Die Coronapandemie löste eine Hochkonjunktur der Brettspiele aus
Durch die Coronapandemie haben wir unsere sozialen Aktivitäten einschränken müssen. Folge davon war neben anderem die Wiederentdeckung der Gesellschaftsspiele und insbesondere der Brettspiele. Viele Menschen begannen, die Abende des Lockdowns damit zu verbringen, statt sich im Fernsehen die ständigen Wiederholungen dröger Krimis oder Komödien, über die nur noch die Programm-Direktoren lachen können, anzuschauen. Dadurch erlebten die Spieleverleger eine völlig unerwartete Hochkonjunktur. Die Berliner Firma Schmidt, die „Mensch ärgere dich nicht“ produziert, konnte zum Beispiel im vergangenen Jahr eine fast vierzigprozentige Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr vermelden und ihren Bestseller über eine Million Mal verkaufen.
Die Menschen sitzen schon seit mindestens 5.000 Jahren vor dem Spielbrett
Seit wann die Menschen sich mit Würfeln und Brettspielen die Zeit vertreiben, wissen wir nicht genau. Die ältesten von den Archäologen gefundenen Würfel haben jedenfalls 5.000 Jahre hinter sich. Ebenso alt ist das Würfelspiel Senet, das sich im alten Ägypten hoher Beliebtheit erfreute. Auch in der berühmten, vor fast hundert Jahren entdeckten Grabkammer des Pharaos Tutanchamun wurden entsprechende Spielbretter entdeckt. Das Spiel diente nicht allein der Unterhaltung, sondern hatte zusätzlich eine religiöse Bedeutung, denn es erinnerte an die Reise vom Diesseits ins Jenseits.
Gott würfelt nichtIn diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der viel zitierte Satz Gott würfelt nicht, den Albert Einstein in etwas anderer Wortwahl getan hat, von ihm nicht als religiöse Aussage verstanden wurde. Der geniale Naturwissenschaftler hielt nämlich den Gottesglauben für eine rein menschliche Erfindung. Obige Feststellung machte er gegenüber dem dänischen Physiker Niels Bohr in der mit ihm geführten Diskussion über die Quantenmechanik. Dennoch wird Albert Einsteins Ausspruch heute gern angeführt, wenn man sagen will, es gibt keinen Zufall und alles ist von Gott vorherbestimmt.
Mit Würfeln sein Glück versuchen
Würfeln als Glücksspiel soll nach Platon ebenfalls wie Senet aus Ägypten stammen. Als Erfinder bezeichnet der griechische Philosoph den mit Ibiskopf oder als Mantelpavian dargestellten Gott der Weisheit und des Wissens namens Thot. Bekannt ist uns Christen die Szene aus der Passionsgeschichte, bei der die Soldaten um die Kleider Jesu würfeln, wodurch sich der Hinweis aus Psalm 22 Vers 19 Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand prophetisch erfüllt. Wer was bekam, ließen die Söldner die Würfel entscheiden. Als leidenschaftlicher Würfler gilt auch der im Neuen Testament genannte Kaiser Augustus, und unseren Vorfahren, den Germanen, sagte der römische Historiker Tacitus nach, das Würfelspiel sei das Einzige, was unsere Ahnen nüchtern, also nicht betrunken, und ernsthaft ausgeübt hätten. Im alten Rom war das Würfelspiel eigentlich nur an den Saturnalien, den Festtagen zu Ehren des Gottes Saturn im Dezember erlaubt. Im Mittelalter versuchte die weltliche und kirchliche Obrigkeit, gegen dieses Geschäft mit dem Teufel vorzugehen. Zum Beispiel ließ es der englische König Richard Löwenherz erst ab dem Stand der Ritter zu und verbot es für die niedrigen Stände. Papst Leo X., der übrigens genau vor fünfhundert Jahren Martin Luther exkommunizierte, verurteilte es ausdrücklich und nannte es eine Pest für das Familienleben und die Sitten.
So ganz Unrecht hatte er nicht. Man denke etwa an die Spielsucht, das pathologische Spielen, das die Jahrhunderte durchzieht und eine ernsthafte Krankheit darstellt. Schließlich sei noch verraten, dass hasard, das französische Wort für Zufall, sich vom arabischen az-zahr ableitet, wo es Würfel sowie Glücksspiel bedeutet. Im Kastilischen/Spanischen hat sich daraus azar gebildet, was übersetzt eine günstige Gelegenheit bezeichnet.
