brüning, Studienrat Hans Hesse.

    Als im Jahre ? der KV auf Betreiben der damaligen Regierung das Prinzip Religio strich, trat deswegen Studienrat Schoppe ostentativ aus dem KV aus. Amtsgerichtsrat Marx und der Unterzeichnete haben es dann durch persönliche Rücksprache fertiggebracht, daß Karl Schoppe nach dem Krieg wieder in den KV eingetreten ist. Er war von da ab ein gern gesehener und häufiger Gast am Stammtisch..."

    Damit war immerhin ein Anfang für die weitere Suche nach Unterlagen gegeben.

    3.   Weiter auf der Suche

    Es mußten aber doch wenigstens aus der Zeit nach dem Krieg Unterlagen vorhanden sein. Deshalb der Aufruf im nächsten Rundschreiben an alle:

    "... In diesem Zusammenhang haben wir eine Bitte an alle Kartellbrüder, besonders an die älteren. Alle Bemühungen, weitere Unterlagen über die 100jährige Geschichte zu bekommen, sind bisher fehlgeschlagen. Es ist auch nichts über die Zeit unmittelbar vor dem Krieg vorhanden. Sehen Sie doch bitte Ihre Unterlagen durch oder geben Sie uns Hinweise, an wen wir uns ggf. wenden können...''

    Erste Meldung:

    "Bei mir steht noch eine Kiste auf dem Boden, die ich von meinem Amtsvorgänger übernommen habe. Die Unterlagen aus meiner Amtszeit habe ich weitergegeben. Diese Kiste habe ich ganz vergessen."

    An wen weitergegeben, was ist dort noch vorhanden usw.? Zwei "große Kisten" - so wird der verschwundene Schatz beschrieben -. Wer ordnet Sie? Keine Zeit! Keine Ader dafür! Später vielleicht ...

    Was macht man als Vorsitzender, wenn man mit leeren Händen - besser mit leeren Blättern - zur Begrüßung auf die Jubiläumsfeier geht? Alle Akten, Kisten usw. zusammenholen - mal sehen, wie viele Kisten es sind und was darin steckt.

    4.   Entrümpelung

    So viel Staub kann man nicht ins Haus holen. Das Wetter ist gut - die zuoberst stehende Kiste kommt mit in den Garten. Ein Umschlag vom Verband - 100 Rundschreiben, die offensichtlich nicht verteilt worden sind. Nochmals Verbandsrundschreiben, Stellengesuche, KV- und andere Gerichtsordnungen (ein Jurist war Vorsitzender!) usw. usw. Dann ein Schnellhefter mit Schriftwechsel aus den 50er Jahren. Jetzt wird es spannend, die Akten lassen mich nicht mehr los. Die Metallteile der Schnellhefter, die Büroklammern - alles ist verrostet. Die Akten müssen umgeheftet werden - dabei können sie auch gleichzeitig chronologisch geordnet werden.

    Alles kann nicht aufbewahrt werden. Ballast muß verschwinden. Manchmal tut es weh - aber die Familienanzeigen sind sicher unvollständig, die gut numerierten Verbandsmitteilungen ganz offensichtlich. Also, alles auf den AHZ konzentrieren. Sollte ein Historiker später die "Restakten" unter anderen Aspekten auswerten wollen und diese Art der "Konzentrierung" für Vandalismus halten, muß er sich mit der nachfolgenden Schilderung des persönlichen Eindrucks des Ordnenden zufrieden geben. Eines kann versichert werden, es ist kein Blatt weggeworfen worden, das nicht auf Informationen hin geprüft worden ist.

    5.   KV-Familie

    Beeindruckend ist es schon, wie stark der Altherrenzirkel sich in den ersten Nachkriegsjahren als Familie zeigte. (Das Wort "KV-Familie" habe ich, genauso wie die Anrede "Kartellschwestern" nie besonders geliebt. Vielleicht denke ich künftig anders darüber.) Verlobung, Hochzeit, Geburtstag des Kindes, Verlobung des Sohnes/der Tochter, Hochzeit des .../..., alles wird dem Vorsitzenden, dem Philistersenior angezeigt. Dieser gratuliert und artig folgt die Danksagung. Im Trauerfall fehlt nicht der Kranz. Auch die Beförderung vom Rat zum Oberrat wird im Rundschreiben mitgeteilt.

    Man merkt, das Telefon ist nicht selbstverständlich. Auf kleinen Zetteln meldet man sich für die nächste Veranstaltung an oder ab. Aus dem Urlaub kommen Ansichtskarten, natürlich in schwarz/weiß, aber "bei strahlendem Sonnenschein geschrieben". Schade daß auch diese Karten nicht mehr brauchbar sind. Auf der langen Reise der Kisten hat ein Briefmarkensammler zugeschlagen, großzügig ist um die Briefmarken herumgeschnitten worden.

    6.   Keilarbeit

    Fleißig waren sie auch, unsere Alten Herren nach dem Krieg. Die Keilarbeit wurde ernsthaft betrieben. Die Herren Ober-/Studienräte und -direktoren besorgten eifrig die Anschriften der Abiturienten. Damals gab es eben noch keinen Datenschutz.

    Dann konnte die Keilkneipe angesetzt werden.

    "Lieber Abiturient!

    Der KV-Philisterzirkel Paderborn gibt sich die Ehre, Sie zu der am ... um 20.15 Uhr bei Kirchmeyer (Westernmauer) stattfindenden

    K e i l k n e i p e

    herzlichst einzuladen. Wir würden uns freuen, wenn Sie unserer Einladung Folge leisten würden.

    Zusagen erbeten an den Unterzeichneten.

    Mit freundlichem Gruß

    Amtsgerichtsrat"

    Welcher AH betreut am Keilabend wen? Was will der junge Mann studieren? Wie lautet die Semesteranschrift? "Einem sehr verehrlichen KStV ... in ..." wird mitgeteilt: "Der Abiturient ... beabsichtigt an der dortigen Universität/Hochschule zu studieren. Der junge Mann ist ordentlich, fleißig, kommt aus gutem Hause, Vater ist ... und aktiver KVer, CVer(!)." Die Antwort läßt nicht lange auf sich warten. "Sehr geehrter Herr Amtsgerichtsrat, lieber alter Herr. Wir beehren uns mitzuteilen, daß auf Beschluß des BC Herr ... rezipiert wurde ..." Das Verfahren funktionierte.

    7.   Auf Gegenseitigkeit

    Es überrascht, Seite um Seite Stellenanzeigen vom Verband zu finden. Interessant sind aber auch die Recherchen, die an Ort und Stelle angestellt werden. Wo wird eine Stelle frei? Ist ein geeigneter Nachfolger am Ort? Nachfrage bei einem Bb oder einem gutbekannten Kb, ob der einen geeigneten Kandidaten kenne. Wenn das erfolglos ist, Hinweise an die zuständige Zentralstelle beim Verband. Die Anfragen der KV-Aspiranten für die angesprochene Position werden säuberlich beantwortet, den Entscheidungsträgern entsprechende Hinweise gegeben. Zugegeben, für heute ein ungewöhnliches Verfahren. jedesmal klappte es auch nicht. Aber vielleicht war es nicht schlecht, man wußte, wen man sich in die Stadt holte.

    Die Art und Weise wie man sich half, war vielseitig und vielschichtig. Die KbKb halfen sich gegenseitig bei der Erstellung ihrer Häuser. Es wurden Vortragsreisen, die ja noch sehr anstrengend waren, für KbKb aus dem gesamten Bundesgebiet organisiert, usw., usw. Über die meisten Hilfeleistungen, die insbesondere in den ersten Jahren nach dem Krieg erbracht wurden, gibt es keine Schriftstücke. Steht aber ein runder Geburtstag an, dann spürt man doch die Dankbarkeit derer, denen damals geholfen wurde.

    8.   Über die Gründung des AHZ

    Amtsgerichtsrat Ferdinand Marx, langjähriger Vorsitzender des AHZ nach 1945, hat sich bereits 1952 intensiv um Daten und Fakten über die Gründung bemüht.

    "Lieber Kartellbruder Krabus!

    ... Wir möchten gern etwas über die Anfänge unseres Cirkels in Erfahrung bringen. Hier weiß niemand etwas davon... Oder wissen Sie sonst eine Gelegenheit, etwas darüber in Erfahrung zu bringen? ...

    Mit dem besten Dank für Ihre Bemühungen und m. B. u. H.

    Ihr ..."

    Das Problem - das wurde bei Sichtung der alten Akten deutlich - bestand darin, daß durch das NS-Regime und durch den Krieg das gesamte KV-Archiv verlorengegangen war. Mühsam mußte die Sammlung wieder aufgebaut werden. Entsprechend fiel die Antwort aus.

    "Lieber Kartellbruder!

    Indem ich den Empfang Ihres Schreibens vom 4. cr. bestätige, bedaure ich, Ihnen im Augenblicke nicht helfen zu können, weil mir momentan nicht alle Jahrgänge der AM zur Verfügung stehen. Sobald die fehlenden (von mir z. T. verliehenen) Jahrgänge zur Stelle sind, werde ich nicht versäumen, Ihrer Bitte zu entsprechen.

    In denjenigen Jahrgängen, die sich hier in der Redaktion befinden, habe ich nachgesehen und leider nichts gefunden, was Auskunft geben könnte über die Anfänge und die Geschichte des Paderborner Altherrenzirkels. In den Sammelbänden der Jahre 1903, 1904, 1905, 1909 finden sich zwar Notizen über Veranstaltungen des "Paderborner Philisterzirkels", doch ohne Angaben über die Gründung und Vergangenheit desselben.

    Wenn meine außergewöhnlich stark in Anspruch genommene Zeit es mir nur eben erlaubt, werde ich jedoch nach dem 22. d. M. versuchen, in Beckum beim KV-Sekretariat die älteren Jahresbände selbst daraufhin durchzusehen, ob ich etwas Wesentliches vom AHZ-Paderborn entdecken kann.

    M. B. u. H.
    Ihr
    Fritz Krabus"

    Im Nachgang zu diesem Schreiben erhielt Marx etwas später noch weitere Hinweise.

    "Lieber Kartellbruder Marx!

    Nachdem ich nun endlich im Besitz sämtlicher Jahrgänge der "AM" bin, habe ich mich gerne der Mühe unterzogen, nach dem Gründungsdatum des Paderborner AHZ zu fahnden. Aber, um das vorweg zu sagen: völlige Klarheit habe ich nicht schaffen können. Nach einer Notiz müßte das Geburtsdatum des AHZ-Paderborn der 5. Dezember des Jahres ? sein, jedenfalls muß das wirkliche Gründungsdatum vor dem 5. 12. 1888 liegen.

    In den AM vom 15. Dezember 1890 nämlich heißt es (3. Jahrg., Nr. 3, S. 59): "Nach etwa zweijähriger Pause haben wir" - gemeint ist der Paderborner AHZ - "auch in der Paderstadt wieder unsern Philisterzirkel..."

    Eine gewisse Ergänzung zu dieser Notiz gibt ein Bericht des Paderborner Philisterzirkels (AM, 13. Jahrg., Nr. 4, 25. Januar 1901, S. 83), in dem es heißt: "Am 5. Dezember v. J. waren zehn Jahre seit der Neugründung des Paderborner Philisterzirkels verflossen. Am Abend dieses Tages ..."

    Ein sicheres Gründungsdatum des Paderb. AHZ wird wohl, wenn überhaupt, nur anhand der "Korrespondenzblätter" (= Verbandsorgan vor den ab Nov. 1888 erscheinenden "AM") möglich sein. Leider bin ich bis heute nicht im Besitz derselben.

    M. B. u. H.
    Ihr
    Fritz Krabus"

     

    Marx gab sich mit diesen Antworten aber nicht zufrieden, er bohrte weiter, jedoch ohne Ergebnis.

    "Lieber Kartellbruder Marx!

    Aufrichtig bedauere ich es, daß ich Ihnen auf Ihren Brief vom 19.4.53 heute noch keinen günstigen bzw. positiven Bescheid zu geben vermag. Es liegen nämlich bis jetzt nur die "Korrespondenzblätter" bis zum Jahre 1877 vor; ich habe dieselben sorgfältig durchgesehen, aber leider nichts gefunden. Hoffentlich aber gehen demnächst auch noch die Jahrgänge 1878-1888 der Korrespondenzblätter bei mir ein! Dann wäre es mir sicherlich sehr recht, wenn Sie herkommen und sich Auszüge machen wollten.

