Karl Kautzsch, langjähriger Vorsitzender des KV-Rats, wurde für seinen jahrzehntelangen Einsatz mit dem KV-Ehrenring ausgezeichnet
Manchmal ist die Mühe doch nicht ganz vergeblich und fällt nicht dem Vergessen anheim. Das ging mir durch den Kopf, als Kb Klaus Gierse anlässlich des Festakts in den Aachener Parkterassen zur Verleihung des KV-Ehrenrings an Kb Karl Kautzsch Ende Oktober in seiner Laudatio die Zuhörer fragte, was sie unter dem Kürzel AM 132-4 verstünden. Dort sei nämlich zusammengefasst, was er in den kommenden fünfzehn Minuten sagen wolle. Des Rätsels Lösung: Mit AM 132-04 ist die Mai-Ausgabe der Akademischen Monatsblätter aus dem Jahr 2020 gemeint. Dort erschien eine - vom Berichtenden zusammengestellte - Beilage zum Abschied von Karl Kautzsch aus dem Amt als KV-Ratsvorsitzender. Viele Weggefährten - nicht nur aus dem KV - haben dort in kurzen oder längeren Statements zusammengefasst, was sie mit Karl Kautzsch verbindet. Nun hat der KV-Rat Karl Kautzsch den Ehrenring des KV verliehen - als sechstem Träger. Dass der KV-Ehrenring maximal an sieben lebende Kartellbrüder verliehen werden darf, unterstreicht die Bedeutung dieser Auszeichnung.
Kb Dr. Markus Wittenberg, der nun das Amt des KV-Ratsvorsitzenden innehat, das Karl Kautzsch so lange Zeit und so eindringlich ausgefüllt hat, übertrieb nicht, Karl Kautzsch als „einen der bedeutendsten KVer in der langen Geschichte unseres Verbandes” bezeichnete. Karl Kautzsch habe nicht nur im KV, sondern weit darüber hinaus Verantwortung übernommen - „wenn auch mit besonderem Schwerpunkt auf dem korporationsstudentischen Bereich”. Und so konnte er neben vielen Freunden und Weggefährten mit Claus Michael Lommer, dem Vorsitzenden im CV-Rat und Barbara Czernek, der stellvertretenden Vorsitzenden des Hohe-Damen-Bundes des UV, auch hohe Repräsentanten von Verbänden begrüßen, die dem KV nahe stehen.
Die große Kunst, Verband, Arbeit und Familie miteinander in Einklang zu bringen
Wie lange Karl Kautzsch für den KV tätig war, führte Klaus Gierse in seiner Laudatio seinen Zuhörern vor Augen: Heute werde ein Kartellbruder geehrt, „der seit Ende der Achtziger Jahre in ganz unterschiedlichen Feldern Verantwortung für den KV übernommen hat - wohlgemerkt: neben der Familie und neben der vollen beruflichen Beanspruchung. Kb Bernd-Wolfram Vierkotten, der auch heute Abend da ist, schrieb seinerzeit dazu: ´Das ist die große Kunst, Verband, Arbeit und Familie miteinander in Einklang zu bringen.´”
Kennengelernt habe er Karl Kautzsch Mitte der 1980er Jahre auf einem Kommers des UV in Nürnberg, wo sie gemeinsam den KV vertraten. Bei der Vertreterversammlung 1993 in Augsburg wurde Klaus Gierse zum Vorsitzenden des Altherrrenbundes gewählt, gern hätte er dort Karl Kautzsch als Vorstandsmitglied gewonnen. Doch dessen Wahl gelang erst bei der nächsten VV. In die Vorstandsarbeit brachte sich Karl Kautzsch nicht nur theoretisch, sondern auch sehr praktisch und effektiv ein. „Wir konnten uns stets auf Karl verlassen.” Fast dramatisch erhöhte sich sein Engagement nach der VV 2005, als Karl Kautzsch von Altherren- und Aktiventag zum Vorsitzenden des KV-Rats gewählt wurde. Dieses Vertrauen wurde immer wieder bestätigt, in den nachfolgenden VV bis 2019.
