Endlich wieder eine ganz normale Kneipe feiern - das wäre schon viel

Maximilian Kranner wurde am 19. April 1997 in Rosenheim in Oberbayern geboren. Er studiert an der TU München Bauingenieurswesen im Bachelor und ist seit dem Wintersemester 2017/2018 bei der KStV Ottonia München aktiv. Er durfte direkt das verantwortungsvolle Amt des Bierwarts bekleiden und nach der Fuchsenzeit stand er dem Verein als Senior vor. Kb Maximilian Kranner ist der Präside des Vororts 2019/2020.

Lieber Maximilian, hinter dir liegt fast ein Jahr als Präsident des Vororts 2019/2020. In deine Amtszeit fielen aus meiner Sicht zwei wesentliche Themen: Die Umsetzung der Entscheidungen der VV 2019 in Freiburg und dann – sehr plötzlich – das Thema Corona-Pandemie. Bevor wir darauf eingehen, sag gerne ein paar Worte zu dir: Wie bist du zur Ottonia gekommen und bist du immer noch gerne Ottone?

Ich habe wohl den klassischen Weg des Aktiven der neuen Generation gewählt und bin über eine Anzeige bei WG-Gesucht auf den Verein aufmerksam geworden. Nach einem – für solche Besichtigungen ungewöhnlich langen Abend – war ich bereits zwei Tage später mit einem Ottonen in München feiern und habe die  Wohnungszusage bekommen. Ich fühle mich seitdem bei der Ottonia sehr gut aufgehoben und habe in der Zeit mit vielen Bundesbrüdern gute Freundschaften geschlossen – es hat also von Anfang an gepasst und ich bin nach wie vor sehr gerne Ottone.

Nun zum ersten wichtigen Vororts-Thema: Wie war es, den Vorort nach der wegweisenden VV 2019 in Freiburg zu stellen und als Präside zu leiten? Was war an dieser Zeit für dich besonders?

Wir waren uns im Münchener Team von vornherein einig, dass wir unabhängig davon, wie die VV in Freiburg verlaufen wird, den Vorort stellen wollen. Insofern waren die Herausforderungen der VV in Freiburg für uns kein Anlass für Bedenken – wir waren und sind motiviert. Außerdem haben wir uns mit Bb Rudi Spatschek (Ott, ehem. VOP) und den ehemaligen VOPs David Kockerols (Alb, Ale, Smn, AR) und Lukas Detering (Ask-B) besprechen können. Dann haben wir die Alberten auch noch mit ins Boot geholt und waren damit sicher sehr gut vorbereitet. Dennoch war die Situation auf der VV und danach besonders. Der Beschluss zum Bandtragen hat mich zusätzlich positiv gestimmt – dass nach einem Beschluss alle Teilnehmer aufstehen und klatschen, passiert nicht oft. Andererseits habe ich nur eine Amtszeit und daher keinen Vergleich, ob die Beschlüsse der VV die Amtszeit „anders“ gemacht haben. Mein Eindruck ist auch nach allen Besuchen der verschiedenen Vereine, dass es kaum Probleme mit der Umsetzung der Beschlüsse und des Kompromisses gibt.

Nicht nur die Beschlüsse und der Band-Kompromiss waren besonders – auch hast du direkt in einem neuen KV-Rat mitgearbeitet. Wie hat das bisher funktioniert?

Die Arbeit im neuen KV-Rat funktioniert aus meiner Sicht sehr gut. Auch die Umstellung auf digitale Kommunikation und Abstimmung ist uns gut gelungen. Leider fiel bei den letzten Sitzungen wegen der Einschränkungen durch Corona das gemeinsame Zusammensein nach den Sitzungen weg. Ein schönes Zeichen ist aber, dass trotz Video-Konferenz nach der Sitzung alle Mitglieder auf ein oder zwei Getränke und entspannten Austausch dabeibleiben.

Was ist dir bei deinen Besuchen der verschiedenen Vereine aufgefallen?

Es ist schon auffällig, dass Veranstaltungen, die bei allen Vereinen vermeintlich sehr ähnlich ablaufen, wie Stiftungsfeste und Kneipen, doch häufig Unterschiede festzustellen sind. Unter anderem in dieser starken vereinsbezogenen Prägung zeigt sich ein starker Charakter des KV. Das war für mich teilweise überraschend aber auch sehr bereichernd. Außerdem zeigt sich immer wieder: Die Stärke jedes Vereins erwächst vor allem aus Freundschaft und Zusammenhalt zwischen den jeweiligen Bundesbrüdern. Wenn dieser Zusammenhalt da ist, dann funktioniert meistens auch der Rest sehr gut.

Und um nicht immer nur das Schöne in den Vordergrund zu rücken: Was stört dich so richtig am KV? Worauf könntest du gerne verzichten?

