Kb Prof. Hans Maier: „Unkultur der Demut und der Demütigung überwinden”

Aus Anlass seines neunzigsten Geburtstages am 18. Juni 2021 hat Kb Prof. Dr Hans Maier (E M d. Arm), Politikwissenschaftler, bayerischer Kultusminister a.D. und früherer Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken (1976 bis 1988) auch zum Missbrauchsskandal in der Kirche Stellung bezogen. In einem in der Münchner Abendzeitung und  im Straubinger Tagblatt veröffentlichten Interview sagte Kb Hans Maier, „offenbar seien viele auch deshalb zu „Opfern der Katastrophe” geworden, „weil sie in Demut erstarrt, nicht Widerstand zu leisten wagten.” Eine solche „Unkultur der Demut und der Demütigung” müsse überwunden werden.

Die Kirche müsse die Gewaltenteilung, eine Verwaltungsgerichtsbarkeit und eine „Stärkung der individuellen Grundrechte vom Staat übernehmen“. Bis heute leide er darunter, „dass in der Kirche nicht einmal rechtsstaatliche Minima” gelten würden: Wenn etwa „einem Theologen die Lehrerlaubnis entzogen wird, bekommt er nicht einmal die Anklage zu sehen.”

Besorgt äußerte sich Maier zu aktuellen Debatten in Deutschland, etwa um „political correctness“. Ein „geordneter Streitablauf “ sei für die Demokratie ebenso wichtig wie die Bewahrung ihrer Grundlagen. „Nicht ausgetragener Streit kann ein Gemeinwesen ebenso vergiften wie ein Streit, der das Gemeinsame zerstört.“

Die Hochschulreform in Bayern werde zu sehr von den technischen Hochschulen gedacht, wo man ertrags- und ergebnisorientiert denke, warnte Maier. Dies widerspreche der älteren Tradition der Geisteswissenschaft, die Grundlagenforschung betreibt. „Mich hat es immer gestört, wenn man Wissenschaft unter das Joch der Frage ´Was bringt es?´ beugt. Das ist eine Verengung der Perspektive”, sagte Maier. Auch missfalle ihm, „dass die Fakultäten einer Präsidialmacht unterstellt werden sollen”.

Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung” bezeichnete Maier das Zweite Vatikanische Konzil als „stimmungsgründenden Akkord” in seinem Leben. Was das Thema Religionsfreiheit und seine Kritik am „Kruzifixurteil“ des Bundesverfassungsgerichts von 1995 angeht betonte Maier: „Wir leben nicht mehr in einem Gottesstaat, zum Glück, aber auch nicht in einem religionsfeindlichen Staat“. Den Verweis auf den „historischen Kontext unserer Kultur“ halte er für „zumutbar“, weil dadurch „kein Zwang  ausgeübt“ werde. Zum Problem des politischen Radikalismus meinte  Maier, die „demokratische Substanz“ sei inzwischen stark genug, „um damit fertig zu werden“. Das gelte auch für die AfD. Er gehe davon aus, dass man „auf Regeneration hoffen“ könne.