Er freue sich darüber, dass sich Karl Kautzsch 2019 nicht aufs „KV-Altenteil” zurückgezogen, sondern die Leitung der KV-Akademie übernommen habe. Karl Kautzschs dreißig Jahre langes ununterbrochenes Engagement für den Verband „war und ist sehr vielfältig, herausfordernd und manchmal machte es sogar ein bisschen Freude”. Es reichte von der Reorganisation des KV-Sekretariats, über die Unterstützung von Neu- und Wiedergründungen von Kartellvereinen, im Führen von „nicht enden wollenden Diskussionen von verbandsinternen Fragen” - meist Satzungsfragen - bis hin zu den vielfältigen Kontakten, etwa den Drei-Verbände-Gesprächen mit UV und CV, die Karl im so genannten katholischen Raum gepflegt habe. Gerade diese Kontakte hätten dem KV Bedeutung und Gewicht verliehen.
Mehrfach zitierte Klaus Gierse in seiner Laudatio Statements aus der AM-Beilage vom Mai 2020, zum Schluss die Worte seines Nachfolgers als KV-Ratsvorsitzender, Manuel Kirsch, der schrieb: „Nach den ersten Monaten meiner Amtszeit ist mir immer deutlicher geworden, wie viele kleinere und größere Angelegenheiten Karl wie selbstverständlich und ohne großes Aufsehen erledigt hat. Dieser große Beitrag, den Karl für seinen Verband geleistet hat, ist den meisten KVern und auch vielen Gremien gar nicht präsent, darf aber auf keinen Fall vergessen werden. Für alle seine unzähligen Anstrengungen und Bemühungen für unseren KV gebührt ihm unser aller Dank, Respekt und Anerkennung.”
Unermüdlicher Einsatz, ohne davon Aufhebens zu machen
„Lieber Karl” schloss Klaus Gierse, „der Ehrenring des KV möge deshalb ein kleines Zeichen dieses Dankes, dieses Repekts, unserer Anerkennung von uns, von unserem Kartellverband sein.”
Die Teilnahme so vieler Kartellbrüder an der Ehrung freue ihn und zeige, wie tief er im KV verwurzelt sei, sagte Karl Kautzsch in seiner Dankesrede. Und er entfaltete seine Gedanken anhand des Liedes „Nicht der Pflicht nur zu genügen”, des Bundeslieds seiner Cheruscia, das ihm stets als Leitgedanke und Orientierung gedient habe. „Nicht der Pflicht nur zu genügen”, bedeute für ihn, mehr zu tun, als das, was unbedingt erforderlich sei, sich mehr zu engagieren und immer die Zukunft im Blick zu haben. Und wenn die zweite Strophe mit den Worten „Sonn´ entgegen aus des Alltags sorgendumpfen Nebelspuk´ den Weg im Nebel und in der Ungewissheit beginnen lasse, bedeute dies, dass wir „auch gern mal träumen” dürfen. „In einer Korporation ist der generationenübergreifende Lebensbund die Verbindung zwischen den Generationen. Wichtig ist aber nicht im Alltag aufzugehen. Das heißt: uns nicht selbst lahmzulegen, sondern vorwärts zu gehen."
„Gib dem Menschen, was des Menschen / doch lass Gott, was Gott gehört" heißt es in der dritten Strophe. Für ihn bedeute dies, jeden Menschen ernst zu nehmen, im Glauben verwurzelt zu sein. „Auch dir selbst sei etwas wert!” heiße es weiter. Es gehe also darum, sich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren und zu schätzen. „Denn nur wenn ich aufmerksam bin und ein glückliches Leben führe, kann ich die anderen Menschen respektieren”
„Nicht der Pflicht nur zu genügen”
„Heute drum, so lang ein froher / Jugendmut uns führt zum Sieg” heißt es in der vierten Strophe. „Wenn wir mit dieser jugendlichen Einstellung an unser Engagement gehen und nicht im Alltag aufgehen, dann können wir auch die Zukunft unseres Verbandes anpacken, hier auch neue Wege gehen oder alte Wege wieder aufgreifen”, sagte Karl Kautzsch. So habe der KV 1912 Damenverbindungen begründet, sicher, diese in einem eigenen Verband geführt, „aber dies könnte heute neue Perspektiven weisen”. Wichtig sei, eigene Wege zu gehen, nicht zu kopieren und nicht Kopien zu leben. Denn es komme „nicht darauf an, im Korporationsleben besonders steil zu sein. Der rote Faden muss stimmen, der Weg kann ruhig eigene Charakteristiken tragen. Hierin ergibt sich dann auch die Identifikation mit dem KV.” Sicher sei es notwendig, Ausgaben zu hinterfragen, „aber um jeden Preis zu sparen, kann gefährlich sein.” In die Keil-arbeit müsse sehr viel Aufwand gesteckt werden. „Gut ist es in diesem Zusammenhang, wenn wir irgendwann in die Situation kommen, dass wir mehr Rezeptionen verzeichnen als Sterbefälle. Deshalb müssen uns Reaktivierungen, Neugründungen und die Unterstützung bestehender Aktivitates ein großes Anliegen sein und den Aufwand hierfür müssen wir uns leisten.”
