Die Feiertage werden sich 2020 anders anfühlen - wird Weihnachten von Corona ruiniert?
„Mir ist nicht nach Weihnachten….. Ich lasse Weihnachten ausfallen ….. Dieses Corona-Jahr will ich schnell abhaken und vergessen …..“ - so oder ähnlich höre ich es immer wieder in Gesprächen.
Viele Menschen sind genervt von Corona - ich bisweilen auch - und sagen mir, dass sie es einfach nicht mehr ertragen können/wollen. Über lange Zeit beschäftigt uns dieses Virus, man mag es nicht mehr hören, …. und die Suche nach geeigneten Mitteln (Medikamente, Impfung) geht weiter. Gibt es bereits Licht am Ende des Tunnels? Viele Einschränkungen hielten und halten die in der Politik Verantwortlichen für erforderlich und ordneten sie an, bei aller Unsicherheit, die nicht verborgen blieb.
Die Einschränkungen im Öffentlichen wie Privaten überfordern manche Zeitgenossen, …. - und jetzt auch noch der Wegfall der Weihnachtsmärkte. Lassen wir dann Weihnachten doch lieber ausfallen, oder? Muss der Weihnachtsmann in vielen Familien draußen vor der Tür bleiben, weil schon zu viele Personen zur Feier versammelt sind?
In der vergangenen Wochen konnte man beobachten, dass manche die Herausforderung durch das Virus leugnen, die Gefährdung verharmlosen oder auch übertrieben, Panik verbreiteten und die Fragenden im Ungewissen ließen und teils auch lassen mussten.
Einen Einfluss der Spätantike auf das junge Christentum, das zur Zeit von Kaiser Konstantin aus dem Verborgenen in die Öffentlichkeit trat, wird niemand ernsthaft leugnen. Die Ursehnsucht des Menschen, die Dunkelheit zur Zeit der Wintersonnenwende möge überwunden werden, findet durchaus im christlichen Weihnachtsfest ihren Ausdruck. Aber muss man deshalb schließen, das Christentum sei lediglich eine synkretistische „Religion“? Hier irrt Deschner unwissentlich oder behauptet boshaft Falsches!
Karlheinz Deschner heiratete 1951 seine Lebensgefährtin Elfi Tuch, doch die Ehe war ungültig und vom Würzburger Bischof Julius Kardinal Döpfner wurde er deshalb aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche ausgeschlossen. Fortan widmete sich Deschner seinen die Kirche ablehnenden Schriften: „Was halten Sie vom Christentum“ (1957), „Abermals krähte der Hahn“ (1962),
Bisweilen wird eine böswillige Verschwörung vermutet. Menschen auf die Straße, die angeblich quer denken, jedoch in Wirklichkeit nicht denken. All das hilft nicht weiter.
In manchen christlichen Kreisen wird dann auch noch von einer Strafe Gottes gesprochen. Dem kann ich mich nicht anschließen.
Ich sehe das Aufkommen des Virus, die Pandemie, die Todesfälle, … die gegenwärtige Krise und in ihr eine Chance, Grundsätzliches in den Blick zu nehmen und auch anstehende Kurskorrekturen zu wagen. Ein Wort von Romano Guardini (1885 - 1968) kommt mir dabei in den Sinn:
„Die Zukunft des Menschen hängt davon ab, Ob er wieder lernt zu schweigen,
Sich zu sammeln, Seiner selbst mächtig zu werden, Abstand zu gewinnen,
Den Sinn der Vorgänge zu sehen,
Nicht aus dem Gedränge Der Vorteile und Parolen,
Sondern aus dem Wesen der Dinge heraus
Zu entscheiden.“
* * *
In den Kirchengemeinden hat große Unsicherheit um sich gegriffen: Überfüllte Kirchen zur Christvesper, zum Krippenspiel und zur Feier der Christmesse in der Nacht sind nicht möglich - Alternativen werden vor Ort gesucht. Sind wir Christen offen für bislang nicht gegangene Wege?
Auf vieles den Menschen lieb Gewordene kann und muss in diesem Jahr verzichtet werden, doch das Eigentliche bleibt. Denn Weihnachten ist der Lichtblick schlechthin. In der Geburt des Kindes in Bethlehem in Judäa vor etwa 2000 Jahren berührten sich Himmel und Erde. Damals waren das Kind und seine Eltern unbehaust und gefährdet. Daran gibt es nichts zu beschönigen. Und während die Welt damals im Unfrieden lebte wie auch heute, atmet dieses Kind den FRIEDEN.
