Was tun, wenn Systeme kippen?

8. Görres-Webina

In einem eindrucksvollen Webinar, das unter dem Titel „Die Renaissance der Sozialen Marktwirtschaft im ökologischen Zeitalter” stand, präsentierte Ende Januar Professor Dr. Nils Goldschmidt von der Universität Siegen fünf Thesen zur Rolle der Sozialen Marktwirtschaft, zur politischen Kultur und zum Grundverständnis unserer demokratischen Verfasstheit in Zeiten dramatischer gesellschaftlicher Umbrüche. Goldschmidt formulierte sie vor dem Hintergrund seiner Überlegungen, wann gesellschaftliche, ökologische oder soziale Kipp-Punkte eintreten und wie sie sich durch Änderungen in ihrem Umfeld vermeiden lassen. Sein Referat basierte auf seinem jüngst veröffentlichten Buch „Gekippt. Was wir tun können, wenn Systeme außer Kontrolle geraten”, in dem er die folgenden Thesen weiter ausformuliert:

  1. Radikale Probleme brauchen keine radikalen Lösungen, sondern kleine, behutsame Schritte.
  2. Gefordert ist eine Politik der Behutsamkeit, in der es darum geht, Vertrauen indie Institutionen des Staates zu festigen bzw. wieder aufzubauen.
  3. Toleranz und gegenseitige Anerkennung sind ein Gebot der Stunde. Auch bei der Bewältigung der ökologischen Krise ist es unabdingbar, dass die Menschen an der konkreten Gestaltung von Politik beteiligt werden.
  4. Die europäische Idee braucht ein neues Selbstbewusstsein. Auch wenn die Schwierigkeiten Europas unübersehbar sind, so wurden doch bahnbrechende Entwicklungen vollzogen. Das daraus erwachsende Selbstbewusstsein rechtfertigt es, anderen Regionen der Welt zu begegnen und auf sie einwirken zu wollen.
  5. Um Stabilität von Systemen zu erreichen, braucht es Flexibilität. Wichtig ist, notwendige Veränderungen anzugehen, z. B. in der Bewahrung sozialer Sicherungssysteme oder in der Ant-wort auf die ökologische Krise.

Professor Goldschmidt plädierte in seinem Vortrag dafür, den Kern und die Substanz des Erreichten nicht aufzugeben. Das Wort Ludwig Erhards vom „Wohlstand für alle” abwandelnd, plädierte er für „Lebenschancen für alle” und eine Soziale Marktwirtschaft, die letztlich den Menschen und seine Lebensbedingungen in den Mittelpunkt stellt.

(P.D.)