Keine Angst vor dem Neuen
„Alles neu macht der Mai“, heißt es in ein paar Tagen wieder. Sicherlich kennen viele von Euch diesen Cantus. Aber was wird im Mai denn eigentlich neu?
Die Natur hat ihre natürlichen Gesetzmäßigkeiten. Nach dem Winter kommen Frühling und Sommer mit schöner Regelmäßigkeit wieder. Im April und Mai erwacht vielleicht die Natur, aber ist das wirklich etwas Neues? Das passiert doch jedes Jahr – mal früher, mal später.
Stellen wir uns einmal vor, der Mai würde wirklich alles neu machen! Ob wir damit zurechtkämen? Wir malen uns ja schon die schrecklichsten Katastrophen aus, wenn die Dinge einmal nicht so laufen, wie wir das aus langjähriger Erfahrung heraus gewohnt sind. Und dann singen wir davon, dass im Mai alles neu werden soll?
Dabei haben wir doch oft vor nichts anderem so viel Angst, wie vor etwas Neuem. Davor, dass etwas ganz anders ist, anders, als wir das gewohnt sind, anders, als es uns die Erfahrung gezeigt hat, anders, als es uns die Wissenschaft mit ihren Prognosen vorhersagen kann.
Im Grunde kann man doch sagen, dass wir oft nichts Neues wollen! Wir Menschen lieben das Gewohnte! Denn genau das Gewohnte und Verlässliche verleiht uns Sicherheit für den Alltag. Deswegen wollen wir eigentlich auch oft, dass erst einmal alles so bleibt, wie es ist. Zumindest dann, wenn es einigermaßen verträglich mit unserem Leben läuft. Wenn die wichtigen Grundpfeiler des Lebens, wie Gesundheit, Auskommen und Lebensplanung stimmen, könnte es doch ewig so weitergehen – gemäß dem Spruch: „vivat, crescat, floreat ad multos annos!“ Denn dieses Leben kennen wir dann und alles Fremde macht uns zunächst einmal Angst. Das ist ein völlig natürlicher Instinkt. Aber so funktioniert das leider mit dem Menschenleben nicht.
Gott verheißt uns nicht, dass unser Leben so bleibt, wie wir das jetzt vielleicht genießen. Er macht uns klar und deutlich, dass bei aller scheinbarer Wiederkehr des immer wieder Gleichen, bei jeder Abfolge von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, die Zeit immer weiter fortschreitet und sich alles verändert - und mit der Zeit natürlich auch wir. Und es verändert sich - zumindest ab einem gewissen Alter - meist nicht wirklich zum Besseren.
Irgendwann lässt zum Beispiel die Gesundheit nach. Unser Körper möchte und kann nicht mehr alles bewerkstelligen. Die Augen werden schwächer und die Ohren überhören am Ende nicht nur das was wir eh nicht gerne hören wollen, sondern auch das was wir gerne mitbekommen würden.
Der Körper macht einfach nicht mehr mit. Reisen auf das Verbindungshaus zum Stiftungsfest werden schwerer und man wünscht sich vielleicht innerlich, dass der Mai wirklich mal wieder alles neu zum Positiven hin machen könnte.
Gerade haben wir die Kar- und Osterwoche gefeiert. Wir haben vom Kreuzweg gehört, den Jesus ganz bewusst gegangen ist. Er will uns ganz unmissverständlich zeigen, dass jeder von uns sein eigenes Kreuz, auf sich nehmen muss - ganz gleich, ob ich das möchte oder nicht. Alles andere wäre unehrlich und eine falsche Verheißung. Wer glaubt, wenn ich mich an Christus halte, bleibt alles leicht und es werden keine Veränderungen kommen, der irrt sich gewaltig. Christsein ist nicht immer leicht, gerade in der heutigen Zeit und es kommen Veränderungen im Leben auf einem zu. Es wird alles neu, anders und vieles davon wird leider nicht besser.
Und dann kommt dieser Jesus und sagt immer wieder ein und denselben Satz! Allein in den vier Evangelien können wir ihn dreizehn Mal lesen: „Fürchtet Euch nicht!“ Bei sämtlichen Begegnungen betont Jesus immer wieder, dass man keine Angst haben soll, besonders nicht vor dem Fremden, Neuen oder Unbekannten. Man soll Mal ruhig die alten Gewohnheiten verlassen und schauen, welche Wege Gott für mich und mein Leben bereithält. Veränderungen gehören dazu und sie sind nicht schlimm, denn wir verändern uns auch mit der Zeit.
Das zeigt uns auch das Osterfest. Als Christen gehen wir im Leben gemeinsam auf das große Ostergeheimnis zu und Ostern war nicht vor langer Zeit, Ostern ist nicht wie ein Festtag im Jahresablauf. Ostern ist unser Ziel. Ostern kommt und wird uns alle verwandeln. Und Christus sichert uns genau auch hier zu: „Fürchtet euch nicht!“ Und dieses Ostern, nicht der Mai, Ostern macht wirklich alles neu. Darauf dürfen wir Christen vertrauen und hoffen.
Lukas Hermes (Mk, Al, Smn)