Der unerwartete Siegeszug des Spiels „Mensch ärgere Dich nicht“
„Mensch ärgere Dich nicht“ ist mit dem eingangs erwähnten Spiel Senet verwandt, nur wird bei diesem die Figur des Gegners nicht brutal hinausgeworfen, sondern lediglich ausgetauscht, zurückgesetzt und überholt. Bei ihm sind auch nur zwei Spieler auf dem Parcours.
Während wir den Erfinder des uralten Senets nicht kennen, ist der des Spiels „Mensch ärgere Dich nicht“ gut bekannt. Er wurde vor 150 Jahren, 1871, als Sohn eines Geometers in Amberg in der Oberpfalz geboren, hieß Josef Friedrich Schmidt und ist 1948 in München gestorben. Nach einer kaufmännischen Ausbildung in München machte Schmidt sich als Lebensmittelhändler selbstständig. Danach wechselte er von einer Branche in die nächste, verkaufte etwa Schuhe mit Holzsohlen, führte ein Hotel und vertrieb Wein und andere Alkoholika. Das Spiel, das mit seinem Namen verbunden ist, entwickelte er nach der Jahrhundertwende um 1907 für seine drei Söhne. Dabei griff er auf einige Vorbilder (dem britischen Ludo, dem schweizerischen Eile mit Weile und dem indischen Pachisi) zurück, deren Regeln er vereinfachte.
Die eigentliche Neuerung, so meinte zutreffend Helmut Schwarz in dem Personenlexikon Neue Deutsche Biographie, bestand aber in der einprägsamen Namensgebung und in der bis heute kaum veränderten graphischen Gestaltung. Während des Ersten Weltkriegs kam Schmidt auf den Gedanken, kostenlos 3.000 Schachteln seines zunächst nicht sonderlich erfolgreichen Spiels an die Soldaten in den Lazaretten als Geschenk zu versenden.
Der eigentliche Durchbruch begann nach 1918. Die Kriegsteilnehmer brachten das Spiel aus dem Feld mit nach Hause und spielten es in ihren Familien weiter. Schon 1920 war über eine Million Spiele verkauft. Schmidt ließ es dabei nicht bewenden und baute sein Spieleangebot aus. Er vertrieb nun in seinem Verlag außerdem Kartenspiele, Bauspiele, Puzzles, Spielzeitschriften und anderes mehr. Seine heutige Nachfolgefirma hat sogar Stofftiere im Angebot. Doch „Mensch ärgere Dich nicht“ blieb unangefochten der Renner. 2004 überschritt es die Grenze von 70 Millionen verkauften Exemplaren seit dem ersten Erscheinen.
Auch die Stadt Amberg gedachte ihres angesehenen Sohnes und ließ vor drei Jahren an seinem Geburtshaus eine Gedenkplakette anbringen. Schon zuvor, 1997, hatte die Berliner Blatz-Gruppe die von ihm gegründete Firma übernommen, die sich heute Schmidt Spiele nennt und damit immer noch an ihn erinnert. Den Namen seines Erfolgsschlagers brauchte das Unternehmen bisher nicht zu ändern. Das Wort Mensch gilt bei den Verfechter*innen einer geschlechtergerechten Sprache als geschlechtsneutral, ob gleich es masculini generis ist und in engem etymologischem Zusammenhang mit dem Wort Mann steht. Bis ins 17. Jahrhundert wurde übrigens bei einer weiblichen Person eben-falls das Mensch in keinerlei pejorativem Sinn verwandt. So nannte etwa Luther Maria das heilige edle Mensch. Ein schönes Beispiel dafür, dass die deutsche Sprache drei Genera kennt und genus nicht mit sexus identisch sein muss.
Ein ganzes Stück anspruchsvoller: Halma
Wie bei „Mensch ärgere Dich nicht“ kennen wir ebenfalls den Erfinder und die Entwicklungsgeschichte des anspruchsvolleren Brettspiels Halma. Es geht auf den US-amerikanischen Arzt und Hochschullehrer George Howard Monks zurück, der von 1853 bis 1933 lebte und sich einen Namen als plastischer Chirurg machte. Außerdem war er ein begabter Skulpteur und schuf u.a. einige Bronzebüsten. Bei einem Besuch seines Bruders Robert in Frankreich erfand er 1883 Halma, dessen Vorläufer ein bereits fast dreißig Jahrezuvor erwähntes britisches Spiel namens Hoppity gewesen sein soll.
