Dr. Dipl.-Ing. Christoph Goppel (Erw)

Ein Ruck zu mehr Verantwortlichkeit für Schöpfung  und Klima muss durch das Land gehen
Nachhaltigkeit - Wozu? Wofür?


Die Fridays-for-Future-Bewegung hat tausende junger Leute zu Demonstrationen mobilisiert. Zurzeit - wohl angesichts der Corona-Krise - streikt Greta eher auf Instagram, statt auf der Straße. Aber sie kämpft mit ihrer Bewegung weiter für mehr Klimaschutz und mehr Umweltbewusstsein in aller Welt.

Die jungen Leute erkennen den Zwiespalt zwischen Ökonomie und Ökologie und machen bewusst, dass sie andere Interessen haben als ihre  Eltern. Sie kritisieren, ja verabscheuen den in ihren Augen heute vorherrschenden Kapitalismus. Sie misstrauen ihm, da dieser mehr als spürbar an die vorhandenen Ressourcen stößt. Sie misstrauen ihm, da er nachweislich zur befürchteten Klimakatastrophe beiträgt und somit auch Lebewesen jeglicher Art unwiederbringlich zerstören wird.

Sie demonstrieren, weil sie morgen und übermorgen noch etwas von ihrer Welt haben wollen und den Niedergang tagtäglich miterleben.

Sie fragen mit Recht, ob das, was da landauf und landab geschieht, im Sinne der Nachhaltigkeit ist.

Für Politiker und die jeweils Verantwortlichen ist dies ein mehr als deutliches Signal. Es bedeutet, dass ein Wandel hin zu mehr Umweltbewusstsein und somit auch zur Sensibilität gegenüber diversen Aspekten dringender denn je angesagt ist. Ein „Weiter so“ kann und darf es nicht geben.

„Ein Ruck muss durch Deutschland gehen“ hat einst Bundespräsident Roman Herzog in seiner berühmten Rede 1997 ausgeführt. Er beklagte schon damals Mutlosigkeit und die Pflege von Krisenszenarien.“ Ein Gefühl der Lähmung liegt über unserer Gesellschaft“, so der damalige Bundespräsident Herzog.

Und heute?

Zwanzig Jahre später beklagen wir unter anderem die Endlichkeit der Ressourcen. Wir beklagen ebenso, dass in vielfältiger Weise weltweit, aber auch hier vor Ort Ungleichheiten, mitunter auch Unstimmigkeiten bestehen. Hierzu zählen unter anderem die Unterschiede zwischen reichen und armen Ländern, zwischen armen und reichen Mitbürgerinnen und Mitbürgern und nunmehr wohl auch zwischen den Generationen. Es ist, wie auch damals, eine gewisse Lähmung in der Gesellschaft festzustellen.

Zugleich steigt aber auch die Erkenntnis, dass je mehr Umweltressourcen genutzt und somit auch verbraucht werden, umso höher die Wahrscheinlichkeit ist, dass Enkel und Enkelkinder dafür aufkommen und deren Reparaturen bezahlen müssen.

Das ist wohl auch der Grund und die dahinter befindliche Begründung für die Demonstrationen vieler Jugendlicher.

Es gilt nun nicht mehr zu fragen und zu analysieren, was alles falsch gemacht wurde. Vielmehr gilt es die Frage der Nachhaltigkeit in den Vordergrund jeglichen Tuns und jeglicher neuer Strategie zu richten. Es gilt eine Neuausrichtung zu finden, denn man kann nicht mit den selben Maßgaben und Absichten aus der Krise herauskommen, wie man hinein kam.

Es gilt somit die entsprechenden Kräfte innerhalb der Gesellschaft aufzurütteln, die Beteiligung Vieler, soweit möglich, hervorzurufen und Begeisterung bei Vielen für diesen neuen Weg zu erzeugen.

Wir alle sollten umdenken! Insbesondere wenn es um die Frage geht, wie die noch verbleibende Umwelt weltweit, national, regional und lokal, aber auch generationsübergreifend, zu nutzen ist  und ob die damit verbundenen Vorhaben sich auch als nachhaltig erweisen. Das ist insbesondere auch eine Frage der Verteilung und des Gebrauches des Konsums.

