Das Ehrenmitglied der KStV Mainfranken im KV zu Bamberg, der ehemalige Präsident der Bamberger Universität Prof. Dr. Dr. Godehard Ruppert, beleuchtete Gastfreundschaft  und Gastlichkeit

Eineinhalb Jahre lang stand zum Zeitpunkt des 91. Stiftungsfestes der KStV Mainfranken vom 11. bis 13. Juni 2021 die ganze Welt unter dem Eindruck der Coronapandemie und der durch sie veranlassten Beschränkungen. Daher musste auch dieses Stiftungsfest 2021 – wie schon das gelungene Jubiläumsstiftungsfest 2020 – virtuell veranstaltet werden.

Um gegen den Webinar-Blues und die gleichzeitig beginnende Fußball-Europameisterschaft anzukommen, hatte sich die KStV Mainfranken einiges einfallen lassen – mit Erfolg.

Originell war bereits der Begrüßungsabend. Das Vorbereitungsteam hatte auf der Plattform „gather.town“ das Mainfrankenhaus samt Kneipsaal nachgebaut. Dort konnte man sich tummeln und bummeln.

Um das richtige Feeling unserer Bierstadt Bamberg aufkommen zu lassen, hatte es eine Bierprobe zusammengestellt aus vier verschiedenen Hausbrauereien, wie sie für das Bamberger Umland typisch sind. Externe konnten sich das Viererpack postalisch zukommen lassen, von den Bundesbrüdern so bruchsicher wie möglich verpackt und liebevoll mit einem Mainfranken-Aufkleber und Mainfranken-Bierfilzen bestückt. Bei solch stilechten und commentgemäßen Stoffen ergaben sich interessante Gespräche und jene spezifische Partystimmung, die ein derartiges get-together unter Bundesbrüdern (und teilweise ihren Lebensgefährtinnen) ausmacht.

Live-Übertragung aus der Bamberger Sandstraße

Den Festkommers eröffnete der Aktivensenior Mainfrankens, Lorenz Hegeler, in Vollwichs mit seinem Chargenpräsidium vom Mainfrankenhaus in der Bamberger Sandstraße. Erstmals kam die neu angeschaffte Technik zum Einsatz, die es auch nach Ende der Coronazeit ermöglichen wird, in guter Bild- und Tonqualität Ereignisse aufzuzeichnen oder zu streamen und somit die Fernteilnahme in Form hybrider Veranstaltungen zu ermöglichen.

Der Senior begrüßte zugeschaltete Vertreter e.s.v. KSStV Alemannia zu München sowie - in Vollwichs in der österreichischen Landeshauptstadt chargierend – AKV Aggstein im ÖKV zu Wien. Eine besondere Ehre war es, das Ehrenmitglied, den ehemaligen Präsidenten der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und Professor für Religionspädagogik Prof. Dr. Dr. Godehard Ruppert, als Festredner zu haben zum Thema „Gastfreundschaft und Gastlichkeit – auch ein akademisches Thema?“. Der Festredner hob diese Begriffe als kulturelles Kontinuum hervor. Im Ursprung und Ursinn sind diese mit Zeit, Ruhe, Muße, Achtsamkeit und Zuwendung verbunden; erst später kam der Gesichtspunkt der Kommerzialisierung (als Gastronomie) hinzu.

Auf unseren Kulturkreis bezogen, arbeitete die Rede das Begriffsverständnis und die Überlieferung schon in der vorchristlichen griechisch-römischen Antike und bei den alten Germanen heraus. Hervorzuheben ist die religiöse Dimension, die die Gastfreundschaft unter das Patronat der obersten Götter (Zeus/Jupiter) stellte und als ein temporäres (auf zwei bis drei Tage beschränktes) Schutz- und Friedensverhältnis zwischen Gastgeber und Gast deutete. Sein Gegenseitigkeitscharakter kommt bis heute insbesondere in der Tradition von Gastmahl (heute z.B.: Staatsbankett, Geschäftsessen) einerseits, Gastgeschenk andererseits zum Ausdruck.

Gast im Haus: Gott im Haus

Das Christentum spitzt mit dem Gebot aus der Bergpredigt, eindringlich verstärkt in der Bildrede vom Weltgericht (Mt 25,35), eine bereits im Alten Testament angelegte Wertschätzung der Gastlichkeit insbesondere in Richtung auf die altruistische Bewirtung und Beherbergung des Bedürftigen zu. Zugleich gibt es – neben den zahlreichen Erzählungen über Mahle und Feiern – mit dem Letzten Abendmahl dem Festmahl eine einmalige Transzendenz.

Die vor allem von Klöstern und Pilgerwegen geprägte christliche Hospitalität zeigt sich bis heute in Herbergen, Klostergästehäusern und -wirtschaften sowie in Spitälern, in Waisenhäusern und Schlaf- oder Speisestätten für Obdachlose und Mittellose (z.B. Bahnhofsmission). Hier kommen die christliche Tugend der Caritas und der kirchliche Grundvollzug der Diakonie zum Tragen. Diese Hospitalität ist prägend auch für das Verständnis von Rechtsinstituten wie dem Asylrecht.

Die eindrucksvolle Festrede, passenderweise per Zuschaltung gehalten vor der als Hintergrund gewählten Kulisse eines fränkischen Gasthauses mit Fachwerk und Aushänger „Zur Sonne“, beantwortet schon in dieser Zusammenfassung die Frage nach der akademischen Relevanz: Von der Theologie über die Ethik, von der Volks- und Völkerkunde über die Denkmalpflege, von der Geschichtswissenschaft und Kunstgeschichte über die Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, von der Soziologie über die Rechtswissenschaft etc. finden sich Ansätze zuhauf, diesem Thema intra- und interdisziplinär nachzugehen.

In einer kurzen Dankes-Replik ließ der Aktivensenior seine theologische Bildung aufblitzen: Er erinnerte daran, dass Sodom und Gomorra nicht zuletzt wegen Gastfrevels dem Untergang geweiht worden waren, und appellierte, das Mainfrankenhaus als einen Hort echter Freundschaft und Gastfreundschaft zu verstehen und zu betreiben.

Coronanot wird zur Tugend

In seinem Semesterresümee hob der Aktivensenior hervor, dass die KStV Mainfranken insbesondere durch eine virtuelle Vortragsreihe über aktuelle akademische Abschlussarbeiten oder mit Hintergrundberichten aus dem Berufs-leben von Bundesbrüdern aus der Not des Coronalockdowns eine Tugend zu machen versucht.

Für die in Bamberg weilenden Bundesbrüder bot der Sonntag die Möglichkeit zur physischen Begegnung: Im Bamberger Dom fand die Heilige Messe der Dompfarrei zugleich als Stiftungsfestgottesdienst statt. Damit trat zu den virtuellen und realweltlichen Formaten dieses Stiftungsfestes die transzendente Dimension hinzu.

Hoffen ist dem Christen allemal erlaubt, und so freue ich mich als in Berlin lebender externer Mainfranke auf ein baldiges Wiedersehen in Bamberg, dieser gastlichen Stätte.

Christian Papsthart (Ma, Ask-Bg, Urb)

„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“  (Hebr 13,2)