Trotz aller Widerstände: Die Salzburger Hochschulwoche 2021 ein wenig analog

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr musste die diesjährige Salzburger Hochschulwoche nicht gänzlich virtuell stattfinden. Drei Veranstaltungen-Theologischer Preis, Buchvorstellung, Gedenken 90 Jahre Hochschulwochen - sowie das Pontifikalamt im Dom waren analog, also realen Personen zugänglich. Dabei wurden wegen der Pandemie die Schutzvorschriften genau beachtet.

Was hält uns (noch) zusammen?

Im Mittelpunkt stand als Generalthema für 2021 die Frage „Was hält uns (noch) zusammen?“. Dabei sollte über „Verbindlichkeit und Fragmentierung“ nachgedacht werden. Das geschah überwiegend mit Hilfe von Podcasts und Videos. Außerdem wurden als „Anreise-Playlist“ Tracks mit klassischem Rock, österreichischem Pop, elektronischen Einsprengseln und Songs des deutschen Rappers Spax angeboten, der eine „Live-Performance“ gab.     

Eine neue Kommunikationsform ist ferner die Reihe „Benedictine Banter“, in der dieses Mal Frater Jakob Auer aus der Erzabtei St. Peter in Salzburg und Bruder Wolfgang Sigler aus der Abtei Münsterschwarzach Impulse zum Jahresthema gaben.     

Sie machten sich in Videos auf den gelegentlich künstlich allzu beschleunigten Weg durch die Stadt zum Kapuzinerberg und schlossen ihren Auftritt mit Psalmengesang in der Krypta der Benediktinerinnen-Abtei auf dem Nonnberg.

Gern abgerufene Podcasts

Von den zahlreichen Podcasts seien einige wenige herausgegriffen. Die Salzburger Moraltheologin Angelika Walser hielt ein Plädoyer für die Freundschaft, die auch die Demokratie benötige. Im Gespräch mit der Heilpädagogin Anja Sauerer ging es um die Frage, was einen traumatisierten Menschen zusammenhält. Die Salzburger Psychologin und Schlafforscherin berichtete aus ihrem Fachgebiet und wies daraufhin, warum Schlaf-Apps so gefragt sind und wie die Krise den Schlaf verändern kann.             

Die Neutestamentlerin Christina Kreinecker von der Katholischen Universität im belgischen Löwen ging auf die ersten Christen ein, die nach der Apostelgeschichte „ein Herz und eine Seele“ waren, was allerdings nicht missverstanden werden dürfe. Lisi Maier, Co-Vorsitzende des Deutschen Bundesjugend- rings und soeben mit dem Preis „Frauen Europas“ ausgezeichnet, behandelte die Frage nach der Zukunft der Zivilgesellschaft.     

In der Rubrik „Throwbacks“, was wohl so viel wie Rückblenden meint, sprach die Stellvertretende ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten über die Veränderungen in den Medien.         

Die Wiener Pastoraltheologin Judith Klaiber zeigte Möglichkeiten, wie man in der „VUCA world“ überleben kann, in der volatility (Unbeständigkeit), uncertainity (Unsicherheit), complexity (Komplexität) und ambiguity (Mehrdeutigkeit) bestimmend sind.  

Zu guter Letzt sei auf das Interview des Obmanns der Hochschulwochen Martin Dürnberger mit Gabriel Felbermayr hingewiesen, dem derzeitigen Präsidenten des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel und nächstem Präsidenten des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Wien. Darin wurden u. a. die wirtschaftliche Bewältigung der Covid 19-Pandemie thematisiert, für die es keine Rezepte in der Schublade gegeben habe. Doch sei man wohl damit zurechtgekommen, das „Geschäft“ laufe. Breiten Raum nahm die Frage nach Europas problematischen Perspektiven nach der fortschreitenden Globalisierung ein, die verständlicherweise nicht abschließend zu beantworten war. Auch über die katholische Soziallehre wurde gesprochen. Letztere habe großen Einfluss auf die Entstehung der Sozialen Marktwirtschaft ausgeübt. Wieviel Einfluss sie noch heute hat, blieb offen.

