Interview mit Kb Klaus Gierse (Rh-E, Nm-W)
Mich interessiert besonders „der Blick über den Zaun”
Lieber Klaus, welcher Anlass bestand, dass Du Mitglied der AM-Redaktion geworden bist?
Klaus Gierse Nach meiner Erinnerung gab es keinen konkreten Anlass, der Kartellbruder Mike Kotulla dazu bewog, mich im Mai 2006 zu fragen, ob ich in der Redaktion mitarbeiten wolle. Ich habe spontan zugesagt und bin bis heute gerne „mit von der Partie“.
Änderte sich dadurch Dein Leseverhalten?
Klaus Gierse Ja und nein. Einerseits verstärkte sich mein Interesse an einzelnen Inhalten und insbesondere deren lesefreundliche Darstellung – andererseits gibt es auch Rubriken, die ich nach wie vor nur diagonal lese.
Hat Dich der vier Jahrzehnte für die AM verantwortliche Redakteur Wilhelm Schreckenberg in Deiner Tätigkeit in irgendeiner Weise als Redakteur beeinflusst?
Klaus Gierse Für die zweifellos sehr verdienstvolle Arbeit von Kb Wilhelm Schreckenberg bin ich sehr, sehr dankbar. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, unseren Kartellverband in schwieriger Zeit zusammen zu halten. Seine Arbeit hat mich als Redakteur nicht nachhaltig beeinflusst. Ich bin ja auch erst nach seiner Amtszeit ins Redaktionsteam gekommen.
Die von Dir, Wolfgang Löhr, als seinem Nachfolger initiierten und durchgeführten Veränderungen bzw. Modernisierungen waren fürmich bis heute deutlich prägender.
Was hat sich nach Wilhelm Schreckenberg verändert?
Klaus Gierse Wilhelm Schreckenberg verwirklichte seinerzeit noch die – von Franz Preuschoff initiierte – Umstellung auf das größere Format. Das brachte schon die erste wichtige Veränderung und damit die Chance auf Verbesserung des Layouts / Erscheinungsbildes der AM. Die weitere Fortentwicklung hast Du sehr zielstrebig verfolgt; die (Wieder-)Einführung von Rubriken ist ein wichtiger Eckpfeiler im Erscheinungsbild der AM.
Gibt es Sachgebiete, die Dich besonders interessieren?
Klaus Gierse Mich interessiert besonders der „Blick über den Zaun“. Entsprechend unserer Prinzipien möchte ich gerne in allen drei Bereichen auch kontrovers diskutierte Themen lesen; dabei sollten auch Autorinnen und Autoren von außerhalb unseres Verbandes zu Wort kommen. Dies geschieht z.T. ja auch schon ... und gerne möchte ich auch Nachrichten aus anderen Verbänden lesen.
Wie hoch schätzt Du die Wirkung und Bedeutung der AM für die KVer ein?
Klaus Gierse Persönlich schätze ich die Wirkung und Bedeutung recht hoch ein. Denn einerseits sollen und können die AM Mitteilungsblatt im und für unseren Kartellverband sein, andererseits dient diese Publikation – ähnlich auch wie die KV-Akademie – dem Austausch und der Diskussion unter Kartellbrüdern. Im Sinne lebenslangen Lernens bietet sie darüber hinaus Information, Denkanstöße und Auseinandersetzung mit aktuellen Themen. Beispiele wären etwa „Der Synodale Weg“ oder „Der Weg zu einem vereinten Europa“. Hier wie dort kann Kartellverband, kann Kartellbrüderlichkeit erfahren werden und nicht zuletzt ist unsere Verbandszeitschrift bei vielen Kartellbrüdern der einzige Kontakt zu Verband und eigener Verbindung.
Sollen durch die AM auch Nicht-KVer angesprochen werden?
Klaus Gierse Ich lese mit Interesse – wenn auch nicht in allen Teilen regelmäßig – die Verbandszeitschrift des CV, die „Academia“. Ich vermute und hoffe, dass dies auch in der umgekehrten Richtung stattfindet. Insofern kann ich diese Frage mit ja beantworten. Andererseits müssen wir dann auch berücksichtigen, dass korporationsspezifische Beiträge nicht für jeden auf Anhieb verständlich und damit lesenswert erscheinen.
Was hältst Du von dem Vorschlag, die AM zu einem reinen KV-Mitteilungsblatt zu machen?
Klaus Gierse Wie schon gesagt, sollten die Akademischen Monatsblätter ihrem Namen gerecht werden und einen bunten Strauß an Themen den Lesern und Leserinnen(!) anbieten, d.h. kein reines Vereinsmitteilungsblatt sein.
