Stiftungsfest zum 90. Jubiläum des KStV Mainfranken unter Corona-Bedingungen
Nicht nur zur Zeit der Gründung des KStV Mainfranken im KV zu Bamberg im Juni 1930, sondern noch vor genau einem Jahr hätte kein Mensch damit gerechnet, unter welchen Bedingungen das Jubiläumsstiftungsfest 2020 gefeiert werden müsste. In der Hoffnung auf bessere Zeiten hatte der KStV Mainfranken den Jubiläumskommers im Sommersemester, pünktlich zum Geburtstag, wegen des im Juni herrschenden Lockdowns infolge der Corona-Pandemie auf das Wintersemester verschoben. Der zweite Shutdown machte indes eine Durchführung als „realweltliches“ Treffen wiederum unmöglich. So musste, um wenigstens noch im Jubiläumsjahr zu feiern, auf ein virtuelles Format ausgewichen werden. Das hat erstaunlich gut geklappt.
Pünktlich am 14. November 2020 um 20 Uhr eröffnete der Aktivensenior Mainfrankens, Lorenz Hegeler, den Festkommers in Vollwichs mit seinem Chargenpräsidium vom Mainfrankenhaus in der Bamberger Sandstraße aus. Er begrüßte die Chargen des Vororts Münster/Paderborn, die vom Verbindungshaus in Münster ebenfalls in Wichs zugeschaltet waren. Ebenfalls zugeschaltet waren Vertreter des KSStV Alemannia München, des KStV Rheno-Frankonia Würzburg, des KStV Urbano Rom, der ÖKV-Verbindung Aggstein zu Wien sowie der Burschenschaft Alemannia Bamberg.
Selbst aus Indien und den USA loggten sich Bundesbrüder ein
Teilnehmer hatten sich nicht nur aus allen Teilen Deutschlands eingeloggt, über vierzig an der Zahl. Selbst aus den Vereinigten Staaten und aus Indien ließ sich es je ein Bundesbruder nicht nehmen, dem Festkommers beizuwohnen – der eine (Christian Brune/USA) noch am helllichten Nachmittag, der andere (Robert Demann/Indien) schon in tiefster Nacht des frühen Folgetags. Daraus wird deutlich: Die heutigen technischen Möglichkeiten ersetzen die direkte Begegnung nicht. Aber sie erschließen Möglichkeiten - urbi et orbi, in den Orient und den Okzident hinausgreifend, wie es einer katholischen Studentenverbindung durchaus gut zu Gesichte steht. Dies machte der Senior auch in seinen einführenden Worten deutlich.
Die organisatorischen und technischen Unsicherheiten im Vorfeld dieses Stiftungsfestes hatten dazu geführt, dass der vorgesehene Festredner absagte. Dafür wurde der Kommers dann technisch so gestaltet, dass das eigentliche Festgeschehen im virtuellen Kommerssaal mit allen stattfand. Die Colloquien hingegen wurden in virtuellen Nebenräumen als break out-sessions durchgeführt. Dabei würfelte der Technicus und Bierorgler Jakob Stößlein, der beide Aufgaben bravourös bewältigte und sich als Multi-Tasking-Talent erwies, die Teilnehmer bei jedem Colloquium anders zusammen – eine schöne Idee, die vielfältige Möglichkeiten eröffnete, sich auch im kleinen Kreis zu begegnen, kennenzulernen und auszutauschen.
Auch Corona verhindert keine Rezeptionen
Ein Höhepunkt des Abends war die Rezeption von zwei Füxen, nämlich Paul Börner und Benjamin Dialakiewicz. Das lässt hoffen, dass auch die Corona-Semester – naturgemäß gerade für Studierende eine mühsame Durststrecke – keine für die Verbindung verlorenen Semester sein werden.
Auch wurde die Philistrierung dreier Mainfranken bekanntgegeben, nämlich Florian v. Haxthausen, Sebastian Waldmann und Janis Jurack. Zwei von ihnen konnten virtuell am Kommers teilnehmen.
Nachdem die Festrede umständebedingt ausgefallen war, konnten die Chancen des digitalen Formats genutzt werden, indem vielfältige Inputs durch die Grußworte erfolgten. Solche entboten der Hohe Vorort, sodann die Rheno-Frankonia Würzburg, der Altherrense- nior des KStV Mainfranken Markus König, der Ortszirkelvorsitzende des Philisterzirkels Domreiter Dr. Michael Baumann, Karl Kautzsch, vordem Vorsitzender des KV-Rats, jetzt als Präsident der Katholischen Akademikerarbeit Deutschlands und als Philistersenior des KStV Urbano Rom diese hier vertretend, aber auch der Neuphilister Florian v. Haxthausen sowie die „exotischen“ Teilnehmer Christian Brune und Robert Demann.
Getrennt Bier holen, vereint feiern
So wurden nicht nur vielfältige Hintergründe aus den diversen Räumlichkeiten der Mitwirkenden sichtbar. Sogar ein Hauch der großen weiten Welt durchzog diesen Kommers in einer bislang noch nie dagewesenen Weise. Die Möglichkeiten virtueller Treffpunkte wurden anschließend auch für die Fidulitas genutzt. Alles in allem: getrennt Bier holen, vereint feiern.
Für die in Bamberg weilenden Bundesbrüder bot der Sonntag die Möglichkeit, sich doch noch physisch zu begegnen: Im Hohen (und gottlob auch langen, breiten und tiefen) Dom zu Bamberg, dessen 11.30-Uhr-Messe zugleich Stiftungsfestgottesdienst war. Dort zeigte eine Chargenabordnung der Mainfranken Flagge.
Wir alle sehnen uns danach, mit unseren Bundesbrüdern, deren Familien und unseren Gästen wieder in direkter Begegnung zusammenzutreffen, zu kommunizieren und zu feiern – irgendwann sogar wieder ohne Maske und Mindestabstand. Auf dass die bundesbrüderliche Grußformel „Mit Brudergruß und Handschlag“ nicht zu einer für die Jungen sinnentleerten und für die Alten nostalgischen Reminiszenz verkomme! Und gerne feiern wir statt Corona-Messen auch wieder Gottesdienste mit Gemeindegesang, Domchor und Mozarts Krönungsmesse – aus voller Kehle und Seele!
Das Stiftungsfest, dessen Konvente ebenfalls virtuell abgehalten wurden, hat aber deutlich gemacht: Selbst wenn eines Tages Corona nur noch eine bedrückende Erinnerung sein wird: Es gibt auch einen Innovationsschub, den es nachzuhalten lohnt. Dazu gehören Möglichkeiten, zukünftig geeignete Veranstaltungen „hybrid“, also als Präsenzveranstaltungen mit virtueller Zuschaltmöglichkeit, abzuhalten. Hoffen wir für uns, unseren KStV Mainfranken und den gesamten KV, dass wir die Chance, die in jeder Krise steckt, zu erkennen vermögen und nutzen werden.
Christian Papsthart (Ma, Ask-Bg, Urb)

