Konsequent und überzeugend

Am 8. November verstarb in Würzburg Amtsgerichtsdirektor a.D. Dr. Anton Brimer.

Neunzehn Jahre hatte er Normannia-Würzburg als Philistersenior in schwieriger Zeit geleitet. Beim Abschied aus seinem Amt verlieh ihm die Verbindung – erstmals in Normannias Geschichte - den Titel  „Ehrenphilistersenior: sie wollte damit seine außerordentlichen Verdienste um Normannia würdigen.

Als 1982, nach der schweren Erkrankung von Fred Krämer, eine Delegation Dr. Brimer in seinem Dienstzimmer im Amtsgericht von Gemünden bat, Normannias Leitung als Philistersenior zu übernehmen, sagte er ohne Zögern zu – mit der ihm eigenen Selbstverständlichkeit! Neben seinem Beruf, seinen Verpflichtungen als Vater einer großen Familie, Mitarbeiter in Gremien der Diözese und als Stadtrat von Gemünden war diese weitreichende Entscheidung Brimers bemerkenswert.

Diese Selbstverständlichkeit bestimmte das Verhältnis zwischen Anton Brimer und Normannia schon früh. Als Kind war er über seinen Vater, den Würzburger Amtsgerichtsdirektor, in die Normannenfamilie hineingewachsen. Während der Hitler-Diktatur wurde er so wiederholt in der elterlichen Wohnung stiller, aber aufmerksamer Zeuge von vertraulichen, oft gefährlichen Gesprächen im Kreis von Bundesbrüdern. Solche Eindrücke haben Anton Brimer lebenslang geprägt.

Wie kaum einer war er von daher mit der Geschichte Normannia, ihren Details und Wendungen, vertraut; wie nur wenige kannte er die meisten Bundesbrüder auch persönlich sehr gut – in Glanzzeiten waren das immerhin weit über sechshundert! Seine Erinnerungen an diese frühe Zeit hat uns Anton Brimer in einer aufschlussreichen Schrift hinterlassen.

Als Dr. Anton Brimer Philistersenior Normannias wurde, war er mehrfach mit kritischen Situationen konfrontiert. Die Wirkungen der Studentenunruhen waren auch in Würzburg spürbar: Linke Gruppierungen stellten Korporationen in Frage und bekämpften sie, Korporationen mussten starke personelle Einbrüche hinnehmen.

Bei seinem Amtsantritt hatte Dr. Anton Brimer dezidierte Vorstellungen vom zeitgemäßen Auftrag einer katholischen Verbindung – mit Konsequenz und Überzeugungskraft hat er solche Vorstellungen bei Normannia umgesetzt.

Seine primäre Aufgabe sah Anton Brimer darin, die große Normannenfamilie zusammenzuhalten und zu festigen. Seine entsprechenden Pläne, Projekte und Visionen waren so vielgestaltig wie anspruchsvoll – vieles davon konnte realisiert werden: die sonntäglichen wissenschaftlichen Akademien fanden auch über die Verbindung hinaus große Aufmerksamkeit; Reisen nach Rom, Assisi oder Stockholm, um dort bedeutende Bundesbrüder zu ehren, sind vielen im Gedächtnis geblieben.

Sein praktisch-technisch-organisatorisches Talent kam Anton Brimer bei der Erweiterung des  Normannenhauses besonders zugute. In seinem Engagement für Normannia wurde Dr. Anton Brimer nachhaltig von seiner Frau Hedwig unterstützt, die leider zu früh verstarb und wie eine „Mutter Normannias” wirkte.

Als Philistersenior sah Anton Brimer seine besondere Aufgabe darin, alte Bundesbrüder oder die Witwen von Normannen zu besuchen oder anzurufen, um sie so auch indirekt am Leben der Verbindung teilnehmen zu lassen.

In einer bewundernswerten Energieleistung hat Dr. Anton Brimer in seinen beiden letzten Lebensjahren zwei wunderbare Bücher verfasst – er hat hier aus verschiedenen Bereichen seines Lebens Summen gezogen. In seinen Jugenderinnerungen kann die bedrückende Spannung zwischen dem Dienst in der Hitlerjugend und dem Dienst als engagierter Ministrant nachvollzogen werden. Bei der oft amüsanten Schilderung seiner Laufbahn in der bayerischen Justiz bis hin zum Direktor eines Amtsgerichts wird spürbar, dass Dr. Anton Brimer bei seinem Dienst an der öffentlichen Gerichtsbarkeit immer auch die Schicksale jener verständnisvoll im Blick hatte, die sich strafbar gemacht hatten.

Der Schreiber dieser Zeilen hat es als Freundschaftsbeweis empfunden, dass er als erster beide Manuskripte einsehen und mit dem Autor besprechen durfte. Begonnen hatte diese Freundschaft mit der Übernahme des Philisterseniorenamtes von Bb. Dr. Anton Brimer – so konnte der Nachfolger auf sehr soliden Fundamenten weiterbauen. 

Winfried Stadtmüller (Nm-W)