Benjamin Traber (Lu, Bf), Andreas Wittenberg (Wk, Bf)
Aufbruchstimmung im KV
KStV Burggraf Nürnberg mit neuem Leben
„Wir sind wieder wer.“ Das konnten nach dem Vorortsübergabekommers in Berlin die Bundesbrüder eines kleinen, aber feinen Kartellvereins von ihrer Korporation sagen. Der eigenen Altherrenschaft konnten Fotos und Berichte einer Drei-Mann-Charge vom Kommers samt weiterer Begleiter in der Corona übermittelt werden.
Lange Jahre hatte sich der betreffende Verein nur schwer am Leben halten können. Inaktivierung infolge der Einflüsse des Jahres 1968, Wiederbegründung der Aktivitas im Jahre 1985 und ein eher schleppendes Aktivenleben ohne eigenes Haus machten es ihm nicht einfach. Doch wacker hielt sich unser kleiner Verein, vor allem durch das hohe persönliche Engagement einiger verdienter Philister, sodass man sich zumindest beim Nürnberg-Fürther Ortszirkel „Trichter“ ab und zu traf und Neuigkeiten austauschte. Über dieses „Nürnberger Modell“ der engen Vernetzung zum OZ ist bereits berichtet worden.
Durststrecken wurden überwunden
Seit einigen Jahren besteht eine eigene Bleibe mit drei Zimmern in einem Nürnberger Pfarrhaus: Die Verwaltung dieser Zimmer oblag in jüngerer Vergangenheit einem lieben Bundesbruder, der inzwischen ebenfalls ins Philisterium gewechselt ist. Mit eisernem Durchhaltevermögen wurden auch die ärgsten Durststrecken des Vereins- und vor allem des Aktivenlebens mit nur zwei Aktiven am Ort durchgestanden – die AM 2016-6 berichteten seinerzeit. Und so war es eine glückliche Wendung, als sich im September 2016 ein junger KVer aus Augsburg zum Masterstudium an die bekannte WiSo Nürnberg begab. Er schrieb eine Nachricht an die gerade neu erstellte Facebook-Seite, traf unerwartet auf alte Bekannte und ließ sich so für die Herausforderung begeistern. Wenig später wurde eines der Zimmer frei und der frisch gewählte Senior nutzte die Chance, aufs Haus zu ziehen. Dies vereinfachte es, die Vereinsaktivitäten zu bündeln und die anderen Bewohner mitzuziehen.
Bei der beschriebenen Korporation handelt es sich um den Nürnberger Burggrafen. Durch das Übernehmen mehrerer Seniorate und Fuxmajorate vor allem durch KVer und viel Engagement vor Ort ist es gelungen, den Burggrafen über die letzten drei Jahre wieder aufzupäppeln und in jüngster Vergangenheit wieder auf eigene Füße zu stellen. Durch kluge Vergabe der Zimmer an vielversprechende junge Kandidaten – und natürlich auch ein wenig glückliche Hand – ist es gelungen, das Fundament für ein dauerhaftes Bestehen des Nürnberger Burggrafen zu errichten.
Projekt Burggraf 2020
Durch ein gesundes Miteinander aller Beteiligten konnten immer weitere KVer für unsere Sache gewonnen werden, sei es nun aus Aachen, Augsburg, Braunschweig, von unserer Mutterverbindung Rhenania aus Erlangen oder aus München, der Stadt des aktuellen Vorortes, von dem sich ein Präsidiumsmitglied ebenfalls bei uns engagiert. Stets brachten sich dabei die originären Burggrafen in den Prozess ein, sodass aus den verschiedenen Einflüssen eine neue, frische Identität der jungen Burggrafen ganz in Tradition ihres Bundes erwachsen ist. Und so kommt es, dass der Burggraf heute wieder ein prinzipiell unabhängiger Kartellverein ist, dessen derzeitiger Senior, seines Zeichens ein Ur-Burggraf, sich natürlich stets über rege Beteiligung an seinen Kneipen und sonstigen Veranstaltungen des Semesterprogramms freut.
Auch die Burggrafen-Wohnung im Pfarrhaus an der Pfründnerstraße, die über lange Zeit vorrangig WG-Charakter atmete, wird von den nun fünf Aktiven am Ort sowie weiteren aus dem KV sukzessive umgestaltet. So wird nicht erst durch ein neues Verbindungswappen an der Wand deutlich, dass es eher eine Lebenseinstellung als nur ein Hobby ist, Verbindungsstudent zu sein. Zur tieferen Traditionspflege stehe als nächstes – so hört man – ein Klavier auf dem Wunschzettel der Bewohner und Aktivitas…
„Wachsam, Aufrecht und Stark“
So dürfen wir stolz behaupten: „Wir sind wieder wer!“ Und wir sind „Wachsam, Aufrecht und Stark“. Wer uns kennenlernen möchte, dem seien Stab und Ordenskleid der fahrenden Scholaren gereicht; der darf sich gern nach Nürnberg eingeladen fühlen, um ein wenig fränkische Lebensfreude zu erfahren. Und wer weiß – vielleicht entstehen aus etwaigen Besuchen dann wieder neue „alte Freundschaften“ – an uns soll es nicht liegen. Das Projekt Burggraf 2020 ist längst nicht abgeschlossen und die Türen bzw. Arme stehen offen für neue, engagierte Mitstreiter. Weitere Ideen und Aktivitäten insbesondere auch im KV harren der Umsetzung.
Einen ersten Eindruck davon konnte man bereits am Sonntagnachmittag am Folgetag des Heidelberger Schlosskommerses bekommen, als die Nürnberger Reisegruppe als letzte noch mannstark mit Klaviermusik und Gesang die Touristen im legendären Heidelberger Studentenlokal „Schnookeloch“ unterhielt: Gaudeamus igitur, iuvenes dum sumus!

