Das leere Grab, Mk, 16, 1-8

Die Auferstehung Christi ist der Eckstein, der das Gebäude unseres Glaubens trägt. Ist Christus nicht auferstanden, so schreibt Paulus, „dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1 Kor 15,14). Aber auf welche Tatsachen kann dieser Glaube sich stützen? Auferstehung bedeutet, dass ein Toter aus dem Grab in dieses Leben zurückkehrt. Das leere Grab ist eine notwendige Bedingung für den Glauben an die Auferstehung. Es ist aber keine hinreichende Bedingung, denn das Grab kann aus anderen Gründen leer sein, etwa deshalb, weil der Leichnam gestohlen wurde (vgl. Mt 27,64). Das ist hier wenig wahrscheinlich, denn das Grab ist mit einem schweren Stein verschlossen. Als jedoch die Frauen in die Nähe des Grabes kommen, sehen sie, dass der Stein weggewälzt wurde. Sie betreten das Grab und ein Engel sagt ihnen, weshalb das Grab leer ist, aber auch das führt sie nicht zum Glauben. „Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt.“

Der Engel sagt ihnen, was sie tun sollen, und das ist die Botschaft an uns. Sie sollen in die Gemeinschaft der Jünger zurückkehren und mit ihnen zusammen nach Galiläa gehen. Auch mit der Botschaft des Engels führt das leere Grab nicht zum Osterglauben; erst in der Gemeinschaft der Glaubenden werden sie den Auferstandenen sehen.    

Der Glaube an die Auferstehung Christi beruht auf den Erscheinungen des Auferstandenen. Das älteste Zeugnis ist der Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth, der vermutlich im Frühjahr 56 geschrieben wurde. „Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf“. Paulus setzt die Liste der Erscheinungen fort und schließt: „Als letztem von allen erschien er auch mir“ (1 Kor 15,3-8).

Das Markusevangelium schließt mit dem Bericht von weiteren Erscheinungen, vom Sendungsbefehl an die Jünger und der Aufnahme Jesu in den Himmel (16,9-20). Es ist fraglich, ob dieser Teil ursprünglich zum Evangelium gehörte. In mehreren Handschriften findet dieser Schluss sich nicht; ebenso bezeugt die Überlieferung der Kirchenväter ein gewisses Schwanken. Der heutige Schluss war jedoch bereits Tatian und Irenäus im 2. Jh. bekannt und fand Eingang in die meisten Handschriften. Er ist Teil der Heiligen Schrift und besitzt kanonische Geltung.

 

Friedo Ricken S.J.