Betet ohne Unterlass!

(1 Thess 5, 17)

Am Ende seines Briefs an die Gemeinde in Thessalonich stellt der Apostel Paulus eine Reihe an Forderungen auf, die er für das Leben der Christen für unerlässlich erachtet.

Warum es notwendig ist zu beten

Seine Aufzählung umfasst neben der Ermahnung, ohne Unterlass zu beten, mehrere Anweisungen für ein gutes Miteinander: gegenseitiges Verzeihen, sich ertragen aber auch Zurechtweisung. Eine Aufforderung zur Fröhlichkeit und Dankbarkeit, sowie Mahnungen, den Geist nicht zu dämpfen, das Gute zu behalten und das Böse zu meiden (vgl. 1 Thess 5, 16-22). Alle Punkte seiner Liste zielen auf Haltungen ab, die ein gutes soziales Miteinander ausmachen. Das gilt insbesondere für die Gebetsaufforderung, obgleich dies nicht sofort ersichtlich sein mag.
Das Gebet ist der Grundstock, mit dem alle anderen Haltungen erst wirklich gelebt werden können. Durch das Gebet steht der Mensch in engem Kontakt mit der wirkmächtigen Kraft des Heiligen Geistes. Er ist es, der ertragen und verzeihen lässt – gerade wenn es schwerfällt. Durch ihn werden Freude und Dankbarkeit nicht schal. Mit seiner Hilfe vermögen wir das Gute vom Bösen wirklich zu unterscheiden.

Was das Beten bewirkt

Das Gebet ermöglicht eine Pause vom Alltag. Es ist aber keine Weltflucht, kein Davonlaufen von der Wirklichkeit in eine imaginierte Wunschvorstellung. Vielmehr hilft das Gebet dabei, unsere Welt zu Gott zu tragen. Sie mit seinem Blick anzuschauen. Der Heilige Geist gibt die dazu notwendige Perspektive. Er schenkt einen klaren Kopf und ein ruhiges Herz. Gebet ist insofern Besinnung auf das Wesentliche – durch Inspiration.

Dieser Kontakt mit der ausströmenden Kraft der gegenseitigen Liebe aus dem Vater und dem Sohn, die der Heilige Geist selbst ist, verwandelt. Das Gebet hilft dabei, die Liebe Gottes im eigenen Leben Wirklichkeit werden zu lassen. Denn mit dem Perspektivwechsel wird das eigene Leben von der liebenden Kraft Gottes überformt. Das eigene Leben kann durch ständiges Gebet aus dieser Liebe heraus gelebt werden und gibt immer mehr den Vorgeschmack auf das Leben in Fülle preis.

Die Aufforderung des Apostels Paulus gilt jedem von uns. Auch wir sollen beten, damit unser Miteinander in der Liebe gewandelt werden kann, damit wir Menschen mit allen Brüdern dieser Welt in Gemeinschaft zusammenleben können (vgl. Enzyklika „Fratelli tutti”). Wer betet, verändert die Welt.

Von der Theorie in die Praxis

Als junger Familienvater weiß ich darum, wie schwer es ist, sich Zeit für das persönliche Gebet zu nehmen. Der Morgen ist stressig. Am Abend fehlt die Energie.

Die tradierten Gebete der Kirche, wie bspw. das Vaterunser empfindet man vielleicht als abgedroschen oder unpassend. Das, was mich gerade wirklich bewegt, hat in ihnen keinen Platz. Freies Gebet braucht aber auch Übung, es braucht vielleicht sogar mehr Zeit und Energie.

Regelmäßiges Beten kann trotzdem gelingen. Feste Rituale und Zeiten helfen dabei. Nachfolgend eine kleine Anregung, wie man beim nachmittäglichen Cappucino-Trinken sowohl für das geistige als auch das leibliche Leben sorgen kann.

Beten für Cappuccino-Connaisseure

Fallen lassen

Sich selbst wahrnehmen, mit allem, was gerade beschäftigt. Bitte, Sehnsucht, Dank, Zweifel, auch Bauchgefühle und Herzensregungen. Sich mit alledem fallenlassen im Vertrauen darauf, von Gott getragen zu sein.

Probieren

Vorsichtiges Verkosten. Was von dem, was ich aus dem vorherigen Schritt mitbringe, schmecke ich im Gespräch mit Gott besonders stark heraus? Es kann hilfreich sein, den Geschmack lange auf der Zunge liegenzulassen und ihn immer präziser in Worte zu fassen.

Auskosten

Im Fluss des Dialogs mit Gott Erzählen und Hinhören. Sich die Seele erwärmen lassen und neue Energie tanken. Sich währenddessen zu verlieren und abzudriften ist normal. Wird der Cappuccino kalt, und das Gespräch fließt nicht mehr, wird es Zeit, zum Ende zu kommen.

Kaffeesatz

Das Gebet mit konkretem Dank, Bitte oder Vorsatz beenden. Zeit einplanen, um von neuem beginnen zu können, wenn der Durst zurückkommt.

Mag. theol. Maximilian Johannes Heuring

Kb Heuring ist Jahrgang 1994. Seit dem Sommersemester 2015 ist er beim KStV Brisgovia aktiv. Dort war er Senior und 2016/17 VOP des KV. Nach Abschluss des Studiums der Theologie und Volkswirtschaftslehre arbeitet er seit 2021 als Pastoralassistent der Erzdiözese Freiburg. Kb Heuring ist verheiratet und Vater eines Sohnes.