Kb Daniel Rapp bittet Sinti um Verzeihung

Die Stadt Ravensburg erinnert in diesem Jahr an das Schicksal der Ravensburger Sinti während der Hitler-Diktatur. Im Museum Humpis Artier thematisiert eine Ausstellung die Ausgrenzung der Sinti und zeigt, wie der Großteil der Ravensburger Bevölkerung in relativer Normalität weiterlebte und von der Verfolgung anderer profitieren konnte. Der Historikerin Esther Sattig, deren Forschung die Basis der Ausstellung geliefert hatte, verlieh der Oberbürgermeister von Ravensburg, Kb Daniel Rapp (Al) Mitte September den Ehrenring der Stadt.

Ende Juli, zum Auftakt der Ausstellung, bat Oberbürgermeister Rapp die Sinti aus der Region um Verzeihung für die Verbrechen an ihren Angehörigen im Nationalsozialismus und für die Ausgrenzung und Verfolgung ihrer Vorfahren durch die Stadt auch nach der Zeit des Nationalsozialismus: „Wir Ravensburger haben damals große Schuld auf uns geladen”, sagte Rapp. Anwesende Ravensburger Sinti, Nachkommen der Opfer, bezeichneten seine Rede als historisch. Im Rahmen dieser Veranstaltung trug sich der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, ins Goldene Buch der Stadt ein und ließ sich die Ausstellung zeigen.

Die Stadt Ravensburg ergriff 1936 die Initiative zum Bau eines Zwangslagers für die einheimischen Sinti, noch ehe reichsweite Verordnungen zu deren „Festsetzung“ aufforderten. Doch schon in den 1920er und 1930er Jahren erlassene Bestimmungen der Stadtverwaltung zwangen die Mehrheit der Sinti zu einem Leben an den Rändern der Stadt und zielten auf den Entzug ihrer Rechte als Einwohner und Bürger ab. In das 1936 errichtete Lager wurden etwa hundert Sinti eingewiesen. Sie mussten Zwangsarbeit im städtischen Forst- und Bauamt und bei Unternehmen in der Region leisten. 1943 wurden 34 Männer, Frauen und Kinder ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, 28 wurden dort oder in anderen Lagern ermordet.

Die Ausstellung „Ausgrenzung und Verfolgung. Ravensburger Sinti im Nationalsozialismus” im Museum Humpis Artier ist bis zum 30. Januar 2022 zu sehen.