Kartellbrüderlichkeit im Zeichen des „Alten Peter“

Hundert Jahre werden am 28. Oktober vergangen sein, seit der Münchner KV- Philisterzirkel gegründet wurde. „Zusammenkünfte: jeden dritten Samstag im Ottonenheim“, hieß es in der Gründungsanzeige, die im Jahre 1920 in der Herbst-Ausgabe dieser Zeitschrift erschien. Zu diesem Jubiläum einige Gedanken der KStV Erwinia als aktuellem Vorstand der Münchner Kartellverbindungen (MKV).

Mit der Gründung des Philisterzirkels setzte sich die gute, freundschaftliche Zusammenarbeit der Münchner KV-Verbindungen fort. Zwar gab es in Anfangszeiten des KV noch Vorgaben, dass an einem Hochschulstandort nur eine KV-Verbindung aktiv sein sollte. Diese Vorgabe wurde spätestens mit der Gründung der KStV Erwinia als zweite Münchner KV-Verbindung hinfällig - damals mit der Begründung, dass an jeder Hochschule eine KV-Verbindung zulässig sein müsste: Die 1866 gegründete KStV Ottonia an der Universität, die 1873 gegründete KStV Erwinia an der damaligen „Polytechnischen Schule“, die ab 1877 als Königlich Bayerische Technische Hochschule bezeichnet und 1970 in Technische Universität München unbenannt wurde.

Von Anfang an gab es eine meist positive Zusammenarbeit zwischen den Münchner Verbindungen. So unterstützte die KStV Ottonia 1896/97 aktiv die Wiederbegründung der Aktivitas der KStV Erwinia. In der Bierzeitung von 1908 gab es Pläne für ein komfortables MKV-Haus mit Albertia, Ottonia, Saxonia und Erwinia - ein Plan, der erst 1960 mit der OASE in der Gabelsbergerstraße realisiert wurde. So war die Gründung des Philisterzirkels von damals sechs Münchner KV-Verbindungen nach dem ersten Weltkrieg die Folge dieser guten Zusammenarbeit und die Offenheit im KV.

Der KV-Philisterzirkel München ist zwar der erste dokumentierte Zusammenschluss von Mitgliedern Münchner Verbindungen. Die Münchner Verbindungen arbeiten jedoch nicht nur im Philisterzirkel (heute Ortszirkel) zusammen, sondern suchen die Zusammenarbeit mit weiteren katholischen Studentenvereinigungen.

Aus dem KV-Philisterzirkel wurde der Ortszirkel „Alter Peter“ (), der sich 1960 eine eigene Satzung gab. Dort treffen sich nicht nur Philister, sondern auch Aktive zum monatlichen Stammtisch. Zum Ortszirkel gehören 853 Kartell-brüder. Der OZ trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat um 17 Uhr im „Weißen Brauhaus“ im Tal 7, mit ca. dreizehn teilnehmenden Kartellbrüdern aus einem Stamm von 56, bei über achthundert im Raum München wohnenden Kartellbrüdern. Über das Jahr organisiert der Ortszirkel drei Stadtführungen und einen Tagesausflug.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich die Münchner Kartellverbindungen mit der KStV Ludovicia aus Augsburg und der KStV Isaria aus Freising im MKV zusammen. Dies ist der einzige, aktive und lebendige Zusammenschluss von Aktiven und Alten Herren auf Ebene eines Studienortes, mit den Organisationsvorgaben des KV schwer zu erfassen.

Ab 1993 begann der Zusammenschluss der Münchner Verbindungen des KV, des CV - und der Unitas. Nach mehreren gemeinsam durchgeführten Veranstaltungen, wie Kommers und Gaudeamus-Ball, führte dies schließlich zur Gründung der Vereinigung der „Katholische Kooperationen München (KKM)“ am 20. Februar 2001 unter Beteiligung der verbandsfreien KBStV Raetia. Seit dem 13. Juni 2005 ist der KKM im Vereinsregister eingetragen.

Mit diesem Zusammenschluss wurde auch die Mitgliedschaft im Arbeitskreis Münchner Corporationen (AMC) auf Grund der fehlenden Distanz des AMC zu rechtsnationalen Burschenschaften gekündigt.

Der KKM organisiert eine Vielzahl von Veranstaltungen, anfangs den Musikus mit klassischer Musik, nun einen Landtagsstammtisch mit Beteiligung von Politikern, die Mitglieder von CV und KV sind. Dazu gehören auch Vorträge und Kneipen im bayerischen Landtag. Außerdem ist der KKM mit Chargenabordnungen beim Eröffnungsgottesdienst der Ludwig-Maximilians-Universität dabei. Jährlicher Höhepunkt der Veranstaltungen ist der Gaudeamusball im Deutschen Theater.

Trotz der Ferne zu den Zentren des KV fühlen sich die Münchner Verbindungen dem Kartellverband (KV) verbunden und arbeiten aktiv und kritisch-konstruktiv im KV mit. Mehrfach übernahmen Münchner KV-Verbindungen den Vorort. Mit gewissem Stolz fühlen wir uns auch dafür verantwortlich, dass auf Grund eines Vorschlags des MKV der Streitpunkt „Farbentragen“ 2019 auf der Vertreterversammlung geschlichtet werden konnte.

Im Rückblick auf mehr als einhundert Jahre Zusammenarbeit Münchner  KV-Verbindungen, gilt es auch Bernd Gondro (Moe-Stg, E d Ale, E d Nm-W, E d Alb, E d Sx) besonders zu würdigen. Seit über zehn Jahren führt er erfolgreich den OZ Alter Peter, er gestaltete auf der Basis der Regionalkonferenzen den MKV und war der Vater des Zusammenschlusses des KKM und führte ihn in Krisensituationen wieder zusammen. All dies neben seiner langjährigen Tätigkeit als Philistersenior der KSStV Alemannia.

Peter Ehrensperger (Erw)