Zur Erinnerung...
Sein Anliegen: Das Wohlergehen der Rheinpfalz
Dr. iur. utr. Jürgen Baur (* 13.09.1935, † 15.11.2022)
Zwei Monate nach Vollendung seines 87. Lebensjahres und in seinem 68. Rheinpfalzjahr ist Jürgen Baur von uns gegangen. Er war bis zuletzt ein treuer Bundesbruder.
Nach dem Abitur und einem Bankpraktikum hat Jürgen Baur Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln studiert. Im Sommersemester 1955 trat er der Rheinpfalz bei. In der Aktivitas engagierte er sich dreimal als Ferienordner, der Funktion des Interims-Vorstands während der Semesterferien.
Jürgen Baur hat sich mit der Rheinpfalz identifiziert und deren Wohlergehen als persönliche Aufgabe angesehen. Er hat sich nicht in den Vordergrund gedrängt, doch war er im Denken und Handeln klar und strukturiert. Als die Studentenbewegung der „1968er“ die „Alten Zöpfe“ in Hochschule und Gesellschaft abschneiden wollte, kamen auch unter Bundesbrüdern Bestrebungen auf, die Rheinpfalz in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben moderner aufzustellen. Jürgen Baur hat sich in diese Diskussionen und die Arbeit an einer neuen Satzung intensiv eingebracht, hat an den rechtlich und sprachlich korrekten Formulierungen mit Engagement, fundierten Kenntnissen und ausgefeilter Akribie mitgewirkt und die neue Satzung so geprägt. Von Oktober 1968 bis Juni 2019 war sie rund fünfzig Jahre lang Rechtsgrundlage für das Vereinsleben.
Jahre später hat sich Jürgen Baur im Altherrenverein in die Pflicht nehmen und wurde Philistersenior. Sechs Jahre lang (1979 bis 1985) übte er dieses Amt mit Engagement aus. Den Bundesbrüdern, insbesondere den Aktiven, war er ein präsenter, verständnisvoller, aber auch Pflichten einfordernder Ansprechpartner. Von 1986 bis Ende 2005 hatte er den Vorsitz im Rheinpfalz-Heimverein e.V. inne, dem Trägerverein des 1961 eingeweihten Rheinpfalzhauses. Neunzehn Jahre lang trug er dafür Sorge, das Haus als Mittelpunkt des Vereinslebens funktionsfähig und lebenswert zu erhalten. Für sieben Studenten gab es Zimmer im Erdgeschoss, vier Plätze davon in Doppelzimmern.
In Absprache mit dem Vorstand des Altherrenvereins und der Aktivitas überführte Jürgen Baur die beiden oberen Etagen des Hauses sukzessive aus der Fremdvermietung in eine ausschließliche Eigennutzung durch die Aktivitas. Seither haben 12 junge Bundesbrüder die Möglichkeit, einige Semester auf dem Haus zu wohnen. Das hat vielen Studenten den Weg in die Rheinpfalz erleichtert und das Vereinsleben entscheidend gefördert. 1999/2000 wurden umfangreiche Maßnahmen zur Ertüchtigung des Hauses dringlich. Zu ihrer Finanzierung hat der Konvent eine deutliche Erhöhung des Beitrags beschlossen. Mit Hilfe des Architekten und Kartellbruders Fritz Lill ließ Jürgen Baur wichtige Sanierungsarbeiten im und am Haus durchführen. Damit hat er eine gute Existenzbasis für rund fünfzehn weitere Jahre geschaffen.
An zwanzig Rheinpfalzreisen hat Jürgen Baur von 1985 bis 2019 teilgenommen, ins Elsass nach Straßburg, 1910 Gründungsort der Rheinpfalz, sowie zu vielen kunst- und kultur-historisch bedeutsamen Orten in deutschen Städten. Auch an den Rheinpfalz-Wandertagen war er von 2004 bis 2015 oft und gerne dabei. Erst die gesundheitlichen Einschränkungen der letzten Jahre haben seine Aktivitäten gebremst und die Teilnahme am Leben der Rheinpfalz leider nicht mehr möglich gemacht.