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Das Hochfest der Geburt des Heilandes - Sollemnitas in Nativitate Domini - ist seit dem Jahr 336 in Rom bestätigt. Das exakte Datum, an dem es anfänglich gefeiert wurde, ist nicht bekannt. Warum letztlich der 25. Dezember als Datum für die jährliche Feier gewählt wurde, die Antwort auf diese Frage bleibt hypothetisch. Vermutlich haben die Christen zur Zeit Kaiser Konstantin des Großen(1) das durch Kaiser Aurelian am 25. Dezember 274 für das römische Reich eingeführte Fest des Sol Invictus umgewidmet, d.h.: ein heidnischer Festtag wurde christianisiert, die Wende vom Sonnengott zu „Christus, der wahren Sonne“ (Christus versus Sol) vollzogen. Die Parallelen sind unübersehbar.
Diese Hypothese vertrat Hermann Usener (1834-1905): er war klassischer Philologe und Religionswissenschaftler und sah in dem für die Feier der Christgeburt gewählten Datum eine Reaktion auf den kultisch begangenen Geburtstag des Sol Invictus, des römischen Reichsgottes, zudem in der selben Nacht auch die Geburt des Mithras gefeiert wurde. Der Kult des Mithras war vor allem unter Soldaten stark verbreitet.
„Die Heiden pflegen nämlich am 25. Dezember das Fest des Geburtstages der Sonne zu feiern und zu ihren Ehren Lichter zu entzünden. Zu diesen Riten luden sie oft auch Christen ein. Da nun die Lehrer der Kirchen sahen, dass sich viele Christen zur Teilnahme an diesen Festen verleiten ließen, beschlossen sie, fortan am selben Tag das Fest der wahren Geburt zu begehen“(2)
Im Jahr 321 führte Kaiser Konstantin zudem auch die christliche Feier des Sonntags statt des Sabbats offiziell ein. Er nannte ihn „Tag der Sonne“ (Dies Solis), den die Christen bis heute Herrentag (Dies Dominica) nennen. Die Einführung der Feier den Sonntags statt des Sabbats ist ebenfalls ein Hinweis auf die mögliche Übernahme des Festes des Sol Invictus als Fest der Geburt des Erlösers.
Für den Gegner des Christentums Karlheinz Deschner(3) ist der angenommene Einfluss der heidnischen Verehrung des Gottes Sol Invictus auf die Feier der Geburt des Erlösers und der Termin des Weihnachtsfestes ein gewichtiges Argument, den christlichen Glauben eine synkretistische Religion zu nennen. Das heißt: In der frühen nachapostolischen Zeit hätten die Christen Elemente heidnischer Religionen übernommen, miteinander verschmolzen und zu einer neuen Religion geformt.
Einen Einfluss der Spätantike auf das junge Christentum, das zur Zeit von Kaiser Konstantin aus dem Verborgenen in die Öffentlichkeit trat, wird niemand ernsthaft leugnen. Die Ursehnsucht des Menschen, die Dunkelheit zur Zeit der Wintersonnenwende möge überwunden werden, findet durchaus im christlichen Weihnachtsfest ihren Ausdruck. Aber muss man deshalb schließen, das Christentum sei lediglich eine synkretistische „Religion“? Hier irrt Deschner unwissentlich oder behauptet boshaft Falsches!
Karlheinz Deschner heiratete 1951 seine Lebensgefährtin Elfi Tuch, doch die Ehe war ungültig und vom Würzburger Bischof Julius Kardinal Döpfner wurde er deshalb aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche ausgeschlossen. Fortan widmete sich Deschner seinen die Kirche ablehnenden Schriften: „Was halten Sie vom Christentum“ (1957), „Abermals krähte der Hahn“ (1962), „Kriminalgeschichte des Christentums“ (Zehn Bände 1986-2013).
Seine Motivation zum Schreiben formulierte er einmal so:
„Ich schreibe aus Feindschaft. Denn die Geschichte derer, die ich beschreibe, hat mich zu ihrem Feind gemacht.“
Das muss nachdenklich machen und so wundert es nicht, dass Deschners Kirchenkritik zum Teil begeistert aufgenommen, aber von vielen Fachleuten gut begründet kritisiert wurde. So resümiert der Kirchenhistoriker Georg Denzler(4) einmal, Karlheinz Deschner sei zwar „der kenntnisreichste unter den Advocati Diaboli, doch mangele es ihm an historischem Denken und historischem Urteil“(5).
