Zur Erinnerung
Pfarrer i.R. Friedrich „Friedel” Schönhoff (W-M, Smn)
* 30. Dezember 1938, † 22. Juli 2021
Im Alter zog es ihn nach Kloster Oesede
Friedrich Schönhoff, genannt Friedel, hat stets betont, dass er nicht „aus“ Hagen, sondern „von“ Hagen a.T.W. (am Teutoburger Wald) im Osnabrücker Land stammte. Dort wurde er am 30. Dezember 1938 geboren. Sein Vater war Maurermeister, seine Mutter Hausfrau; er hatte zwei jüngere Schwestern.
Sein Abitur legte er im Jahre 1959 am altehrwürdigen Gymnasium Carolinum hinter dem Dom, auch „Caro“ genannt, in der Bischofsstadt Osnabrück ab. Er entschied sich in der Oberstufe als Wahlsprache für das damals noch angebotene Hebräisch. Dies diente seinem Mitschüler Michael Polewski als Hinweis auf sein späteres Studium: „Friedel war ein angenehmer Mitschüler [...]. Als er sich in der Oberstufe für das Wahlfach Hebräisch entschied, wurde uns deutlich, dass er die theologische Laufbahn anstrebte. So ist es dann auch gekommen. Nach dem Abitur haben wir uns eine Reihe von Jahren aus den Augen verloren, bis wir in den 1970er Jahren mit regelmäßigen Klassentreffen begannen, an denen Friedel, wenn irgend möglich, teilnahm.“[1]
Zunächst führte ihn das Theologiestudium an die Hochschule der Jesuiten in Frankfurt St. Georgen. Dort begegnete er Kb Franz-Josef Schubert, dem damaligen Fuchsmajor der K.St.V. Staufia-Straßburg zu Frankfurt: „Wenn du zusätzlich zu dem für alle geltenden Ausgang aus dem strengen Reglement der Hochschule einen weiteren freien Abend haben willst, musst du in eine Studentenverbindung eintreten.“ Natürlich war damit die eigene gemeint. So wurde Friedel KVer. Später setzte er sein Studium in Münster fort, wo die freie Wahl der Unterkunft bestand.
In Münster trat er in den K.St.V. Westfalia-Mazenod ein. 1968 wurde er dort Alter Herr. Die wenigen verbliebenen BbBb von Westfalia-Mazenod treffen sich weiterhin einmal im Jahr. [2].
Die praktische Ausbildung zum Priester erfolgte im Priesterseminar Osnabrück, welches damals noch eigene Ausbildungskurse anbot. Die Priesterweihe empfing er am 30. Januar 1965 im Dom von Osnabrück durch Bischof Helmut-Hermann Wittler.
Seine ersten kurzen beruflichen Stationen waren Kaplansstellen in Bad Rothenfelde (zwanzig Kilometer südlich von Osnabrück), Herz Jesu in Hamburg-Hamm und St. Marien zum Frieden in Meppen-Esterfeld. Von 1969 bis 1977 war er Kaplan der Kirchengemeinde St. Antonius in Osnabrück-Voxtrup und zugleich Stadtjugendseelsorger von Osnabrück. In dieser Zeit organisierte er gegen die Bedenken von Bischof Helmut-Hermann Wittler und Teilen des Stadtrates mit anderen Mitgliedern des Stadtjugendringes die erste Fahrt in die damalige Sowjetunion nach Kalinin. Daraus entwickelte sich die Städtepartnerschaft zwischen Osnabrück und Twer, wie die Stadt heute heißt.
