Der Botschafter von Kolumbien in Deutschland als Festredner bei der (virtuellen) Gründungsfestkneipe der Askania-Burgundia

In diesen Zeiten der Corona-Pandemie gehört es zu den schwierigsten Aufgaben, den Fortgang des Verbindungslebens unter den erschwerten Bedingungen aufrecht-zuerhalten. Eine glückliche Fügung will es, dass der gegenwärtige Aktivensenior der Askania-Burgundia, Héctor Hernández, sowohl ein hochengagierter KVer als auch Kolumbianer ist. Das jährliche Großereignis der Askania-Burgundia Berlin fand diesmal am 21. November 2020 aus Anlass des Gründungsfestes im Wintersemester statt.

Für die Festkneipe war es dem Senior gelungen, den Botschafter seines Landes in Deutschland, S. E. Hans-Peter Knudsen Quevedo, zu gewinnen. Dieser ließ es sich nicht nehmen, die nur seitens der Hausbewohner auf dem Askanenhaus versammelte, im Übrigen von überall her per Internet-Plattform zugeschaltete Corona mit seiner Festrede zu beehren. Diese hielt er, selbst zugeschaltet, vor dem Hintergrundbild einer kolumbianischen Landschaft. Dieses machte auf die Zeit nach Corona auf eine Besuchsreise Appetit.

Der Botschafter stellte sich vor als vordem zwölf Jahre lang amtierender Rektor der altehrwürdigen Päpstlichen Universidad del Rosario Bogotá, die genau zweihundert Jahre älter ist als Askania-Burgundia, also im Jahr 1653 gegründet wurde. Deutschland und Kolumbien unterhalten seit Jahrhunderten Beziehungen. So weilte Alexander von Humboldt im Jahr 1803 in diesem Land. Derzeit gibt es intensive Handelsbeziehungen, die vor allem über die deutschen Häfen in Hamburg und Bremen laufen. Hervorzuheben ist aber auch der Einsatz Deutschlands für die Befriedung in Kolumbien. Hier hat sich der deutsche Friedensbeauftragte Tom Koenigs verdient gemacht.

Jahrzehntelanger Bürgerkrieg - mittlerweile ein brüchiger Friede

Der Botschafter erläuterte den komplizierten Konflikt, um den es in Kolumbien geht: Kolumbien ist seit langem von einem Zwei-Parteien-System, und zwar den Konservativen und den Liberalen, geprägt. Als 1948 der liberale Hoffnungsträger Jorge Eliécer Gaitán ermordet wurde, kam es zu einem lang dauernden Bürgerkrieg. Es entstand einerseits eine politisch motivierte Guerillabewegung. Andererseits gab es die Rauschgift-Mafia mit ihrer beträchtlichen Wirtschaftsmacht. In dieser Gemengelage, in der sich immer klarer paramilitärische Strukturen herausbildeten, stieg die FARC (also die „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“) zu einer Gegenmacht zur Staatsordnung auf. Im Jahr 2016 gelang es indes, ein Friedensabkommen abzuschließen. Dieses befindet sich immer noch im Implementierungsprozess.

Ein Hintergrund für die Besonderheiten Kolumbiens ist seine geografische und geologische Beschaffenheit. Kolumbien ist ein Staat mit einer großen Gesamtfläche, durchzogen von Nord bis Süd von der Gebirgskette der Anden und in weiten Teilen bewachsen von Urwald. Allein schon daraus ergibt sich eine gewisse Schwierigkeit für den Staat, Präsenz zu zeigen und die Lebensverhältnisse über das ganze Land hinweg einigermaßen ausgleichend zu gestalten.

Für Kolumbien war es eine riesige Unterstützung, dass die Vereinten Nationen die immense Drogenproblematik, die in diesem Land herrscht und von diesem Land weltweit ausgeht, als in einer Weltverantwortlichkeit stehend anerkannte. Das hat der Bekämpfung der Drogenkartelle und der Konsolidierung der staatlichen Ordnung in Kolumbien Auftrieb gegeben. Dem Engagement von drei Einzelpersonen ist es zu verdanken, dass mit den Vereinigten Staaten ein Auslieferungsabkommen zustande kam.

Pandemie verdirbt Kolumbiens Aufblühen

Gerade in letzter Zeit begann der staatliche Kampf gegen die Drogen Wirkung zu zeigen. Es gelang Kolumbien, sich als touristische Attraktion in Szene zu setzen. Auch konnte ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum in diesem Staat erzielt werden, der darauf stolz ist, die älteste demokratische Tradition in Lateinamerika aufzuweisen. Dabei ist – wiederum aufgrund günstiger natürlicher Umstände – die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energieträgern weit entwickelt. Sofern sich Kolumbien an seinen Urwäldern durch Abholzung versündigt, ist dies in erster Linie auf den Reibach mit Exporten gerade in reiche Industrieländer zurückzuführen. Hier kann eine ehrliche Nachhaltigkeitspolitik auch und gerade in der Europäischen Union solch üble Geschäftemacherei unterbinden.

