Studium zwischen Online und Präsenz

Wie geht es den deutschen Universitäten nach vier Semestern mit der Pandemie?  Die Antworten darauf sind so vielfältig wie die akademische Landschaft. Manche Leute sprechen vom Elend der Online-Vorlesungen, andere preisen die Vorteile der digitalen Lehre. Was hat die Pandemie mit der Universität gemacht?

Corona klaut mir meine Jugend" meinte eine Studentin in einem Podcast des Blogs „Jetzt.de”:  „Ich will das wirkliche Leid der Pandemie überhaupt nicht verharmlosen. Durch sie wird ja auch deutlich, dass die meisten von uns in Deutschland total privilegiert sind. Und wir haben es auch, weltweit verglichen, wirklich gut. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: Wir sind ineinem Alter, in dem wir die Grundbausteine für unser weiteres Leben setzen. Ganz genau jetzt gestalten wir unsere Zukunft. Wir: das ist die „Generation Z”. Die Kinder, die gerade erst begriffen haben, dass sie eigentlich keine Kinder mehr sind. Wir waren gerade dabei, Möglichkeiten auszuprobieren, uns zu finden und das zu tun, wozu wir in diesem Alter auch verpflichtet sind: unsere Freiheit zu entdecken und unsere Zukunft zu gestalten. Diese „beste Zeit” unseres Lebens hatten wir uns aber anders vorgestellt: Das hier sind die wertvollen Jahre zwischen der Schule und dem Beruf, die sowieso schon viel zu kurz sind und bei uns voll sind mit Corona!”

Sie sei mit gespannten Erwartungen an die Universität gekommen, aber: „Jetzt sitze ich im Homeoffice (...) und weiß nicht einmal wie meine Kollegen und Kolleginnen überhaupt aussehen. Ich wünsche mir eigentlich, dass ich ganz normal studieren kann. Von sechs Semestern werde ich wahrscheinlich nur drei an der Uni verbringen. Und es geht nicht nur um unsere persönliche Entwicklung. Auslandsaufenthalte, Praktika und Jobs - das sind alles Dinge, die für unsere spätere Karriere ausschlaggebend sind. Die vermutlich „kleinen” Einschränkungen belasten uns (...) Diese Situation hat unser Leben auf den Kopf gestellt und uns sozial, psychisch und beruflich Zeit genommen, die wir nie wieder zurückbekommen. Nicht umsonst spricht man mittler- weile schon von einer „Generation Corona”. Und ich finde, es müsste in Ordnung sein, wenigstens ab und zu ein wenig darüber zu jammern.”

„Diese Situation hat unser Leben auf den Kopf gestellt!”

Wie schlecht es Deutschlands Studenten in den letzten vier Corona-Semestern ging, belegen Studien: 2021 stellte eine Studie des Forsa Instituts bei knapp der Hälfte der Befragten depressive Symptome fest, und das Deutsche Studentenwerk meldete, die psychosozialen Beratungsstellen würden „überrannt”.
Wenn Studenten und Studentinnen in den Corona-Semestern gefragt wurden, wie es ihnen gerade gehe, bekam man selten Beschwerden darüber zu hören, dass andere bevorzugt würden, etwa dass Kitas und Schulen zuerst öffnen dürfen. Genauso selten beschwerten sich die Studenten und Studentinnen darüber, dass sie als gesunde junge Menschen keine Priorität in der Impfreihenfolge hatten. Was man aber zu hören bekam, das waren Geschichten von Müdigkeit, von Erschöpfung und von psychischen Problemen.

Hat die Politik Hochschulen und Studenten während der Corona-Pandemie vernachlässigt? In diese Richtung wies etwa die Kritik des Soziologen Stephan Lessenich vom Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt gegenüber dem Südwestrundfunk: Zwischen Hochschule und normalem Leben sei doch sehr mit zweierlei Maß gemessen worden, meinte Lessenich. Als man längst wieder in die Gastronomie konnte und es möglich war, sich zu acht oder zehnt an einem Tisch zu versammeln, seien in die größten Hörsäle der Universitäten - in Audimaxe mit einem Fassungsvermögen für achthundert oder tausend Personen - nur fünfzig oder achtzig Leute hineingelassen worden, die zehn Quadratmeter zwischen sich lassen mussten. Das mag der Frankfurter Soziologe so sehen. Aber kann man Versuche der Hochschulleitungen, den Schutz der Studierenden und Lehrenden zu gewährleisten, so ohne weiteres abwerten?

