Christus hält den Himmel offen

Nach nun bald vierzig Tagen neigt sich die Osterzeit langsam, aber sicher ihrem Endspurt zu. Dieses Jahr feiert die Kirche am 26. Mai das Hochfest Christi Himmelfahrt und zehn Tage später Pfingsten. Die „Grundlage” für dieses Fest finden wir am Beginn des biblischen Buchs der Apostelgeschichte. Dieses Buch schließt sich inhaltlich an das Lukasevangelium an und verweist noch einmal kurz auf die dort zu findende Darstellung dessen, was bisher geschehen war, bevor es mit der Erzählung der Himmelfahrt vor den Toren Jerusalems einsteigt.

Diese Szenerie an der Scharnierstelle zwischen Ostern und Pfingsten, die die Apostelgeschichte von Christi Himmelfahrt zeichnet, ist ohne Frage eine spektakuläre Geschichte: Der auferstandene Christus verabschiedet sich von seinen Jüngern, nicht wie in den Abschiedsreden vor seiner Kreuzigung, sondern mit der heilvollen Verheißung und seiner Sendung. Er verheißt den Aposteln, denen er nun nach biblischem Bericht vierzig Tage hindurch erschienen ist, den Heiligen Geist, die Kraft Gottes und bestellt sie zu seinen Zeugen, nicht nur in Jerusalem oder im Bereich Israels, sondern in der ganzen Welt. In einer Wolke wird er in den Himmel gehoben, den Blicken der Jünger entzogen. Es ist nicht verwunderlich, dass dieses so sinnliche Bild die Fantasie der Christen die Geschichte hindurch beflügelte. So ist es heute noch in vielen Gemeinden Brauch, an diesem Fest eine Christusstatue durch ein Loch in der Decke verschwinden zu lassen. Zahllose Kunstwer- ke haben diesen Stoff bildlich umgesetzt. Der französische Mönch Petrus Abælardus erzählt in einer Predigt vom Einzug Jesu in den Himmel, den er im Stile eines Triumphzugs eines römischen Feldherrn darstellt, mit einer jubelnden Menge an Engeln und die Erlösten, die als Beute vor seinem Wagen einhergehen.

Kein Wunder also, dass diese Männer aus Galiläa voll Staunen und Verwunderung dem Herrn hinterherschauen. Und die Frage, die in der Erzählung von zwei Männern in weißen Gewändern gestellt wird, warum sie denn so dastehen und in den Himmel schauen, muss auch nicht vorwurfsvoll gelesen werden. Schließlich erwarten sie auch keine Antwort, denn ihre Frage ist auch verbunden mit der Ankündigung, dass dieser Jesus, dem sie hinterherschauen, auch ebenso wiederkommen wird. Das Hinterherschauen ist somit gleichzeitig ein Vorausschauen und es ist wohl auch das, was zu einem christlichen Leben gehört. Auf der einen Seite steht das Schauen auf den irdischen Christus: Die Evangelien sind voll mit Geschichten über den Menschen, in dem sich das Wesen Gottes den Menschen selbst offenbart. Für die Christenheit sind sie Richtschnur, Verheißung und Quelle der Hoffnung. Sie schildern das Wirken Gottes und geben einen Einblick in die Liebe, mit der der Schöpfer seiner Schöpfung begegnet. Von der Menschwerdung, über den Tod am Kreuz bis hin zur Auferstehung am Ostertag legen die Texte Zeugnis davon ab, wie Gott das Wohl des Menschen - mit Leib und Seele - will.

Auf der anderen Seite steht die Erwartung der Parusie, das Wiederkommen Christi am Ende der Zeit. Hier geht es nicht um eine Apokalypse wie in einem Hollywoodstreifen, sondern um das Wissen, dass die Welt nicht sich selbst überlassen ist, dass Gottes Geschichte mit den Menschen kein jähes Ende gefunden hat. Vielmehr leben wir in dem Vertrauen, dass, auch wenn die Zeit dunkel und gottverlassen wirkt, Gottes Liebe und der Frieden, den wir nur in ihm finden, in unserer Welt offenbarwerden kann.

Und am Ende steht das Losgehen. Für die Apostel geht es als Erstes zurück nach
Jerusalem. Dort wird sich wenige Tage später der Heilige Geist auf sie herablassen, sie werden in allen möglichen verschiedenen Sprachen die Heilstaten Gottes verkünden und von dort aus werden sie in alle Himmelsrichtungen ausströmen und die Botschaft Christi - das Evangelium - überall, wo sie hinkommen, verkünden. Durch die Taufe sind auch wir dazu aufgerufen, genau das zu tun: Im Blick auf die Liebe Gottes, aus der heraus er sich uns in Christus geschenkt hat, und im Blick auf die Verheißung, dass die Welt einem guten Ziel entgegenläuft, Glaube, Hoffnung und Liebe in die Welt zu tragen.