Genau in diese Phase des sukzessiven Aufblühens in Kolumbien hat nun Corona hineingeschlagen. Der Botschafter hob hervor, dass auch in dieser pandemischen Krise sich Deutschland als treuer Freund erweist. So gibt es in der Pandemiebekämpfung tatkräftige Unterstützung etwa durch die Berliner Charité, vor allem auch durch die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Eine dauerhafte strategische Zusammenarbeit mit Deutschland bietet sich aus Sicht des Botschafters an in Bezug auf die Energiewende hin zu den erneuerbaren Energien, wo bereits ein Fachkräftetransfer sowie gemeinsame Bildungs- programme auf den Weg gebracht wurden. Kolumbien ist sehr interessiert am deutschen dualen Ausbildungssystem. Eine interessante Facette ist auch das deutsche Klein- und Schrebergartenwesen als wichtiger Beitrag zu einer autarken Selbstversorgungs-Komponente für die Bevölkerung.

Aus der Ferne wirkt auch die EU vorbildlich

Abschließend lud der Botschafter ausdrücklich zu einer Frage-Antwort-Runde ein. Eine Frage bezog sich auf die Nachbarschaftspolitik in Lateinamerika. Hier betonte der Botschafter die Modellhaftigkeit der Europäischen Union. Einerseits sind aus seiner Sicht gewisse Voraussetzungen noch günstiger als in der Europäischen Union. So ist Lateinamerika homogener in Bezug auf die Sprache (Spanisch, in Brasilien Portugiesisch), den katholischen Glauben, die (Befreiungs-)Geschichte. Andererseits waren bzw. sind in einzelnen Staaten Lateinamerikas politische Kräfte am Werk, die es bis heute verhindern oder der Entwicklung im Wege stehen, dass eine lateinamerikanische Union zustande kommt.

Schuldenerlass gekoppelt an ökologisches Wohlverhalten?

Eine weitere Frage betraf die Rolle Chinas in dieser Region. Der Botschafter räumte die hohen Auslandsschulden auch bei China ein. Er warb für eine Entschuldungsstrategie gerade gegenüber Europa: Ein Schuldenerlass könnte Zug um Zug gekoppelt werden an die Einhaltung strikter Umweltauflagen zur Erhaltung insbesondere des Urwaldes. Kolumbien weist eine Vielzahl ausgedehnter Nationalparks aus. Und es ist – wie bereits erwähnt – weit fortgeschritten in der Nutzung erneuerbarer Energien.

Schließlich richtete sich eine Frage auf die Auswirkungen des Regierungswechsels in den Vereinigten Staaten auf die Situation in Lateinamerika im Allgemeinen und in Kolumbien im Besonderen. Der Botschafter hob hervor, dass auch unter der Präsidentschaft von Donald Trump die enge Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und die strategische Partnerschaft weitergeführt wurden. So ist beispielsweise Kolumbien ein Hauptversorger der Vereinigten Staaten mit Schnittblumen – ein nicht zu unterschätzender Markt. Eine wichtige Brückenkopffunktion hat die große kolumbianische Community in den USA.

Ein Markenzeichen der Askania-Burgundia ist ihre Internationalität.

Dieser hochinteressante und bildende Ausflug weit über den Atlantischen Ozean ließ Gedanken und Hoffnungen in die Ferne und in Zeiten nach Corona schweifen. Aber auch die Gegenwart für Askania-Burgundia hält Hoffnungen und Aussichten bereit: So konnte der Senior einige Spefüxe und Füxe begrüßen. Eine besondere Freude war es, einen Burschen, Fabian Euchenhofer, zu promovieren. Auch ist ein Aktiver, Dr. Johannes Theobald, nun A-Philister geworden.

Dieser hochinteressante und bildende Ausflug weit über den Atlantischen Ozean ließ Gedanken und Hoffnungen in die Ferne und in Zeiten nach Corona schweifen. Aber auch die Gegenwart für Askania-Burgundia hält Hoffnungen und Aussichten bereit: So konnte der Senior einige Spefüxe und Füxe begrüßen. Eine besondere Freude war es, einen Burschen, Fabian Euchenhofer, zu promovieren. Auch ist ein Aktiver, Dr. Johannes Theobald, nun A-Philister geworden.

Ein Markenzeichen der Askania-Burgundia ist ihre Internationalität. Beim abschließenden Singen der Nationalhymnen erklang neben der dritten Strophe des Liedes der Deutschen eine ganze Reihe von Hymnen von Staaten Europas und Lateinamerikas. So schließt sich zugleich der Kreis zum Katholizitätsprinzip: Ein Glaube, eine Gesinnung in vielfältiger Ausprägung unter einem organisatorischen Dach.

Christian Papsthart (Ma, Ask-Bg, Urb)