Aachener Kartellbrüder schlagen der Pandemie ein Schnippchen
Januar 2020: Wir feiern ein gewöhnliches Patronatsfest mit allem Drum und Dran. Die Motivation für das Sommersemester ist da. Wir hatten gerade begonnen, Spieleabende in einer Einrichtung für betreutes Wohnen zu organisieren. Und dann kam die erste Welle. Immerhin erst, nachdem die Veranstaltungen des Wintersemesters abgeschlossen waren. Allerdings, vielleicht sogar noch ungünstiger, kam sie während der Klausurenphase. Für die Studierenden bedeutete das extreme Unsicherheit. Klausuren wurden teilweise sehr spontan abgesagt oder weit nach hinten verschoben, sodass viele nicht wussten, wann sie wofür lernen sollten.
Die RWTH Aachen kompensierte das mit einer Freiversuchsregelung: Wenn man bei einer Klausur durchfiel, wurde das trotzdem nicht als Fehlversuch gezählt, es sei denn, man wurde bei einem Betrugsversuch erwischt. Im Klartext: Wenn man ehrlich war, konnte man nicht mehr rausgeprüft werden. Zudem wurde die Regelstudienzeit um ein Semester verlängert (um es vorwegzunehmen: Die Regelstudienzeit wurde auch im Sommersemester 2020 und im Wintersemester 2020/21 ausgesetzt).
Keine Planungssicherheit über den Zeithorizont von drei Wochen möglich
Zum Ende der Klausurenphase Anfang April 2020 wurde das Wetter besser und die Infektionszahlen sanken. Trotzdem konnten wir nach den jüngsten Erfahrungen kein normales Semesterprogramm aufstellen. So wurde dann das Sommersemester von Convent zu Convent geplant, sodass man spontan auf die Lage reagieren konnte. Einerseits gut, weil man „auf Sicht“ fahren konnte, die Lage hätte sich ja jederzeit wieder zuspitzen können. Andererseits schlecht, weil man keine Planungssicherheit für einen Horizont von mehr als drei Wochen hatte. Trotzdem konnten wir einige Veranstaltungen innerhalb der Aktivitas durchführen. Es entsprach sogar den Hygienerichtlinien für die „interne“ Kneipe, zum Stiftungsfest einen Biermusikus einer anderen Verbindung einzuladen.
Ende des Sommersemesters sahen die Infektionszahlen so gut aus, dass wir doch wieder ein Semesterprogramm auf die Beine stellten. Retrospektiv mag das naiv erscheinen. So kam pünktlich zum verspäteten Semesterbeginn Ende Oktober 2020 die zweite Welle und wir mussten alle Veranstaltungen wieder absagen oder überdenken. Selbst die Convente verlegten wir vom Saal in digitale Konferenzräume. Kurz vor Weihnachten, also bevor alle Hausbewohner nach Hause zu ihren Familien fuhren, kam das Haus fast vollständig zum Stillstand.
Wir diskutierten sogar über eine Maskenpflicht und maximale Personenanzahlen in den Gemeinschaftsräumen.
Eine Sache, die das Verbindungswesen in Aachen besonders ausmacht, ist der Austausch mit anderen Verbindungen.
Zoom-Konferenzen, ein neuer Hit
Ein Bummel oder eine Kneipe sind theoretisch dann doch etwas trockener als praktisch. So war es im Wintersemester nicht einfach, unseren neuen Hausbewohnern zu vermitteln, was unser Alltag normalerweise alles beinhaltet und was uns ausmacht. Trotzdem konnten wir zwei Hausbewohner als neue Füchse gewinnen und hoffen, dass wir den Rest im kommenden Sommer überzeugen können. Dass momentan alles ein bisschen anders ist, zeigte sich sehr schön in der Situation, als sich der Vorstand des kommenden Sommersemesters für das Vorstandsfoto in Schale geworfen hatte und ein Hausbewohner fragte: „Macht ihr das hier öfter?“
Über die Coronapandemie sind wir vermutlich doch ein bisschen zu einer „normaleren“ WG geworden. Die digitalen Veranstaltungen wurden – für uns überraschend – von vielen jüngeren alten Herren sehr positiv aufgenommen. Zwar konnte keine von Ihnen ein reales Treffen ersetzen, doch so kamen Bundesbrüder, die seit Jahren nicht auf dem Haus waren, jetzt bequem aus den eigenen Wohn- oder Arbeitszimmern zusammen. Es wurden schnell Bitten laut, solche Formate auch in den kommenden Semestern anzubieten, und wir werden dies auch bei den nächsten Planungen berücksichtigen.
Jetzt, nachdem bereits das zweite Coronasemester hinter uns liegt und wir an den Planungen für den Sommer arbeiten, habe ich persönlich keine Lust mehr, mich nur noch an vergangene Veranstaltungen zu erinnern. Es wird Zeit, nach vorne zu schauen und neue Erinnerungen zu schaffen. Ich freue mich auf die kommenden Monate. Es kann nur besser werden.
Dylan Gellert (Car)