    In der Hoffnung, Ihnen bald eine dementsprechende Nachricht erteilen zu können, grüßt Sie recht freundlich

    Ihr Fritz Krabus"

    Aber auch die "alten Hasen" konnten nach dem Krieg nur noch wenig über die Vergangenheit des Zirkels sagen. Ein handschriftlicher Bericht ohne Datum und Verfasser - er ist mit ziemlicher Sicherheit vom Amtsgerichtsrat Berkemeier etwa 1952 verfaßt worden - gibt einen Einblick, den man unserem AHZ nicht vorenthalten sollte.

    "Von einem Gründungstermin ist mir nichts bekannt.

    Ich nehme aber an, dass der Philisterzirkel schon vor 1900 bestand. Jedenfalls ist er bei mir 1898 keilend nicht in Erscheinung getreten. Im Jahre 1902 kam ich mit dem Philisterzirkel zuerst in Berührung. Er tagte damals im oberen Sälchen bei Lengeling, jetzt Burgard. Wir KV-Referendare waren eifrige Besucher, da wir uns vorgenommen hatten, die verkalkten Philister - ein Euck, Pitzeol, Dr. Rieke - mal etwas lebendig zu machen und zu singen, was die alten Böcke schon verlernt hatten. Die Devise, die über dem Philisterzirkel schwebte, war: "Lass mich in Ruh". Wir jungen Referendare sagten uns, der Vorsitzende Rieke passe nicht zum Vorsitz. Es wurde beschlossen, eine Generalversammlung abzuhalten, auf welcher ein neuer Vorsitz gewählt werden sollte. Da aber am Tage der Generalversammlung noch weniger Leute da waren, als vorher, haben wir die Sache schwimmen lassen.

    Aus meiner Referendarzeit 1902, 03, 04 erinnere ich mich nur der Feste, die wir zusammen mit dem Philisterzirkel Nethegau vom Stapel ließen. Vor mir liegt noch eine photographische Aufnahme aus August 1904 im Kurgarten in Driburg, auf der 78 Damen und Herren stehen. Diese Feste, die teils in Driburg, teils in Brakel stattfanden, waren sehr harmonisch und ulkvoll. In Brakel machten wir gelegentlich Gänseessen. RA. Sierp sorgte für den nötigen Humor und Betrieb.

    Allgemein beliebt war der Pfingstdienstagsausflug nach Karlshafen. In Höxter trafen wir mit dem Nethegau zusammen. Um 11,00 Uhr fuhr der Dampfer ab nach Karlshafen. Auf dem Dampfer konnte man damals prima zu Mittag speisen. Gegen 1 - 2 Uhr war der Dampfer in Karlshafen. Gemütlich wurde zur Krukenburg gebummelt, wo gemeinschaftliches Kaffeetrinken war. Gegen 5,00 Uhr waren wir wieder in der Stadt und machten Kommers bis 12,00 - 1,00 Uhr nachts. Eine gemütlichere und fidelere Stimmung habe ich selten gefunden. Der letzte Lumpensammler führte uns auseinander. Einmal haben wir sogar 1 - 1½Stunden in Ottbergen auf Anschluss warten müssen. Gern denke ich an diese Tagungen zurück. Diese bestanden noch 1927, 28. Mit dem verfl. Autorummel ist auch diese schöne Tradition geschwunden. Früher freuten sich die Leute nach den Feiertagen auf den Ausflug. Jetzt gondelt man Pfingsten per Auto los, verzehrt sein Geld und kann nicht mehr nach Karlshafen. Sic transit gloria academiae.

    1904 ging ich von Paderborn fort und kam 1921 endgültig wieder. In der Zwischenzeit ist mir der Philisterzirkel nicht in Erinnerung. 1921 übernahm ich den Vorsitz als Nachfolger von Schwiete. Wir tagten damals bei Goertz am Domplatz. Nur ungern habe ich bei der bekannten Paderborner Schlafmützerei den Vorsitz übernommen, zumal ich schon 9 Jahre Vorsitzender in Bottrop gewesen war, wo die Sache gut klappte, ich aber auch wie die Gänseliesel hinter den Leuten her war. Es war schwer, den Zirkel durch die Inflationsjahre hindurch zu bringen und mir fehlte häufig der Mut! Geld war rar, Bier war schlecht usw., Unterstützung hatte man auch nicht. Ich habe dann noch bis 1925 ausgehalten und war heilfroh, als ich den Posten los war. Wer mein Nachfolger war, weiß ich nicht mehr. Ich glaube: Ammer. In dieser Zeit hielten wir treu zusammen mit Nethegau, desgl. mit Teutoburg. Es war auch unter meiner Präsidentenschaft, als die Teutoburg offiziell als Verein sich konstituieren sollte. Alles war vorbereitet, die näheren Kartellvereine waren benachrichtigt, der Saal bei Löffelmann bestellt, desgl. morgens 9,00 Uhr Hochamt. Da platzte Sr. Excellenz der Bischof dazwischen: Verein als solcher verboten. Das Hochamt haben wir trotzdem gehalten und am Schluss spielte der Orgelmann: "0, mein Christ, lass Gott nur walten", was wir mit stärksten Männerkehlen gesungen haben. Und es stieg am Abend ein Kommers, wie man ihn selten erlebt hatte.

    Die Gegner hatten das Gegenteil erreicht. Der Bischof zitierte mich am selben Morgen nach dem Hochamt und entschuldigte sich in längerer Darlegung. Was sollte ich anders tun, als seine Gründe anerkennen. Als stiller Verein blieb Teutoburg und wir Philister haben an mancher Kneipe in Neuhaus teilgenommen, wo es fidel herging. Selbst an das Biertrinken um 4,00 Uhr hatte man sich gewöhnt. Der Dompastor Gabriel bezahlte immer die Rückfahrt. Mit Vergnügen wurde immer das Lied von der ... gesungen!

    Eines Mannes muss ich noch gedenken, der trotz seines hohen Alters auf keiner Kneipe fehlte und immer der erste war: unser lieber geistl. Seminardirektor Göpper, der bei Ostermanns als Pensionär wohnte, ein Siebziger und mehr an Jahren, von Herzen ein Kind in des Wortes schönster Bedeutung. Was hat der alte Herr uns für Mimiken vorgezaubert, da ist Kleymann ein Waisenkind gegen, und das alles mit Humor und Würde. Dieser liebe Mensch war früher als Kaplan in Delbrück und hat mich auf den Knien geschaukelt. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich 1925 ihm die Grabrede halten sollte. R.i.p.! Wenn alle KVer für 1/10 Begeisterung hätten wie Göpper, dann stände es glänzend um uns. Ich habe ihn den faulen Köppen häufig als leuchtendes Beispiel vor Augen gestellt. Da das Bier in den Jahren meines Vorsitzes schlecht war, hat uns Clemens Schlüter manchmal mit zu seiner Bude genommen und uns mit aus Hagebutten selbst fabriziertem Wein gelabt.

    So! nun mag Tilmann, der in einer bewegteren Zeit den Vorsitz übernommen hat, weiter pruseln."

    Auch in den folgenden Jahren konnte keine Klärung über das eigentliche Gründungsjahr erzielt werden. Der Schriftleiter der AM, Kb Schumacher, schreibt am 07.11.56:

    "... Wie ich jetzt feststelle, sind die "Correspondenzblätter" im KV-Archiv leider nicht vollständig; von den in Frage kommenden sind vorhanden

    Nr. 36 Dezember 1881
    Nr. 40 Dezember 1883
    Nr. 41 Juni 1884
    Nr. 42 Dezember 1884

    Eine Durchsicht dieser vier Hefte hat ergeben, daß keinerlei Nachrichten über den Altherrenzirkel Paderborn darin enthalten sind.

    M. B. u. H.

    Ihr Jos. Schumacher"

    Auch 1958 ist keine Klarheit zu gewinnen. Am 6. Januar 1958 schreibt Kb Marx an Rechtsanwalt Dr. Popp in Würzburg:

    "... Seit längerer Zeit bemühe ich mich vergeblich, zu ergründen, wann unser Zirkel überhaupt gegründet wurde.

    Nun wende ich mich an Sie - als die letzte Möglichkeit - mit der Anfrage, ob es Ihnen möglich ist, im KV-Archiv mal selbst oder durch einen geeigneten Aktiven darüber Nachforschungen anzustellen, wann der Zirkel gegründet wurde..."

    Die Antwort von Dr. Popp am 28. Januar fällt so aus, wie andere in den Jahren zuvor.

     

    Seitdem sind viele Jahre vergangen. Der oben angegebene Schriftwechsel war in Vergessenheit geraten. Die Lektüre aber macht deutlich, wieviel und wie mühsam alles nach dem verheerenden Krieg wieder beschafft werden mußte. Inzwischen ist das KV-Archiv immer weiter vervollständigt. Jetzt ist erstmals eine exakte Angabe möglich. Der AHZ kann das Jahr 1885 verbindlich als Gründungsjahr ansehen.

    Zur Zeit der Gründung unseres Altherrenzirkels bestanden 22 KV-Vereine. In den Korrespondenzblättern von 1884 sind unter diesen Vereinen folgende AH ausgewiesen, die ihren Wohnsitz in Paderborn hatten:

    Altstädt, Bischöflicher Kaplan

    Kotthoff, Gymnasiallehrer

    Block, Referendar

    Köhr, Regierungsbaumeister

    Brand, Gymnasiallehrer

    Rickmann, Arzt

    Dierkes, Dr. med.

    Rintelen, Referendar

    Dierkes, Referendar

    Schrob, Referendar

    Everken, Rechtsanwalt

    Schlüter, z.Z. Arzt in P'b.

    Enk, Dr., Gymnasiallehrer

    Schunk, Gymnasiallehrer

    Hüffer, Dr. jur., Assessor

    Werny, Gutsbes. Eggeringh.

    Hüffer, Oberförster

    Wetzel, Gymnasiallehrer

    Kleffner, Kandidat am Gymnasium

    Wiemers, Referendar

    Köppner, Vikar

    Wüseke, Dr. phil., Kandidat

     

    Die aufgeführten AH können also mit Recht als Gründungsphilister angesehen werden.

    9.   Der AHZ um die Jahrhundertwende

    Der Bericht von Berkemeier gibt einen anschaulichen Einblick in das Zirkelleben um die Jahrhundertwende. Aber auch die Berichte in den AM, die im Verbandsarchiv Mönchengladbach aufbewahrt sind, führen uns die "Alten Zeiten" lebendig vor Augen. Der "Chronist" hat für Sie einen Auszug zusammengestellt.

