Abt Dr. Johannes Eckert: Umkehr in der Kirche nötig
Das Reich Gottes beschränkt sich nicht auf die Kirche
Das einzige liturgische Gewand Jesu ist „die Schürze, um den Jüngern die Füße zu waschen“, sagte Kb Dr. Johannes Eckert (EM d Ott), Abt der Münchner Benediktinerabtei St. Bonifaz und des Klosters Andechs, kürzlich gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA). „Sie ist die Schutzkleidung, die Menschen etwa auf der Intensivstation anlegen, um andere zu pflegen. Wenn da Kirche erfahrbar wird, dann ist sie glaubwürdig.“
In seinem neuen Buch „Was sucht ihr?“ beschäftigt sich der Abt mit den Fragen Jesu im Johannes-Evangelium. Mit der katholischen Nachrichtenagentur sprach Kb Johannes Eckert darüber, warum es gerade in der Kirche wichtig ist, Fragen zu stellen, wieso Geistliche nicht immer Antworten parat haben müssen und wie die Kirche Glaubwürdigkeit zurückgewinnen kann.
Am meisten habe ihn dabei die Frage Jesu an Pilatus bewegt: „Sagst Du das von Dir aus oder haben es andere über mich gesagt?“ Sein eigenes Wissen über Jesus Christus sei ihm von den Eltern, in der Pfarrei und Theologiestudium vermittelt worden. „Aber was ist er für mich? Wäre ich in einem anderen Kulturkreis geboren, würde ich vielleicht zu dem Ergebnis kommen, Jesus war ein besonderer Mensch wie Mahatma
Gandhi oder Martin Luther King. Ich bin dankbar, ein positives, angstfreies und vertrauensvolles Jesus-Bild vermittelt bekommen zu haben. Aber ich bin vorsichtig geworden. Natürlich hoffe ich, dass er für mich der Sohn Gottes und Erlöser ist, der mich mal hinein nimmt in die große Liebe und dann die letzte Frage stellt: Liebst Du mich? Aber Fragen an ihn bleiben.“
Ein Jahr Corona sowie Katastrophe und Leid stellen nicht nur gläubige Menschen vor die Frage nach dem Sinn hinter diesem Geschehen. „Auf die Frage nach dem Warum werden wir keine Antwort finden“, sagte der Abt: „Diese bleibt Gott uns schuldig. Doch im Angesicht meines Todes erwarte auch ich von ihm eine Antwort auf das Leid. Im Blick auf Jesus von Nazareth kann ich sagen, er teilt das Leid bis in die Nacht des Todes mit uns.“ Möglich sei aber, das Warum in ein Wozu wenden, doch dies sei ein langer Prozess. „Mich erstaunen immer wieder Menschen, die dies können und sagen, durch die Einschränkungen ihrer Krankheit sei ihr Leben intensiver geworden. Aber warum Gott Leid zulässt, darauf habe ich keine Antwort.“ Und dies gelte es auszuhalten.
„Durch die Heilige Schrift zieht sich die Erfahrung von Nacht, wo nicht der Mensch Gott verlassen hat, sondern wo der Mensch sich von Gott verlassen fühlt. Da geht es um die Gottesfrage ganz konkret.“
Wenn angesichts der Turbulenzen, in die die katholische Kirche auch aufgrund der Missbrauchsfälle geraten sei, viele Menschen die Kirche verließen, meinte der Abt: „Wer als kritischer Geist oder gar als Opfer zu dem Schluss kommt, das hat doch mit Jesus von Nazareth nichts zu tun, damit möchte ich nichts zu tun haben, hat recht - vielleicht nicht unbedingt, was den Austritt betrifft. Menschen in dieser Kirche, die Verantwortung tragen, haben sich durch ihr Verhalten von Jesus wegbewegt. Deshalb braucht es eine Umkehr.“
Denn das Reich Gottes beschränke sich nicht auf die Kirche. „Ich bin immer wieder überrascht, wie selbstverständlich Menschen ihre Hilfe anbieten. Da wird spürbar, dass sie aus dem Geist Jesu handeln.“ Die Zukunft der Kirche müsse im sozialen Bereich liegen. „In der Pandemie beschränkt sich Kirche sehr stark auf das Thema Gottesdienste, aber genauso wichtig ist die gelebte Nächstenliebe.“