Der Tod überraschte ihn nicht mehr

Ende August feierte der Bischof von Hildesheim, Dr. Heiner Wilmer SCJ, einen Gottesdienst, in dem er an drei Priester aus dem Bistum Hildesheim erinnerte, die als Staatsfeinde galten und von den Nationalsozialisten umgebracht wurden: Pfarrer Joseph Müller, Pater Friedrich Lorenz OMI und Kb Pfarrer Christoph Hackethal. Siegerieten mit dem NS-Regime in Konflikt, weil sie sich nicht einschüchtern ließen, weiter das Wort Gottes verkündigten und für die Menschen  da waren. Als Folge daraus wurden die drei Priester verhaftet. Pfarrer Müller und Pater Lorenz wurden zum Tode verurteilt und enthauptet. Kb Pfarrer Hackethal starb an den Folgen von Haft und Folter im Konzentrationslager Dachau.

Sie haben ihr Leben hingegeben als treue Glaubenszeugen für Christus. In diesem Gottesdienst denken wir an sie und weitere Opfer des NS-Terrors, denn ihr Martyrium ist uns Verpflichtung“, sagte Prälat Heinrich Günther nach einem Bericht der Hildesheimer Kirchenzeitung. Er ist Mitglied im Initiativkreis Seligsprechung, der seit mehreren Jahren im Bistum Hildesheim Unterschriften sammelt, um den Seligsprechungsprozess für Pfarrer Müller, Pater Lorenz und Kb Pfarrer Hackethal anzustoßen.

Am 28. März 1899 wurde Christoph Hackethal in Hannover als Sohn des Kaufmanns Karl und seiner Ehefrau Paula Hackethal geboren. Mit seinen beiden Geschwistern wuchs er in einer - wie es Dr. Wilhelm Maxen, Pfarrer in Hackethals Heimatgemeinde St. Marien ausdrückte - „echt katholischen Familie“ auf, in der die Beteiligung am kirchlichen Leben selbstverständlich war.
Am 18. Februar erhielt Hackethal am hannoverschen Goethegymnasium sein Abiturzeugnis, mit dem Vermerk „will Theologie studieren“. Dieses Studium absolvierte er bis März 1922 an der Universität Münster, der für Hildesheimer Theologiestudenten üblichen Ausbildungsstätte.
Dort trat Christoph Hackethal der Germania bei. Die Germanen wählten Christoph Hackethal für das Sommer-semester 1921 zum Fuchsmajor. In diesem Amt stellte er zum ersten Mal seine Fähigkeiten in der Menschenführung unter Beweis. 1922 ins Hildesheimer Priesterseminar eingetreten, wurde Hackethal unter Teilnahme seiner Bundesbrüder am 24. Februar 1923 durch Diözesanbischof Dr. Joseph Ernst im Dom zu Hildesheim zum Priester geweiht. Anschließend kam er als Kaplan nach Wilhelmsburg bei Hamburg, eine Arbeitergemeinde im äußersten Norden des Bistums Hildesheim. Schon nach einem Jahr, zum 1. Mai 1924, wurde Hackethal nach St. Elisabeth in Hannover versetzt. Dort galt sein besonderes Augenmerk dem schulischen Religionsunterricht und der Jugendseelsorge sowie den - aus Ermangelung eines Pfarrzentrums in der Aula des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums stattfindenden - „Gemeindeabenden für religiöse Kultur, Kunst und Bildung“.
Seine alltägliche Arbeit wurde durch eine insgesamt eher schwächliche Gesundheit beeinträchtigt, weswegen er auch jedes Jahr einen längeren Urlaub oder Kuraufenthalt benötigte - mit der normalen Pfarrseelsorge war Hackethal rein kräftemäßig überfordert. In St. Elisabeth in Hildesheim, wohin er am 16. April 1928 kam, konnte er sich denn auch kaum einbringen, weswegen ihm stattdessen durch die Bistumsleitung zum 16. Mai 1929 die Stelle des zweiten Domlektors sowie Seelsorgers im Hildesheimer St. Bernwardskrankenhauses übertragen wurde. Mit großem Engagement kümmerte sich Hackethal um die stets rund dreihundert Patienten und bediente sich dabei bisweilen auch modernster technischer Hilfsmittel, indem er Gottesdienste und Andachten etwa per Rundfunklautsprecher in die Krankenzimmer übertragen ließ.
Am 1. Oktober 1934 wurde Hackethal durch Bischof Dr. Joseph Godehard Machens zum Pastor in Bad Harzburg-Bündheim bestellt: eine Diasporagemeinde im Harz mit mehreren kleinen Gottesdienststationen, unter anderem im 24 Kilometer entfernten Braunlage. „Mit Liebe und Hingabe richtete der Pfarrer den Gottesdienst aus. In seiner rednerisch packenden Art erschloss er den Sinn der liturgischen Gebete, Formen und Gesänge“, erinnern sich Zeitgenossen.