Bali

Name:
Dipl.-Theol. Jörg Scharf 

Wohnort:
Gerokgak-Singaraja, Bali, Indonesien

Korporation:
KSStV Alemannia München

Erfahrungsbericht:

 

Tauchlehrer dringend gesucht!

Wir suchen: Tauchlehrer und Ressort – Manager für unseren Standort Bali, Indonesien.
Sie sind: Diplom-Theologe und haben mindestens 5 Jahre Erfahrung als Personalberater in der Softwarebranche gesammelt. Bewerbungen richten Sie bitte an das North Bali Divecenter in Penyabangan, Singaraja
.

Natürlich hat es dieses Inserat niemals gegeben. Und ich gebe zu, dass Position und Qualifikation nicht exakt aufeinander abgestimmt zu sein scheinen. Gleichwohl habe ich nach Theologiestudium und Tätigkeit als Personalberater für amerikanische Softwarefirmen genau den richtigen Platz und die richtige Aufgabe für mich gefunden. Mitten in Indonesien, am Strand der Jawa See, wo ich nun bereits seit über drei Jahren lebe und arbeite.
Die Idee, das Lieblingshobby zum Beruf zu machen, hatte sich von einer harmlosen Gedankenspielerei zum konkreten Plan entwickelt. Damals wusste ich von Bali nur, dass es dort Palmen und Reisterassen gibt. Ich hatte keine Ahnung von den kulturellen Reichtümern und Geheimnissen Balis, geschweige denn davon, dass Bali auch erstklassige Tauchreviere bietet. Angelockt durch ein Inserat im Internet kam ich auf Besuch, und nach den ersten Tauchgängen in den Korallenreichen vor der Küste war ich so begeistert, dass ich trotz eklatanter Mängel den von einer Tauchbasis angebotenen Vertrag unterschrieb und drei Monate später als Pächter zurückkam.
Bali ist auch über Wasser faszinierend. Die landschaftliche Vielfalt reicht von Regenwald über fast wüstenartige Steppen hin zu Vulkanen, Kraterseen und üppigen Gärten. Während in den Niederungen neben Bananen und Teakholzplantagen auch Wein angebaut wird, wachsen in den Bergen alle erdenklichen Arten von Gemüse. Die Strassen sind gesäumt von Nelken- und Kakaobäumen, und die Kaffeebohnen sind von erlesener Qualität. Nicht zu vergessen natürlich der Reisanbau, der weite Strecken der Landschaft prägt.
Bali wird oft die Insel der „Götter und Dämonen“ genannt. Sie liegt 8° südlich des Äquators und  ist eine der fast 18.000 Inseln Indonesiens. Die Größe Balis entspricht gerade mal einem Drittel Oberbayerns, während die Einwohnerzahl ungefähr gleich ist. Der christliche Bevölkerungsanteil liegt unterhalb 1%. Straßenbild und Lebensgefühl werden von der hinduistischen Bevölkerungsmehrheit geprägt. Tolerant, farbenfroh und lebenslustig. Es gibt buchstäblich mehr Tempel als Wohnhäuser. Weihrauch, Weihwasser, blumengeschmückte Schreine und Speisesegnungen sind so allgegenwärtig, daß ein bayrischer Katholik durchaus heimatliche Gefühle bekommen kann. Bali ist in gewisser Hinsicht für Indonesien das, was Bayern für Deutschland ist. Mit-Laptop-und-in-Lederhosen-, respektive mit-Handy-und-in-Sarong-Manier sind hier Innovation und lebendige Tradition miteinander verknüpft, und der wirtschaftliche Erfolg hebt sich von anderen Landesteilen ab. Der Tourismusbranche kommt eine Schlüsselbedeutung zu.
Mein auf zwei Jahre begrenzter Pachtvertrag hatte mir die Möglichkeit geboten, in geschütztem Rahmen das Land und die Geschäftsgewohnheiten so weit kennen zu lernen, dass der Aufbau meines eigenen Betriebs im Laufe der vergangenen 14 Monate ein überschaubares Risiko darstellte. „Geschäftsgewohnheiten“ erstreckt sich übrigens auch auf die überlebenswichtige Sitte, regelmäßig und artig um Schutz bittend freundliche Geschenke bei wohlwollenden Würdenträgern abzugeben. Stets quittiert mit einem lächelnden „Herzlichen Dank, mein Freund. Das wäre aber wirklich nicht nötig gewesen“.
So habe ich 2.000 m2 Land am Meer für 30 Jahre von der Regierung gepachtet und ein Ressort mit Tauchbasis, fünf Hotelzimmern und Restaurant darauf gebaut. Klein, fein, familiär ist die Devise. Und dennoch sind dafür mehr Mitarbeiter nötig als auf den ersten Blick erkennbar: Gärtner, Nachtwächter, Zimmermädchen, Koch, Tauchguides und Besatzung für drei Boote ergeben inzwischen ein 20-köpfiges Team. Damit hat der Betrieb eine Größe erreicht, bei der ich meinem anfänglichen Ideal untreu werden musste: Ich kann nicht mehr jeden Tag selber tauchen. Aber immerhin sehe ich auch von meinem Büro aus aufs Meer.
Neben sonnigem Wetter, Bilderbuchlandschaften und der Faszination Südsee machen es auch die Balier ausgeprochen angenehm, auf ihrer Insel zu wohnen. Überall lächelnde Gesichter, unglaubliche Gastfreundschaft und unübertreffbare Kinderfreundlichkeit sind besonders auffallend. Das Gegenwicht dazu bilden aus Unternehmerperspektive vor allem die für einen Europäer schwer zu verstehenden Konzeptionen von Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. Das ist wertneutral gemeint, kann aber einen in Deadlines und Commitments denkenden Investor durchaus hin und wieder verzweifeln lassen.
Mir wird sehr häufig die Frage gestellt, was ich denn am meisten aus der Heimat vermisse. Das sind natürlich alte Freunde und Familienangehörige. Durchaus aber auch Weißwurstfrühstück, das Gefühl von kalter Nase und wärmendem Glühwein und der Wechsel der Jahreszeiten. Klare Herbstluft und das Rascheln vertrockneter Blätter sind mir zum Inbegriff von Nach-Hause-Kommen geworden. Nicht unerwähnt bleiben soll ein Nachteil meiner Insel, der mir klar wird, während ich diese Zeilen schreibe: Die weite Entfernung zur Kaulbachstraße in München, der Residenz der Alemannia.

 

Kb Jörg Scharf
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