Berliner Dialogprogramm der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Studentenverbände (AGV) 2o22
Quo vadis Ampel“ lautete der Titel des Dialogprogramms der AGV im politischen Berlin, das vom 6. bis 8. September stattfand. Zusammen mit den Vororten von CV, KV und UV sowie dem Ringpräsidium des RKDB traf sich der AGV-Vorstand nach zwei Jahren pandemischer Pause wieder mit Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft zu Gesprächen in der Hauptstadt. Im Zentrum standen dabei die Gesetzesvorhaben der Ampel-Koalition, doch wurde auch die Situation der Kirche in Deutschland diskutiert.
Den Anfang machte ein Referat der Bundestagsabgeordneten Serap Güler (CDU): Sie fasste die Sicht ihrer Partei zu den Vorhaben der Ampel-Koalition zusammen. Es folgte ein Gespräch mit dem CDU-Abgeordneten Michael Brand (Unitas), einem der Initiatoren der 2015 mit großer Mehrheit von Bundestag beschlossenen Reform des § 217 StGB zum Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe. Angesichts der neuen Debatte äußerte sich Brand besorgt, dass der Schutz des Lebens durch die vorliegenden Gesetzentwürfe nicht mehr bis zum Ende des Lebens oder in schweren Notlagen geschützt bleibe. Die Gesellschaft, forderte Brand, müsse sich aktiv an dieser Debatte „um sprichwörtlich Leben und Tod, und zum Schutz der gefährdeten Personen” beteiligen.
Anschließend ging es zum Kommissariat der Deutschen Bischöfe: Dessen Leiter, Kb Prälat Dr. Karl Jüsten (Rh-I, Arm, Wf-K), feierte gemeinsam mit den Teilnehmern des Dialogprogramms eine Andacht und stand ihnen danach zum Gedankenaustausch zur Verfügung. Dabei wurde die Bedeutung der Vereine und Verbindungen hervorgehoben, um junge Menschen für Glaube und Kirche zu gewinnen, sowie für einen intensiven Dialog zwischen Bischöfen und Verbänden geworben.
Den Abschluss des ersten Tages bildete ein Arbeitsessen mit dem Bevollmächtigten des Freistaates Sachsen beim Bund, Staatssekretär Conrad Clemens. Der Staatssekretär ging auf die Besonderheiten der seit der Wiedervereinigung 1990 bestehenden neuen Länder in der Bundesrepublik ein und brachte den Teilnehmern die Arbeit des Bundesrates näher.
Am nächsten Tag traf sich die AGV mit der ehemaligen Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen und heutigen Bundestagsabgeordneten Ria Schröder (FDP). Eingehend wurden hochschulpolitische Vorhaben der Koalitionäre diskutiert und kontrovers-konstruktiv das Gespräch über die Abschaffung des § 219a und die Sterbehilfe-Vorhaben gesucht.
Schließlich hatten die Teilnehmer am zweiten Abend die Ehre, S. E. Erzbischof Dr. Heiner Koch (CV, Unitas) im Erzbischöflichen Ordinariat zu treffen. Der Erzbischof zeigte sich besonders interessiert an der Meinung der Verbindungsvertreter über die Situation junger Menschen in der Kirche.
Bei allen Gesprächen durfte auch der traditionelle Ausklang in der Ständigen Vertretung am Spreeufer nicht fehlen, bei dem die Teilnehmer bei Kölsch und Rheinischem Sauerbraten den persönlichen Kontakt vertiefen konnten.
Um interreligiösen Kontakt ging es am nächsten Morgen beim Projekt „House of One“, welches den Versuch unternimmt, ein gemeinsames Gotteshaus für Christen, Juden und Muslime zu schaffen.
Das Seminar beendete ein Treffen mit dem Beauftragen der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN für Religion und Weltanschauungen, dem Bundestagsabgeordneten Dr. Konstantin von Notz. Neben Fragen der Energiepolitik erörterte der evangelische Kirchenrechtler mit der AGV auch die gesellschaftspolitischen Pläne der Koalition.
„Das diesjährige Dialogprogramm haben wir genutzt, um die Anliegen unserer Mitgliedsverbände an Entscheidungsträger aus Politik und Kirche heranzutragen. Dabei wurde deutlich: Die Ampel-Koalition geht viele ethische Fragen mit ihren Gesetzesprojekten an - diese gilt es kritisch zu begleiten.”, sagte Fabio Crynen (Mk), Vorsitzender der AGV.