    A K A D E M I S C H E   M O N A T S B L Ä T T E R

     

    Nr. 3, S. 49 v. 1889

    Lippstädter Philisterzirkel. Eine halbe Stunde nördlich von Lippstadt, unweit des altehrwürdigen von der Fehme geheiligten „Freistuhles“, recht mitten im Lande der „Bruktrerföhren",

    „Wo die Menschen Holzschuh tragen
    Und von schwarzem Brot sich nähren“

    und Umgegend als Westfalens Herz für unsere Sache von besonderer Wichtigkeit. Zu den Haupteigenschaften des Westfalen gehören die Vorsicht, mit welcher er erst Neuerungen fern bleibt, und die Zähigkeit, mit der er sie festhält, wenn er sie einmal für gut und nützlich erkannt hat. - Philisterzirkel und Ferienkommerse unseres Verbandes sind Schöpfungen der letzten beiden bezw. des letzten Jahrzehntes. Mit Aufmerksamkeit verfolgten wir gleich von Anfang an diese Einrichtungen in Münster und dem benachbarten Paderborn; aber erst vor drei Jahren wurde beschlossen: Von jetzt an wird auch in Lippstadt ein jährlicher Ferienkommers abgehalten. Der gesteigerte Besuch desselben von 40 auf 50 und dieses Jahr auf 60 Teilnehmer beweist die obige Behauptung vom zähen Festhalten am einmal Erfassten. Eine Frucht des letzten Ferienkommerses ist endlich die Bildung eines Philisterzirkels für Lippstadt und Umgegend, der am 23. Okt. d. J. gegründet wurde und bezweckt: „Erhaltung und Befestigung des auf die Verband …

    Nr. 1, S. 11 v. 1892

    Ferienkommers zu Paderborn. Der 4. August versammelte eine stattliche Anzahl von A.H.A.H., Aktiven und zahlreichen Gästen im „Weißen Saale" (Hotel Lengeling) zur Feier eines Ferienkommerses.' Über 80 Teilnehmer hatten sich eingefunden, was um so höher anzuschlagen ist, als wir in diesem Jahre unseren ersten Ferienkommers in der Paderstadt abhielten. Gleich beim Beginne des offiziellen Teiles zeigte sich jene ungezwungene Gemütlichkeit, welche unseren Zusammenkünften eigen ist. Das Präsidium führte cand. theol. Aug. Habbel, während die Contrapräsidien von unseren l. stud. arch. Haggeney und stud. arch. Ahlemeyer verwaltet wurden. Sehr geschmackvoll nahm sich der neue Vollwichs aus, den uns die Gothia in der zuvorkommendsten Weise zur Verfügung gestellt hatte. Die Musik wurde ausgeführt von einem Teile der hiesigen Husarenkapelle. Nach einer kurzen Begrüßung seitens des Präsidiums, welche von dem Mitbegründer der Alamannia, Herrn Gymnasiallehrer Dr. Kehlmann, in begeisterten, jugendfrischen Worten erwidert wurde, und nach Verlesung der zahlreich eingelaufenen Telegramme hielt cand. theol. Nolte eine tiefdurchdachte, inhaltreiche Rede auf Papst und Kaiser. Die Kartellrede, voll feuriger Begeisterung von cand. theol. B. Killing gehalten, wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Bei dem hierauf folgenden Kartell-Salamander zeigte es sich, dass 16 Vereine vertreten waren. Die Begeisterung stieg aufs höchste, als die ganze Corona auf das jüngste Kartellschwesterlein Rhenania rieb. Einer herrlichen Mimik folgte die Bem'sche Bierzeitung, eigenartig und schön, wie es des Verfassers Name schon verbürgt. So verrann Stunde auf Stunde, und als nach zwölf Uhr der offizielle Teil endete, fing unter dem Vorsitze eines altbewährten Philisters eine urgemütliche attische Kneipe an, welche, gewürzt durch ulkige Bierreden und Mimiken, bis zum nahen Sonnenaufgang währte.

    Der folgende Tag versammelte nochmals eine große Zahl der Festteilnehmer zu einem originellen Frühschoppen und Nachmittags-Ausfluge zur nahen Warthe.

    Wir schließen mit dem Wunsch: es möge der Ferienkommers in Paderborn kein Jahr mehr unterbleiben und immer gedeihen im Interesse des Kartellverbandes.

    Nr. 3, S. 59 v. 1890,

    Paderborn. Nach etwa zweijähriger Pause haben wir auch in der Paderstadt wieder unsern Philisterzirkel; die Erneuerung desselben verdanken wir der tatkräftigen Anregung des Philisters Dr. med. Rieke. Der Philisterzirkel wird in seinen geselligen Vereinigungen, welche an dem ersten und dritten Montage jedes Monats im Weißen Saale des Hote1 "Westfälischer Hof" (A. Lengeling) stattfinden, auch den hier weilenden Aktiven des Verbandes, namentlich den zahlreichen Kartellbrüdern, welche die hiesige bischöfliche Lehranstalt besuchen, einigen Ersatz für das Vereinsleben bieten. Die erste Kneipe, am 1. Dezember nahm einen äußerst befriedigenden Verlauf, indem sie sich, bei einer Anzahl von über 60 Teilnehmern, zu einem solennen Kommerse entwickelte. Mit besonderer Freude wurde dabei die Anwesenheit des verdienten Mitgliedes des Lippstädte Philisterzirkels, Gymnasiallehrers Franz Kersting, begrüßt, der zur Teilnahme an unserm Feste aus der Nachbarstadt herübergeeilt war; in zündenden Worten wußte derselbe auf die Bedeutung der Philisterzirkel, überhaupt auf die Notwendigkeit eines engern Anschlusses unter den Verbandsphilistern hinzuweisen. - Die Adresse des Philisterzirkels ist bis auf weiteres: Dr. med. Rieke, Kampstraße.     H.

    KV-Jahrbuch 1893, S. 141 Ortsverzeichnis der Philister.

    Paderborn. F. Altstädt, B. Blasum, F. Brüggemann, H. Brüning, Th. Cruse, F. Döneke, Jos. Dufhus, A. Enck, Paul Everken, B. Föcking, Th. Harssewinckel, Karl Hermesmeier, W. Kotthoff, Fr. Krömeke, B. Kuhlmann, W. Niehues, L. Peters, H. Reismann, A. Rieke, P. Rieländer, Fr. Tenckhoff, E. Unkraut, B. Uppenkamp, K. R. Volmcr, A. Wiemers.

     

    Nr. 4, S. 83/84 v. 1901

    Paderborner Philisterzirkel. Am 5. Dez. v. J. waren zehn Jahre seit der Neugründung des Paderborner Philisterzirkels verflossen. Am Abende dieses Tages fanden sich daher die Paderborner A. H. A. H. in stattlicher Anzahl im Westfälischen Hofe zusammen, um den Tag in herkömmlicher Weise festlich zu begehen.

    Der Vorsitzende, Herr Dr. med. Rieke, brachte als erster ein Hoch auf das Wohl des Geburtstagskindes aus, das nach den Jahren einer schwächlichen Kindheit sich jetzt zu einem kräftigen und lebensvollen Jünglinge entwickelt habe.

    Auch ein Geburtstagsgeschenk war eingetroffen - ein prächtiger Schrank, der eine Zierde des Versammlungslokales bildet, und in dem sich die gleichfalls neu beschafften Kommersbücher gar stattlich ausnehmen. Herrn Stadler, dessen Freigebigkeit und Interesse der Philisterzirkel das schmucke Möbel besonders verdankt, sei hier nochmals der Dank des Philisterzirkels ausgesprochen.

    Im weiteren Verlaufe feierte Herr Oberlehrer Dr. Tenckhoff eines der Mitglieder, dem der Paderborner Philisterzirkel nicht am wenigsten seine jetzige Blüte verdankt - Herrn Referendar Haggeney, der unermüdlich bestrebt gewesen, den Philisterzirkel und den Verband überhaupt in Paderborn zu fördern. Die Korona bekundete ihm ihre Anerkennung und ihren Dank durch ein begeistertes Hoch, in dem sich zugleich ihr Bedauern ausdrückte, ein so fähiges Mitglied fortan missen zu müssen, da Herr Referendar Haggeney demnächst Paderborn verlässt.

    Letzterer wollte in seiner Erwiderung vor allem für das Gedeihen des Philisterzirkels Herrn Dr. Rieke verantwortlich machen, der ihn seit seinem Entstehen durch hingebendes Wirken gefördert und auf die jetzige Höhe gebracht habe. Ein donnernder, von der Korona auf Herrn Dr. Rieke geriebener Salamander bewies das Einverständnis aller mit dem Redner.

    Als gegen Ende der Kartellsalamander stieg, stellte es sich heraus, daß durch die anwesenden AHAH fast sämtliche Vereine des Verbandes vertreten waren.

    An Stelle des abgehenden Herrn Referendars A. Haggeney wurde zum Schriftführer erwählt Herr Referendar v. Haxthausen.

    Nr. 10, S. 236 v. 1901

    Paderborner Philisterzirkel. Schon seit längerer Zeit ward der Gedanke erwogen, daß es mit Rücksicht auf die große Zahl der hiesigen A. H. - etliche 50 Herren – angebracht sei, neben den Ferienkommersen, die der Pflege des III. Prinzips unter den Verbandsmitgliedern dienen, durch Veranstaltung eines Familienausfluges die Angehörigen derselben einander näher zu bringen und sie durch einen Einblick in das Wesen des Verbandes zu eifrigen Freunden und Förderern derselben zu machen.

    Am 25. Juni wurde dieser Gedanke zur That.

    In erfreulich großer Anzahl fanden sich die Alten Herren mit ihren Damen am Nachmittage bei günstigstem Wetter - das am vorhergehenden Tage und noch am Morgen des 25. herrschende Regenwetter hatte rechtzeitig heiterem Sonnenscheine Platz gemacht, nachdem es Wald und Flur erfrischt hatte - am Bahnhofe ein und dampften ins schöne Eggegebirge nach Driburg. Dort wurde im Kurhotel, wo sich nach und nach auch einige Herren vom Nethegau einfanden, zunächst der übliche Nachmittagskaffee eingenommen. So gestärkt unternahm man einen - der Kürze der Zeit entsprechend - leider nur kurzen Spaziergang in den Rosenberg, Driburgs herrliche Zierde. Darauf vereinte ein kleiner Damenkommers in der reizend am Fuße des Rosenbergs im Grünen liegenden Topfhütte die Teilnehmer in froher Tafelrunde.

    Ein fröhliches Tänzchen bildete nach gemeinsamem Abendessen den Schluß des genußreichen Tages, zu dessen Gelingen die freundlichen Bemühungen des Herrn Dr. Lünnemann in Driburg in dankenswerter Weise erheblich beigetragen hatten.

    Wieder angelangt in Paderborn trennte man sich in dem Bewußtsein, schöne und frohe Stunden im Kreise Gleichgesinnter verlebt zu haben, und mit dem Vorsatze: „Das machen wir noch öfter!"

    Nr. 10, S. 228 v. 1902

    Paderborner Philisterzirkel. Den guten Vorsatz, den wir bei unserem Ausfluge im vorigen Jahre gefaßt hatten, solchen Ausflug noch öfter zu machen, haben wir am 19. Juni ausgeführt. Da es damals allen in Driburg so gut gefallen hatte, zogen wir auch diesmal wieder dahin; denn Driburg ist eine Gegend, die man sich wohl auch zweimal besehen kann. So führte uns das Dampfroß durch das Fegfeuer der von der Sonnenglut überheißen Wege in das Paradies des Eggegebirges, 39 an der Zahl - der 40. war trauernd daheim geblieben, denn sein Herz war, wo sein Schatz war, und sein Schatz war nicht unter uns; darum wollte er nicht herzlos mitfahren. Doch wurde das Loch, das sein Fernbleiben in unseren Reihen gelassen hatte, vielfach gestopft durch einige Nethegauenser, welche so liebenswürdig waren, uns beim Amüsieren zu helfen. Das Programm war dasselbe wie im vorigen Jahre, und es wurde auch ebenso schön durchgeführt; freilich mußten wir diesmal anders herum rechnen: waren im vorigen Jahre die Herren den Damen an Zahl überlegen, so bildete diesmal die holde Weiblichkeit die Majorität. Doch haben sie diese Majorität nicht benutzt zur Opposition gegen die Regierung; nur zuletzt wurde gegen den nach ihrer Meinung allzu frühen Schluß des Tanzens heftig protestiert, und vielleicht hätten einige - unterstützt aus den Reihen der Minorität - sogar den letzten Zug verpaßt, um ihre Opposition durchzuführen; doch gelang es dem schneidigen Vorgehen unseres Vorsitzenden, diese Revolution im Keime zu unterdrücken. Dafür wurde dann, weil alle brav gewesen waren, daheim auf dem Bahnhofe im Wartesaale noch eine kleine Kneipe zum Abgewöhnen gehalten. Man trennte sich mit demselben noch festeren Vorsätze wie im vorigen Jahre: "So ein Ausflug wird fürderhin alle Jahre mindestens einmal gemacht." Einige sollen sich sogar mit dem verwegenen Gedanken eines Rückfalles in nächster Zeit tragen - ein ganz verirrtes Schäflein meinte sogar, man solle allmonatlich statt zweimal Philisterzirkel nur einen solchen und einen Ausflug machen. - Auf das Rundschreiben der Ottonia bezüglich Reduzierung der A. M. entschied sich der Paderborner Philisterzirkel einhellig dahin, daß eine solche Reduzierung der A. M. nicht im Interesse des Verbandes und der einzelnen Mitglieder liege, daß vielmehr eine weitere Entwickelung des wissenschaftlichen Teiles, ohne daß dabei die Ausgestaltung der A. M. zu einer wissenschaftlichen Revue erstrebt werde, wünschenswert sei.

