Die AM sind mehr als ein bloßes Berichtsmedium des KV

Lieber Marc, wie bist Du Mitglied der Redaktion der AM geworden?

Lenzke In meiner Zeit als Pressesprecher des KV habe ich regelmäßig Kartellbrüder interviewt und Beiträge über Tagungen des KV-Rats in den AM publiziert. Ich schreibe gerne und habe diese Leidenschaft auch zu meinem Beruf gemacht. Seitdem ich Mitglied des AHB-Vorstands bin, nehme ich auch regelmäßig und ganz offiziell an den Redaktionssitzungen teil. So bin ich also nicht mehr „nur“ inhaltlich beteiligt, sondern auch in der Planung und Konzeption.

Was sind die Dinge, die Du als Mitglied der Redaktion in den AM vermitteln willst?

Lenzke Als Pressesprecher ging es mir sehr viel darum, die Arbeit des KV-Rats transparent zu machen. Die Kartellbrüder engagieren sich in ihrer Freizeit, haben viel Freude an dieser Arbeit, aber die Wahrnehmung dessen im Verband war – zu-mindest aus meiner persönlichen Perspektive – immer sehr schwach. Das wollte ich ändern. Seitdem habe ich mich viel intensiver mit den AM auseinandergesetzt und gemerkt, welche Themenvielfalt dort geboten wird und wie hochwertig, bemerkenswert und schlicht hilfreich manche Beiträge sind. Man könnte sagen, über die Zeit habe ich verstanden, dass die AM weit mehr sind als ein offizielles Berichtsmedium des Verbandes. Aktuell interessiert mich das Prinzip Religio sehr und ich möchte daran arbeiten, es in den AM stärker zu beleuchten.   

Warum muss es die AM im KV Deiner Ansicht nach geben?

Lenzke Da sind sicherlich in dem Vorgenannten schon viele Punkte dabei. Aber ich kenne ja die Diskussion und weiß, warum die Frage gestellt wird. Da geht es vielen verständlicherweise ums Geld. Einigen geht es um den Grundsatz. Das kann ich nicht verstehen. Bieten die AM uns Kartellbrüdern nicht eine wunderbare Bühne zum Austausch, zur Diskussion und für die Geschichten aus den eigenen Vereinen? Gerade jetzt, wo das Vereinsleben auf katastrophale Art beeinträchtigt ist, tritt das noch viel stärker hervor. Deshalb haben wir auch eine Ausgabe im Dezember 2020 für alle Kartellbrüder im Print gemacht. Denn wie wollen wir den Zusammenhalt stärken, wenn wir viel zu wenig voneinander wissen? Hier leisten die AM aus meiner Sicht einen ganz wertvollen Beitrag.

Was schätzt Du an den AM und wo siehst Du Verbesserungsbedarf?

Lenzke Ich schätze die Bühne, die uns die AM bieten. Aber die AM stehen natürlich vor denselben Herausforderungen, wie jedes klassische Printmedium unserer Zeit: Viele Leser erwarten Schnelligkeit, niedrige Hürden – also digitalen Zugang auf allen denkbaren Geräten – und Aufmerksamkeit und Teilbarkeit in sozialen Medien. Da sind wir dran. Wir bewerben einzelne Ausgaben und Artikel intensiv, nehmen Beiträge heraus und teilen sie einzeln und arbeiten an einem Format, das auf allen Geräten problemlos lesbar ist. Das geht aber nicht von heute auf morgen, denn wir machen das nun mal in unserer Freizeit und bei knappem Budget. Ich erhoffe mir davon aber nicht nur mehr Leser zu erreichen, sondern auch mehr Schreiber. Dann wird das Bild von der Bühne auch rund: Wenn viele verschiedene Menschen dort auftreten.

Du gehörst dem KStV Normannia-Greifswald an. Wie ist der Kontakt zwischen den Mainzer Normannen  und Dir zustande gekommen? Was hat Dich damals begeistert? Und was hat sich bei der Normannia-Greifswald seither verändert?

Lenzke Die Vereine Ketteler, Kurpfalz und Normannia-Greifswald haben Anfang der 1970er in Mainz gemeinsam ein Haus gebaut. In dieses Haus bin ich zu Beginn meines Studiums eingezogen in einer Zeit, in der die Normannia keine Aktivitas hatte. Die allermeisten Mitbewohner kannten die Normannia nur noch vom Hörensagen. Über persönliche Bekanntschaften kam ein Kontakt und schließlich ein Treffen mit dem AHx Dr. Bernhard Loos zustande. Eine kleine Gruppe Interessierter traf sich eines Abends mit Bernhard beim Griechen und sprach lange über die Normannia. Da haben wir beschlossen, den Verein neu zu beleben. Dabei hat Bernhards Engagement bis heute einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet. Schnell ist die neue Aktivitas mit den alten Herren wieder zusammengewachsen. Das passierte so selbstverständlich, dass es mich bis heute ein wenig verblüfft. Außerdem hat die Normannia eine bewegte Geschichte von ihren Ursprüngen Anfang 1880 in Pommern bis heute in Mainz am Rhein. Das finde ich als geschichtsbegeisterter Mensch natürlich sehr interessant.

