An die eheliche Liebe und Treue erinnert der Dekalog und seine Weisungen hierzu spiegeln sich wieder im sechsten und neunten Gebot:

14 Du sollst nicht die Ehe brechen.

17 Du sollst nicht die Frau deines Nächsten begehren. (Ex 20:14.17)


Die ersten Glaubenserzählungen in der Heiligen Schrift sind Familiengeschichten: die Familie ist von Anfang der Ort der Begegnung mit Gott, sie ist der Ort der Erfahrung des Heils. In den Familien wird der Glaube an Gott weitergegeben und gerade in der Zeit der babylonischen Gefangenschaft im 6. Jahrhundert vor Christus und fortan muss die Familie die Aufgabe der Weitergabe des Glaubens übernehmen, da es den Tempel in Jerusalem und die entsprechenden Institutionen nicht mehr gab. So entwickelte sich jüdisches Leben in den Synagogen und von dieser Zeit ward die Religion unserer Väter und Mütter eine familiäre Religion und ist dies bis auf den heutigen Tag.

In der Liebesbeziehung von Mann und Frau, die die Werte von aufrichtiger Liebe zueinander, Einheit und sexueller Freude leben, erfahren sie den Gott des Heiles, der sie führt und bewahrt:

24 Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und hängt seiner Frau an und sie werden ein
Fleisch.

25 Beide, der Mensch und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander. (Gen 2:24.25)

Und im Hohenlied der Liebe heißt es:

6 Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm, denn stark wie der Tod ist die Liebe, die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt!

7 Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht hinweg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn.“ (Hld 8:6.7)

Jesus bietet kein neues Modell für Ehe und Familie, ER sieht die Ehe im Zusammenhang des angebrochenen Reiches Gottes.

Jeder Mensch, der an Jesus Christus glaubt, in den Sakramenten von Taufe, Firmung und Eucharistie in IHN eingegliedert ist, ob er in der Ehe lebt oder in bewusst gewählter Ehelosigkeit, ist berufen zur Freiheit der Kinder Gottes.

Er ist dazu gerufen, sein Herz weit zu machen für das, was angebrochen ist und wächst, auch wenn „das kleine Senfkorn“ bisweilen übersehen wird.

Die eheliche Gemeinschaft von Mann und Frau hat von Christus eine besondere Würde: wo Mann und Frau zueinander sehen und füreinander sorgen, einander ertragen und verzeihen, wird die Treue Gottes zu uns Menschen sichtbar.

„Wachstum zur personalen Ganzheit geschieht in der Hingabe an den anderen. … die sexuelle Vereinigung zeigt, dass Hingabe und lustvolle Freude einander nicht ausschließen.
Diese Selbsthingabe im lustvoll erschütternden Sterben der Selbstbehauptung führt zu einer tiefen Form der Selbsterfahrung und Selbstvergewisserung im Du. Zugleich wird in der Öffnung der Hingabe der geliebte Nächste in seiner Tiefe erfahren und erkannt. Selbstliebe und Nächstenliebe, Du-Erfahrung und Selbsterfahrung, Geben und Nehmen fließen ineinander und lassen die Einheit der Eheperson wachsen, welche die bloße Addition von Ich und Du übersteigt. In der Tiefe dieser Berührung, eröffnet sich zugleich für den Christen der Raum der Christusbegegnung. Diese spirituelle Dimension der Sexualität zu entfalten bleibt bis heute ein Desiderat.“(1)

Ein über Generationen im Abendland herrschender Sexualpessimismus hat eine wirkliche Kultur der Sexualität in der Ehe stark behindert. So kam es auch allzu oft nicht zu einer geistlichen Durchdringung der Sexualität!

Christlich gelebte Ehe und Familie kommt nicht von allein. Die Eheleute werden sich immer wieder neu um sie bemühen und es braucht gleichsam die geistliche Übung im Alltag. Die päpstlich anerkannte Ordensgemeinschaft der Oblatenmissionare (OMI - Oblati Mariae Immaculatae) hat auf Facebook hierzu zehn Weisungen veröffentlicht, die eine Orientierung darstellen können für Menschen, die sich auf die Ehe vorbereiten oder im Ehesakrament miteinander verbunden sind.

Diese Weisungen - sprachlich von mir überarbeitet - lauten:

1 Setzt Gott an die erste Stelle.

2 Betet miteinander und besucht die heilige Messe.

3 Lasst niemanden zwischen euch kommen.

4 Schenkt gegenseitig Achtung und Ehre.

5 Lest miteinander oft in der Bibel

6 Seid schnell im Zuhören und zurückhaltend im Reden

7 Lernt verstehen: Liebe ist eine Entscheidung und kein Gefühl.

8 Schützt und haltet euer Eheversprechen.

9 Habt eine Vision für eure Ehe und Familie.

10 Ermuntert den anderen, gemeinsam zu wachsen.

Zu allen Zeiten haben Christen darunter gelitten, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht deckungsgleich sind. So erfahren bis heute Eheleute, dass sie bei allem Bemühen um aufrichtige Liebe und Gutem, das sie sich schenken, sie nicht der Himmel auf Erden füreinander sein können. In der konkreten Gestalt ihrer Ehe wird die Begrenztheit schmerzhaft erfahrbar.

Das Wort des Apostels kann trösten:

Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. (2 Kor 4:7)

Hans-Joachim Leciejewski, (Urb, Cher)

Anmerkung:

(1) Hans-Jakob Weinz: Artikel Ehe und Familie, in: Praktisches Lexikon der Spiritualität (Freiburg 1988) S. 258