     

    Nr. 12, S. 482 v. 1902

    Paderborner Philisterzirkel. Anläßlich der Konsekration und Inthronisation des hochwürdigsten Herrn Bischofs Dr. Wilhelm Schneider zu Paderborn am 15. August d. J. hatte der „Paderborner Philisterzirkel“ die Angehörigen und Freunde des Verbandes zu einem solennen Kommerse im „Weißen Saale" (Hotel Lengeling) geladen. Der eigentliche Kommers konnte wegen des Fackelzuges, der dem neugeweihten Bischof seitens der Paderborner Bürgerschaft dargebracht wurde, erst spät beginnen. Wenn gegen 10 Uhr noch eine gähnende Leere vorherrschte, so änderte sich dieses Bild doch bald derart, daß mancher, der sich schon darauf gefreut hatte, einen vergnügten Abend im Kreise lieber Kartellbrüder zu verleben, keinen Platz mehr finden konnte. Nicht allein der große Saal war ganz besetzt, sondern auch der daneben liegende kleine Saal. Es waren mehr als 160 Personen anwesend. Das Präsidium führte in schneidiger Weise Herr cand. mach. Ahlen (Goth.). Die beiden Kontrapräsidien waren in den Händen der Herren stud. mach. Bobbert (Goth.) und stud. iur. W. Pape (Brisg., Sax., Balt.) bestens aufgehoben. Gothia hatte in liebenswürdigster Weise zu dem Abend ihren Vollwichs zur Verfügung gestellt, wofür ihr an dieser Stelle der wärmste Dank ausgesprochen wird. Nach der Begrüßungsrede des Präsidiums nahm Hr. Landgerichtspräsident von Schilgen  aus Arnsberg das Wort und pries in wahrhaft zu Herzen gehenden Worten die Prinzipien des Verbandes. Die Papst- und Kaiserrede, welche Herr Referendar von Haxthausen hielt, wurde allerseits beifälligst aufgenommen. Als dritter und letzter Redner erhob sich Herr Generalsekretär Dr. Hille, Mitglied des Reichstages, aus Berlin zur eigentlichen Festrede. Seine markigen, trefflich schönen Worte endigten mit einem urkräftig donnernden Salamander auf den neugeweihten Bischof. Besonders erwähnt zu werden verdient noch die vortreffliche Mimik, welche die Inaktiven des hiesigen Leoninums in freundlichster Weise übernommen hatten. Das Präsidium der Exkneipe übernahm zunächst „der alte Hase" Hr. Oberlehrer Kersting aus Lippstadt, dann Herr Referendar Haggeney. Mancher Salamander wurde noch gerieben, manches Lied gesungen. Der ganze Verlauf des Kommerses hat gezeigt, daß sehr viel Verbandsinteresse in der alten Paderstadt zu finden ist.                                   T.

    Nr. 2, S. 41 v. 1902

    Paderborner Philisterzirkel. Der 8. Okt. versammelte die in Paderborn anwesenden Verbandsangehörigen zu einem feucht fröhlichen Ferienkommerse. Nach dem tadellosen Verlauf dieses Kommerses zu urteilen, scheinen die Herbstferien hier für solche Veranstaltungen günstiger zu sein als die Osterferien. Jedenfalls war das offensichtliche Bestreben jedes einzelnen, sich möglichst gut zu amüsieren, mit bestem Erfolge gekrönt; denn alle Teilnehmer sind sich noch heute darüber einig: 's war halt doch ein schönes Fest! Zur Beruhigung für ängstliche Gemüter sei hinzugesetzt, daß der Nachsatz: „alles wieder voll gewest", hier nicht zutrifft; so weit geht man hier in der Nachahmung des Herrn Ruprecht von der Pfalz nicht. Im übrigen nahm der Kommers den üblichen Verlauf. Reden wurden gehalten und Salamander gerieben. In wehmütiger Erinnerung bleibt wohl allen die von Herrn Garnisonpfarrer Dr. iur. Pahl verzapfte Bierzeitung ob der dabei gelachten Tränen. - Hoffentlich wird der nächstjährige Ferienkommers ebenso schön; vielleicht sogar noch schöner, wenn es möglich sein sollte, sich im Amüsieren noch mehr anzustrengen. Der gute Wille ist ja da!

     

    Nr. 7, S. 143/144 v. 1904

    Paderborner Philisterzirkel. Den stürmischen Tagen der Junirevolution des vergangenen Jahres, in denen man ernstlich mit dem Gedanken umging, unseren Philisterzirkel aufzulösen, sind nun ruhigere, will sagen friedlichere Tage gefolgt. Ruhigere nicht, denn die jetzt wöchentlich stattfindenden Kegelabende und die rege besuchten ordentlichen Versammlungen, die an jedem zweiten Dienstag im Monat stattfinden, zeigen, daß wieder „Leben in die Bude" gekommen ist; das zeigte vor allem auch die Ferienkneipe, die am 15. III. im Neuen Bürgerverein (unserem jetzigen Vereinslokal) unter Leitung unseres Schriftführers stieg. Hr. Oberlehrer Dr. Kuhlmann feierte unseren Verband und wußte mit beredten Worten bei allen Teilnehmern die Begeisterung für unsere hohen Ziele zu wecken und neu zu beleben. Eine gute Grundlage für die fröhliche Stimmung, die bald überall herrschte! Bernhard Stoffen schwang mit jugendlicher Tatkraft und urwüchsigem Humor das Zepter am Fuchsentisch, während der Räuberhauptmann Glunz und – last not least - u. l. Dr. iur. Pahl - wer kennt ihn nicht? - mit seinem „wissenschaftlichen“ Vortrag für die nötige Unterhaltung sorgten.

    Zum Schriftführer wurde neugewählt Hr. Reg.-Baumeister Winkelmann.

    Adresse des Philisterzirkels: Reg.-Baumeister Winkelmann, Neuhäuserstr.

    Nr. 5, S. 118 v. 1905

    Der Paderborner Philisterzirkel feierte sein diesjähriges Stiftungsfest am 6. III. 1904 durch ein Festessen mit anschließendem Kommers. Die Beteiligung war erfreulicherweise recht groß und die Stimmung sehr gut. Es wird dieses hoffentlich ein gutes Omen für die Zukunft sein, für die wir wünschen, daß die Beteiligung au den künftigen Vereinsabenden, und insbesondere an dem demnächst stattfindenden Ferienkommerse, seitens der A. H. A. H. eine zahlreichere sein wird wie bisher.

    Die Prinzipien feierte an dem Festabende in schönen Worten Herr Gymn.-Prof. Dr. theol. B. Kuhlmann. Die Festrede hielt Herr Dr. med. Rieke, der bisherige bewährte Vorsitzende des Philisterzirkels. Derselbe erklärte in seiner Rede, sein Amt nicht mehr weiter führen zu können, da er durch andere Aufgaben zu sehr in Anspruch genommen sei. Wir wählten ihm am 13. Dez. einen Nachfolger in der Person des Herrn Regierungsbaumeisters Winkelmann, dessen reges Interesse eine Bürgschaft dafür sein wird, daß der Philisterzirkel weiterhin blüht und gedeiht.

     

    Nr. 12, S. 256/257 v. 1904

    Kartellfamilienfest der ostwestfälischen Philistervereinigung zu Driburg. Sowohl der Paderborner als der Nethegauer Philisterzirkel hatten in früheren Jahren des öfteren Ausflüge nach Driburg veranstaltet; aber noch niemals war in unserem freundlichen Badeorte eine so glänzende Veranstaltung zustande gekommen, wie das Familienfest am 6. IX. An 90 Personen, Männlein und Weiblein, waren von Paderborn, aus den Kreisen Höxter und Warburg, von Lippstadt und Niedermarsberg nach Driburg geeilt. Das Hauptkontingent stellten der Paderborner Philisterzirkel und der Philisterzirkel Nethegau, letzterer war mit 13 Mitgliedern zu zwei Drittel vertreten. Die Präsenzliste wies 33 Philister, 22 Aktive, 27 Damen und noch mehrere Gäste auf.

    Auf der schönen Veranda des Kurhauses wurde der Kaffee eingenommen; im Anschluß hieran suchten die Teilnehmer den Rosenberg auf und sammelten sich in den schönen Anlagen zu einer photographischen Aufnahme. Um 4½ Uhr begann der Kommers im Kursaale. Das Präsidium lag zunächst in den Händen des Herrn cand. med. Ebmeier (Paderborn), welcher allen Teilnehmern freundliche Begrüßungsworte widmete. Herr Pfarrer Liemke (Sommersett) verstand es, in seiner Prinzipienrede die Aufmerksamkeit der Zuhörer im höchsten Grade zu fesseln durch seine Ausführungen, wie die drei Prinzipien das Leben des Studenten und Philisters beeinflussen und wie sie von denselben praktisch betätigt werden sollen.

    Herr Regierungsbauführer Steffen widmete sein Hoch den Damen. Anknüpfend an die gleichzeitig erfolgte Verlobung u.l. Dr. van Laak und seiner Kais. Hoheit des Kronprinzen brachte Dr. med. Lünnemann (Driburg) das Kaiserhoch aus. Die Herren Gebrüder Rohrbach (Paderborn) sowie Herr Bürgermeister Schriek (Beverungen) boten vorzügliche musikalische Genüsse, während Herr Referendar Wetzel und Herr Schmandt durch vortreffliche Mimiken uns erfreuten. Der Appell u. 1. Herrn Kaplan Heising (Lippstadt), am 26. IX. das Kartellfest in Lippstadt zu besuchen, fand begeisterte Zustimmung.

    Um 7½ Uhr endete der Kommers; nach dem Abendessen wurde zur Polonaise im Kursaal angetreten. Bis 10 Uhr erfreute sich alt und jung bei den Klängen der Driburger Kurkapelle am Tanzen.

    1.             L.

     

    Nr. 10, S. 181 v. 1909

    Der Paderborner Philisterzirkel machte am 24. Juni einen Sommerausflug nach Schloß Holte. Die Beteiligung war für hiesige Verhältnisse eine sehr rege; besondere Sympathie für praktische Verbandsinteressen bewiesen die Damen durch ihr zahlreiches Erscheinen. Am Orte der Tätigkeit angekommen brachte ein guter Kaffee die Unterhaltung in Fluß. Die Berge von Kuchen, die vor dem Präsidium aufgefahren waren und seine einleitende Tätigkeit wohlweislich den Augen der Untertanen entzogen, waren bald in ein Nichts zusammengesunken, als der Vorschlag gemacht wurde, im Walde die nötige Kühlung zu suchen. Zunächst wurde Schloß Holte besichtigt, d. h. nur das äußere Hoftor. Weiteres Eindringen hinderte ein knurrender Cerberus, den selbst alle Anspielungen auf den vorzüglichen Schloßkeller nicht zur Hergabe der Schlüssel zu bewegen vermochten. Enttäuscht wandten wir uns Gottes freier Natur zu, welche durch die Enge der Wege für möglichst gute Ordnung zu zweien sorgte. Vorsichtigerweise wurde nach der Rückkehr vom Spaziergang dem angekündigten Kommers ein alkoholarmer Riegel vorgeschoben; die Damen bevorzugten milde Tropenmischung, die Herren die auf der See bewährte kräftige Originalaufmachung. Unter umsichtiger Leitung des Vorsitzenden mit kräftiger Unterstützung von Frl. Fuchsmajor und Frl. Kontrapräsidium entwickelte sich der Kommers mit Prinzipien-, Damen- und Herrenrede und mit ulkiger Biermimik. Bei dem anschließenden Abendessen, von dessen kulinarischen Genüssen wir soviel als möglich abstrahierten, ereignete sich ein kleiner Unfall, indem eine Holde ihren Finger mit den zarten Wurstscheiben verwechselte. Sofort trat das Rote Kreuz in Aktion. Kunstgemäß, wenn auch mit einer gewissen Umständlichkeit, wurde ein Verband angelegt. Aber besser als des Apothekers Pflästerlein saß seine schöne Rede. Im Walde schon hatte er mit Waidmannslust den Damen ein Ästlein gebrochen, an dem der Bock sein Gehörn gefegt, jetzt begeisterten ihn die braunen Lichter des schweißenden Schmalrehes, und er sang ihr Lob in echter Waidmannssprache. Der Antialkoholiker hatte unterdessen das Feld geräumt; als Corpus delicti hinterließ er einen bedeutenden Rest Sinalko, den er nicht mehr zu meistern verstand. Auch einige Herren, die an Podagra und allgemeiner Körperschwäche zu leiden vorgaben, kehrten heim, und die Theologie zog sich bescheiden zurück, als der Vorsitzende den Tanz eröffnete. Doch die Zeit war so kurz. Was Wunder, daß nach dem strammen Parademarsch der Marinesoldaten nach dem Bahnhof hin, im standesgemäßen Abteil 4. Güte bei Geigen- und Flötenklang der Tanz fortgesetzt wurde, bis der Schaffner "Paderborn" rief.