Seinen Namen Halma, was im Altgriechischen Sprung bedeutet, verdankt es dem Schwiegervater des Erfinders mit Namen Thomas Hill, einem „gelehrten Haus“ und Mathematiker, der einige wenige Jahre als Präsident des renommierten Havard College in Cambridge/Massachusetts fungierte.
Das seit 1885 auf dem US-amerikanischen Markt angebotene Halma kam sieben Jahre später, 1892, nach Deutschland. Hier wurde es etwas verändert: Die deutsche Version mit ihrer sternförmigen Aufstellung der Figuren wich von der amerikanischen mit einer quadratischen Anordnung ab. 1928 wurde dieses Stern-Halma in die USA reimportiert, wo es nun aus Gründen des Marketings Chinese Checkers hieß. Die Vertriebsfirma versprach sich mit dieser abstrusen Umbenennung eine Verbesserung der Verkaufschancen des Spiels, obgleich es mit Schach – das bedeutet checkers im Englischen – nur wenig und mit China überhaupt nichts zu tun hat, aber durch diese vermeintliche Herkunft der Sache eine gewisse Exotik verlieh.
Schach, das königliche Spiel
Schachspielen eigentlich nie so wirklich im Mainstream gelegen, bis durch die Das Damengambit genannte Netflix-Serie bei der Jugend ein regelrechter Hype ausgelöst worden sei. Vermutlich wird allerdings obendrein die Corona-Pandemie viele wieder an das gern als königliches Spiel bezeichnete Schach erinnert haben, um die Abende zu gestalten.
Was immer noch an diesem Spiel fasziniert, fasste der Religionsphilosoph und Theologe Romano Guardini, der die Jugendbewegung mitprägte, einmal in einem Brief zusammen: Es kommt dabei im Gegensatz zu vielen anderen Spielen nicht auf Glück und Zufall, sondern auf geistigen Kampf an. Gleiches hatte schon 1839 der in München lehrende Germanist Hans Friedrich Maßmann in seinem über 200 Seiten zählenden materialreichen Buch über die Geschichte des mittelalterlichen vorzugsweise des deutschen Schachspiels festgestellt. Zu seiner Zeit wurde er hochgeachtet, sieht man einmal von seinem Zeitgenossen Heinrich Heine ab, der ihn wegen seiner Leidenschaft fürs Turnen – schon als Schüler hatte Maßmann mit Friedrich Ludwig Jahn auf der Hasenheide bei Berlin Freiübungen gemacht sowie 1817 am Wartburgfest einschließlich der Bücherverbrennungen teilgenommen – und seines ausgeprägten deutschen Nationalismus verspottete. Dem Spiel bescheinigte Maßmann in seiner typischen Apodiktik, frei vom Schmutzklange des Geldes zu sein, womit er sich zugleich von einer Vielzahl von Kartenspielen wie Skat, Doppelkopf und Schafkopf verabschiedete.
Gehirnjogging und 95 Thesen gegen das Schachspiel
Zusätzlich wird Schach gerne eine Funktion als Gehirnjogging, so der Sachbuchautor Tobias Grad, gutgeschrieben. Bedenken gegen das Spiel sind kaum zu finden. Maßmann zitiert zwar einen trübsinnigen Theologen, der 95 Thesen gegen das Schachspiel vorgetragen habe, doch steckte dahinter eine Satire, die der Lehrer und Schachbuchautor Karl Portius publiziert hatte, dem Maßmann auf den Leim gegangen war. Allerdings lobte der heilige Bernhard von Clairvaux im 12. Jahrhundert die Tempelritter, die nicht nur das Würfelspiel, sondern auch Schach ablehnten, wobei freilich eine Schachversion mit Würfeln gemeint gewesen sein kann, die es wirklich gegeben hat.
Dass in mittelalterlichen Klöstern das Spiel nicht unbekannt blieb, lässt sich jedoch trotz des möglichen Verdikts Bernhards überhaupt nicht leugnen. Dies beweisen die archäologischen Funde von Schachbrettern in Latrinen.
Spielte schon Adam Schach?