Zu denken ist hier insbesondere auch an die Ressource Wasser, die nachweislich immer knapper wird. So gibt es in Südafrika bereits klare Vorgaben, ja Mengenbeschränkungen, für den Gebrauch von Wasser. Hierzulande beklagen wir eher Verunreinigungen im Trinkwasser und treffen entsprechende Vorkehrungen für den jeweiligen Gebrauch. Schon an diesem einfachen Beispiel zeigt sich die Spannweite der Nutzung und des Gebrauches von Wasser auf diesem unseren Kontinent.

Ähnliches ist von der Artenvielfalt zu berichten, die weltweit wie auch national und regional erschreckende Erkenntnisse aufzeigt. Wir hier in unseren Breiten haben bereits über 90 Prozent unserer Hochmoore vernichtet, deren Wirkung jetzt so extrem wichtig wäre.

Ja: wir haben nachweislich Raubbau an unserer Natur betrieben. Den Beweis hierfür zeigen uns nicht nur die Naturwissenschaftler. Wir merken es selbst, wenn wir selbstkritisch unser tagtägliches Tun und Handeln hinterfragen. Wir sollten uns dessen immer wieder bewusst sein.

Zugleich gilt es aber auch den Blick nach vorne zu richten und nach Lösungen Ausschau zu halten. Hierbei gilt sicherlich auch: Das neue Leitbild jeglichen Tuns kann nur der Gedanke der Nachhaltigkeit sein. Warum? Nachhaltigkeit zielt darauf ab, die ökologischen, ökonomischen und sozialen Grundlagen als Einheit zu sehen, zu erhalten und im Einklang auszubauen. Im Vordergrund stehen dabei nicht das Jetzt, sondern die Entwicklungschancen für die heutige und die kommenden Generationen auf Lebensqualität und Wohlstand.

Alle, nicht nur die Politik oder die Kirchen, sondern auch Kommunen, Wirtschaft und die Gesellschaft sowie jeder Einzelne sind aufgerufen, sich entsprechend einzubringen und nachhaltig zu handeln. Wir tun das nicht für uns, sondern insbesondere für die künftigen Generationen.

Nachhaltigkeit - wozu?

Nur in einer veränderten Sichtweise der Zusammenhänge, der damit verbundenen Aufgaben sowie in einem neuartigen Miteinander von Mensch und Natur und einer partizipativen Gestaltung der gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen, sei es weltweit, national oder gar regional und lokal, liegt die Lösung, die wir suchen und wonach die Schülerinnen und Schüler sich sehnen.
Wir sind es, die darauf Antwort zu geben haben. Wir sind es, die in der Verantwortung stehen und entsprechende Lösungsansätze zu finden haben. Wegducken und davon laufen gilt nicht.

Nachhaltigkeit - wofür?

Wir sind es der kommenden Gesellschaft schuldig, sie und ihre Sorgen ernst zu nehmen und mit ihr gemeinsam nach nachhaltigen Lösungsansätzen zu suchen und diese dann auch gemeinsam voranzutreiben.

Wir sind es der kommenden Gesellschaft schuldig, schon jetzt die erforderlichen Schritte hin zu mehr Nachhaltigkeit einzuleiten und auf den Weg zu bringen.

Wir sind auch gegenüber der bestehenden Gesellschaft in der Pflicht, nachweisliche Missstände zu beheben und gemeinsam mit allen Beteiligten Lösungsansätze zu entwickeln sowie etwaige Folgekosten so gering wie möglich zu halten.

Wir sind auch gegenüber uns selber in der Pflicht, entsprechend zu handeln, denn wir sind nachweislich mit Schuld an den zu beklagenden Veränderungen um uns herum und auch an den Missständen, die im Rahmen von Demonstrationen aufgezeigt werden.

Was wir benötigen, das sind 4 x I:     
Impulse, die jede und jeder Einzelne von uns im Alltag zeigen können, Ideen, die wir in diversen Gremien diskutieren und auf den Weg bringen können. Initiativen, die wir veranlassen können und Innovationen, die uns in die Lage ver- setzen, die diversen Aspekte ganzheitlicher als bisher zu sehen und danach zu handeln.

All das ist verbunden mit Entschleunigung statt Beschleunigung _ verbunden mit Gelassenheit statt Hektik _ verbunden mit Empathie statt Egoismus und persönlicher Überheblichkeit _ verbunden mit Aufbruch statt Resignation.

 „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird, aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll“. (Georg Christoph Lichtenberg, 1742-1799 deutscher Physiker) Und: „Die Erde hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ (Mahatma Gandhi)