Ende September wurde der Hamburger Weihbischof Kb Hans-Jochen Jaschke (EM d. Albi) achtzig Jahre alt
Kritischen Fragen hat er sich stets gestellt
Corona hat uns in vielerlei Hinsicht stumm gemacht. Es ist doch eine ganz neue Erfahrung, dass ein Virus die ganze Gesellschaft lähmt”, sagte der Hamburger Weihbischof Kb Dr. Hans-Jochen Jaschke (EM d. Albi) vor kurzem gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur KNA. Es sei eine Torheit, dass viele Menschen sich nicht gegen Corona impfen ließen, „In meiner Jugendzeit waren Kinderlähmung und Typhus ein Thema. Beide Krankheiten konnten mit Impfungen wirksam bekämpft werden. Ich bin jedenfalls geimpft.” KNA führte das Interview mit dem Hamburger Weihbischof aus Anlass seines achtzigsten Geburtstags Ende September.
Durch seine Auftritte in Talkshows, wo er keiner kritischen Anfrage auswich, hat sich Kb Dr. Hans-Jochen Jaschke einen Namen gemacht. Vielfältig ist das Themenspektrum des promovierten Theologen, der zum Schülerkreis Joseph Ratzingers, des späteren Papstes Benedikt XVI., gehört. Er setzte sich dafür ein, dass Muslime ihren Glauben praktizieren und Moscheen bauen können, lobte das gute Verhältnis von Katholiken und Juden, rief dazu auf, wachsam gegenüber Antisemitismus zu sein und verurteilte rechtspopulistische Positionen gegen Zugewanderte und Andersdenkende als braunen Sumpf. Zugleich warnte er Politik und Gesellschaft davor, auf dem linken Auge blind zu sein. 2009 wurde er als Vertreter der katholischen Kirche in den Rat der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung” berufen - ein Thema, das Kb Dr. Hans-Jochen Jaschke auch persönlich anging.
1941 im oberschlesischen Beuthen geboren, kam seine Familie nach der Vertreibung 1945 im niedersächsischen Bückeburg unter. Er studierte Theologie in Frankfurt und Münster und wurde 1967 zum Priester geweiht. 1989 folgte in Osnabrück die Bischofsweihe. Als Bischofsvikar im 1995 gegründeten Erzbistum Hamburg war er Vorsitzender der Landescaritasverbände für Hamburg und Schleswig-Holstein, setzte Akzente in der Ökumene, leitete die Unterkommission für den interreligiösen Dialog der Bischofskonferenz, war dort viele Jahre Beauftragter für die Bundespolizei und Mitglied der gemeinsamen Konferenz des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und der Bischöfe. Seit seiner Emeritierung 2016 ist es stiller um Kb Dr. Hans-Jochen Jaschke geworden.
Ausmaß des Missbrauchs in der Kirche unterschätzt
Es sei schrecklich, was wir zurzeit erlebten, kommentierte Kb Dr. Jaschke die Lage der Kirche. Er habe es sich nicht träumen lassen, wie sehr die Kirche vom Thema Missbrauch betroffen sei. Auch als Weihbischof sei ihm nicht bewusst gewesen, dass Versetzung der völlig falsche Umgang mit den Tätern sei. „Besonders bitter ist es, wenn kleine Kinder Opfer geworden sind. Sogar von Ordensfrauen.”
Was das Rücktrittsgesuch des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße angehe, sagte Kb Dr. Jaschke, er habe niemals damit gerechnet, dass das Erzbistum so ins Straucheln kommen könne und hoffe, dass Erzbischof Heße wieder Tritt fasse und Akzeptanz finde. „Sicher kein einfacher Weg.” Wie es im Erzbistum Köln weitergehen könne, wisse er nicht. „Aber die Vorgänge dort haben zu einem enormen Schaden in der Kirche geführt.”
Dass Bischöfe und Zentralkomitee der deutschen Katholiken den Reformdialog Synodaler Weg gestartet hätten, finde er gut, sagte Kb Dr. Jaschke. Um weiterzukommen, müssten Bischöfe und Laien gemeinsam einen Weg finden. „Und es ist auch gut, wenn Laien - vor allem auch Frauen - mehr Mitsprache bekommen.” Als Hamburger Weihbischof habe er 1992 die Einführung der ersten evangelischen Bischöfin - Maria Jepsen - erlebt. Ihm habe dies gezeigt, „dass Frau und geistliches Amt zusammengehen können. In der katholischen Kirche sollte man zunächst mal beim Diakonat der Frau zu klaren Entscheidungen kommen.” Dass Gemeinden ohne Priester seien, sei schrecklich. Viele Laien, die diese Aufgabe übernehmen könnten, dürften dies nicht, da sie verheiratet sind. Ein Allheilmittel sei die Aufhebung der Zölibatspflicht aber nicht. ,,Es werden dann auch neue Probleme kommen, wie ein Blick in die evangelische Kirche zeigt, wo auch Ehen von Pfarrern scheitern.”
Was das Nein des Vatikan zur Segnung von homosexuellen Partnern angehe, meinte Kb Dr. Jaschke: „Ich bin gegen eine Gleichstellung einer Homo-Ehe mit der Hetero-Ehe.” Doch spreche nichts gegen Segensfeiern. „Homosexuelle verdienen die Anerkennung der Kirche.”
Persönlich gehe es ihm nach einem Krankenhausaufenthalt wegen einer Herzklappe und der Prostata wieder deutlich besser, sagte Kb Dr. Jaschke. „Die Ärzte sagen, mit der Behandlung könnte ich alt werden.”
R.N. unter Verwendung von Pressematerial von KNA und katholisch.de