Die Ursprünge des Schachspiels gehen vermutlich auf Nordindien zurück. Über die Perser und von denen über die Araber kam es im 11. Jahrhundert nach Europa. Dort bildete sich eine Fülle von teils kuriosen Legenden heraus, wem das Spiel zu verdanken sei. So soll es etwa auf die Griechen zurückgehen. Genannt wird Palamedes von Euböa. Er entwickelte es, so wird erzählt, gegen die Langeweile, welche die Griechen bei ihrer zehnjährigen Belagerung Trojas heimsuchte. Andere Quellen halten etwa die Gebrüder Lydus und Tyrrhenus für die Erfinder sowie den König von Pergamon Attalus aus Kleinasien, dann den Perserherrscher Xerxes sowie den Sohn und Nachfolger des Königs von Babylon Nebukadnezar namens Evilmerodach. Das Spiel soll sogar eine Entdeckung des biblischen Stammvaters Adam gewesen sein, der dann also mit Eva im Paradies vor dem Schachbrett gesessen haben muss.
Bekannte Freunde und Verächter des Schachs
Ebenfalls ins Reich der Fabel gehört die Behauptung, die Frankenkönige Pippin und Karl d. Gr. hätten dem Spiel gefrönt. Auch das Geschenk eines elfenbeinernen Schachspiels an den Kaiser von Seiten des Kalifen Harun al Raschid ist eher unwahrscheinlich. Sicher sind wir, was das Schachspielen angeht, bei Kaiser Karl V., Martin Luther, dem Preußenkönig Friedrich II., Kaiser Josef II., Napoleon, Ludwig van Beethoven, Papst Leo XIII., Otto von Bismarck, Johannes Brahms und unserem Kartellbruder Konrad Adenauer, um nur einige wenige bekannte Namen zu erwähnen. Der „Dichterfürst“ Johann Wolfgang von Goethe hingegen hat das Schachspiel wenig geschätzt, weil es ihm nach seinem eigenen Bekunden allem Dichterwissen den Garaus zu machen völlig geeignet erschien, und Gotthold Ephraim Lessing, dessen Theaterstücke Minna von Barnhelm und Nathan der Weise bis heute auf den deutschen Bühnen zum Spielplan gehören, befand: Für den Ernst zu viel Spiel, für das Spiel zu viel Ernst.
Schach, ein interessanter Gegenstand der Sprach- und Kulturgeschichte
Der Name Schach leitet sich bekannterweise aus dem Persischen (šah) ab und bedeutet König. Fast alle in Europa gesprochenen Sprachen greifen auf das persische Morphem zurück. Eine Ausnahme machen hingegen etwa Kastilisch/Spanisch (ajedrez) und Portugiesisch (xadrez), die auf dem arabischen Wort für Schach (ax-xatranch) fußen. Bemerkenswert bleibt die katalanische Version, die nicht auf das Arabische zurückgreift, sondern mit escacs dem altfranzösischen escec und eschas nahekommt. Spannend wird es bei der Nomenklatur der Schachfiguren. Bei König, Dame/Königin und Turm gibt es wenige Ausnahmen. Anders verhält es sich beim Läufer, der im Englischen bishop und im Portugiesischen bispo heißt. Ganz aus dem Rahmen scheint dabei das Französische mit fou zu fallen. Aber es hat nichts mit der Ableitung aus dem Lateinischen (follis gleich verrückt) zu tun, sondern geht auf das altfranzösische aufin zurück, welches wie alfil im Kastilischen/Spanischen identisch mit dem Arabischen al (= Artikel) fil ist, das es aus dem Persischen (pil) entnahm. Es bedeutet dort Elefant. Weil die Form der Figur an eine Mitra erinnerte, wurde daraus kurioserweise Bischof.
