Streiflichter eines KV-Lebens

„Nein, an meinem Geburtstag bin ich nicht zu Hause und auch nicht zu erreichen. Ich fahre mit meinen Töchtern und ihren Familien für ein paar Tage ins Münsterland. Und ich will auch keine Feier!“ Das war die klare Auskunft von Mike Kotulla, als ich ihn vor seinem Geburtstag am 29. August 2021 vorsichtig fragte, ob er für Gratulanten erreichbar sei. Ja, so ist Mike. Er will kein Aufhebens um seine Person, keine förmlichen Feiern oder gar Lobreden. Obwohl er genau das verdient hätte.

Es ist nun 51 Jahre her, dass ich Mike zum ersten Mal begegnet bin - bei der VV 1970 in Bonn, als das Ringen um Reformen im Verband in eine entscheidende Phase getreten war. Mike war als Vertreter der Germania-Münster agil und beredt dabei. Er nahm die Dinge in die Hand, als der amtierende Vorort zurücktrat: Spontan übernahm „seine“ Germania. Und für die VV 1971 bot er Münster erfolgreich als Tagungsort an.

Sein Engagement im und für den KV als Verband zog sich fortan wie ein roter Faden durch seine Vita: Pressesprecher, Mitglied des Hauptausschusses, VV-Vertreter seiner Korporationen oder Ortszirkel, langjähriges Mitglied im Vorstand des Altherrenbundes und dessen Vorsitzender von 2013-16, langjähriges Mitglied des KV-Rats und der KV-Akademie sowie beliebter Leiter von deren Bildungsreisen, z. B. 2009 nach Brandenburg (Potsdam, Neuhardenberg, Spreewald), 2015 nach Rom und Danzig, 2016 nach Krakau.

Stets auf dem Boden der Tatsachen

Stets blieb Mike aber der örtlichen KV-Ebene erhalten und verbunden, so als Philistersenior des KStV Germania zu Münster, später als Vorsitzender des Ortszirkels „Bergisch Hüs’chen“ zu Bergisch Gladbach (1994-97), seinem Wohn- und beruflichen Wirkungsort, und anschließend als Vorsitzender des Ortszirkels „Häus’chen“ zu Köln (1997-2005).  

Gerade in dieser Zeit als Kölner „Häus’chen-Vater“ hatten Mike und ich viele Berührungspunkte. Mike hat als Zirkelvorsitzender regelmäßig das Gespräch und die Abstimmung mit den Kölner Altherrenvereinsvorsitzenden gesucht. Als Philistersenior des KStV Rheinpfalz durfte ich so gemeinsam mit ihm und den Amtskollegen für ein lebendiges KV-Leben in der Domstadt Köln wirken.

Ein Fenster im Hohen Dom zu Köln

Ein besonderes Highlight war dabei ohne Zweifel die Stiftung von Domfenstern im Jahr 2001 durch den Kölner Ortszirkel und die Kölner KV-Korporationen als Erneuerung einer Stiftung von 1921. Mike Kotulla hat dies mit dem damaligen Kölner Dompropst Kb Bernard Henrichs ins Werk gesetzt. Die Fenster tragen die Wappen des KV und aller Kölner KV-Vereine sowie das Logo des Kölner Ortszirkels. Sie sind zu finden im Erdgeschoss des Nordturms auf der Westseite, quasi als Fuß der hohen gotischen Fenster.

Alle seine Funktionen hat Mike nie als Selbstzwecke betrachtet. Sie waren für ihn Mittel und Wege, das Leben in unseren Korporationen und Ortszirkeln wie auch im Verband lebendig zu erhalten, zu stärken und für eine sich wandelnde Gesellschaft zukunftsfähig zu machen. Mike ist ein KVer durch und durch. Und er ist im besten Sinn ein Macher-Typ. Er sieht, was zu tun und notwendig ist. Er geht auf Menschen zu. Er versteht es, sie für seine Ideen zu gewinnen und zu Mitstreitern zu machen. Und er versteht es auch, mit ihnen stilvoll und dennoch zünftig zu feiern. Sein Wahlspruch ist „KVer sein ist ein Lebensgefühl“.

Träger des Ehrenrings des KV

Diese innere Verbundenheit, diese Zuwendung zu den Kartellbrüdern zeichnen den Menschen Mike Kotulla aus. Das haben wir alle stets gespürt. Und es verwundert deshalb nicht, dass Mike bei mehreren Korporationen Mitglied oder zum Ehrenphilister ernannt worden ist, besonders aus seinem Kölner Umfeld. Kundige können die KV-Kürzel Gm, Gm-Ho, Bor, E d Un, E d Sv, E d Nbg, Urb deuten. Auch der KV als Verband hat Mike Kotulla nach dem Ausscheiden aus seinen Verbandsfunktionen in besonderer Weise geehrt: Bei der VV 2017 in Karlsruhe wurde er mit dem Ehrenring des KV ausgezeichnet. Bis zu seinem Ruhestand hat Mike alle seine KV-Tätigkeiten neben seinem Beruf als Spitzenbeamter der rheinischen Großstadt Bergisch Gladbach (111.600 Einwohner) ausgeübt. Im städtischen Verwaltungsvorstand verantwortete Mike als Kämmerer die Finanzen. Als Erster Beigeordneter war er zugleich Stellvertreter des Bürgermeisters als Chef der Verwaltung.

Ermöglicht hat ihm diese Doppelbeanspruchung durch Beruf und KV seine ausgeprägte Fähigkeit, strukturiert, organisiert und rasch zu arbeiten. Maßgeblich unterstützt hat ihn dabei seine Frau Rita. Sie hat ihm als Diskussionspartnerin und Ratgeberin beiseite gestanden und ihm im Privaten sprichwörtlich den Rücken freigehalten. Sie war ihm nicht nur verständnisvolle und unterstützende Ehefrau, sie hat auch eigenständige Aktivitäten in den Kölner und Bergisch Gladbacher Ortszirkeln entwickelt. Als gelernte Buchhändlerin hat sie Literaturkreise ins Leben gerufen und über lange Jahre gestaltet. Auch die Neujahrsempfänge des „Bergisch Hüs’chen“ hat sie mitgestaltet und das neue Jahr mit literarischen Anregungen eingeläutet.

Allseits geschätzt und geachtet

Den siebzigsten Geburtstag von Mike konnten wir 2011 zusammen mit ihr und der um Schwiegersöhne und Enkel angewachsenen Familie festlich-fröhlich feiern. Leider ist Rita Kotulla bald danach 2012 nach kurzer schwerer Krankheit allzu früh verstorben.

Dennoch gilt unsere Verbundenheit und Zuneigung weiterhin und unverändert dem sehr geschätzten Menschen, dem verdienten KVer und dem lieben Freund Mike Kotulla. Das will ich, das wollen viele, das will der KV auf diese Weise Dir, lieber Mike, sagen und es auch KV-öffentlich bekunden.  Bleibe Du selbst, so, wie wir Dich kennen und mögen. Bleibe auch Du uns verbunden, aufdass wir noch manche gute Stunde zusammen verbringen und fröhlich sein können. Achtzig Jahre - das solltest Du als Ansporn nehmen, nicht nur auf viele Erfolge und frohe Zeiten zurückzublicken, sondern mit Zuversicht und Lebensmut nach vorn zu schauen. Wir sind gern dabei und rufen Dir zu: „Vivat Mike - ad multos annos!“  

Reinhard Elzer (Rhein), Vorsitzender des KV-Zirkels „Bergisch Hüs’chen“ zu Bergisch Gladbach