    1.             I.M.

     

    10. Die Zeit zwischen den Kriegen

    Für die Zeit zwischen den beiden Kriegen muß wieder der mehrfach angesprochene Bericht von Berkemeier zitiert werden. Begeisterung über das Zirkelleben klingt auch aus einem Schreiben aus dem Jahr 1949 von Verwaltungsrat Georg Süss, dem Wiederbegründer des KV-Altherrenzirkels Grotenburg in Detmold.

    "... Mit herzlichstem Dank bestätige ich den Eingang Ihres lieben Schreibens vom 14.7.1949, über das ist mich sehr gefreut habe. Mit großem Interesse entnahm ich Ihren Ausführungen, dass der dortige AHZ, dem ich in Jahren 28-31 als Vorstandsmitglied angehört habe, wieder in alter Blüte steht. Gerne erinnere ich mich mit meiner Frau noch der herrlichen Feste, die unser lb. Kb Tilmann und ich arrangiert hatten. Die Beteiligung an den wöchentlichen Zusammenkünften war im allgemeinen nicht sehr groß (20-25 AH) dagegen war die Teilnahme an den Festen sehr gut (100-120 Personen). Ich habe die Hoffnung, dass die alten Verhältnisse bald wieder da sein werden, sobald sich die allgemeine Lage etwas gebessert hat, und der alte KV-Geist wieder erwacht ist..."

    Leider konnten über diesen Zeitabschnitt nur wenige Mitteilungen in den Akademischen Monatsblättern gefunden werden.

    KV-Jahrbuch 1920, S. 522

    Paderborn: Auffemberg F., BartelsCh., BartmannB., BöingJ., Breuer W., Brück H., Brüning H., DettmarH., Dierkes J., Dierkes W., Everken P., Funke J., Goldmann P., Göppner A., Grimmelt B., Hellweg K., Hillenkamp F., Hillenkamp F., Hüffer D., Hüffer G., Hüffer H, Klein K., Krömeke J., Lohmeyer J., Lör F., Mallinckrodt H. von, Matern K., Michels P., Mirsberger O., Mühlenbein J., Mühlhaus O., Niesert F., Predeek A., Reismann H., Rieke A., Rosenberg J., Schlüter K., Schmandt H., Schulte M., Schwiete F., Stadler O., Steimann K., Stracke J., Strake J., Tenckhoff F., Vogt A., Wegener J., Weinand H., Weskamm W.; Westhoff B., Wörtmann K., Zarnitz F.

    FH: Balkenhol E., Brüning F., Brüning F., Brüning H., Dame F., Lüke A., Menke A., Nüthen M., Queling H., Ricken Th., Sauerland F., Schmiemann A., Schoppe K., Schuckmann E. G. v., Schulte F., Schüth H., Wegener E., Wegener K., Wiggen H.

     

    AM 36. Jg. 1923/24, S. 73

    Paderborner Philisterzirkel. Vors.: Landgerichts-Rat Berkemeyer; Schriftführer Apotheker Klemens Schlüter, Ikenberg 10; Kassierer: Kaplan Stracke. Tagung am 1. Mittwoch jeden Monats.

     

     

    AM 41. Jg. 1928/29, S. 204

    Philisterzirkel Paderborn. Der Philisterzirkel Paderborn hat in der Generalversammlung vom 18. Februar zu seinem Vorsitzenden den Regierungsbaumeister a.D. Bernhard Tilmann, Direktor der Paderborner Elektrizitätswerk- und Straßenbahn A.G., Hermann Kirchhoffstr. 1, gewählt. Der übrige Vorstand besteht nach wie vor aus dem Kassierer Vikar Josef Stracke, Rosenstr. 29, und dem Schriftführer Refdr. Dr. Schulz, Neuhäuserstraße 62.

     

     

    Die Auflösung unseres AHZ im Jahre 1937 durch die NS ist am Anfang dieses Berichtes von einigen Zeitzeugen angesprochen. Im übrigen kann man hier auf die Forschung unseres Kb Prof. Hüser verweisen, der bei verschiedenen Gelegenheiten in Vorträgen darüber berichtete und z. T. in den AM veröffentlicht hat (z. B. 5/6 v. Juni 1983).

    11. Reaktivierung nach 1945

    Paderborn war zerstört, die Einwohner waren zerstreut. Die Gründung von Vereinen war durch die Militärbesatzung zunächst generell verboten. Die erste Anlaufstelle nach dem Krieg in Paderborn für die KVer war der Propst der GO-Kirche (die Führung des Namens Gaukirche war 1940 durch die NS untersagt worden). Im 1. Rundschreiben des wiedergegründeten Gesamtverbandes (Nr. 1 vom April 47) wird Propst Koch als Vorsitzender des Philisterzirkels Paderborn aufgeführt. Koch war ein angesehener Mann, ein echter westfälischer Dickschädel. In der Festschrift zur 800-Jahrfeier der Gaukirche in Paderborn aus dem Jahre 1983 findet man folgendes zu seiner Person:

    "Die Gaukirche nach der Machtübernahme durch die NSDAP - Propst Koch

    Aus Dortmund bewarb sich im Mai 1934 der von den Nationalsozialisten zwangsweise in den Ruhestand versetzte 55jährige Oberstudienrat Otto Koch um die Gaukirchgemeinde. Seinem Erzbischof Caspar Klein schrieb er, daß er die Entscheidung über eine Anstellung jedoch ihm allein überlassen wolle. Er verstehe durchaus, daß das Interesse von Personen dem wahren Interesse der Kirche geopfert werden müsse. Er wolle seinem Erzbischof in dieser drückenden Zeit das Herz nicht noch schwerer machen. Aber vielleicht gäbe es doch noch eine Verwendung für ihn in der Seelsorge. Wenn nicht, so werde er sich schmerzlich in den Willen Gottes fügen. "Herr Oberstudienrat Otto Koch in Dortmund ist zum Propst der Gaukirche in Paderborn zu ernennen", so lautete bündig die mutige Anweisung des Erzbischofs an seinen Generalvikar. Am 10. August war die Ernennung vollzogen.

    "Wer ist nun dieser Herr Koch?" hatte im April 1934 die Westfälische Landeszeitung "Rote Erde" in Dortmund ihre Leser rhetorisch gefragt. "Kein anderer, als der nach der nationalsozialistischen Revolution seines Amtes entsetzte Oberstudienrat und Fraktionsführer der Dortmunder Zentrumsfraktion." Was dieser Herr in politischer Beziehung alles auf dem Kerbholz habe, lasse sich in kurzen Worten gar nicht schildern. In einer öffentlichen Stadtverordnetensitzung Anfang Januar 1933, also kurz vor der Machtergreifung -so entrüstete sich die Rote Erde-, hat er "den Führer unserer Bewegung und heutigen Volkskanzler Adolf Hitler als Ausländer bezeichnet, der hinter Schloß und Riegel gebracht werden müsse."

     

    Der Start für den Zirkel verlief wohl nicht so ganz glatt. Der Verbandsvorsitzende aus Düsseldorf:

    "Lieber Koch!

    Du warst so freundlich, Deine Mitarbeit für den Wiederaufbau des dortigen KV. zur Verfügung zu stellen. Die Nachrichten von dort sind aber bisher spärlich. Ich würde mich freuen, einmal einen Bericht zu bekommen, wieweit der Aufbau des dortigen sehr großen Zirkels gediehen ist und was die Wiedergründung der Teutoburg, die ja Löer wohl vornehmen wollte, macht. Wird es Dir möglich sein, neues Leben in den dortigen KV. hereinzubringen?

    Für heute verbleibe ich mit den herzlichsten Grüssen Dein..."

    Im Mai 1948 fragt der Verbandsgeschäftsführer vorsichtig bei Koch an, ob es nicht besser wäre, sich nach einem geeigneten Nachfolger im Amt umzusehen. Amtsgerichtsrat Marx übernahm den Vorsitz. Von da an kam Leben in den Zirkel. Der Verbandsgeschäftsführer schrieb am 11. August 1948:

    "Sehr geehrter Herr Kartellbruder!

    Ihre Mitteilung, dass Sie an Stelle von Herrn Propst Koch den Vorsitz im Altherrenzirkel Paderborn übernommen haben, habe ich erhalten. Halten Sie es für notwendig, dass ich Herrn Propst Koch aus Anlass des Wechsels des Vorsitzes schreibe, und was darf in einem solchen Schreiben erwähnt werden und was nicht.

    Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit Erfolg für den Altherrenzirkel Paderborn tätig sein können und ..."

    Im ersten Jahresbericht danach wird die Entwicklung anschaulich geschildert.

    "Jahresbericht des KV-Philisterzirkels Paderborn

    Auf einer von etwa 35 Kartellbrüdern besuchten Versammlung im Cheruskerhof wurde unser Zirkel am 6.8.1948 zu neuem Leben erweckt. Es wurde u. a. die Abhaltung einer monatlichen Pflichtversammlung und eines allwöchentlichen Stammtisches beschlossen. Die Monatsversammlung war durchschnittlich von etwa 15-20 KbKb besucht. Der Besuch des Stammtisches, zunächst Dienstags 20 Uhr, später nach Verlegung der Zusammenkünfte in den Westf. Hof, um 18 Uhr ließ ebenso zu wünschen übrig. Eine Anwesenheit von mehr als 6 Teilnehmern bei diesen Dämmerschoppen zählte zu den Seltenheiten. Es mag jedoch lobend erwähnt werden, daß auf der letzten Zusammenkunft dieser Art mit Damen (am 2. Dienstag im September) rund 20 KbKb mit 5 Damen erschienen waren. Der Versuch, auf den monatlichen Versammlungen durch Vorträge allgemein interessierenden Inhalts auch gewisse geistige Interessen zu pflegen, ist mißlungen. Der Grund mag in der Schwerfälligkeit der KbKb sowie in der beruflichen und privaten Überbeanspruchung zu suchen sein.

    Die Reihe der größeren geselligen Veranstaltungen mit unseren Damen wurde durch einen Familienausflug zu den Fischteichen am 18.9.1948 eröffnet. Es hatten sich 63 Personen aus den Familien der KbKb zusammengefunden. Der Gesellschaftsabend am 7.1.1949 war nur schwach von insgesamt 40 Personen besucht. Ein Ausflug nach Bärental am 8.6.49 war noch schwächer besucht. Wären nicht die KbKb aus Salzkotten gekommen, hätten wir nur 30 Personen gezählt. Dagegen konnten wir auf dem gemeinsam mit dem Detmolder Zirkel veranstalteten Herbstfest am 21.9.49 rund 80 Teilnehmer, davon 65 aus unserem Kreis begrüßen.

    An weiteren Veranstaltungen bedarf zunächst das am 6.11.48 von unserem Kb Propst Dr. Koch unter Assistenz der KbKb Dr. Bruch und Arend zelebriertes Leviten-Seelenamt für unsere verstorbenen KbKb der Erwähnung. Die Teilnahme ließ sehr zu wünschen übrig. Eine betrübliche Feststellung.

    Die am 5.4.49 veranstaltete Keilkneipe war von etwa 30 KbKb besucht. Wir konnten eine stattliche Anzahl von Gästen, unter ihnen 25 bis 30 Abiturienten begrüßen.

    Der nur schwache Besuch unserer Zusammenkünfte mag, das muß offen ausgesprochen werden, zum Teil auch mit den schwierigen finanziellen Verhältnissen zu begründen sein. Deshalb sind wir bestrebt gewesen, alles so billig wie möglich aufzuziehen.