Wohlgemerkt: Es geht nicht um die Behandlung von Luxusproblemen. Überall in der Gesellschaft hat die Pandemie für Leid gesorgt - ganz unterschiedlich. Aber deshalb sollte das Leid der einen nicht mit dem Leid der anderen verglichen oder gegengerechnet werden. Es sollte doch darum gehen, dass alle durch die längst nicht besiegte Pandemie kommen - so gut wie nur irgendwie möglich. Studenten und Studentinnen wünschen sich eine Perspektive - wie alle anderen auch.

Hochschule - nicht mehr als eine Kachel auf Zoom?

Viele von denen, die in den vergangenen zwei Jahren ein Studium begannen, lernten die Uni vor allem als Kachel auf Zoom kennen. Bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen gab es so viele Regelungen wie Dozierende. Als die Unis im vergangenen Wintersemester wieder vermehrt zu Präsenzveranstaltungen übergingen, schwebte die Aussicht, die zaghaft wieder begonnenen Veranstaltungen würden abgebrochen, falls sich das Infektions-und Impfgeschehen ungünstig entwickle, wie ein Damoklesschwert über den Unis. Und wie sahen solche Präsenzveranstaltungen aus! Beim Institut für Sozialforschung an der Universität Frankfurt etwa so, dass die Studierenden mit gehörigem Abstand voneinander, Masken tragend in den Reihen saßen. Dozenten konnten die Maske ablegen, wenn sie vier Meter zwischen sich und die erste Reihe bringen konnten. Aber die Situation war asymmetrisch: Die Lehrenden konnten die Gesichter ihrer Hörer nicht richtig erkennen, Reaktionen nicht richtig wahrnehmen, Wortmeldungen nicht richtig verstehen.

Lehre auf Sparflamme?

An den Schulen wurde während der Corona-Pandemie ausgiebig und öffentlichkeitswirksam diskutiert, wie Schülern der Lernstoff online nahegebracht werden könne. Kein Wunder: Eltern sind Wähler und Elternverbände gut organisiert, Lehrer übrigens auch. Auch an den Hochschulen wurde diskutiert, wie Wissen in einer Situation vermittelt werden kann, in der sich Hörsäle und Seminar-Räume unversehens in Corona-Hotspots verwandeln können. Dass Eltern dabei nicht mitdiskutierten, da es keine Verbände von Studierenden-Eltern gibt, mag sogar ein Vorteil gewesen sein, wird doch (manchen) Eltern nachgesagt, alles besser zu wissen als die Lehrenden. In der öffentlichen Debatte jedenfalls spielten die fast drei Millionen jungen Menschen, die derzeit in Deutschland an Hochschulen und Universitäten eingeschrieben sind, keine große Rolle.

Was die Wissensvermittlung angeht, mussten Hochschulen jedenfalls differenziertere Lösungen als Schule und Ausbildung finden. Denn ein Studium gehört nicht in dieselbe Schublade wie Schule oder Ausbildung. Es erfordert Selbstorganisation und ist mehr als die Akkumulation von Wissen. Und es geht beim Studium nicht allein darum, möglichst rasch den Abschluss zu machen und in den Arbeitsmarkt einzumünden. Studium ist zudem eine wichtige sozialisierende Erfahrung, bedeutet Erlebnisse, die auch nicht zu wiederholen sind. Hier liegt auch der Auftrag von Korporationen, Studenten, junge Gelehrte geistig und charakterlich zu fördern und zu begleiten.  

Denn Wissenschaft ist eine soziale Praxis, ist Forschung und Lehre. Wer glaubt, Wissenschaft sei bloß das Elaborat von Gelehrten, die aus der Einsamkeit ihrer Studierzimmer oder Labors heraus die Menschheit mit sensationellen Entdeckungen und Forschungsergebnissen überraschen, ist im Irrtum. Wissenschaft ist ein kooperatives Unternehmen: Man forscht und trägt die Forschungsergebnisse in die Lehre. Und umgekehrt trägt man das, was man im Kontakt, im Austausch, im Dialog mit den Studierenden lernt, wieder in die Forschung zurück. Und natürlich lebt dieser Austausch von der Sprache, von Mimik und Gestik - ein Proprium, das Ureigene der Universität.