Wie sollen die AM auf ihre Kritiker antworten und um mehr Leser unter den Aktiven werben?
Klaus Gierse Solange ich im KV aktiv bin, höre ich die Aussage: „Aktive lesen die AM nicht, da steht nichts drin, was sie interessiert.” Zugegebenermaßen habe ich die AM während meiner Aktivenzeit auch nur sehr punktuell gelesen. Das änderte sich erst, als ich mich verstärkt auch für unseren Dachverband und andere studentische Verbände interessierte. Ich bin mir daher nicht so sicher, ob die Beachtung unserer Verbandszeitschrift unter den Aktiven wirklich so gering ist wie immer behauptet wird. Ist diese behauptete Nichtbeachtung nicht manchmal nur eine Ausrede von Aktivenseite? Zudem besteht unser Verband in seiner überwiegenden Mehrheit aus Alten Herren und dem muss eine Verbandszeitschrift ebenso Rechnung tragen. Wie dem auch sei, die Redaktion wird sich in Zukunft verstärkt um junge Redakteure bzw. Autoren bemühen müssen und auch im Erscheinungsbild können wir noch zulegen, um die AM im Allgemeinen aber auch speziell für die Aktiven attraktiv zu machen.
Was hältst Du von dem Vorschlag, die AM nur noch digital erscheinen zu lassen?
Klaus Gierse Davon halte ich überhaupt nichts! Nicht nur, weil wir auch die Kartellbrüder erreichen wollen und müssen, die digital nicht so affin sind. Damit wir uns richtig verstehen: Ich bin mit den digitalen Medien recht gut vertraut, nutze sie aber nur dort, wo sie mir einen echten Zugewinn ermöglichen. Ich bin mir sehr sicher, dass die sog. Printmedien nicht verschwinden werden, weil allein das Leseerlebnis ein völlig anderes ist – vom Haptischen einmal ganz abgesehen. Andererseits glaube ich auch, dass es heute notwendig ist, digital als Verbandszeitschrift präsent zu sein. Es dient einer kurzfristigen Informationsfindung und der umfassenden Recherche. Auch da hat die Redaktion noch eine große Aufgabe vor sich.
Was sollte zukünftig kurz- oder langfristig bei den AM geändert werden?
Klaus Gierse Das haben wir ja schon angesprochen: Wenn möglich eine Gestaltung in Rubriken; große Themenvielfalt (interessant auch für Nicht-KVer); Attraktivität bei den Aktiven; Layout-Anpassung an das sich ständig ändernde Leseverhalten.
Wie siehst Du die Zukunft der AM?
Klaus Gierse Da bin ich Optimist. Die AM wird es geben, so lang es unseren Verband geben wird. Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass es ohne Veränderung bzw. Anpassung nicht gelingen wird, die Verbandszeitschrift für die Mehrzahl der Kartellbrüder „begehrenswert“ zu halten. Das fordert immer wieder auf’s Neue heraus. Da sind wir aber auf einem guten Weg!
Die Fragen stellte Kb Dr. Wolfgang Löhr
Klaus Gierse
Vita: Geboren 1947 in Ratingen; zunächst aufgewachsen und zur Schule gegangen in Erlangen; drei Jahre in Mexiko, dann Abitur im Internat Solling in Holzminden a. d. Weser (da dort im Abitur als 2. Fremdsprache Spanisch gewählt werden kann); Rückkehr nach Erlangen zum Studium der Mathematik, Physik und Erziehungswissenschaften für das Lehramt an Realschulen.
Nach der Referendarzeit (u.a. in München) erste Tätigkeit ab 1972/73 in Würzburg, später als stellvertr. Schulleiter in Wassertrüdingen – in dieser Zeit Mitautor eines insgesamt 10-bändigen Mathematik-Lehrbuchs für Realschulen – und schließlich die letzten elf Berufsjahre in Karlstadt a. Main als Seminarrektor verantwortlich für die Ausbildung von Studienreferendaren im Fach Mathematik.
Zu Beginn des Studiums im WS 1967/68 Eintritt beim KStV Rhenania-Erlangen, dort A-Phil., B-Phil. bei KStV Normannia-Würzburg; im Kartellverband: 1972 bis 1974 Mitglied des Aktivenvorstandes (Vorort); Vorsitzender des Altherrenbundes von 1993 bis 2001; seit 1983 Mitglied und Mitarbeit im Vorstand der KV-Akademie, seit 2013 deren Vorsitzender.
Engagement über den Kartellverband hinaus: seit mehreren Jahrzehnten ehrenamtlich tätig im kirchlichen Bereich: Pfarrgemeinderat (derzeit Vorsitzender), Dekanatsrat (Mitglied des Vorstandes) und Diözesanrat (Verbandsvertreter).