Von März 1977 bis November 1980 war er Diözesanjugendseelsorger des Bistums Osnabrück sowie geistlicher Rektor der Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth in Sögel (Emsland). Den ausdrücklichen Auftrag des Bischofs, Kontakt und Verbindung zu halten zu den Mitbrüdern, Gläubigen und Gemeinden in Mecklenburg, damals noch Teil des Bistums Osnabrück, wenn auch in der DDR gelegen, hat Friedel gern erfüllt. Von seinen Reisen in die DDR berichtete er auch gerne beim Stammtisch: Unter anderem von der Übernachtung in einer mit Stacheldraht umgebenen Jugendherberge in Berlin und vom Schmuggeln von Bibeln und anderen Büchern, aber auch Schallplatten, versteckt in der Diplomatenpost.
Von Dezember 1980 bis zum Eintritt in den Ruhestand Ende 2008 versah er das Pfarramt der katholischen Kirchengemeinde St. Johann/St. Marien in Kloster Oesede, Georgsmarienhütte. In dieser Zeit fallen unter seiner Leitung grundlegende Renovierungen des 1723 erbauten Klostergebäudes, genutzt als Pfarrhaus, der seit 1170 bestehenden Johanniskirche und des Klostergartens. Die heute Verantwortlichen der Kirchengemeinde schreiben zu seinem Wirken: „Friedel Schönhoff hat Kloster Oesede 28 Jahre lang geprägt. [...] Die Seelsorge, das Wachhalten der Verkündigung Gottes, die Sonntagsheiligung und die Marienverehrung waren ihm ein besonderes Anliegen. Ein großes Augenmerk richtete er auch auf die ökumenische Zusammenarbeit im Ort. Die katholische Kirchengemeinde hat ihm viel zu verdanken und wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“ [3]
Seinen Ruhestand verlebte Friedel Schönhoff in Kloster Oesede, brachte einmal in der Woche den ans Haus gebundenenGemeindegliedern die Hauskommunion (ca. 35 Besuche je Monat).
Wie in den aktiven Jahren gehörte er weiterhin zu den Kloster Oeseder Jägern, spielte Jagdhorn und ging sehr gern zu den Treffen des Osnabrücker Ortszirkels Löwenpudel. Regelmäßig reiste er mit dem Omnibus an, um das ein oder andere Kaltgetränk zu genießen. In der Alten Gaststätte Holling gehörten stets gebackene Schnecken dazu. Dabei wurde auch so manches lateinische Zitat von ihm zum Besten gegeben. Die kommenden Termine trug sich der Kenner der hebräischen Sprache und Kultur in seinen Papierkalender mit jüdischen Jahreszahlen ein. Als in späteren Jahren sein Kurzzeitgedächtnis stark nachließ, notierte er sich zu Beginn eines geselligen Abends die Namen der Anwesenden in Sitzreihenfolge auf einem Blatt Papier, so dass er nicht am gleichen Abend zweimal fragen musste. Er wusste sich zu helfen.
Nach der (Wieder-)Einführung monatlicher KV-Stammtische in Osnabrück ab 2011 gehörte er zusammen mit Werner Sandhaus (+ 20. Januar 2019; Pr, Gth, Vs, Smn) und Peter Burchardt (+ 05. Mai 2019; Arn, Wf, Smn) sofort zum harten Kern dieser Runden und trat später mit beiden dem K.St.V. Semnonia-Berlin zu Osnabrück bei. Vielleicht können diese drei Gesellen ihr „fein Kollegium” nun woanders fortsetzen. Am 22. Juli 2021 verstarb Friedel Schönhoff an den Folgen eines häuslichen Unfalls. Er ist beigesetzt in den Priestergräbern auf dem Waldfriedhof in Kloster Oesede, Georgsmarienhütte.
Matthias Bruns (Gth, Smn)
Anmerkungen
[1] Carolingerbund e.V., Schola Carolina, November 2021, Osnabrück, S. 38f.
[2] Die Treffen werden organisiert durch Kb Franz-Josef Stevens, Kontaktdaten beim Verfasser einholbar, dessen E-mail: <LINK matthiasbruns@gmx.de - "mail">matthiasbruns@gmx.de</link>
[3] Carolingerbund e.V., Schola Carolina.