Wissenschaft: ein kooperatives Unternehmen

Die Frage, die sich mit Corona stellte, war: Ließ sich dieser Austausch, dieses kooperative Unternehmen von Forschung und Lehre, Lernen und Diskutieren unter Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen fortsetzen? War dies auch virtuell möglich? Oder musste Studium unter den Bedingungen von Corona zum einsamen Brüten vor dem Laptop verkümmern? Umgekehrt stellte sich die Frage, ob allein  Präsenzveranstaltungen wissenschaftliches Arbeiten in Gang bringen können. Haben virtuelle Lehre, virtuelles Lernen, nicht auch ihren Platz in der Universität von heute? Jeder, der studiert hat, wird sich wahrscheinlich ungern an  überfüllte Massenvorlesungen aus der Zeit vor Corona erinnern, wo der Dozent am Podium gelangweilt sein Manuskript herunterlas und das Auditorium aufgegeben hatte, ihm zu folgen. Auch Präsenzveranstaltungen sollten qualitativ gesteigert und besser genutzt werden.

Rückblick: Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 Europa herausforderte, wurden fast überall Kontaktbeschränkungen ausgesprochen: aus Arbeit wurde home office, aus Lernen home schooling oder home studying, das Interagieren von zu Hause wurde zur Normalität. Die Umstellung von Präsenz auf digitale Formate an den Hochschulen gelang - freilich nicht immer so, wie sich das Studierende gewünscht hatten: Viele akademische Abläufe im Semester - zumal Prüfungen - werden um der Rechtssicherheit willen von einer Vielzahl von Akteuren organisiert: vom Ministerium über die Universitätsleitung bis zu den Lehrenden. Die Studierenden stehen am Ende dieser Kette und wurden häufig erst kurzfristig informiert. Das alles erschwert ein Studium.

Auch mussten Hochschulen ihre internationalen Austauschprogramme zeitweise aussetzen, mit der Folge, dass Studierende ihren bereits geplanten Auslandsaufenthalt nicht oder nicht in der gewünschten Form antreten konnten, sondern lediglich digital. Natürlich geschah dies  nicht aus Willkür, sondern aufgrund der Bedingungen in den jeweiligen Ländern, in die die Studierenden gehen wollten. Die Hochschulen hätten von sich aus jeden gehen lassen, doch die Studenten, die einen Auslandsaufenthalt planten, durften eben nicht in das Land ihrer Wahl einreisen und manchmal zogen sie ihre Absicht auch zurück, weil ihnen das Risiko zu hoch war. Keine Hochschule hat internationale Aktivitäten freiwillig ausgesetzt.

Risse im europäischen Hochschulnetz

Da die Bologna-Reform den Wissenstransfer und den Austausch zwischen den verschiedenen Ländern erhöhen und den europäischen Hochschulraum vernetzen will, ist dies ein Rückschlag - und dieser werde sogar noch viel größer sein als manche derzeit absehen, bemerkte gegenüber dieser Zeitschrift der frühere Präsident der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Kb Professor Godehard Ruppert (Em d Ma), „weil auch die Kontakte auf Seiten der Leitungen und Lehrenden nachgelassen haben. Manche Kooperation muss wieder völlig neu aufgebaut werden, weil inzwischen die Kontaktpartner gewechselt haben und die neuen sich nicht kennen.”

Zudem verloren viele Studenten, die für ihr Studium jobben müssen, aufgrund der Corona-Pandemie ihre Verdienstmöglichkeit. Hatte Corona dann auch noch die Eltern in eine schwierige Lage gebracht, fiel die zweite Quelle der Studienfinanzierung weg. Immerhin hat die Bildungspolitik reagiert und die dritte Säule der Studienfinanzierung, die Unterstützung durch den Staat, in Form einer Aufstockungsmöglichkeit des BAFÖG und der Überbrückungshilfe in pandemiebedingten Notlagen gestärkt.

Studenten und Studentinnen in Deutschland wurden also unterschiedlich von der Corona-Pandemie getroffen. Sie sind ja keine homogene Gruppe. Sie unterscheiden sich in Herkunft, Bildung, Intelligenz, Lerntyp und vielem anderen. All das prägt ihre Studiensituation. Damit sind auch die Studenten und Studentinnen angesprochen, die bereits vor der Corona-Pandemie Schwierigkeiten bei der Studienbewältigung hatten und als „vulnerabel” - verletzlich in Bezug auf ihre Studiensituation - galten. Die Pandemie hat ihre Lage nochmals erschwert.