Und wenn unter dem Gesichtspunkt Wissenschaft es bereits berufstätigen Akademikern ermöglicht würde, sich in den KV einzubringen, weil sie diese Möglichkeit während ihres Studiums nicht hatten, könne dies für die Zukunft weitere Perspektiven eröffnen.
Der Generationen übergreifende Lebensbund bilde für ihn keine Einbahnstraße - „im Sinne: die Alten Herren zahlen nur für die Aktivitates.” In Zeiten zunehmender Alterseinsamkeit, bedeute dies auch, „dass junge Bundesbrüder sich durchaus um die älteren Bundesbrüder in ihrer Umgebung kümmern dürfen.” Der Ortszirkel sei dafür ein Ort. „Und so ist es wichtig, unseren Verband, der die Einheit in Vielfalt lebte, gut in eine Zukunft zu führen, die uns auch in hundertfünfzig Jahren noch sicher bestehen lässt.”
Nicht die Wurzeln vernachlässigen
Herzlich dankte Markus Wittenberg Karl Kautzsch für seine Worte: „Der Spagat aus Führen in die Zukunft ohne die Wurzeln zu vernachlässigen ist eine spannende Geschichte”, sagte er. „Dazu sei viel Kommunikation nötig.” Klaus-Michael Lommer, der Vorsitzende des CV-Rats, verglich in seinem Grußwort den KV-Ehrenring mit der CV-Nadel. Beide seien die höchste Auszeichnung, die ein Verband einem Mitglied zukommen lasse.
Mit Michael Kotulla nahm noch ein weiterer Träger des KV-Ehrenrings an der Veranstaltung teil. Da war klar, dass auch er dem Geehrten einige Worte mit auf den Weg gab: „Wer am 11.11. in ein Amt getragen wird, der muss wissen, dass dieser heilige Feiertag in Köln nur hervorragende Leistungen mit sich bringt”, sagte er und dankte Karl Kautzsch für die wunderschöne Zeit, „in der wir miteinander gerungen haben”, „trotz aller Probleme, die wir zu lösen hatten, und vielleicht auch nicht lösen konnten”. - „Wir haben manchen Scherz gemacht”, sagte Michael Kotulla. Schließlich müsse auch einmal im KV gelacht werden. Denn: „Wir haben versucht, dass auch der KV und gerade der KV für uns zu einem Lebenselexier wird.”
Reinhard Nixdorf




Der KV-Ehrenring
Eine besondere Ehrung
Der seit dem Jahr 2000 vergebene „Ehrenring des KV-Rates” wird an Kartellbrüder verliehen, die durch ihren besonderen Einsatz für den KV über lange Jahre hinweg oder durch besondere Einzelleistungen den Verband besonders gefördert haben. Laut den Statuten darf es maximal sieben lebende Träger des Ehrenrings geben. Zum Kreis der aktuellen Träger gehören neben Karl Kautzsch (Cher, Bf, AR, NC, Ma, Urb, Bon, Arn) die Kartellbrüder Michael Kotulla (Gm, Gm-Ho, Bor, E d Un, E d Sv, E d Nbg, Urb), Siegfried Koß (Gro-Lu, Rh-D, Pr, JE) und Dr. Günter Georg Kinzel (E d Rbg, Al).
Verstorbene Träger des Ehrenrings sind Dietrich Kawohl (Albi, Wh, E d Nm, E d Blt, E d Pr) und Dipl. Kaufmann Raimund Kassner (Wf-K, Rh-I).
