In virtute robur!
Vom 25. bis 27. Juni 2021 feierte der Katholische Studentenverein Semnonia-Berlin zu Osnabrück im KV sein 110. Stiftungsfest. Ein Stiftungsfest wie jedes andere? Keinesfalls, wie denn auch bei einem Kartellverein, der zwischen 1934 und 2011 sistiert gewesen ist? Noch dazu eines in Zeiten einer Pandemie? Da gleicht jede Verbindungsveranstaltung einem kleinen Wunder – und ein komplettes Stiftungsfest erst recht!
Von sechs auf 106 Bundesbrüder in zehn Jahren – wie kann das sein? Zum Zeitpunkt des Stiftungsfestes zählte Semnonia 88 Philister und 18 Aktive. Semnonia prosperiert, trotzt sogar einer Pandemie.
Die Vorbereitung
Schon im November 2020, also zur Hochzeit der Corona-Pandemie, hatte sich mit Auftrag des Konvents ein Festkomitee (westfälisch-zurückhaltend „Lustausschuss“ genannt) mit den Bundesbrüdern Matthias Bruns (Gth, Smn), Stefan Gaßmann (Mk, Lov, Smn), Julian Goertz (Wk, Urb, Smn) und dem Verfasser konstituiert, um mit unverwüstlichem Optimismus dieses 110. Stiftungsfest vorzubereiten. Denn schon damals stand für den Konvent und insbesondere für diese vier Bundesbrüder fest: Wenn denn die Pandemiebeschränkungen eine Feier zulassen sollten, so würde jeder Bundesbruder nur zu froh sein, nach Osnabrück zu kommen und daran teilzuhaben!
Dann eben trotz Pandemie!
Der Lustausschuss bemühte sich von Anfang an, gegenläufige Ziele trotz Pandemie miteinander zu vereinbaren. Der Restaurant- und Hotelbetrieb Busch-Atter außerhalb der Stadt Osnabrück hart im Westen des Stadtgebiets, in der Nähe der Autobahn und an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen gelegen, sollte halbwegs vor-Corona-üblichen Erwartungen entsprechen. Über Monate hinweg musste der Lustausschuss davon ausgehen, dass dieses Stiftungsfest unter Beachtung eines Hygienekonzepts, mit Abstandswahrung und bei Maskenpflicht würde stattfinden müssen.
Busch-Atter bot eine professionell eingespielte Infrastruktur, um mit solchen Herausforderungen umzugehen. Dafür nahmen wir es in Kauf, weit außerhalb des Osnabrücker Stadtzentrums die Veranstaltungen durchzuführen.
Der Studentische Abend
Dankenswerterweise wurde Semnonia durchgehend mit bestem, nicht einmal zu heißem ‚Kaiserwetter‘ verwöhnt! Der studentische Begrüßungsabend am Freitag fand in entspannt-korporativer Atmosphäre statt. Es war großartig, endlich wieder zusammenkommen zu können, die Allermeisten begegneten einander nach bis zu zwei Jahren endlich wieder physisch. Und diejenigen Aktiven, die erst während der Pandemie aktiv wurden, erfuhren erstmals, welche ‚Wucht‘ das Studentenleben entfalten kann.
Die Convente
Dem Vergnügen folgte erst einmal die Arbeit: Cumulativ-, Philister- und Aktivenconvente heischten nach der Aufmerksamkeit der Bundesbrüder. Es ist nicht alles eitel Sonnenschein, denn Semnonia zählt nicht allzu viele Aktive vor Ort, der Aktivenconvent hatte einiges zu tun, um Chargen fürs Wintersemester zu wählen.
Der Akademische Festakt
Wie gesagt, ein Kommers wurde nicht geschlagen – aber die zahlreich anwesenden Gäste im feierlich geschmückten Festsaal von Busch-Atter kamen auch so ohne Zweifel auf ihre Kosten! Der eine Höhepunkt war sicherlich die Festrede von Dr. Hans-Gert Pöttering (EM der VKDSt Saxonia zu Münster im CV), von 1979 bis 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments, von 2007 bis 2009 sogar dessen Präsident – und im Landkreis Osnabrück daheim. Trotz einer Einladung in den Vatikan am selben Wochenende hatte er es sich nicht nehmen lassen, derjenigen von Semnonia Folge zu leisten.
Die Festrede
In seiner Festrede schöpfte er aus seiner jahrzehntelangen politischen Erfahrung. Aus gegebenem Anlass begann er damit, zurückzublicken in das Jahr 1911, am Vorabend des verheerenden Krieges, der als Erster Weltkrieg in die Geschichte eingehen sollte. Für Farbenbruder Dr. Pöttering ist die Würde des Einzelnen, wie sie schließlich auch ihren Niederschlag gefunden hat in Artikel 1 des Grundgesetzes, der alles überragende Wert, der seine Grundlage hat in der christlich-abendländischen Tradition Europas.
Europäisch orientierte Politiker wie Jean Monnet, Robert Schuman (UV) und eben Kb Konrad Adenauer (Sx, Bsg, Arm, E d. Sv, E d. Ask-Bg, E d. Gst) waren entschlossen, für Frieden durch eine europäische Einigung zu sorgen, angefangen durch die „Montanunion“, die „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“, der Ursprung der Europäischen Union, wie sie heute besteht.
Rezeption und Promotionen
Und Semnonia blüht, wächst und gedeiht – trotz Pandemie! Ausweis dessen waren eine feierliche Rezeption, ferner zwei feierliche Promotionen, jeweils durch den hohen Fuxmajor Bb Lucas Hengelbrock (Mk, Smn). In althergebrachter Weise erlosch das Licht, ein Kommilitone wurde offiziell Bundesbruder, und zwei weitere Bundesbrüder gelobten, ihren übrigen Bundesbrüdern allzeit gute Freunde und Helfer zu sein.
Der neue Ehrenphilister
Krönender Abschluss war schließlich die Vorstellung einiger neuer B-Philister in den Reihen der Altherrenschaft und vor allem des neuen Ehrenphilisters Christian Delhey. Auch das nahm seine Zeit und insbesondere seine (aktive) Genussfähigkeit wurde auf eine harte Probe gestellt – die er selbstverständlich meisterte. Die überaus gelungene Veranstaltung verklang offiziell mit der Farbenstrophe – gefeiert wurde abermals bis tief in die Nacht.
Festgottesdient und Exbummel
Am Vormittag um 11.30 Uhr schloss sich der Festgottesdienst im hohen Dom zu Osnabrück als Teil eines regu-lären Gemeindegottesdienstes an. Ab 11.00 Uhr versammelte sich eine Schar Unentwegter und Unverzagter um unsere Fahne (diese Schar, wen wundert’s, hätte ein bisschen größer sein dürfen …). Semnonia chargierte, stellte sogar mit Bb Pastor Christoph Scholz (Mk, Bsg, Smn) einen Konzelebranten. Ein rundum gelungenes Fest, hieß es hinterher, allen Widrigkeiten zum Trotz.
Text: Marcus Müller (A-Me, Nm-W, Smn), Bilder: Christian Delhey (E d. Smn, Wh, Mk, Erm, Gm, Osg)


