Kb Dr. Heinrich Hornef (Frk), ehemaliger Treuhand-Chef, neunzig Jahre alt

Er half beim Aufbau Ost

Als einen Menschen, dem es stets gelinge, Liebenswürdigkeit im persönlichen Umgang mit einer gradlinigen Argumentation in der Sache zu verbinden, hat Hans Joachim Langmann, der verstorbene langjährige Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Merck, Kb Dr. Heinrich Hornef (Frk) einmal beschrieben. „Er ist immer bereit, seinen eigenen Standpunkt zur Diskussion zu stellen, besteht aber auf konsequentem Denken“. Am 19. April konnte Heinrich Hornef seinen neunzigsten Geburtstag feiern. Sein Berufsleben hat ihn über Wirtschaftsjournalismus und Leitungspositionen in großen Unternehmen in Schlüsselpositionen von Wirtschaft und Politik geführt: Er war Finanzvorstand der Treuhandanstalt in Berlin und, ab 1995, zwei Jahre lang  Präsident der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben, der Nachfolgerin der Treuhandanstalt.

Geboren im hessischen Lorsch, machte Hornef nach seinem Abitur in Fulda zunächst eine Lehre als Industriekaufmann und studierte danach Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt/Main, Köln und Freiburg. Während seines Studiums schloss er sich dem KStV Frankonia-Straßburg-Frankfurt an. 1957 promovierte Hornef zum Dr. rer. pol. Bis 1962 arbeitete er zunächst in einem der größten Wirtschaftsprüfungsunternehmen, der Treuarbeit, Deutsche Revisions- und Treuhand AG Frankfurt und als Wirtschaftsjournalist bei der Zeitschrift „Der Volkswirt“, der heutigen „Wirtschaftswoche“. Dieses Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Publizistik sollte sein weiteres berufliches Leben bestimmen. 1962 wechselte Hornef als persönlicher Referent des Vorstandsvorsitzenden der Enka Glanzstoff AG, Wuppertal in die Industrie, dort übernahm er  bald Verantwortung im Controlling und im Finanzbereich. Bei der Boehringer Mannheim GmbH wurde er 1973 der erste Geschäftsführer für Finanzen.

Für Kb Dr. Heinrich Hornef, der regelmäßig die DDR besucht hatte, war die Wiedervereinigung Deutschlands ein wichtiger biographischer Einschnitt. Ab 1990 setzte er sich in seiner Freizeit für den Aufbau Ost ein, brachte sich in zwei Ost-Aufsichtsräten mit Rat und Tat ein, half beim Caritas-Verband in Thüringen, wo er nur konnte.

Da war es nur konsequent, wenn er zu Beginn des Jahres 1992 dem Ruf der Treuhandanstalt in Berlin folgte, um die Leitung ihres Finanzressorts zu übernehmen. Er konnte dabei auf seine Erfahrungen auf wirtschaftlichem, politischem und publizistischem Gebiet zurückgreifen, war diese Arbeit doch allzu oft ein Balance-Akt zwischen dem Finanzbedarf der kriselnden, darniederliegenden ehemaligen DDR-Betriebe und den Begrenzungen der öffentlichen Finanzen. 1995 übernahm Hornef für zwei Jahre die Leitung der Treuhand-Nachfolgeorganisation, der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben.

Im Ruhestand war Kb Dr. Hornef nicht nur weiter als Aufsichtsrat und Berater verschiedener Unternehmen tätig, sondern brachte sich auch ehrenamtlich in den Unterstützerkreis der Weinheimer Unternehmer ein. Dort kümmerte er sich um die Qualifikation von Jugendlichen im Berufsvorbereitungsjahr. Sein politisches Zuhause hatte Hornef bei den Christdemokraten. Dort arbeitete er vor allem auf Kreisebene im Vorstand mit. Auch in der Kirche brachte er sich ehrenamtlich ein. Seine vier Kinder und zwölf Enkel sind für Kb Heinrich Hornef eine Quelle der Kraft und Unterstützung.

R.N./PD