Er brannte für die Olympische Idee, die Sozialethik und eine Kirche, die Menschen nahe ist

Der Tod unseres Bundesbruders Prof. Dr. Norbert Müller (Kett), der am 16. Februar 2022 im Alter von 75 Jahren nach langer und tapfer getragener Krankheit verstorben ist, erfüllt uns „Ketteler“ mit großer Trauer. Denn obwohl er für seine große Sache „Olympia“ weltweit gefragt und unterwegs war, ist er immer einer von uns geblieben. Mit seinen überzeugenden Argumentationen prägte er die besondere Ausrichtung unserer Verbindung maßgeblich mit. Für Norbert war es wichtig, dass die Werte des christlichen Glaubens und die Erkenntnisse der Wissenschaft der Welt zugutekommen. Ihm ging es dabei wesentlich um den olympischen Sport und für diesen hat er sehr viel erreicht, was nicht nur die große Betroffenheit über die Nachricht in der Welt des Sports über die Todesnachricht zeigt, sondern insbesondere auch die große Würdigung seines Lebenswerks.

Besondere Anerkennung verdient seine Courage, mit der er sich als Sportethiker auch mahnend zu Wort meldete; so etwa, als er einerseits die Durchführung der Winterspiele in Peking für grotesk hielt, dabei nur noch wenig Zusammenhang mit ihrer ursprünglichen Idee sah, und andererseits den „diplomatischen Boykott“ dieser Spiele zugleich als lächerlich bezeichnete.

Norbert hatte stets seinen eigenen, argumentativ immer sehr fundierten und gewissenhaften Standpunkt. Als Meister des Understatements ging es ihm dabei nicht darum, sich in den Vordergrund zu stellen, sondern das, was ihn bewegte, den Olympischen Geist. Bei den zahlreichen Vorträgen, die er regelmäßig bei den Semesterveranstaltungen der Aktivitas und gelegentlich bei Festkommersen hielt, vermittelte er uns sehr viel davon. Gleichzeitig konnten wir spüren, dass er uns damit Anteil an seinem Leben gab.

So berichtete er beispielsweise als Zeitzeuge über das Trauma des Attentats auf die olympischen Spiele 1972, als Kenner der olympischen Idee über ihren geschichtlichen Ursprung und heutigen Sinn, über ihren Nutzen für die Verständigung der Nationen sowie über die Problematik der Kommerzialisierung des Sports, als Sportler über den großen Wert von Fair Play und Anti-Doping für die Wettkämpfe und als Christ über die Zusammenhänge von Religion und Sport. So vermissen wir nicht nur Norbert, den begeisterten Leichtathleten; den Erfinder des Krallenschuhs; den „Olympiaprofessor“ und Sportfunktionär; den Aktivisten für Frieden und Völkerverständigung; den großen Europäer und Freund besonders des Französischen; den mit bedeutenden Orden und Ehrendoktorwürden Ausgezeichneten; den Freund der Kunst und der Muße; den für den Sport im päpstlichen Laienrat und für den Vatikan beim Europarat aktiven Christen, sondern ganz besonders Norbert, den „Ketteler“.

Norbert brannte nicht nur für die Olympische Idee, sondern auch für die christliche Soziallehre und eine Kirche, die den Menschen nahe ist. Selbst aus einer Speyrer „KV-Familie“ kommend und dem Pfälzer KV zeitlebens verbunden, hat er einige von uns, auch mich ganz persönlich, für unsere Verbindung gewonnen. Unser Miteinander hat Norbert durch sein offenes, zugewandtes, hilfsbereites Wesen sowie mit seiner von christlichen Werten bestimmte Haltung wesentlich mitgeprägt und sehr bereichert. Wir werden ihn nie vergessen. Seiner Familie und allen, die um ihn trauern, gilt unseres herzliches Beileid.