Fünf große K´s: KATASTROPHE, KRISE, KAIROS, KOMPASS UND KARTELLVERBAND

Vieles ist in letzter Zeit ins Wanken geraten. Wieso, warum, gerade jetzt? ist oft zu hören. Weiter so oder doch anders, hört man ebenso oft. Und wenn anders, dann aber wie?

Beobachtern entgeht nicht, wie allenthalben Absurdes darauf lauert, aufzukeimen. Manche ignorieren Corona, manchen raubt die weltweit um sich greifende Pandemie die Hoffnung. Die Mehrheit balanciert von einer Corona-Welle zur nächsten und versagt sich weitere oder tiefere Blicke. Dabei sollten wir doch Antwort auf die Fragen geben, die die Wirklichkeit stellt und Perspektiven entwickeln.

Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert waren zwei K´s prägend: Sie standen für königlich und kaiserlich, für die römisch-deutschen Kaiser, später für die k.u.k.-Doppelmonarchie des Hauses Habsburg. Inzwischen machen fünf bedeutungsschwere K´s die Runde: etwa das Wort „Katastrophe“, angewandt bei folgenschweren Unglücksereignissen: bei Kriegen, Erdbeben, Tsunamis, Epidemien, Dürren und deren Auswirkungen auf die Menschheit, bei Hungersnöten und Flüchtlingsströmen. Im Fall atomarer Katastrophen, Erdbeben und Tsunamis sind dann mitunter ganze Landstriche verwüstet, Siedlungen verwaist, Städte leergefegt und unbewohnbar. Deren gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche und kulturelle Auswirkungen bleiben oft unberücksichtigt. Was an Leben vor der Zerstörung stattfand, ist verschollen und liegt unter Trümmern. Es ist unsere Aufgabe, diesem Leben aufzuhelfen oder die Erinnerung daran zu pflegen.

Das zweite K steht für Krise, für eine gefährliche Konfliktsituation, mit massiven Einschnitten in unserem ganzen gesellschaftlichen Gefüge. Aktuell ist dies die Corona-Krise, die Konfrontation mit einem Virus, der uns seit einem Jahr zu Veränderungen unseres Alltags zwingt, die wir bislang für nicht möglich gehalten haben. Öffentliches Leben, Kulturveranstaltungen und Handel sind seit längerem drastisch heruntergefahren. Man versucht, die größten Schäden durch Notprogramme, günstige Kredite oder Darlehen auszugleichen. Mehr als erschreckend ist, dass das Virus allein in Deutschland mehr als siebzigtausend Tote (Stand März 2021) gefordert hat.

Kampf gegen Corona ist noch lange nicht gewonnen

Gerade angesichts solcher Zahlen geht der Kampf gegen das Virus und seine Mutanten jetzt erst recht weiter. Testen und Impfen werden weltweit empfohlen. Unterschiedlich sind die jeweiligen Strategien gegen den Virus und seine Mutanten, unterschiedlich gesehen werden auch die jeweilige Impfung, deren Inhaltsstoffe sowie die jeweils zu berücksichtigende Priorisierung. Zur Beruhigung trägt das keineswegs bei. Im Gegenteil. Skeptiker und so genannte Querdenker haben gerade ihre hohe Zeit, rufen zu Versammlungen und Demonstrationen auf, wo allzu oft Auflagen, wie das Tragen von Mundschutz und die Beachtung der Abstandsregeln missachtet werden - für Beobachter erschreckend, für Ordnungshüter eine Zumutung.    

Spürbar ist auch eine andere Krise - die Krise des Klimas, mit ihren Folgen Erd-erwärmung, Dürren und Unwetter, Zerstörung von Landschaften und Aussterben von Arten. Immer wieder keimt die Frage auf, ob es überhaupt noch möglich sein wird, die globale Erwärmung unter 2 Grad oder gar bei 1,5 Grad zu halten, wie im Pariser Abkommen vereinbart. Dass die USA nun diesem Abkommen wieder zustimmen und sich dazu verpflichtet fühlen, stimmt etwas hoffnungsfroh.

Es ist höchste Zeit, umzudenken, um Klimaneutralität zu erreichen. Dass dabei auch an einen verstärkten Einsatz von Wasserstoff als Energieträger gedacht wird, ist zu begrüßen. Auf die Agenda von Politik und Wirtschaft gehört auch der Ausbau regenerativer Energiequellen, ein ökologisches Wirtschaften, auf die Agenda aller Bürger gehört eine klima- und umweltbewusste Lebensweise, die Müll vermeidet, Ressourcen schont, bewusst - regional, saisonal und fair - einkauft und sich auch in Freizeit und Urlaub ökologisch verhält.

Den günstigen Augenblick nutzen

Damit ist das dritte K erreicht: Kairos, es steht für den günstigen Zeitpunkt, den Anlass, der genutzt werden muss. Ein „Weiter so“ darf es nicht geben, sonst bleibt die Krise ungelöst. Wie der günstige Augenblick genutzt werden kann, dazu sollte jeder etwas beitragen. Wer nur abseits steht, kritisiert und nörgelt, wird seiner Aufgabe nicht gerecht.

Hier ist dann das K Nummer vier gefragt. Es steht für den Kompass, der helfen soll, einen Weg aus der Krise zu finden. Dabei kann es sich allerdings nur um zielführende Leitplanken handeln - um Vorgaben, welche Wegstrecke bei einer eventuellen Weggabelung einzunehmen ist. Dazu gehört auch, darüber nachzudenken, wie sich die Bruchstellen innerhalb unserer Gesellschaft kitten lassen: etwa den Abbau sozialer Kontakte, die Vereinsamung oder die sozialen Verwerfungen aufgrund des wirtschaftlichen und technologischen Wandels.

Es ist nicht wichtig, woher wir kommen, wichtig ist, welchen Weg wir einschlagen, geht es doch um die Zukunft, hier und weltweit, um die Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und den nachfolgenden Generationen. Sich einbringen ist angesagt, nicht das Abwarten. Nötig ist das Wir, weniger das Ich.

Damit ist das fünfte K erreicht, nämlich Kartellverband: Kartell heißt  Zusammenschluss oder Verbindung vieler Gleichgesinnter und dies auch generationsübergreifend. Daraus ergibt sich die Chance, jung und alt miteinander ins Gespräch zu bringen. Der Wahlspruch „In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas“ - bei Notwendigkeiten Einheit, in Zweifeln Freiheit, in allem Liebe zu bewahren - ist dabei ein guter Wegweiser. Ja, wir befinden uns inmitten von diversen K´s und wir sind in vielerlei Hinsicht gefordert, gemeinsam zu handeln. Aber, sagt ein irischer Segensspruch, „Der Samen, den Du ausbringst, / soll Dir hundertfach Frucht bringen, / tausendfach jedoch der, den Du mit anderen teilst.“

Christoph Goppel (Erw)