„Vulnerable” Studiensituationen

Es gibt eine Fülle von Ursachen, weshalb Studierende Schwierigkeiten mit ihrem Studium haben: Manche finden keine optimalen Lernbedingungen vor, weil sie ihr Studium durch prekäre Arbeitsverhältnisse finanzieren, Kinder großziehen oder Angehörige pflegen müssen. Andere bemerken zu spät, dass ein Studium oder das spezifische Fach, das sie gewählt haben, nicht das ist, was ihren eigentlichen Fähigkeiten oder Interessen entspricht.

Es gibt Studierende, die so hohe Anforderungen an sich stellen, dass sie sich außerstande sehen, ihre Aufgaben zu bewältigen und die dann aus lauter Scham und Frust vereinsamen  und erst recht nichts mehr hinkriegen. Oder es gibt Studierende, die vulnerabel sind, weil sie nicht begreifen, dass Studium auch bedeutet, hart arbeiten zu müssen. Hier findet sich etwa der Student oder die Studentin, der oder die sich im Schutz einer überfüllten Übung in die hinterste Ecke verkriecht, weil er oder sie die Texte für die Sitzung nicht gelesen hat, oder auch Leute, die in der Gruppenarbeit durch Abwesenheit glänzen und von ihren Kommilitonen als Trittbrettfahrer abgelehnt werden.  

Natürlich kann jedem mal passieren, Texte nicht zu lesen oder eine Gruppenarbeit zu verschlafen. Problematisch wird es, wenn Studierende ein Studium als reine Jagd nach Leistungs-Nachweisen, als Scheinjagd betrachten, - was im Zuge von Bologna vielleicht sogar noch nachvollziehbar ist -, die mit möglichst wenig Aufwand und Einsatz verbunden sein soll, und bei der es eigentlich nur noch darum geht, den Abschluss zu ergattern, um die Qualifikation für einen Job zu haben. Treffen solche Studierende auf Lehrende, für die Lehre schlimmstenfalls ein lästiges Anhängsel ist, so tritt eine Situation ein, in der zielgerichtetes Lernen, wissenschaftliches Interesse, praktisch unmöglich wird.

In dieser Situation wirkt Corona wie ein Brennglas: Probleme, die es, gemildert, schon vor der Corona-Pandemie gab, werden verschärft und bringen neue Probleme mit sich. Wie soll man sich in Theorien einarbeiten, wenn der Alltag zwischen Kinderbetreuung und der Pflege Angehöriger zerrissen wird? Wann soll man sich mit der Referatsgruppe treffen, wenn ein Großteil des Tages für die Jobsuche draufgeht, weil das Restaurant, in dem bisher gekellnert wurde, coronabedingt geschlossen hat? Dass es schwieriger geworden ist, den Anforderungen der Lehrenden in den während der Corona- Pandemie meist online stattfindenden Kursen gerecht zu werden, wurde vielfach beklagt: insgeheim, privat oder in sozialen Medien. Zu viele einzureichende Aufgaben, zu viel Arbeitsaufwand, Digitalisierungswirrwarr, Stress auf allen Ebenen. Überforderung. Aber vielleicht waren diese Probleme schon vor Corona vorhanden und wurden damals höchstens flüchtig wahrgenommen, während sie später, unter den Bedingungen von Corona, ins Gewicht fielen und darüber entschieden, ob das Studium erfolgreich und von negativem Stress befreit absolviert werden konnte oder nicht.

Chance virtueller Angebote

Und vielleicht hat sich während der Corona-Pandemie auch manche Chance gezeigt: Etwa für die Gruppe der Studierenden, die sich in schwierigen Lernbe- dingungen vorfinden, weil sie ihr Studium selbst finanzieren, Kinder großziehen oder Angehörige pflegen müssen. Hin und her gerissen zwischen Studium, Arbeit und sonstigen Pflichten werden sie vielleicht erst im Lockdown den Nutzen online angebotener Lehrveranstaltungen entdeckt haben - besonders, wenn es sich um asynchrone, auch nach dem Ende der Veranstaltung aufrufbare Angebote handelte. Den Nutzen virtueller Angebote belegt eine empirische Untersuchung der Virtuellen Hochschule Bayern. Gerade Fern-Universitäten seien ein klarer Erfahrungsraum, der belege, wie hilfreich digitale Lehrveranstaltungen seien, meinte Kb Professor Ruppert gegenüber dieser Zeitschrift. Eines sei klar: „Die Zukunft des Studiums wird einen digitalen Anteil haben, reine Präsenzlehre im Hörsaal ist nicht die Zukunft.” Es wird also auf das rechte Verhältnis der beiden Formate ankommen. Denn, ergänzte Kb Professor Ruppert gezielt pointiert: „Wir wissen seit vielen Jahren: Von Vorlesungen profitieren - wenn überhaupt - am meisten diejenigen, die sie halten, weil sie gezwungen sind, systematisch etwas zu präsentieren, ähnlich wie das Verfassen eines Lehrbuchs.”