    Bei unserer ersten Zusammenkunft waren 30 KbKb erfaßt. Durch mündliche Propaganda und Nachfrage sind wir nunmehr zu einer Zahl von 100 gekommen, in der alle die KV-Angehörigen erfaßt sind, die uns namentlich bekannt wurden. Dazu zählen auch die KbKb aus Büren. Von diesen 100 haben es 13 nicht für richtig gehalten, auf unsere Anfragen und Einladungen überhaupt zu antworten. Die Bürener (5) sind aus diesem Grunde wohl abzuschreiben. 2 KbKb haben ausdrücklich mitteilen lassen, daß sie kein Interesse mehr hätten. 3 haben erklärt, daß sie aus finanziellen oder anderen Gründen nicht als Mitglieder geführt werden möchten. Aus der übrigen Zahl schält sich eine Zahl von 45 eifrigen KbKb heraus, die an unseren Zusammenkünften mehr als einmal teilgenommen haben. 20 sind einmal dagewesen. 11 haben die grundsätzliche Bereitschaft zur Teilnahme erklärt, sich aber einstweilen noch entschuldigt. Entsprechend den Anregungen aus dem Kreise der KbKb werden auch Verkehrsgäste neu geworben. Als solche haben sich insgesamt 4 zur Aufnahme bereit erklärt; sie haben auch zum Teil schon an unseren Veranstaltungen teilgenommen."

    12. AHZ "Drei Hasen"

    Aus etwas größerer Distanz werden die ersten Jahre nach der Reaktivierung wie folgt geschildert:

    "KV-Altherrenzirkel "Drei Hasen" Paderborn

    Nachdem fast 6 Jahre vergangen sind, seitdem die Paderborner AHAH des KV sich wieder zusammen gefunden haben, dürfte ein hinreichender Anlaß bestehen, kurz von uns zu berichten.

    Im Jahre 1948 rief unser Kb Rechtsanwalt Funke (Cb.Sy.) alle ihm damals bekannten ortsansässigen KbKb (es waren damals 63) zusammen. Nicht alle fanden sich damals bereit, im Zirkel die alten Bande zu erneuern. Verschiedene stehen noch heute abseits. Im Laufe der Zeit haben wir aber etwa 100 AHAH aus Paderborn und Umgebung erfaßt. Neun KbKb sind seit unserem Wiederzusammentritt verstorben. Wir haben uns im Laufe der Jahre bemüht, allen Interessen gerecht zu werden. Nicht nur zu gemütlichem Beisammensein haben wir uns getroffen. Wir haben, vor allem in den letzten Jahren, auch einzelnen Veranstaltungen dadurch einen besonderen Gehalt gegeben, daß wir verschiedene KbKb gewonnen haben, uns zu besonderen Fragen einen Vortrag zu halten. Es wurden dabei u.a. folgende Themen erörtert: "Wiedervereinigung im Glauben", "Gleichberechtigung von Mann und Frau", "Verwaltung u. Organisation der deutschen Bistümer", "Fernsehen", "Die Entstehung der Welt im Lichte der modernen Forschung". Zu Christ-Himmelfahrt 1953 waren wir mit Privatwagen für 1 1/2 Tag am Möhnesee, wo wir in der Erzbischöfl. Bildungsstätte "St. Meinolf" anregende Stunden bei ernsten und fröhlichen Worten und schönen Spaziergängen verbrachten. Im Jahre 1951 verbanden wir eine Fahrt mit Privatwagen zum Kloster Gerlewe mit einer Burgenfahrt durch das Münsterland und einem Besuch des Philisterzirkels in Lüdinghausen. Im übrigen treffen wir uns allwöchentlich einmal. Am 2. Dienstag jeden Monats ist eine größere Zusammenkunft um 20 Uhr bei Kirchmeyer (Westernmauer), und am 3. Dienstag treffen wir uns mit unseren Damen um 20 Uhr im Westfälischen Hof. An den übrigen Dienstagen ist zwangloses Zusammensein ab 18 Uhr im Westf. Hof. Zweimal im Jahr machen wir mit unseren Damen einen Ausflug in die Umgebung und im Winter finden wir uns zu einem Gesellschaftsabend zusammen. Im Herbst treffen wir uns zu einem Herrenessen. Am Buß- und Bettag jeden Jahres gedenken wir unserer Verstorbenen in einem feierlichen Gedächtnisgottesdienst. Auch unsere Damen haben einmal im Monat ein Kränzchen.

    Mit dem Nachbarzirkel in Detmold haben wir enge Beziehungen. Auch KbKb aus der weiteren Umgebung nehmen an unseren größeren Veranstaltungen teil. Nicht unerwähnt dürfen die engen Beziehungen zur KStV Teutoburg bleiben. Wir haben sie seiner Zeit (1950) bei ihrem Wiedererstehen nachhaltig unterstützt und finden uns jetzt gern und oft bei ihren Veranstaltungen als Gäste ein.

    Vor 2 Jahren hat sich der Zirkel unter Anknüpfung an die bekannte Darstellung im Kreuzgang unseres Domes den Namen "Drei Hasen" beigelegt.

    Der Vorstand besteht aus

    Amtsgerichtsrat Ferdinand Marx, Paderborn, Brüderstr. 31
    Zahnarzt Dr. Wilhelm Kleymann, Paderborn, Westernstr. 25
    Dipl.-Ing. Bauassessor Hans Verbeek, Paderborn, Wollmarktstr. 23."

    13. Zur 75-Jahrfeier

    In den Jahren 1956 und 57 luden die Philister- bzw. AH-Zirkel in der Umgebung "aus Anlaß der Feier zur 10jährigen Wiedergründung" ein. Der AHZ Paderborn wollte nicht zurückstehen. "In diesem Jahr werden es 10 Jahre, seit dem der Zirkel sich nach dem Krieg wieder konstituiert hat. Wir wollen dies zum Anlaß nehmen, den KV im April dieses Jahres in einer repräsentativen Veranstaltung herauszustellen" schrieb Marx am 6. Januar 1958. Obwohl am 28. Januar desselben Jahres die Auskunft einging, daß das Gründungsdatum nicht zu ermitteln sei, schrieb Marx am 31. Januar 1958 an Erzbischof Jäger:

     

    "Ew. Excellenz

    erlaube ich mir folgendes mitzuteilen:

    Der Paderborner KV-Altherrenzirkel beabsichtigt, am 26. April 1958 mit einer größeren Veranstaltung vor die Öffentlichkeit zu treten.

    Anlaß dazu ist das 75-jährige Bestehen des Zirkels und die 12. Wiederkehr des Tages, an welchem sich der Zirkel nach dem letzten Kriege wieder zusammengefunden hat.

    Es ist beabsichtigt, zu der Veranstaltung die Teilnehmer an der in jenen Tagen zu Ende gehenden Werktagung des KV auf der Hegge sowie die hiesigen Verbindungen Teutoburg und Ostmark und schließlich auch die äußerst rege vor 3/4 Jahren gegründete Ferienverbindung Vagantia zuzuziehen.

    Außerdem sollen die diesjährigen Abiturienten der beiden Gymnasien Paderborn eingeladen werden, um sie für unseren Verband zu interessieren..."

     

    Das Fest nahm seinen Lauf, die Einladung:

    "Der Altherrenzirkel "Drei Hasen" in Paderborn

    WURDE VOR 75 JAHREN INS LEBEN GERUFEN UND 1948 NEU BEGRÜNDET: IN EINER FESTLICHEN VERANSTALTUNG WOLLEN WIR DER JAHRESTAGE SEINER GRÜNDUNG GEDENKEN UND SIE FREUDIG BEGEHEN.

    WIR GESTATTEN UNS, SIE FÜR SONNABEND, DEN 26. APRIL 1958, 20.00 S. T., ZUM HOTEL HAASE, KILIANSTRASSE, ERGEBENST EINZULADEN.

    AMTSGERICHTSRAT MARX, VORSITZENDER

    PADERBORN, DEN 9. APRIL 1958"

    Der Handzettel für den Ablauf der Feier erinnert an die "gute alte Burschenzeit".

    1. Eröffnung mit dem Lied
    "Wo zur frohen Feierstunde …"
    1. Strophe

    2. Worterteilung an Vors. AH-Zirkel
    Begrüßung

    3. "Wo zur frohen Feierstunde ..."
    2. und 3. oder 4. Strophe

    4. Worterteilung an Festredner
    gleich anschließend Dank durch Vors. AH-Zirkel

    5. Colloquium, etwa 10 Minuten

    6. "Burschen heraus" 1. Strophe

    7. Worterteilung an Vors. AH-Zirkel, der die Vertreter zu Glückwünschen veranlasst und gleich anschließend dankt.

    B. "Burschen heraus" Reststrophen

    9. Hochoff. Teil beendet

    a) Ernennung des Nachfolgers und der Kontrapräs.
    AH Dr. Ohnsorge
    AH Rechtsanw. Schulze-Waltrup
    AH Zahnarzt Dr. Kleymann

    b) Auszug der Chargen

    c) 10 Minuten "tempus utile"

     

    Der Chronist vermerkt ferner, daß über 180 Teilnehmer anwesend waren, davon 74 AHAH, 10 Abiturienten, 42 Hegge-Tagungsteilnehmer, Vorortspräsident usw., insgesamt 60 Chargierte. Das Westfälische Volksblatt berichtete über diese Veranstaltung unter der Überschrift

    "75 Jahre KV-Altherrenzirkel

    60 Chargierte trafen sich in festlicher Feierstunde

    In einer festlichen Feierstunde beging der KV-Altherrenzirkel am vergangenen Sonntag sein 75jähriges Bestehen. An der ansehnlichen Versammlung nahmen etwa 60 Chargierte, d. h. Vertreter von Korporationen aus dem gesamten Bundesgebiet, aus Graz (Österreich) und aus Freiburg teil...

    ... Nach einleitenden Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Paderborner Zirkels, der besonders die jungen Kartellbrüder aus Ungarn, Amerika und China begrüßte, übermittelten der Vorortspräsident, cand. chem. Hammer aus Würzburg, für die gesamte Aktivitas des Verbandes, der Oberfinanzpräsident des Landes Hessen, Dr. Maier aus Frankfurt/Main, für den Altherrenverband des KV und Regierungsbaurat Vonderbeck aus Paderborn als Vertreter des hiesigen CV-Altherrenzirkels Glückwünsche zum 75jährigen Jubiläum..."

    Der Verband funktionierte wieder. Fünf Jahre später, in den letzten Tagen des Jahres, ging das folgende Telegramm ein:

    "27. DEZEMBER 63, 15,42 UHR

    DIE BESTEN WÜNSCHE UND HERZLICHE GRÜSSE ZUM 80. STIFTUNGS-FEST

    EINHARD VOELLINGER VORORTSPRÄSIDENT"

    Das war die Konsequenz eines Jubiläums.

    14. Höhepunkte

    Die beschriebene Jubiläumsfeier war sicher ein "Höhepunkt" in der Nachkriegsgeschichte. Andere Ereignisse sollten aber demgegenüber nicht in den Hintergrund treten.

    An der 100-Jahrfeier des KV im Jahre 1953 in Bochum beteiligte sich der Zirkel in stattlicher Schar und leistete offensichtlich beachtliche Beiträge zum VV.

    Die Reaktivierung der Teutoburg im Jahre 1951 und der Ostmark im Jahre 1954 konnte nicht ohne tatkräftiges Mitwirken des AHZ erfolgen. Pfarrer Dr. Paul Löer, der Initiator der Reaktivierung der Teutoburg, an Marx:

    "Lieber Kb Marx!

    Recht schönen Dank für Ihren Brief in Sachen Teutoburg. Ich teile ganz Ihre Ansicht über die Schwierigkeiten des bevorstehenden Publikationsfestes, und trotzdem halte ich eine Verschiebung der Publikationsfeier für unangebracht. Ich überschätze auch nicht die Bedeutung. Wichtig ist, daß das Wiedererstehen der Teutoburg publiziert und in den Verbandsnachrichten AM berichtet wird...

    ... Von der Einladung anderer KV-Korporationen und Chargierten wollen wir ganz absehen. Wir sind besonders verbunden mit dem Philisterzirkel Paderborn, den wir deshalb auch ganz besonders herzlich einladen zum Sonntag und Montag Abend..."

    Tatkräftiger fiel die Unterstützung bei der Reaktivierung von Ostmark aus. Der AHV-Vorsitzende Mai am 02.01.55 an Marx:

    "Sehr geehrter Herr Kartellbruder!

    Das Jahr 1954 ging zur Neige. Es brachte uns alten Ostmärkern als freudiges Ereignis die Reaktivierung unser lieben Ostmark an der Pädagogischen Akademie in Paderborn. Wie ich von der Aktivitas hörte, hat der Altherrenzirkel "Drei Hasen" entscheidend zum Gelingen der Reaktivierung beigetragen. Ich möchte Ihnen persönlich und dem Altherrenzirkel hierfür herzlich danken und mit dem Dank gleichzeitig die Bitte aussprechen, dem jungen Verein auch weiterhin jede nur mögliche Unterstützung zu gewähren..."

    Nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsache, daß die Aktivitas des KStV Ostmark-Beuthen in Paderborn für zwei Jahre, nämlich vom 1. Oktober 1963 bis 30. September 1965 den Vorort im KV übernahm. Aus diesem Anlaß fanden verschiedene größere Feiern in Paderborn statt, die vom AHZ aktiv unterstützt wurden.

    Eine Diskussionsrunde sollte bei dieser Gelegenheit auch wieder ins Bewußtsein gerückt werden. Im Jahre 1962 wurde ernsthaft überlegt, einen Hausbauverein zu gründen, um ein entsprechendes Korporationshaus zu bauen. Die Kartellbrüder hatten teilweise durch Unterschrift bereits einmalige oder laufende Beträge zugesagt. Das Projekt scheiterte dennoch an den immens hohen Kosten eines solchen Vorhabens.

     

    Noch einmal rückte der AHZ Paderborn in den Mittelpunkt des KV-Lebens, als nämlich in den Jahren 1967/69 die Beschlüsse der VV fast zur Spaltung des Verbandes geführt hätten. Es ging bekanntlich um die Frage, ob auch Nichtkatholiken aufgenommen werden könnten. Es war naheliegend, daß das Wort des Kb Kardinal Jäger, des Ökumene-Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz in diesem Zusammenhang viel galt. Der damalige Vorsitzende des AHZ, Freiherr von Wrede, zusammen mit Kb Aloys Klein, damals Kaplan des Kardinals, führten lange Gespräche mit dem Kardinal und formulierten vielleicht den entscheidenden Satz, der auf der VV als Kompromiß angenommen wurde, wonach Nicht-Katholiken aufgenommen werden konnten, jedoch innerhalb eines KV-Vereins nicht die Mehrheit bekommen dürften.

    15. Mitgliederentwicklung

    Bei einer relativ lockeren Verbindung, wie es ein AHZ nun einmal ist, spielt es keine entscheidende Rolle zu erfahren, wer wann und wie lange im Zirkel gewesen ist. Die Aufzeichnungen werden deshalb verhältnismäßig großzügig geführt.

    Es ist jedoch anhand des vorhandenen Kassenbuches ab 1949 der Versuch unternommen worden, alle Mitglieder zu erfassen, die nach dem Krieg einmal dem AHZ angehört haben (Anhang 1). Die angegebenen Jahre können nur ungefähre Daten sein. Die aktuelle Mitgliederliste ist in Anhang 2 zu finden.

    Zur Entwicklung der Mitgliederzahlen sollen noch folgende Hinweise gegeben werden. Nach derzeitigem Kenntnistand hat der Zirkel vor dem Krieg -die letzte Angabe stammt aus dem Jahre 1931- 110 Mitglieder gehabt. Den vorausgegangenen Abschnitten dieses Berichtes ist zu entnehmen, daß sich 1948 ca. 35 KbKb wieder zusammengefunden hatten.

    Die Wiederbegründung hat sich in Paderborn spät und langsam vollzogen. Beim Studium der Akten werden die Gründe deutlich. Einige Zitate aus Briefen oder Schriftstücken der damaligen Jahre unterstreichen dies.

    "... Aus zwei Gründen möchte ich mich vorläufig noch nicht an den KV-Abenden beteiligen: es wird noch lange dauern, bis zu einem Architekten und Maler die D-Mark den Weg findet! Für unsern Beruf hat sich die Währungsreform als eine ausgesprochene Katastrophe ausgewirkt. Zu Beiträgen für Vereinsangelegenheiten u. dergl. langt es noch nicht. Daher ist auch die Stimmung wenigstens bei mir nicht so unbeschwert, dass ich fröhliche Lieder am Biertisch singen könnte. Da bleibt man besser für sich allein..."

    "... teile ich Ihnen mit, dass ich bereits 1932 aus dem KV ausgeschieden bin..."

    "... Da ich nicht in der Lage bin, 18 DM für den Ph. Zirkel zu zahlen, erkläre ich hiermit meinen Austritt, bis mal wieder normale Zeiten kommen..."

    "... Auf Ihr Rundschreiben vom 26.10. muß ich Sie leider bitten, mich einstweilen noch nicht als Mitglied unseres Philisterzirkels zu führen. Bis auf weiteres kann ich die gewünschten Beiträge nicht aufbringen, weil ich genug zu kratzen habe, um mein durch Bomben zerstörtes Haus einigermaßen wieder aufzubauen. Wenn ich auch zu etwa 3/4 den Wiederaufbau mit RM habe bestreiten können, so macht mir doch das letzte Viertel schwerste Sorgen... Seit Mitte August wohnen wir in der ungestrichenen, halbfertigen Erdgeschoßwohnung. Aber erst vorige Wochen haben wir ein Haustürschloß bekommen für 30,50 DM. Das nur als Beispiel... Sobald ich wieder etwas Luft schnappen kann, werde ich mich wieder bei Ihnen melden.
    M. B. u. H..."

    "Besonderer Umstände halber wünsche ich vorläufig nicht als Mitglied des hiesigen Philisterzirkels des KV geführt zu werden..."

    Trotz dieser Schwierigkeiten stieg die Mitgliederzahl kontinuierlich an. Im Jahre 1949 wurden bereits wieder über 60 Mitglieder verzeichnet. 1954 wird vermerkt:

    "Mitgliederstand: Tätig:      86
    Davon auswärtig:              19
    außerdem erfaßt:               22"

    Die Zahlen stiegen Anfang der 60er Jahre auf über 100 und pendelten sich bis heute auf 110 bis 120 ein.

    16. Ferienzirkel "Vagantia"

    An dieser Stelle ist es angebracht, die Einrichtung eines Ferienzirkels zu erwähnen, der sich den beziehungsreichen Namen "Vagantia" gegeben hatte. Die Akten enthalten - sicher lückenhaft - Einladungen zu Stammtischen jeweils am zweiten Feiertag von Weihnachten, Ostern und Pfingsten, zu Kommersen usw. Eine Mitgliederliste mit dem Vermerk "Ostern 1959" enthält immerhin 44 Namen. Sie ist als Anhang 3 wiedergegeben und wird sicher manchen jetzt schon echten Alten Herrn an die Burschenzeit erinnern. Wie lange Vagantia nun bestanden hat, konnte aufgrund der Akten und der bisherigen Befragungen nicht exakt geklärt werden; sicher aber von Anfang der 50er Jahre bis in die 60er Jahre hinein.

    17. Vorstände

    Die Schwierigkeiten, einen aktiven Vereinsvorstand zu bekommen, sind bekannt. Ein solches Beispiel des AHZ aus der Zeit unmittelbar nach dem Krieg ist bereits beschrieben. Nicht immer ging alles so einfach und glatt. Die Nachfolgefrage ist immer dann besonders schwierig, wenn ein Vorstand lange dieses Amt inne gehabt hat. Die langen Amtszeiten waren im AHZ "Drei Hasen" üblich, wie die Aufstellung in Anlage 4 zeigt. Das führte dann zu den beschriebenen Problemen. Der Bericht über die Jahresversammlung im Rundschreiben vom 18.01.66, das der neugewählte Vorsitzende Johannes Freiherr von Wrede verfaßte, ist nicht nur für diesen AHZ typisch.

    "... Nun schritt man zur Neuwahl des Vorstandes. Die Leitung übernahm als Alterspräsident Kartellbruder Lange und führte sie in bewährter Weise. Die Mehrzahl der Erschienenen war mit der Absicht gekommen, den bewährten bisherigen Vorstand wiederzuwählen. Dem dementsprechenden Antrag eines Kartellbruders setzte der bisherige Vorsitzende seine Erklärung entgegen, daß er aus beruflichen Gründen zu sehr in Anspruch genommen sei, um dieses Amt wieder zu übernehmen. Die anschließende, eingehende Aussprache und die Beschwörung, der scheidende Vorsitzende möchte das Amt noch einmal übernehmen, fanden ihren Gipfelpunkt in seiner einstimmigen Wiederwahl und anschließend ihren Tiefpunkt in seiner endgültigen Verneinung, das Amt nochmals übernehmen zu können.

    Alle anschließend für den Vorsitz in Vorschlag gebrachten Kandidaten lehnten mit unwiderlegbar erscheinenden Begründungen eine Übernahme dieses Amtes ab. Dies Verhalten machte geradezu den Eindruck einer Epidemie. Die Ratlosigkeit, aber auch die Spannung, wie man in bereits vorgerückter Stunde zum Ziel kommen sollte, wuchs in bisher unbekannte Dimensionen. Schließlich erklärte sich doch ein zuvor vorgeschlagener Kartellbruder bereit, das Amt einstweilen zu übernehmen, wenn ihm die erforderliche Unterstützung durch die übrigen Chargen zugesagt werden könne..."

    Um ähnlichen Situationen vorzubeugen, wurde 1978 der Beschluß gefaßt, daß der Vorsitz und möglichst auch alle anderen Chargen grundsätzlich alle zwei Jahre wechseln. Unter diesen Voraussetzungen erklärten so viele KbKb ihre Bereitschaft für ein Vorstandsamt, daß es für den AHZ "Drei Hasen" bis weit in das nächste Jahrtausend hinein nicht wieder solche Probleme geben dürfte. Etwas Entscheidendes kommt hinzu. Die Veranstaltungen des jeweiligen Jahres werden in einem größeren Kreis gemeinsam abgesprochen und festgelegt und danach einschließlich aller Vorbereitungen auf KbKb verteilt, so daß die Arbeit für den Vorsitzenden bzw. seinen Vertreter auch bei härteren Anforderungen im Beruf tragbar wird.

    18. Die "Drei-Hasen-Story"

    Mitte der 60er Jahre faßte der Stadtrat von Paderborn den Beschluß, die Gewölbe des Rathauses zu nutzen und den Ratskeller als Gaststätte einzurichten. Der AHZ Paderborn, stadt- und traditionsverbunden, machte den Ratskeller sofort zu seinem Stammlokal. Nun geht das Gerücht in Paderborn, daß der damals zuständige Ausschuß des Stadtrates etwas ganz besonderes aus dem Ratskeller machen wollte. Deshalb kümmerte sich dieser um alles selbst. Was dann noch an Planung übrig blieb, machte die Bauverwaltung der Stadt. Der Ratskeller wurde auch weiterhin von dem Ausschuß wie ein "Augapfel" gepflegt, wie es der damalige Philistersenior zu spüren bekam. Entnehmen wir alles weitere den Originaltexten - der mehrfach genannte großzügige Spender ist übrigens kein anderer als der damalige Vorsitzende Freiherr von Wrede.

    "An den Herrn Bürgermeister der Stadt Paderborn ...

    Der KV-Altherrenzirkel Paderborn, ein Glied des Kartellverbandes katholischer deutscher Studentenvereine (KV), hat seit Eröffnung des Ratskellers seinen Dienstag-Stammtisch (18.00 bis ca. 20.00 Uhr) in den Ratskeller verlegt. Ende Juni 1968 wurde dem Altherrenzirkel von einem seiner Mitglieder das "Drei Hasen"-Emblem als Halbrelief in Bronze (Entwurf: Cassau, Paderborn, Grube) gestiftet und mit Genehmigung des Pächters des Ratskellers dort aufgehängt, wo der Pächter dem Stammtisch einen Tisch zur Verfügung gestellt hatte.

    Der Bitte an den Pächter des Ratskellers ging die Überlegung voraus, daß in dieser Repräsentativ-Gaststätte der Stadt Paderborn Vereinsgerät wie Tischwimpel, Wappenkrüge oder Wappenstiefel nicht am Platze seien, dagegen dies unfirmierte Wahrzeichen von Paderborn, das zudem im Ratskeller noch nicht vertreten war, keine Beanstandung finden würde und harmonisch zur Innenausstattung des Ratskellers wirken würde.

    Im Gegensatz zu diesen Überlegungen des Altherrenzirkels erhielt der Pächter des Ratskellers vor kurzem durch einen Beauftragten der Stadt namens des Kulturausschusses die Weisung, dieses "Drei-Hasen"-Emblem sofort zu entfernen.

    Nach der Begründung für diesen Entscheid befragt, antwortete uns der Pächter, es sei ihm vertraglich untersagt, irgendetwas an der Einrichtung des Ratskellers zu ändern und zweitens habe der Kulturausschuß der Stadt das "Drei-Hasen"-Emblem als künstlerisch nicht einwandfrei befunden.

