Seaside

Name: Dr.rer.nat. Hans-Ulrich Siebeneick   

Wohnort: Seaside, Kalifornien, USA

Korporation: KAV Baltia, Kiel; KStV Alamannia, Tübingen

Erfahrungsbericht:

Nach meinem Chemiestudium in Kiel verbrachte ich drei “post-doc” Jahre in den USA, zwei davon in Santa Barbara an der University of California. Dort lernte ich auch meine Frau, Barbara, kennen. Und von der Zeit an war es mein Traum, in Kalifornien – speziell an der Küste – den Ruhestand zu verbringen. Dem Ziel kamen wir halben Wegs entgegen, als ich 1979 von meinem Arbeitgeber, Knoll AG, in die USA versetzt wurde. Wir siedelten mit unseren beiden Kindern nach New Jersey über. Aus dem ursprünglich auf zwei Jahre befristeten Delegiertenvertrag wurden 4, 6 und acht Jahre bis ich schließlich vor die Wahl gestellt wurde, in den USA fest angestellt zu werden oder nach Ludwigshafen zurück zu kehren. Da mir der Job in New Jersey sehr gut gefiel, war meine Entscheidung nicht schwer.
Nachdem die Kinder erwachsen und selbständig geworden waren, zogen Barbara und ich im Jahre 2004 nach Kalifornien. Barbara’s Eltern lebten beide zu der Zeit noch, so dass wir uns in deren Nachbarschaft niederliessen.
Seaside liegt 200 km südlich von San Franzisko am Südende der Monterey Bucht. Es gehört mit zur Monterey Halbinsel, die literarisch von John Steinbeck reichlich beschrieben wurde. Er verbrachte ja fast sein ganzes Leben hier. In seinem Schelmenroman “Tortilla Flat” schreibt er über die Stimmung hier folgendermaßen: “Der Wind … treibt den Nebel wie einen wasserfarbenen Schleier über den leicht beleuchteten Mond …. Die Gipfel der Bäume sprechen mit rauher Stimme, berichten von Glück und bevorstehendem Tod”. Andere bekannte Orte sind Carmel, Pacific Grove und Pebble Beach, dem grossen Golfmekka.
Das Klima hier ist gemäßigt, mit nicht sehr warmen Sommern und relative milden Wintern. Das liegt in erster Linie am Ozean, dessen Wassertemperatur zwischen 10° - 15° C beträgt. Der bringt in den Sommermonaten den morgentlichen Nebel, der die Höchsttemperaturen auf ca. 25°C beschränkt. Nur wenige Kilometer ins Inland, und die Temperaturen steigen auf 35° C und mehr. Regen fällt eigentlich nur von November bis März/April und dann auch nicht sehr reichlich. So wächst im Garten nahezu alles was man sich vorstellen kann.
Da die Bucht von Monterey unter Naturschutz steht, erleben wir hier eine wahrhaft gesunde Natur. Bei Spaziergängen am Strand können wir Seeottern und Seelöwen beobachten bzw. hören. Ab und zu bekommen wir dabei sogar Grauwale zu sehen, die auf ihrer jährlichen Wanderung von Alaska zur Südspitze der Halbinsel von Kalifornien in Mexiko, hier bei uns zweimal vorbei kommen. Die Gruppe dieser Wale ist 17000 Tiere stark, so dass es nicht selten ist, sie zu sehen zu bekommen. Im Sommer verweilt eine Gruppe von Buckelwalen hier in der Bucht. Die ziehen im Winter runter bis vor Costa Rica, wo sie ihre Jungen zur Welt bringen. Und im Juli-August kommen sogar noch einige Blauwale zu uns. Auch die verschiedensten Arten von Delphinen bekommen wir von der Küste, besser noch vom Walbeobachtungsboot aus, zu sehen. Im März/April erscheint eine Gruppe von Schwertwalen (Killerwalen) in unserer Bucht, um Jagd auf die neugeborenen Kälber der Grauwale zu machen, die auf dem Rückweg nach Alaska sind. Auch die Vogelwelt ist sehr reichhaltig, da viele Vögel auf ihren langen Wanderungen bei uns Station machen. Die benachbarte Marschlandschaft bietet halt viel Nahrung.
Monterey County ist bekannt als Gemüsekammer der USA. In erster Linie ist es der Salat, aber auch anderes Gemüse wie Blumen- und Rosenkohl, Erdbeeren, Artischocken und Knoblauch. Die Felder sind nicht nur eine Augenweide sondern warten oft auch mit einem tollen Aroma auf. Und in den letzten Jahrzehnten ist der Weinanbau stark gewachsen. So gibt es viele schöne Weingüter zu besichtigen und all das während eines nachmittäglichen Ausflugs.
Wir wohnen nahe am “Highway 1”, der berühmten Küstenstrasse des Pazifiks. Die bietet zahlreiche schöne Buchten, einige auch mit den Mammutbäumen. Diese Buchten laden oft zu einem Ausflug ein.
Vor knapp drei Jahren hörte ich, dass das weltberühmte Monterey Bay Aquarium deutschsprachige Führer suchte. Da sagte ich diesem freiwilligen Job kurzfristig zu, und wurde nach dreimonatiger Ausbildung voll etablierter Führer. Das ist eine sehr interessante Tätigkeit. Bis auf die Wintermonate treffe ich in meinem Dienst immer wieder auf deutsche Besucher, die dann ganz überrascht sind, wenn ihnen das Material in “Deutsch” erklärt wird. Inzwischen habe ich schon mehr als 750 freiwillige Stunden dort verbracht, d.h. ein- bis zweimal pro Woche 4 Stunden Schicht.
So nahe am Wasser zu wohnen, führte mich dann natürlich auch wieder zum Segeln, dem Sport, den ich in Kiel während meines Studiums gelernt hatte. Von April bis November nehme ich als Deckhand ein- bis zweimal pro Woche an Segelregatten teil. Das macht nach wie vor viel Spass.
Wir bereuen den gewaltigen Umzug hierher nicht im Geringsten. Sehr häufig wachen wir morgens mit der Festellung auf: Schon wieder ein schöner Tag im Paradies.

Kb Hans-Ulrich Siebeneick am Strand der Bucht
Blick auf Seaside
Küste von Point Lobos
Point Lobos Pinien
Carmel Mission Basilika
Kurzkrallenotter
Quallen im Aquarium
Segeln vor Sonnenuntergang
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