Münchner Korporationen ehrten einen Mann, der mutig gegen politische Extremisten vorging
Dr. Karl Stützel (1872-1944), Mitglied der K.D.St.V. Aenania im CV zu München, verhängte als Innenminister des Freistaats Bayern 1925 ein Redeverbot gegen Adolf Hitler, bemühte sich um dessen Ausweisung und verbot die NSDAP-Organisationen SA und SS. Als die Nazis die bayerische Regierung im Jahr 1933 absetzten, rächten sie sich an Innenminister Stützel, der seit 1918 Mitglied der Bayerischen Volkspartei war, mit Misshandlungen. Er floh nach Innsbruck, kehrte aber nach München zurück und lebte dort zurückgezogen bis zu seinem Tod am 24. Juli 1944.
Ende Mai jährte sich Stützels Geburtstag zum hundertfünfzigsten Male. Im Gedenken an ihn feierten die katholischen Korporationen Münchens e.V. auf Einladung von Staatsminister Joachim Herrmann, der der CV-Verbindung KDStV Frankonia (Czernowitz) angehört, Mitte Juli eine festliche Kneipe im Odeon – bis zum 2. Weltkrieg einer der Konzertsäle Münchens und heute Sitz des bayerischen Innenministeriums.
Die Veranstaltung setzt die Tradition der Landtagskneipen im Bayerischen Landtag fort, die darauf zurückgeht, dass es den katholischen Korporationen vor vielen Jahren nicht gestattet wurde, eine Veranstaltung in den Räumen der Ludwig-Maximilians-Universität München durchzuführen. Die Cartellbrüder Bocklet (Tfs) und Herrmann öffneten damals für die katholisch korporierten Studenten die Tore des Landtags. So begann eine lange Reihe von Couleorveranstaltungen im Bayerischen Landtag, die an wichtige historische Ereignisse in Bayern und Deutschland erinnern. Diesmal wurde die Kneipe vom MCV-Senior Marco Neudecker (Moe) und MKV-Senior Valentin Pilsl (Is) mit vierzehn Chargierabordnungen und in Summe knapp zweihundert Teilnehmern geschlagen.
Ein erster Höhepunkt war der geschichtliche Streifzug durch das konsequente, mutige Handeln des damaligen Bayerischen Innenministers gegen Hitler und die NSDAP bis zu seiner Verhaftung, die Cbr. Prof. Dr. Peter Claus Hartmann (Ae) kurzweilig vortrug.
In seiner Festrede befasste sich Staats-minister Joachim Herrmann nicht nur mit Dr. Stützel, sondern auch mit seinem Vorgänger Cbr. Dr. Dr. Franz Xaver Schweyer (Ae). Beide wirkten, getragen durch ihren christlichen Glauben, als aufrechte Streiter sowie überzeugte Demokraten für die Weimarer Republik und setzten sich für Recht und Ordnung gegen extremistische Gefahren von links und rechts ein. Sie stellten sich als bayerische Innenminister entschlossen gegen den aufkommenden und immer stärker werdenden National-sozialismus und wurden so zu dessen Opfern, die ihren Einsatz für das Recht mit ihrer Freiheit, ihrer Gesundheit und ihrem Leben bezahlt haben. Sie sollen Vorbild sein, Demokratie und christliche Werte zu bewahren und zu verteidigen.
Der Abend klang auf dem Haus der KDStV Aenania aus. Die Veranstaltung ist ein weiterer Beleg für das gute Miteinander politischer Vertreter mit ihren katholischen Korporationen in München. Neben den Landtagskneipen wird dies auch am Gaudeamus-Ball und den regelmäßig auf den Münchner Verbindungshäusern stattfindenden Landtagsstammtischen deutlich, bei denen stets aktuelle Themen in geselliger Runde diskutiert werden.Dank gilt allen Helfern, Unterstützern und Sponsoren, die es ermöglichten, in einem so wundervollen Rahmen zu feiern, allen voran dem Gastgeber Joachim Herrmann und dem Spender des edlen Gerstensaftes Cbr. Georg Schneider (Rup).
Michael Reinfelder