Es gibt kein Problem, was mich wirklich permanent beschäftigt. Aber klar gibt es Dinge, die man angehen kann und auch gerade angeht – allen voran, Abstimmungs- und Kommunikationswege einfacher und schneller zu machen. Und die Stärke des KV, die Heterogenität, gerät auch manchmal zur Herausforderung, wenn man immer wieder versuchen muss, alle unterschiedlichen und manchmal komplett gegensätzlichen Interessen unter einen Hut zu bringen. Es gibt nämlich unterschiedliche Ansätze damit umzugehen. Allzu oft gibt es statt offener Rückmeldung oder konstruktiver Kritik viel Ärger im Hintergrund. Dadurch ändert sich nichts. Zwar kommt Ärger am Ende schon bei den Verantwortlichen an, aber ohne ausreichende Erklärung führt das nur zu Frust und nicht zu Konsequenzen. Das macht die Arbeit nicht einfacher und die interne Wahrnehmung auch oft viel schlechter als die Situation eigentlich ist.

Und wie seid ihr im Vorort mit der Corona-Pandemie umgegangen?

Ich habe mich sehr auf die vielen Veranstaltungen gefreut. Die ursprüngliche Aktiventagsplanung war beispielsweise sehr umfangreich, denn es wäre seit Jahren der erste AT außerhalb des Rahmens einer VV gewesen. Wir wollten diese Gelegenheit nutzen, etwas Besonderes daraus zu machen. Durch Corona wurde es auch zu etwas Besonderem – aber eben nicht im ursprünglichen Sinne. Dass dann nur eine digitale Sitzung stattfinden konnte, nimmt uns natürlich den schönen und vor allem gemeinsamen Rahmen eines großen Festkommerses mit den Kartellbrüdern. Aber positiv sehen kann und muss man es auch: Es ist uns gelungen, den Aktiventag – samt Kneipe! – überhaupt stattfinden zu lassen. Das ist ein kleiner und tröstender Erfolg. Der zusätzliche Planungsaufwand dafür war auch ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt. Das bisherige Feedback dazu war auch positiv und ich denke, uns gelang eine gute Umsetzung. Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass es – wie so oft – von außen einfacher aussah als aus der Perspektive der Verantwortlichen. Ob der Vorortsübergabekommers als Abschluss der Amtszeit später im Jahr stattfinden kann, ist leider noch völlig offen. Die unklare Situation ist ärgerlich, aber daran können wir aktuell nichts ändern. Wir hoffen auf das Beste!

Ebenso waren auch die KV-Ratssitzungen betroffen. Aber wir haben schnell einen Modus gefunden, mit dem wir weiterarbeiten können und zügig zu Ergebnissen kommen. Und wir sehen bei den Vereinen: Jeder plant um. Es ist aktuell sehr schwer anhand der verschickten Semesterprogramme festzustellen, welche Veranstaltungen überhaupt stattfinden. Viel funktioniert dann über persönliche Kontakte. Als Vorort versuchen wir natürlich überall dabei zu sein. Auch haben wir uns als Vorort Gedanken gemacht, ob wir ein eigenes digitales Format anbieten. Schließlich haben wir aber festgestellt, dass die Vereine gute Arbeit leisten und wir gerne an deren Veranstaltungen teilnehmen, um so den Kontakt aufrechtzuerhalten.

Und wie hat die Corona-Pandemie das Vereinsleben bei der Ottonia getroffen? Wie habt ihr euch geholfen?

Ich denke alle Kartellbrüder haben in ihren Vereinen die Beschränkungen gespürt. Zwischen den geltenden und sinnvollen Regeln und den Wünschen des Vereinslebens haben sich schon viele gefragt: „Wo bleibt da der Mensch?“ Auch für uns Ottonen war und ist die Frage nicht einfach zu beantworten. Gerade in der Phase der Neueinzüge, in der „Anfangsphase“ des Semesters und konkret bei den Veranstaltungen. Im ersten Schritt haben wir konsequent alle Präsenzveranstaltungen des laufenden Semesters abgesagt. Die Convente haben wir online durchgeführt, was – wie vielleicht bei anderen Vereinen auch – zu wesentlich kürzeren Sitzungen geführt hat. Und dann haben wir einen Schwerpunkt da-rauf gelegt, möglichst viele Alte Herren durch digitale Vorträge und Kneipen zu Hause „abzuholen“. Uns hat sich nicht die Frage gestellt, ob digitale Kneipen dem hochoffiziellen Charakter dieser Veranstaltung gerecht werden. Vielmehr war wichtig, dass man sich sieht und Zeit miteinander verbringt. Jeder Bundesbruder, insbesondere der älteren Generationen, der so ein paar schöne Stunden mit uns Aktiven verbringen kann, ist diese Mühe wert. Als Inspiration für eine eigene Veranstaltung kann ich ein Online-Whiskey-Tasting sehr empfehlen: Jeder Teilnehmer bekam ein Set an Whiskeys nach Hause geschickt und konnte dadurch, sozusagen vom Wohnzimmer aus, ganz nah dabei sein.

Leider musste eine ganze Reihe von KV-Veranstaltungen abgesagt werden. Worauf würdest du dich freuen, wenn ab heute wieder alles möglich wäre?

Ich glaube da geht es mir so wie den meisten: Endlich wieder eine ganz normale Kneipe feiern. Es muss wahrscheinlich gar nichts Besonderes sein, weil die Stimmung der Teilnehmer – die Lockerheit und Gelassenheit – völlig ausreichen würde. Und natürlich wenn der Schlosskommers in irgendeiner Form stattfinden könnte. Vor allem, weil ich mich darauf freue, Kommerspräside zu sein.

Die Fragen stellte Marc Lenzke (Nm)