Kb Prälat Heinrich Festing wird im Dezember neunzig Jahre alt
Die Lippische Rose, das Wahrzeichen des Kreises Lippe, hat es bis ins Wappen von Nordrhein-Westfalen geschafft. Die Externsteine und das Hermannsdenkmal locken Besucher von nah und fern an. Hier, nahe der Kreisstadt Detmold, in Ratsieg bei Lügde-Sabbenhausen kam Heinrich Festing am 10. Dezember 1930 zur Welt. Von 1937 bis 1945 besuchte er die Volksschule in Sabbenhausen und machte danach eine Lehre zum Tischler, die er 1948 mit der Gesellenprüfung bestand. Nach achtjähriger Berufstätigkeit als Tischler legte er in vier Jahren am Abendgymnasium in Neuss 1956 das Abitur ab. Es folgten das Studium der Philosophie und Theologie in Paderborn und Lyon und die Priesterweihe 1961 im Paderborner Dom. Von 1962 bis 1965 wirkte er als Vikar in Bigge im Sauerland.
„Als ich geweiht wurde, war meine erste Frage, ob in meinem neuen Wirkungskreis auch eine Kolpingsfamilie bestehe“, hat Heinrich Festing später einmal berichtet. Und so wurde er 1965 zum Diözesanpräses des Kolpingwerkes der Erzdiözese Paderborn, 1972 zum Generalpräses des Internationalen Kolpingwerkes mit Sitz in Köln gewählt; viermal, in den Jahren 1982, 1987, 1992 und 1997, wurde er für jeweils weitere fünf Jahre in diesem Amt bestätigt.
Neben seinem Amt als Generalpräses war Kb Heinrich Festing Vorsitzender des Kolpinghauses International, Vorsitzender des Verbandes der Kolpinghäuser e.V. und Rektor der Minoritenkirche in Köln, in der sich auch das Grab Adolf Kolpings befindet. Und immer wieder suchte er den Kontakt mit den Kolpingsfamilien und das Gespräch mit jungen Mitgliedern des Kolpingwerks.
In seiner Amtszeit erreichte das Internationale Kolpingwerk eine bis dahin nie erreichte internationale Verbreitung. Als Festing 1972 das internationale Kolpingwerk übernahm, gab es in Mitteleuropa in vierzehn Ländern Kolpings- familien, 2002 gab es sie in 56 Ländern, die auf vier Kontinenten Entwicklungsarbeit leisten. In die Amtszeit von Prälat Heinrich Festing fiel auch die Seligsprechung Adolph Kolpings durch Papst Johannes Paul II.
Festing wurde auch mit Schriften über Adolph Kolping und mit meditativen Werken bekannt. Er schrieb unter anderem das Buch „Adolph Kolping und sein Werk“. Darin spannt er den Bogen von Leben und Wirken des großen Sozialreformers Kolping hin zur Entwicklung des Kolpingwerks von seinen Anfängen bis in die neuere Zeit. Unter dem Titel „Mit Kolping in der Welt - Erinnerungen“ veröffentlichte Festing 2014 seine Autobiografie. Darin gewährt er dem Leser spannende Einblicke in die Welt vor dem Fall des Eisernen Vorhanges. 1970 wurde Kb Heinrich Festing von Kardinal-Großmeister Tisserant zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt. Für sein Engagement im Heiligen Land wurde er mit der Goldenen Palme von Jerusalem ausgezeichnet.
Heute lebt Kb Heinrich Festing in seiner lippischen Heimat und wirkt seit 2002 im „Un-Ruhestand“ als Subsidiar in seiner lippischen Heimatgemeinde Lügde/Sabbenhausen.
