Hans-Joachim Leciejewski (Urb, E d Cher)
Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte (1 Kor, 7,23)
Oftmals richten sich Menschen nach dem, was andere von ihnen erwarten, und meiden so das Risiko, irgendwie anders zu sein. Dahinter steht häufig die Angst, nicht mehr anerkannt, nicht mehr geliebt zu sein. Doch wer sich so am Maßstab anderer orientiert, steht in der Gefahr, sich selbst zu verlieren. Die Berufung des Christen lautet: Gott gehorsam sein, für Gott ein offenes Ohr haben, sich am Evangelium zu orientieren und nicht an dem, „was man sagt“.
Um das nicht als einen Anspruch zu empfinden, der den Menschen total überfordert, ist der Glaube an Gottes bedingungslose Liebe unbedingt notwendig. Auch über dem Leben eines jeden Menschen liegt Gottes Wort:
„Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter, an dir habe ich Gefallen!“. (vgl. Mt 3:17)
Oftmals fällt es Menschen schwer, diese Liebe, diese Stimme Gottes wirklich zu vernehmen. Ein Grund hierfür ist vermutlich, dass oftmals keine bedingungslose, sondern nur eine an Bedingungen geknüpfte Liebe erfahren wird: „Sei ein braver Junge, dann … Sei ein nettes Mädchen, dann …“ - und im Laufe des Erwachsenwerdens läuft der Mensch Gefahr, diese schräge Logik bedingter Liebe so zu verinnerlichen, dass sie zur Stimme in ihm selbst wird.
Damit aufzuhören und Gottes unbedingter Liebe zu vertrauen, das ist der erste Schritt, um ihm gehorsam zu sein. Das ist eine bewusste Entscheidung. Ich muss mich dafür entscheiden, seinem liebevollen Wort über meinem Leben mehr zu glauben als allen Bedingungen und Abwertungen.
Alles Weitere ist dann tägliche Übung (Exerzitien): die eigenen Gedanken, die zumeist völlig automatisch ablaufen, bewusst und ehrlich wahrnehmen, um dann ihre Gemeinheiten zu unterbrechen. In den Frieden und in die Freude Gottes immer wieder zurückzukehren, das ist eine tagtägliche und eine lebenslange Übung.
Dabei darf jeder darauf vertrauen, dass Gott ihm hilft und ihn zu sich zieht. Es ist ja Gottes Sehnsucht, dass der Mensch der Liebe vertraut. Es ist Gottes Sehnsucht, dass das Wesen der Liebe, das tief in jedem Menschen anwesend ist, zur Entfaltung kommt. „Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter, an dir, an deinem innersten Selbst habe ich Gefallen! Lebe das, was du von innen her bist!“