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Das Christentum ist keine synkretistische Religion, wenngleich immer wieder beeinflusst von außen. Die Feier des Weihnachtsfestes zur Zeit der Wintersonnenwende zeigt dies.
Im Laufe der Jahrhunderte sind Bräuche zum Christfest hinzugetreten, so zum Beispiel der Christbaum im 16. Jahrhundert, der Adventskranz im Jahre 1839 und auch das Aufkommen des Weihnachtsmannes im 19. Jahrhundert, der mancherorts sowohl den heiligen Nikolaus so wie das Christkind als Bringer der Gaben abgelöst hat. Um 1535 war es Reformator Martin Luther, der anregte, das Bringen der Gaben vom Nikolaustag auf den Vorabend des Weihnachtstages zu verlegen, um so das Interesse vor allem der Kinder auf das Fest der Geburt des Erlösers zu richten.
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Weihnachten findet statt - auch im Jahre 2020.
Die äußere Gestalt des Festes wird im Öffentlichen, aber auch in unseren Kirchengemeinden und im Familiären wohl anders sein, als wir es gewohnt sind und gern hätten. Doch das, was wir Christen feiern, bleibt.
Über den in Bethlehem geborenen Heiland sagt der greise Simeon Josef und Maria:
„Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, - und deine Seele wird ein Schwert durchdringen. So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“ (Lk 2:34f)
Hierzu merkt Papst Benedikt XVI. an:
„Mit der Theologie der Herrlichkeit ist die Theologie des Kreuzes untrennbar verbunden. Zum Gottesknecht gehört die große Sendung. Aber diese Sendung wird gerade im Dunkel des Kreuzes erfüllt.
… Wir alle wissen, wie sehr heute Christus Zeichen eines Widerspruchs ist, der im Letzten Gott selbst gilt. Gott selbst wird immer wieder als die Grenze unserer Freiheit gesehen, die beseitigt werden müsse, damit der Mensch ganz er selber sein könne. Gott steht mit seiner Wahrheit der vielfältigen Lüge des Menschen, seiner Eigensucht und seinem Hochmut entgegen.
Gott ist die Liebe. Aber die Liebe kann auch gehasst werden, wo sie das Heraustreten über sich selbst hinaus fordert. Sie ist nicht romantisches Wohlgefühl. Erlösung ist nicht Wellness, ein Baden im Selbstgenuss, sondern gerade Befreiung von der Verdrängung ins Ich hinein. Diese Befreiung kostet den Schmerz des Kreuzes.“(6)
Allen Kartell- und Bundesbrüdern und ihren Familien, allen Leserinnen und Lesern der Akademischen Monatsblätter wünsche ich von Herzen eine gesegnete Feier des Weihnachtsfestes.
Hans-Joachim Leciejewski (Urb, E d Cher)
Anmerkungen:
(1) Flavius Valerius Constantinus, geboren zwischen 270 und 288 und gestorben am 22. Mai 337
(2) Syrischer Scholiast des Dionysius bar Salibi = CIL 1, S. 338
(3) Karl Heinrich Leopold Deschner (geboren am 23. Mai 1984, gestorben am 8. April 2014)
(4) Georg Denzler (geboren am 19.4.1930) Priester, emeritierter Professor für Theologie
(5) FAZ 31. Mai 1989 Seite 38 und: dpa: Kirchenkritiker Karlheinz Deschner wird 80 - „Ich schreibe aus Feindschaft“ 19.5.2004
(6) Joseph Ratzinger / Benedikt XVI: Jesus von Nazareth. Prolog (Castel Gandolfo 2012) S.92f




„Wir haben letztlich keine Antwort darauf, warum wir leiden. Wir sind Geschöpfe, wir sind endlich, wir sind sterblich. Als Christen sagen wir: Es gibt eine Hoffnung. Die Hoffnung auf den Gott, der sich selbst auf das Leiden und das Sterben eingelassen hat. Das ist die Botschaft, die gerade jetzt wichtig ist.“
Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising gegenüber dem Münchner Merkur
Dipl.-Theol. Hans-Joachim Leciejewski

Jahrgang 1954, studierte Philosophie und Theologie in Frankfurt/Main und Würzburg. Er wurde 1980 im Dom zu Hildesheim zum Priester geweiht, wirkt als Pfarrer in der Diözese Hildesheim, ist A-Philister beim KStV Urbano Rom und Ehrenmitglied beim KStV Cheruscia Braunschweig, Sprecher des Seelsorgerteams des KV und Mitglied des AM-Redaktionsteams.