Was hat sich seither verändert?

Lenzke Ich kann glücklicherweise sagen: Unterm Strich vieles zum Guten. Wir hatten viele Hürden und einige Durststrecken zu überwinden. Aber wir haben mittlerweile eine gesunde Mitgliederzahl und können uns trotz Corona über ein wenig Zuwachs freuen. Und wir haben auch einer Tochterverbindung aus der Wiege geholfen, dem AV Normannia.

Als Mainzer Normanne bist Du auch KVer. Wie drückt sich diese Tatsache in Deinem Leben aus?

Lenzke Da habe ich die Worte von unserem langjährigen KV-Ratsvorsitzenden Karl Kautzsch im Ohr: Tragt die KV-Nadel am Revers! Ich trage sie immer am Anzug und es stimmt – im Beruf habe ich so viele Bekanntschaften gemacht, die ich sonst vielleicht verpasst hätte. Man erkennt sich und mich haben Kartellbrüder angesprochen in ganz ungewöhnlichen Situationen. Das ist aber nur ein Aspekt. Ich bin Katholik und Akademiker und das ist Teil meiner Persönlichkeit. Das bin ich also auch ohne den Verband. Aber ich verleihe dem Ausdruck durch die Arbeit im Verband, aus der sich wiederum viele wunderbare Freundschaften ergeben.

Welche Fragen sind Dir wichtig, über die wir uns im KV über das Verbandsinterne hinaus auseinandersetzen sollten - religiös, ethisch und sozial?

Lenzke Das ist aus meiner Sicht genau der richtige Dreiklang der wichtigen Themen. Wenn man sich das vor Augen führt, drängt sich mir sofort das omnipräsente Thema auf: Corona. Was macht das mit der Kirche und was macht das ganz persönlich mit unserem Glauben? Sehen wir die sozialen Verwerfungen, die dadurch verstärkt werden – nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern global? Werden andere Krisen, wie Flucht und Vertreibung, dadurch verstärkt? Und rücken andere in den Hintergrund, wie etwa die Klimakrise? Wir sind Katholiken und oft in einer privilegierten Position. Wo können wir uns einbringen, wo müssen wir uns sogar einbringen? Ich möchte glauben, dass viele Kartellbrüder sich engagieren, ob politisch oder durch konkrete Hilfe. Vielleicht können wir das sichtbar machen und Zeichen setzen?

Die Fragen stellte Kb Reinhard Nixdorf

Ich bin am 28.02.1990 in Berlin geboren und dort aufgewachsen. Meine Schulzeit habe ich im ruhigen und grünen Bezirk Treptow-Köpenick verbracht und schließlich 2009 an der Archenhold-Oberschule Abitur gemacht. Als einer der letzten Jahrgänge leistete ich Zivildienst beim Allgemeinen Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverein in Berlin. Zum Studium wollte ich Berlin gerne verlassen und etwas Neues kennenlernen. Auf den Rat einer Freundin bewarb ich mich an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz um dort zum Wintersemester 2010/2011 ein Lehramtsstudium für Deutsch und Geschichte zu beginnen. Während des Studiums bin ich früh mit dem KStV Kurpfalz in Berührung gekommen und habe mit ein paar anderen Kurpfälzern und einem Ketteler 2012 die vertagte KStV Normannia-Greifswald zu Mainz wiederbelebt. Gleichzeitig engagierte ich mich beim Mainzer Debattierclub. Habe dort den Spaß an der konfrontativen Rede entdeckt und erfolgreich deutschlandweit an Turnieren teilgenommen. Als Werkstudent begann ich 2014 in einer Unternehmensberatung für Krisenkommunikation zu arbeiten. Nach Abschluss meines Bachelors habe ich mich entschieden, dort zu bleiben und nicht Lehrer zu werden – und damit eine Entscheidung getroffen, über die ich sehr froh bin. Daher wechselte ich auch meine Ausbildung und schloss 2019 mit dem Master im Wirtschaftsrecht (LL.M.) ab. Seitdem arbeite ich als Senior-Berater für Krisenkommunikation. Mit der Zeit wurde mir als Berliner das wunderschöne, aber beschauliche Mainz etwas zu klein und ich bin im August 2020 nach Leipzig gezogen. Die Mischung aus Natur und Großstadt gefällt mir sehr gut, auch hat die Stadt kulturell unglaublich viel zu bieten und ich bin näher bei meiner Familie, die größtenteils in Berlin wohnt. Nach meiner Aktivenzeit in der Normannia-Greifswald engagiere ich mich weiter im KV und in anderen Vereinen ehrenamtlich: Von 2016-2019 war ich Pressesprecher des KV. Auf der VV 2019 wurde ich zum Mitglied des AHB-Vorstands gewählt. Seit 2016 bin ich Mitglied der Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP e.V.) und 2018 wurde ich als Mitglied der 30unter30-Talente der PR-Branche ausgewählt.