Das erste und zweite Gebot (Ex 20, 1-7)

Die Zehn Gebote sind die Urkunde des Bundes, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat. „Der Herr offenbarte euch seinen Bund, er verpflichtet euch, ihn zu halten: die Zehn Worte. Er schrieb sie auf zwei Steintafeln“ (Dtn 4,13). Sie sind uns im Buch Exodus überliefert.

Das erste Gebot lautet: „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. Du sollst dir kein Gottesbild machen […]. Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen“ (Ex 20,3-5). An späterer Stelle wird dieses Gebot erläutert. Israel wird in ein Land kommen, dessen Bewohner andere Götter verehren. Es soll sich hüten, mit ihnen einen Bund zu schließen; „sie könnten dir sonst, wenn sie in deiner Mitte leben, zu einer Falle werden. Ihre Altäre sollt ihr vielmehr niederreißen, ihre Steinmale zerschlagen, ihre Kultpfähle umhauen […]. Hüte dich, einen Bund mit den Bewohnern des Landes zu schließen. Sonst werden sie dich einladen, wenn sie mit ihren Göttern Unzucht treiben und ihren Göttern Schlachtopfer darbringen, und du wirst von ihren Schlachtopfern essen“ (Ex 34,12-15).

Jesus wird von einem Schriftgelehrten gefragt: „Welches Gebot ist das erste von allen?“ Er antwortet nicht mit dem Buch Exodus, sondern mit dem Buch Deuteronomium: „Das erste ist: Höre, Israel, der Herr unser Gott ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn deinen Gott lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit allen deinen Gedanken und mit all deiner Kraft.“ Der Schriftgelehrte sagt: „Sehr gut, Meister!“ und er wiederholt Jesu Antwort (Mk 12,28-32; vgl. Dtn 6,4f.).

Das zweite Gebot lautet: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen“ (Ex 20,7). Der Name Gottes ist im Alten Testament Gott-für-uns im Unterschied zu Gott-an-sich. Wir sprechen den Namen Gottes über einem Menschen aus, um ihn zu segnen; wir rufen den Namen Gottes an, wenn wir Gott um Hilfe bitten. „Wir segnen euch im Namen des Herrn“ (Ps 129,8). „Der Herr erhöre dich am Tage der Not, der Name von Jakobs Gott möge dich schützen“ (Ps 20,2). „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“ (Ps 124,8). Wir missbrauchen den Namen des Herrn, wenn wir ihn gedankenlos oder im Zorn aussprechen.

 

Friedo Ricken SJ