In Schweden weniger Gegensätze zwischen Laien und Priestern?
Kardinal Kb Anders Arborelius (E M d. Nm-W) über die Folgen des Vatikan-Dokuments zu Pfarreireformen: Impuls zu mehr Evangelisation
Laien in der Gemeindeleitung sind nicht zulässig, hat eine Vatikanische Instruktion bekräftigt, die Ende Juli unter dem Titel „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung“ erschienen ist. Die Instruktion lässt Laien in der Gemeindeleitung nicht zu, höchstens in außerordentlichen Fällen, widerspricht Bestrebungen, das Amt des Pfarrers einem Team aus Priestern und Laien anzuvertrauen, macht die Aufhebung oder Zusammenlegung von Pfarreien von begründeten Einzelfallentscheidungen der Bischöfe abhängig und mahnt, eine „Klerikalisierung der Pastoral“ zu überwinden. Was in Deutschland als großes Thema gilt, wird in anderen Ländern offenbar anders gewertet.
So hat der Bischof von Stockholm, Kb Kardinal Anders Arborelius (EM d Nm-W) in einem Gespräch mit der Katholischen Nachrichtenagentur KNA andere Aspekte der Instruktion hervorgehoben. Der Papst stelle die Evangelisierung und die Armen in den Mittelpunkt des Schreibens, sagte der Erzbischof von Stockholm. Es gehe hier mehr um eine pastorale Umkehr. Die Gemeinden seien dazu da, um die frohe Botschaft weiterzugeben. „Das ist mehr ein geistlicher als ein organisatorischer Prozess“.
Auf die Frage, warum Fragen der Laien in der Gemeindeleitung und der Zusammenlegung von Pfarreien in der schwedischen Kirche kein so großes Thema seien, antwortete Kardinal Arborelius, dass seine Teilkirche relativ viele Priester habe, aber eher weniger Laien, die hauptamtlich in den Gemeinden arbeiten. „Dagegen haben wir sehr viele ehrenamtliche Laien, die mit dem Priester zusammenarbeiten. Die Arbeit wird also von einem Priester und vielen ehrenamtlichen Laien getragen. Das ist natürlich ein bisschen anders als bei Ihnen in Deutschland, wo sehr viele Laien hauptamtlich eingesetzt werden.“
Zudem habe die schwedische Kirche „nicht diesen Gegensatz zwischen Priestern und Laien“ und sei sehr froh, dass sich so viele Laien engagierten. „Das hängt auch vom Priester ab, aber die Aufgaben in den Gemeinden werden meistens sehr gut verteilt. Und für uns ist das kein großes Problem, dass die Laien nicht die Leitung übernehmen können, sie können oft sehr selbstständig arbeiten in ihrem Fach, Katechese oder karitativer Arbeit.“
Der Papst rufe zu geistlicher Umkehr auf. Das sei ja schon daran deutlich, „dass er auch bei der Reform in der Kurie die Evangelisierung zentral gestellt hat. Und Organisation ist weniger wichtig als dieser geistliche Umkehrprozess, würde ich sagen.“
Aus der Instruktion ziehe er für sein Bistum die Konsequenz zu stärkerem missionarischen Einsatz in die Gemeinden und in die Gesellschaft hinein: „Schweden ist ein sehr säkulares Land, bis jetzt war die lutherische Kirche überall präsent. Aber das ist nicht mehr so.
Es gibt also für uns eine wichtige Aufgabe, mehr missionarisch, mehr evangelisierend in der säkularen Gesellschaft Schwedens zu wirken. Für viele Gemeinden kann das schwierig sein. Die meisten Katholiken Schwedens kommen aus anderen Ländern, da ist man mitunter ein bisschen ängstlich, um öffentlich für den Glauben aufzutreten. Für uns ist es wohl eine Aufgabe, die Gläubigen davon zu überzeugen, dass sie sich mehr missionarisch einsetzen müssen.“
