Görres-Präsident Prof. Dr. Bernd Engler: „Die Welt von Morgen gestalten!“

Professor Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen und Präsident der Görres-Gesellschaft, hat die Universitäten aufgerufen, ihre Verantwortung in einer sich rapide wandelnden Welt wahrzunehmen. Selbstverständlichkeiten wie die Freiheit der Wissenschaft müssten heute wieder verteidigt werden, sagte Engler Mitte Februar auf dem vierten Webinar der Görres-Gesellschaft. Als Beispiele nannte er die Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit in Hong Kong oder an einigen chinesischen Universitäten. Auch beklagte er eine übersteigerte „Political Correctness“ im westlichen Wissenschaftssystem; als Stichwort hierzu nannte er die um sich greifende „Cancel Culture“.

Engler betonte angesichts globaler Herausforderungen wie der Klimakrise oder der Corona-Pandemie die Notwendigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in den Dienst der Gesellschaft zu stellen. Doch dürfe diese Orientierung an der Relevanz von Forschung nicht die Vernachlässigung der Grundlagenforschung bewirken. Die rasche Entwicklung effektiver Impfstoffe gegen das Corona-Virus habe etwa gezeigt, dass jahrzehntelange Grundlagenforschung die Voraussetzung dafür sei, neue Technologien zur Anwendung zu bringen: „Das Wissenschaftssystem braucht die von Neugierde getriebene Grundlagenforschung!“ sagte Professor Engler. Dies gälte auch für die sogenannten „Kleinen Fächer“ und die Geisteswissenschaften, denen er eine zentrale Rolle in der Vermittlung kultureller Werte beimisst. Besonderes Augenmerk richtete Engler auf die Studierenden und Wissenschaftler in ihrer wissenschaftlichen Qualifikationsphase: Sie seien die Gestalter des globalen Wandels und müssten dieser Verantwortung gerecht werden.     

Professor Dr. Bernd Engler ist Amerikanist und Literaturwissenschaftler. Er hielt seinen Vortrag vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen als Rektor der Universität Tübingen, die seit dem Jahr 2012 zu Deutschlands Exzellenzuniversitäten zählt. Seit 2015 ist er Präsident der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft. Von einer Gruppe katholischer Forscher und Publizisten, darunter viele KVer, 1876 gegründet, ist die Görres-Gesellschaft eine der ältesten deutschen Wissenschaftsgesellschaften. Derzeit gehören ihr rund dreitausend Mitglieder an, die in zwanzig wissenschaftlichen Fachbereichen bzw. Sektionen organisiert sind. Christliches Menschenbild und christliche Ethik prägen ihre Arbeit.