Im „Geistlichen Wort“ wird es in den künftigen Ausgaben unserer Verbandszeitschrift um die Zehn Gebote gehen. Hebräisch heißen sie Zehn Worte und sind auch unter dem Namen Dekalog bekannt.
Die Zehn Gebote sind eine Reihe von Geboten und Verboten des Gottes JaHWeH, die sich in der hebräischen Bibel, dem Tanach ?nden - in zwei leicht unterschiedlichen Fassungen im Buch Exodus (Ex 20,2-17) und im Buch Deuteronomium (Dtn 5,6-21).
Verfasst sind sie in der Heiligen Schrift als direkte Rede Gottes an sein Volk und zeigen, wie Gott das Verhalten der Menschen ihm gegenüber und untereinander will.
2 Ich bin der HERR, dein Gott,
der dich aus dem Land Ägypten geführt hat,
aus dem Sklavenhaus.
3 Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
4 Du sollst dir kein Kultbild machen
und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben,
auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.
5 Du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen
und ihnen nicht dienen.
Denn ich bin der HERR, dein Gott, ein eifersüchtiger Gott:
Ich suche die Schuld der Väter an den Kindern heim,
an der dritten und vierten Generation, bei denen, die mich hassen;
6 doch ich erweise Tausenden meine Huld
bei denen, die mich lieben und meine Gebote bewahren.
7 Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes,
nicht missbrauchen;
denn der HERR lässt den nicht ungestraft,
der seinen Namen missbraucht.
8 Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!
9 Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun.
10 Der siebte Tag ist ein Ruhetag,
dem HERRN, deinem Gott, geweiht.
An ihm darfst du keine Arbeit tun:
du und dein Sohn und deine Tochter,
dein Sklave und deine Sklavin
und dein Vieh und dein Fremder in deinen Toren.
11 Denn in sechs Tagen hat der HERR
Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört;
am siebten Tag ruhte er.
Darum hat der HERR den Sabbat gesegnet und ihn geheiligt.
12 Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land,
das der HERR, dein Gott, dir gibt!
13 Du sollst nicht töten.
14 Du sollst nicht die Ehe brechen.
15 Du sollst nicht stehlen.
16 Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
17 Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren.
Du sollst nicht die Frau deines Nächsten begehren,
nicht seinen Sklaven oder seine Sklavin,
sein Rind oder seinen Esel
oder irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.
(Ex 20,2-17)
Im Buch Exodus beginnt mit Kapitel 19 die Erzählung vom Sinai, wo Gott die Israeliten, die er aus Ägypten befreit hat, als sein erwähltes Bundesvolk beansprucht. Die Befreiten versprechen Mose, alle Weisungen Gottes zu befolgen. Im Buch Deuteronomium erinnert Mose das Volk an die Weisungen Gottes, bevor diese über den Jordan hinüber in das versprochene und gelobte Land ziehen. Im Neuen Testament werden die Zehn Gebote an keiner Stelle insgesamt wiederholt, sondern als allgemein bekannt vorausgesetzt. Jesus Christus konzentriert die gesamte Tora, die Sammlung der Gebote, der Weisungen Gottes, in dem einen Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe.
Umfangreich ist die Widerhall der Zehn Gebote in Kunst, Musik, Literatur …. Thomas Mann schrieb 1943 in englischer Sprache eine Novelle für den Sammelband „The Ten Commandments“; ein Jahr später übersetzte er diese Novelle ins Deutsche unter dem Titel „Das Gesetz“. Thomas Mann stellte den Gegensatz des Dekaloges zur nationalsozialistischen Barbarei heraus, die damals jedes allgemein gültige Fundament von Menschlichkeit und Sitte außer Kraft zu setzen versuchte. Mann veröffentlichte die deutsche Fassung der Novelle in Stockholm: „Die Juden haben der Welt den universalen Gott und - in den Zehn Geboten - das Grundgesetz des Menschenanstandes gegeben. Das ist das Umfassendste, was man von ihrem kulturellen Beitrag sagen kann … Aber Fluch dem Menschen, der da aufsteht und spricht: ‚Sie gelten nicht mehr.‘“1
Hans-Joachim Leciejewski (Urb, E d Cher)
Anmerkungen:
1 zitiert nach Karl-Josef Kuschel: Weltethos aus christlicher Sicht (2008)