Das visuelle Angebot wurde angenommen: 13.000 Website-Besucher auf www.salzburger-hochschulwochen.at und 3.000 Abrufe der Podcasts allein in der Zeit der Hochschulwoche. Ein hilfreiches Mittel der Information waren ferner die täglichen „Newsletters“, die eine virtuelle Teilnahme erleichterten.

Preis des Publikums

Seit 2006 gibt es den Preis des Publikums. Er ist in drei Kategorien aufgeteilt und mit 1000, 500 und 300 Euro dotiert. Junge Wissenschaftler bis zum 35. Lebensjahr sind zur Teilnahme eingeladen. Sie befassen sich in einem 25-minütigen Vortrag mit dem Generalthema der Hochschulwoche.     

Als Preisträger gingen aus dem „Online-Voting“ hervor: Andree Burke, Referent für Personalentwicklung und Fortbildung im Erzbistum Hamburg (1. Preis), Maximilian Gigl, astoralassistent in der Diözese Passau (2. Preis) und der Erfurter Theologe Tom Sojer (3. Preis, zu dem der KV das Preisgeld gestiftet hatte).       

Theologischer Preis

Die Auszeichnung mit dem theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen, der dieses Mal coronabedingt im Bibliothekssaal der Alten Universität vor weniger Zuhörern als sonst üblich verliehen wurde, erhielt in diesem Jahr Kb P. Klaus Mertes (Flg). In seiner Laudatio wies der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Thomas Sternberg auf die „außerordentliche Zivilcourage“ unseres Kartellbruders hin, der nicht „auf Erlaubnis von oben“ gewartet und Beschimpfungen als „Nestbeschmutzer“ hingenommen habe.  2010 hatte er in einem Brief an die ehemaligen Schüler des Berliner Canisius-Kollegs das Schweigen über die dortigen Missbrauchsfälle gebrochen und die sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche auf die Tagesordnung gesetzt.

In seiner Dankesrede wies Kb Mertes daraufhin, dass eine Institution, die selbst in den Missbrauch verwickelt sei, zu Beginn der Schuldaufbereitung ein Gegenüber bleiben müsse. Nicht am „runden Tisch“ seien Gespräche zu beginnen, sondern am „eckigen“. Statt Kooperation müssten sich Täter und Opfer zunächst auf Konfrontation einlassen, um nicht viel zu früh auf Versöhnung zu setzen.

Da die katholische Kirche den in ihren Reihen begangenen sexuellen Missbrauch nicht aus eigener Kraft aufzuarbeiten vermöge, also nicht selbst „über den Graben springen“ könne, bedürfe es „einer unabhängigen Instanz“.             

Welche Bedeutung den Worten Klaus Mertes zukommt, wurde deutlich durch die Teilnahme des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx (UV, EM d. Ost, Ale) an der Preisverleihung.      

90 Jahre Salzburger Hochschulwochen

Zu einem Empfang in der Prälatur der Erzabtei St. Peter in Salzburg hatte Erzabt Korbinian Birnbacher eingeladen, bei dem der Salzburger Universitätsarchivar Christoph Brandhuber die neunzig Jahre Salzburger Hochschulwochen, die nur während der NS-Zeit in Österreich notgedrungen unterbrochen werden mussten, als Erfolgsgeschichte darstellte. Sie ging aus einer Initiative der deutschsprachigen Benediktiner-Konföderation, des Katholischen Akademikerverbandes Deutschlands, der Görresgesellschaft u. a. hervor und wurde schließlich zu einer beliebten Sommeruniversität. Über Jahrzehnte war sie eine „Kaderschmiede“ für junge katholische Studenten aus dem deutschsprachigen Raum.                 

Der einstige Plan, aus den Hochschulwochen eine katholische Universität entstehen zu lassen, scheiterte. Stattdessen wurde 1962 in Salzburg die staatliche Paris-Lodron-Universität wiederbegründet.                         

Inzwischen sind die Hochschulwochen in die Salzburger Theologische Fakultät integriert.  Bei der 400-Jahrfeier der Universität im kommenden Jahr wird man noch einmal in größerem Rahmen an die Geschichte der Hochschulwochen erinnern. Das Thema 2022 wird lauten: „Wie geht es weiter? Die Zukunft der Wissensgesellschaft“.

W.L. / SN