Mit diesem Sommersemester sind viele Universitäten wieder zur Lehre in Präsenz zurückgekehrt. Daneben besteht das digitale Angebot weiter. Es ist ja einfacher, von einem Präsenzszenario auf digitale Formate umzustellen als umgekehrt.

Zumal es nicht so aussieht, als könne bei Corona Entwarnung gegeben werden. Und auch nach Corona muss man wohl davon ausgehen, dass es in Studium und Lehre eine Situation geben wird, in der die Möglichkeit digital gestützten Lernens viel präsenter ist und es darauf ankommt, dass Präsenz- und digitale Veranstaltungen einander sinnvoll ergänzen.

Studierende atmen sicher erst einmal auf - nach den vielen Einschränkungen der Corona-Semester: Semestern, in denen man den Uni-Campus nicht betreten durfte, es sei denn unter strengen Hygienevorschriften; Semestern, in denen Klausuren am heimischen PC geschrieben werden mussten, nachdem das Zimmer vorher peinlich genau per Onlinekamera inspiziert wurde; Semestern, in denen direkte Kommunikation mit Kommilitonen und Lehrenden schwer möglich war und man stattdessen allein vor dem PC hockte, isoliert, frustriert und müde. Und man sich Sorgen machte: um Freunde, Geschwister, Eltern und Großeltern. Und um die eigene Zukunft.

Corona hat wie ein Brennglas Schwachstellen bei Studium und Hochschule offengelegt, vielleicht aber auch manche neue Perspektive erkennen lassen. Wer, wenn nicht akademische Korporationen, sollten sich für die Weiterentwicklung der Hochschulen einsetzen? Und wer, wenn nicht akademische Korporationen, für die Freundschaft ein handlungsleitendes Prinzip ist, sollten die Aktiven bestärken: mit freundschaftlichem Rat und Empathie.

Die psychischen Belastungen die Studenten erlebt haben, müssen ernst genommen werden. Und es geht darum, sie in ihrer Begeisterung zu wissenschaftlicher Erkenntnis, in wissenschaftlicher Redlichkeit und Genauigkeit zu bestärken.

Denn Studieren kann nicht jeder. Das Abitur ist quasi eine Eintrittskarte in den Kreis der „großen Denker”. Das ist ein Grund stolz zu sein und nicht an schwierigen Aufgaben und schwierigen Situationen, wie Corona, zu verzweifeln. Sehen wir sie als Herausforderung an, die sich mit mehr oder weniger Anstrengung lösen lässt. Damit nicht Corona etwas mit uns macht, sondern wir das Beste aus Corona.

Reinhard Nixdorf (Nm-W)

BUs

Wenn Studenten in den Corona-Semestern gefragt wurden, wie es ihnen gehe, bekam man selten Beschwerden zu hören, dass andere bevorzugt würden. Ebenso selten beschwerten sich Studenten darüber, dass sie als gesunde junge Menschen keine Priorität in der Impfreihenfolge hatten. Zu hören bekam man aber Geschichten von Müdigkeit und Erschöpfung. Und manchmal von Enttäuschung und Zorn - darüber, offenbar keine Rolle zu spielen - auch wenn die Studierenden in Deutschland mit drei Millionen alles andere als eine Gruppe darstellen, die man so einfach übergehen darf.

Schwierige Studiensituation

Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen an den Hochschulen haben viele Studierende verunsichert. Wie sich das auf den Studienabschluss und den Eintritt ins Berufsleben auswirkt, ist vielfach ungewiss.

Lehre während Corona

Präsenzveranstaltungen während der Corona-Semester: Studierende mussten Masken tragen und gehörigen Abstand von einander einhalten. Dozenten konnten die Maske erst ablegen, wenn sie genug Abstand zwischen sich und dem Auditorium wahrten. So gestaltete sich die Lehre schwierig: Denn die Lehrenden konnten die Gesichter ihrer Hörer nicht richtig erkennen, Reaktionen nicht richtig wahrnehmen, Wortmeldungen nicht richtig verstehen.

Präsenz oder online?

Angesichts drohender Inzidenz-Steigerungen standen Präsenzveranstaltungen an den Unis im vergangenen Wintersemester oft auf der Kippe.