Noch stärker sind die Abweichungen beim Pferd, das dem Deutschen entsprechend das Spanische (caballo) und das Niederländische (paard) kennen. Im Englischen begegnen uns stattdessen knight und im Französischen cavalier. Die Bezeichnung der im Deutschen Bauer genannten Figur ist in den meisten anderen in Europa gesprochenen Idiomen von Lateinisch pedes hergeleitet, was Fußsoldat bedeutet. So hat das Englische pawn, das Französische, Niederländische, Polnische, Rumänische und Albanische pion, das Italienische pedina und das Spanische peón. Doch ist die Gleichsetzung des Fußvolks im Schachspiel mit Bauern keine deutsche Eigenart, da die Dänen, Norweger und Schweden das Wort bonde benutzen, was nichts anderes als Bauer bedeutet. Der Grund für diese Bezeichnung wird in dem Einsatz der Bauern als Fußvolk liegen. Das Mittelhochdeutsche nannte die Figur noch vende (Junge). In der Frühen Neuzeit wurde dann im Deutschen das italienische pedina, außerdem peon und Ritter benutzt. Ab dem Anfang des 17. Jahrhunderts stößt man schließlich auf Bauer. Allerdings wurde die italienische Bezeichnung noch weit bis ins 19. Jahrhundert gleichzeitig verwandt. Eine Herabsetzung war mit der Umbenennung in Bauer, wohinter sich ja eine gemeine und grobe Person verbergen konnte, nicht beabsichtigt. 1603 veröffentlichte der Münchner Hofbibliothekar Aegidius Albertinus in einem von ihm aus dem Spanischen übersetzten Buch mit dem Titel Zeitkürzer nicht nur eine zustimmende Antwort auf die Frage, ob das Schachspiel zulässig sei, sondern wies obendrein darauf hin, dass diese Figur, wenn sie sieben Felder sicher passiert habe, die Gestalt einer Königin annehmen, also zu einer Königin verwandelt werden könne. Damit wurde die Figur des Bauern geradezu geadelt.
Die Schachdame, eine emanzipierte Frau
Die den König weit überragende Rolle der Dame im Schachspiel verwundert uns heute noch. Sie beruht auf einer Weiterentwicklung des Spiels in Europa zu Ende des 15. Jahrhunderts, die Isabella I. von Kastilien zugeschrieben wird. Herzog August II. von Braunschweig-Wolfenbüttel, der unter dem Pseudonym Gustavus Selenus ein Schachbuch publiziert hat, meinte Anfang des 17. Jahrhunderts dazu, die herausragende Stellung einer Frau im Spiel könne mit den griechischen fast männergleichen Amazonen zusammenhängen, vielleicht habe der Erfinder aber auch nicht auf die kriegerischen Weiber gesehen, sondern auf ihre Fähigkeit, in einer Schlacht die Herzen und Gemüter der Soldaten gleichsam anzuzünden, oder es hänge gar mit der Aufgabe des ratsamen Bedenkens einer Königin zusammen. Eine überzeugende Antwort sieht anders aus, einmal ganz von der Unkenntnis des Herzogs über die historische Entwicklung der Spielregeln abgesehen.
Am Rande sei noch das Lob der Brettspiele einschließlich des Schachs in dem Ende des letzten Viertels des 13. Jahrhunderts im Auftrag des Königs von Kastilien Alfons X. erschienenen Buch der Spiele erwähnt. Sie eigneten sich demnach besonders für Frauen, die bekanntlich nicht reiten und sich im Hause aufhalten und man könne diesen Spielen im Sitzen nachgehen.
Mensch contra Computer oder der Sieg der Künstlichen Intelligenz
Recht nachdenklich muss uns das Phänomen stimmen, dass inzwischen der Computer in der Lage ist, selbst einen Schachweltmeister zu besiegen. Als 1996 Garri Kasparow gegen einen von IBM gebauten Schachrechner antrat, konnte er noch gewinnen. Das ließen die Computerbauer nicht auf sich sitzen. Bei einer weiteren Partie unter Wettkampfbedingungen ein Jahr später gewann eine Maschine namens Deep blue gegen den Schachweltmeister.
Die auf den heutigen Smartphones installierten Schachprogramme sind ebenfalls oft genug dem Menschen überlegen. Ob man dieses Ereignis, an das die deutsche Post gerade mit einer Briefmarke erinnert, als einen Fortschritt oder eine Gefahr der langsamen Übernahme der Herrschaft durch die Maschine ansehen sollte, steht dahin. Sicher ist der Reiz am Spiel, in dem sich zwei Menschen messen, die Fehler machen können und schon einmal leichtsinnig sein mögen, beim Kampf mit einem Computer nicht mehr vorhanden. Mit Zeitvertreib, der bei Spielen wie „Mensch ärgere Dich nicht“, Halma und anderen hier nicht erwähnten Brettspielen (Dame, Mühle, Tricktrack) im Vordergrund steht, hat dies sowieso nichts mehr zu tun.
Wolfgang Löhr








