Der wahre Gottesdienst (Mk, 7, 1-23)

Die Schriftgelehrten und Pharisäer fragen Jesus: „Warum halten deine Jünger sich nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit ungewaschenen Händen?“ Jesus antwortet: „Sehr geschickt setzt ihr Gottes Gebot außer Kraft und haltet euch an eure eigene Überlieferung.“ Als Beispiel bringt er das vierte Gebot. Ihr lehrt: „Es ist erlaubt, dass einer zu seinem Vater oder seiner Mutter sagt: Was ich dir schulde, ist Kórban, das heißt eine Opfergabe.“ ‘Korbán‘ sprach man, wenn man einen Gegenstand Gott weihen, d.h. dem gewöhnlichen Gebrauch entziehen wollte, ohne ihn aber unmittelbar dem Tempelschatz abzuliefern. Das ist einer der vielen Fälle, wo die Überlieferung dazu dient, das Gebot Gottes zugunsten des eigenen Vorteils außer Kraft zu setzen; man durfte das Geld behalten und brauchte es nicht zur Unterstützung der Eltern auszugeben.  

Der Text markiert einen Einschnitt und geht zu einem anderen Thema über. Auch hier geht es darum, die Überlieferung der Menschen vom Gebot Gottes zu unterscheiden. Jesus kritisiert die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Speisen. Sie war von Bedeutung für die Tischgemeinschaft zwischen Judenchristen und Heidenchristen in der Urgemeinde (Apg 10,15; 15,28f.); als biblische Grundlage kann die Unterscheidung von reinen und unreinen Tieren in Lev 11 dienen. Jesus lehnt diese Unterscheidung ab; er erklärt alle Speisen für rein. Der Mensch wird nicht unrein durch das, was in ihn hineinkommt, sondern durch das, was aus seinem Herzen herauskommt. An die Stelle des kultischen setzt Jesus den moralischen Reinheitsbegriff.

Frido Ricken, S.J.