    Von den einschlägigen Vertragsbestimmungen hatten wir leider keine Kenntnis, sonst hätten wir selbstverständlich den ordentlichen Instanzenweg eingehalten.

    Der zweite Grund enthält eine Wertung, die subjektiv ist und über die man daher nicht rechten kann.

    Die Mitglieder des Altherrenzirkels fühlen sich durch die von der Stadt getroffene Entscheidung beschwert, da sie in bester Absicht, ohne Reklame für ihre Vereinigung, dieses Wahrzeichen Paderborns zur Ausstattung des Ratskellers hinzufügen wollten und bei ihrem Stammtisch dort an den vor Jahrzehnten sich zugelegten Beinamen Altherrenzirkel "Drei Hasen" erinnert wurden, und zwar nur sie als Eingeweihte.

    Namens und im Auftrag des Altherrenzirkels bitte ich deshalb um einen Vorschlag, wie man eine für beide Seiten befriedigende Lösung finden könnte.

    Der Altherrenzirkel ist auch bereit, das "Drei Hasen"-Emblem der Stadt zum Geschenk zu machen, damit dem Emblem das Odium genommen wird, jeder Verein könne sich im Ratskeller etwas aufhängen.

    Der Altherrenzirkel ist an einer baldigen, befriedigenden Lösung sehr interessiert, da die Angelegenheit in seinen Reihen Beunruhigung hervorgerufen hat.

    Johannes Freiherr von Wrede Oberfeldintendant a. D.

    1. Vorsitzender"

     

    STADT  PADERBORN

    DER BÜRGERMEISTER

    Paderborn, den 4. Dez. 1968

    An

    K.V. Altherrenzirkel "Drei Hasen"
    z.Hd. des 1. Vorsitzenden
    Johannes Freiherr von Wrede
    Oberfeldintendant a.D.

    479 Paderborn
    Pohlweg 21

    Sehr geehrter Freiherr von Wrede!

    Für Ihren Brief vom 27. Nov. 1968 bedanke ich mich. In der Tat hat der Rat aus einsichtigen Gründen bei Einrichtung des Ratskellers die Innenausstattung und damit auch jeglichen Bildschmuck sich vorbehalten. Ich bedauere, daß das "Drei-Hasen-Emblem" des Altherrenzirkels mit den Ratsbeschlüssen in Konflikt gekommen ist. Ich darf Sie bitten, wegen einer befriedigenden Lösung die Möglichkeit, Ihr Anliegen in anderer Weise zu verwirklichen, mit Herrn Stadtbaurat Schmidt zu besprechen.

    Hochachtungsvoll

    (Schwiete) Bürgermeister
    Das ganze endete schließlich mit einer Vereinbarung, die von Wrede handschriftlich festgehalten hat:

    "Bei der Rücksprache mit Stadtbaurat Schmidt einigte ich mich mit ihm, daß wir einen neuen Entwurf von Herrn Cassau der Stadt einreichen würden, der, wenn er die Billigung des Kulturausschusses finden würde, vom A.H.-Zirkel bei Herrn Cassau sofort in Auftrag gegeben würde, um das verbesserte neue "drei Hasen"-Relief dem Herrn Bürgermeister für die Stadt möglichst am 12.2.69 zum Geschenk überreichen zu können.

    Mitte Januar fand eine Sitzung des Bauausschusses der Stadt statt, in der Herr Stadtbaurat Schmidt die zwei eingereichten Entwürfe für ein verbessertes Drei Hasen Relief vorlegen wollte.

    Nach dieser Sitzung des Bauausschusses erfuhr ich fernmündlich von Stadtbaurat Schmidt, daß der Ausschuß uns wie folgt bescheide: Die Stadt hat mit Fertigstellung des Ratskellers die Absicht, die noch ausstehende Ausstattung des Ratskellers nach einer einheitlichen Konzeption durchzuführen. Hierzu paßt ein "Drei Hasen"-Relief nicht, also wäre eine Stiftung in dieser Richtung unerwünscht.

    Die Aufstellung eines "Drei Hasen"-Aschenbechers oder eines ebensolchen Tischwimpels würde nicht beanstandet werden, aber die Wände des Raumes sollten für die künftige Ausstattungskonzeption des Ratskellers durch die Stadt freibleiben.

    Ich berichtete darüber dem Vorstand des A.H. Zirkels einschließlich den Mitgliedern, die am 21.1.1969 zum Stammtisch gekommen waren, orientierte am 22.1.69 Herrn Cassau über das Schicksal seiner Entwürfe und gab einen Aschenbecher zum vorhandenen "Drei Hasen"-Relief in Auftrag.

    22. Jan. 1969
    Frhr. von Wrede"

    Die "Drei Hasen" blieben schließlich doch und es hat niemand mehr zur Jagd auf die Hasen geblasen.

    19. Veranstaltungsprogramme

    Es ist besonders reizvoll, wenn man bei Durchsicht der alten Akten auf die Einladungen zu Veranstaltungen stößt, die in ähnlicher Form auch heute noch durchgeführt werden. Genauso interessant ist es aber auch, herauszufinden, welche Versuche unternommen wurden, das Jahresprogramm interessant zu gestalten.

    Die ersten Veranstaltungen haben, wie bereits berichtet, im "Cheruskerhof" stattgefunden. Es gab monatliche Pflichten. An jedem Dienstag wurde ein Stammtisch abgehalten, wer fehlte, mußte 50 Pfennig Bußgeld zahlen. Der Veranstaltungsort wechselte noch im selben Jahr. Die Stammtische wurden in den "Westfälischen Hof" verlegt -damals dem besten Haus am Platze-, die Monatsversammlungen zu "Kirchmeyer" an der Westernmauer. Später waren "Bürgerverein" und "Ratsglöckchen" Versammlungsorte.

    Sehr früh tauchen die Veranstaltungen mit der Bezeichnung "Gedächtnisgottesdienst" und "Bratwurstessen" auf. Viele Jahre wurde ein Winterfest gefeiert. In den 50er Jahren gab es einen Faschingsausklang am Faschingsdienstag. Der Familienausflug zu den Fischteichen, der Gaststätte "Bärental" oder einfach als "Fahrt ins Blaue" oder "... ins Grüne" erfreute sich, wie bereits vor dem Krieg auch in den 50er Jahren großer Beliebtheit. Der vielen noch bekannte Einkehrtag am Vatertag (St. Meinolf), der erst 1978 durch einen Familienausflug am gleichen Tag abgelöst worden ist, wird 1953 zum ersten Mal erwähnt.

    Über das Dreikönigsfest, das wir auch heute noch mit den anderen Verbänden in Paderborn gemeinsam veranstalten, wurde bereits 1948 beraten. Es fanden darüber hinaus aber noch andere Veranstaltungen mit diesen Verbänden statt.

    Das Prinzip der scientia wurde sehr ernst genommen. Regelmäßig fanden Vorträge aus dem Bereich der Politik, Wirtschaft, Technik, Schule und Touristik statt. Heute stehen fast alle Veranstaltungen des Zirkels unter der Zielvorgabe, daß möglichst alle Familienmitglieder einbezogen werden sollen. Auch dieses Ziel ist nicht neu. In all den Jahren nach dem Krieg ist dies immer wieder den Programmen zu entnehmen.

    Erwähnt werden muß die Tatsache, daß der AHZ sich sehr intensiv darum bemüht hat, mit den Nachbarzirkeln zusammenzuarbeiten. Zum Detmolder Zirkel bestanden über den Kb Süss sehr enge persönliche Verbindungen, so daß gemeinsame Veranstaltungen mit diesem Zirkel häufig durchgeführt wurden. Mit dem Zirkel Nethegau konnte die Tradition früherer Jahrzehnte dagegen leider nicht im gleichen Maße wieder belebt werden.

    20. Dank

    Das Jubiläum gab den Anstoß, die unter Staub schlummernden Akten des AHZ zusammenzutragen. Einiges von dem, was bei der Sichtung der Unterlagen interessant erschien, sollte nicht wieder in Vergessenheit geraten.

    Dank gilt allen, die durch Rat und Tat dabei geholfen haben. Herausheben möchte ich die Bemühungen unseres Kb Jürgen Schulze-Waltrup, der gemeinsam mit Kb Fry versucht hat, Einzelheiten aus der Vergangenheit des Zirkels von den älteren KbKb in Erfahrung zu bringen. Kb Votsmeier hat insbesondere die Arbeit auf sich genommen, im KV-Archiv zu forschen.

    Vielleicht ermuntert dieser Bericht jemanden, eine detailliertere Untersuchung anzustellen und weitere Schriftstücke, Fotos usw. zu sichern. Im übrigen möchte ich mit einem Zitat aus dem vergangenen Jahrhundert schließen:

     

    Nichts desto weniger fürchte ich, wird meine kleine Arbeit manche Anforderungen und Wünsche unbefriedigt lassen und vielleicht in mehrfacher Hinsicht ungenügend befunden werden. Ueber mehrere recht interessante Verhältnisse war es mir bei dem eifrigsten Bestreben nicht möglich, Quellen aufzufinden oder Aufschlüsse zu erhalten. Und was ihm selber an Befähigung abging, empfindet ein Autor immer erst dann am schmerzlichsten, wenn das Resultat seiner Bemühungen unabänderlich fertig vor ihm liegt. Doch beseelt mich die tröstliche Hoffnung, daß ich manchen meiner werthen Landsleute einen kleinen Dienst geleistet habe und diejenigen, welche es einmal selbst versuchten, die eigenthümlichen Schwierigkeiten bei der Behandlung eines solchen lokalen und fast diminutiven Gegenstandes der Geschichte zu überwinden, werden am meisten zu einer nachsichtigen Beurteilung geneigt sein.

    Der Verfasser.

     

     

     

     

    Paderborn, September 1985

    Dr. Anton Osterhus

    -Vorsitzender des KV-Altherrenzirkels "Drei Hasen"-

    21. Anhänge

    Anhang 1

    Verzeichnis der Kb, die seit Kriegsende dem K. V. Altherrenzirkel Paderborn angehören bzw. angehört haben (Stand September 1985)

    Aus Datenschutzgründen wird diese Tabelle hier nicht veröffentlicht


    Anhang 2

    Mitgliederliste KV-Altherrenzirkel "Drei Hasen" (Stand September 1985)

    Aus Datenschutzgründen wird diese Tabelle hier nicht veröffentlicht

     


    Anhang 3

    Verzeichnis der in der "Vagantia" aktiven Kartellbrüder (Ostern 1959)

    Aus Datenschutzgründen wird diese Tabelle hier nicht veröffentlicht


    Anhang 4

    Vorstand

    Ehrenvorsitzender:

    1948 - 1956         Bernhard Tilmann

     

    Vorsitzende:

    1946 - 1948         Otto Koch

    1948 - 1963         Ferdi Marx

    1963 - 1966         Paul Linnemann

    1966 - 1972         Johannes Fhr. v. Wrede

    1972 - 1979         Aloys Mrogenda

    1979 / 1980         Jürgen Schulze-Waltrup

    1981 / 1982         Dr. Hans-Wilhelm Kleymann

    1983 / 1984         Dr. Erich Schmidtmann

    1985                    Dr. Anton Osterhus

     

    stv. Vorsitzende:

    1948 - 1962         Dr. Wilhelm Kleymann

    1962 - 1979         Dieter Schulze-Waltrup

    1979 - 1984         Wilfried Schreckenberg

    1985                    Gerhard Rammert

     

    2. stv. Vorsitzende:

    1960 - 1962         Dieter Schulze-Waltrup

    1962 - 1972         Dr. Wilhelm Kleymann

     

    Schatzmeister:

    1948 / 1949         Eberhard Schweitzer

    1950 - 1955         Hans Verbeek

    1955 - 1970         Paul Goedecke

    1970 - 1972         Aloys Mrogenda

    1972 - 1974         Aloys Thöne

    1974 - 1979         Hans-Gerd Otto

    1979 - 1982         Dr. Erich Schmidtmann

    1983 / 1984         Hubert Trompeter

    1985                    Willi Reker

     

    Schriftführer:

    1966 - 1970         Hubert Krawinkel

    1970                    Josef Votsmeier

    Kontakt Das KV-Sekretariat meldet sich so schnell wie möglich bei dir!