Auch auf den KV hat Wikipedia abgefärbt: Seit 2005 gibt es MarkomannenWiki

Wissen per klick - warum soll es das bloß bei Wikipedia geben? Und warum soll man sich mit Wikis nicht auch auf ein bestimmtes Themenfeld konzentrieren? Ein Online-Nachschlagewerk, das den KV und seine Mitgliedsvereine, die Kultur und die Geschichte studentischer Korporationen bis hin zu studentischen Liedern in den Blick nimmt, ist MarkomannenWiki. Vier Jahre nachdem sich Wikipedia im Internet auf den Weg gemacht hatte, startete MarkomannenWiki am 8. August 2005 und ist seither unter www.markomannenwiki.de abrufbar. Tausendfünfhundert Beiträge sind bisher zusammengekommen.

Schon in den 1980er Jahren haben meine Bundesbrüder eine gedruckte Fuchsenfibel zusammen gestellt, die als Arbeitsgrundlage für den Fuchsmajor dienen sollte. Diese wurde später zum KV-Handbuch weiterentwickelt und 1996 in einer überarbeiteten Version erneut gedruckt. Ziel war es damals, ganz grundlegendes Wissen in den Bereichen Geschichte, Comment, über den Verband etc. an einem Ort zu sammeln“, berichtete Kb Andreas Brinkkötter (Mk) gegenüber dieser Zeitschrift. Er initiierte 2005 den Aufbau einer „Wikipedia“ der Markomannen, hatten gedruckte Medien doch mehrere Nachteile: „Zum einen sind sie teuer, können nicht regelmäßig aktualisiert werden und sind nicht immer zur Hand, des weiteren aber sind sie aber auch sehr beschränkt, was Menge und Details an Informationen angeht, welche Medien man darin überhaupt unterbringen kann (insbesondere im Bereich Musik).“ Vor allem fehle der Hypertext, also Links, die es möglich machten, zu anderen Texten oder anderen Stellen im Text zu springen.

„Alte Herren“ war das Thema des ersten Artikels. Innerhalb weniger Tage, so MarkomannenWiki in seiner Vorstellung, wurden die Primärtexte „Fuchsenfibel“, „Das Seniorat“, „Markomannenchronik“ und die Chronik der Tuiskonia-Monasteria digitalisiert. Internetrecherchen ergänzten und korrigierten die vorhandenen Artikel, so dass auf dem ersten Convent des Wintersemesters am 25. Oktober 2005 bereits eine erste Version der MarkomannenWiki vorgestellt werden konnte. Freilich gab es Bedenken, mögliche Interna aus dem Verein nach außen dringen zu lassen und so beschloss man, MarkomannenWiki bis zum nächsten Convent nur intern zugänglich zu machen. Gleichwohl ging die Arbeit weiter und bis zum nächsten Convent am 22. November konnte der Grundbestand als  abgeschlossen gelten. Abgesehen von einzelnen Artikeln, die nur für Interne lesbar sein sollten, wurde Markomannen-Wiki nun wieder extern zugänglich gemacht.

Der Hauptaspekt, mit dem Wikipedia die Markomannen besonders inspirierte, war die grundsätzliche Idee eines kooperativen, stetig weiterentwickelten Wissenspools, sagte Kb Andreas Brinkkötter. „In den ersten zwei Jahren haben wir uns aber wenig an der Struktur der Wikipedia orientiert, sondern mit den Strukturen gearbeitet, die sich aus der Fuchsenfibel und ähnlichen vorhandenen Medien ergaben. Mit der Umstellung auf Mediawiki hat sich das etwas geändert. Das MarkomannenWiki war damals bereits deutlich über die Fuchsenfibel und ähnliches hinausgewachsen, sodass man sich dankbar mehr an den Strukturen der Wikipedia anlehnte.“

„Persönlich kannte ich Wikipedia schon mehrere Jahre, ohne jedoch aktiv dort tätig gewesen zu sein“, berichtete Kb Andreas Brinkkötter weiter. „Als wir begonnen haben, das Wiki anzulegen, nutzten wir jedoch noch nicht das Mediawiki als Grundlage, sondern eine kleinere unabhängige Plattform, die von Bb Dr. Ulrich Wolffgang vorgeschlagen worden war.“

Das Echo auf die Plattform ist positiv, in Korporationskreisen ist MarkommanenWiki recht bekannt. „Gelegentlich erhalten wir Bitten, Informationen über einzelne Verbände oder Vereine zu aktualisieren. Auch Anfragen zu Liedgut kommen vor.“ Wobei MarkomannenWiki offenbar vor ähnlichen Problemen wie der große Bruder Wikipedia steht.  Auch hier hält die Zahl der Mitarbeiter nicht Schritt mit der wachsenden Zahl an Einträgen und Themen: „An dem Projekt waren immer nur eine Handvoll Leute beteiligt“, berichtete Kb Andreas Brinkkötter. „Natürlich basieren viele Artikel auf der Arbeit von einer Vielzahl von Bundesbrüdern, die insbesondere an der Fuchsenfibel, der Chronik, dem digitalen Liederbuch und ähnlichem mitgewirkt haben. Aber die eigentliche Idee, dass eine Vielzahl von Bundesbrüdern ihre praktischen Erfahrungen einfließen lassen, hat sich leider nicht durchgesetzt.“

Bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele Kartellbrüder in dieses Projekt einbringen. Schließlich profitieren viele von der Informationsfülle auf MarkommannenWiki. Aktuell läuft die Digitalisierung des Deutschen Kommersbuchs.

R. N.