Sein berufliches Leben hat Jürgen Baur mit der ihm eigenen Sorgfalt gestaltet. Wesentliche Stationen seiner Vita sind laut Wikipedia [https://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Baur_(Jurist)] in Zusammenfassung:
Nach Studium, Referendariat und dem zweiten juristischen Staatsexamen wurde er zum ‚Dr. iuris utriusque‘ promoviert. Ein Praktikum 1960/61 führte ihn zu den Europäischen Gemeinschaften in Brüssel. Zunächst bis 1966 angestellter Rechtsanwalt in Köln sowie 1966 bis 1969 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesverband des privaten Bankgewerbes in Köln tätig, wechselte er 1969 zur Privatbank Berliner Handelsgesellschaft( später BHF-Bank) in Frankfurt am Main. 1970 bis 1974 wirkte er als Geschäftsführer der FRANKFURT-TRUST Investmentgesellschaft und der Frankfurter Vermögenstreuhand (Konzerntöchter der BHF-Bank). 1973 kam er zurück nach Köln als Geschäftsführer der neu gegründeten Aachener Grundvermögen Kapitalanlagegesellschaft. Diese bedeutsame Aufgabe zur Verwaltung und Ertragsmehrung von Grundbesitz vorwiegend kirchlicher Vermögensträger hat er bis 2007 unter allseitiger Anerkennung ausgeübt.
Seine ausgewiesene Expertise hat er als Autor für mehrere Publikationen genutzt. Als Verfasser des wegweisenden Kommentars zum Investmentgesetz KAGG (ab 1970) hat er Grundlagenarbeit geleistet.
Neben Beruf und Rheinpfalz hat sich Jürgen Baur im Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds engagiert, einer gemeinnützigen Stiftung zur Förderung von Bildung bei jungen Menschen. Seit 1982 im Verwaltungsrat ist er 1994 zu dessen Vorsitzendem bestellt worden. Bis Ende 2011 hat er diese Aufgabe mit großem Verantwortungsbewusstsein ausgefüllt, wusste er doch als ehemaliger Stipendiat um die Bedeutung einer guten Bildung als Fundament für ein erfolgreiches (Berufs-)Leben. Seine Kenntnisse um die Erhaltung und Mehrung von Vermögen haben ihm maßgeblich geholfen, für die über 300 Einzelstiftungen gute Erträge zu erwirtschaften, die Grundlage für die jährlich vielen Hundert Stipendien an bedürftige, fleißige und zielstrebige Studierende und Schüler. Jürgen Baur sah sich dabei in der langen Tradition von Stiftern seit 1422 und der daraus resultierenden Verpflichtung zum achtsamen Umgang mit dem anvertrauten Vermögen.
Weitere wichtige Ehrenämter waren: Mitgliedschaft (2000) und stellv. Vorsitz (2011) in der Maria-Theresia-Bonzel-Stiftung (GFO), Mitgliedschaft im Vorstand der Stiftung St. Marien Hospital (2003), stellv. Vorsitz (1998 bis 2004) im KSD Katholischer Siedlungsdienst e.V. (Bundesverband für Wohnungswesen und Städtebau) und (2009) die Geschäftsführung der SVG-Sondervermögen-Verwaltungsgesellschaft und der IFAGE Grundstücksverwaltungsgesellschaft.
In seiner Heimatpfarrgemeinde St. Thomas-Morus in Köln-Lindenthal war Jürgen Baur acht Jahre Mitglied im Pfarrgemeinderat, davon vier Jahre als Vorsitzender sowie 1994 bis 2006 Mitglied im Kirchenvorstand, seit 1997 als stellv. Vorsitzender. In der aus vier Pfarreien fusionierten neuen Kirchengemeinde Köln-Lindenthal/Kriel war er seit 2011 ebenfalls Mitglied im Kirchenvorstand.
Aufgrund seiner vielfältigen und großen Verdienste um kirchennahe Institutionen ist Jürgen Baur 2012 zum Ritter des Päpstlichen Silvesterordens ernannt worden. Die Urkunde hat er aus der Hand des Kölner Dompropstes bei seiner Verabschiedung vom Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds erhalten. Neben all diesen Aufgaben fand Jürgen Baur immer wieder Zeit für seine Liebe zur Kunst, insbesondere zu Münzen und Medaillen. Einige Medaillen hat er selbst herstellen lassen, zu besonderen privaten Anlässen wie auch zu wichtigen historischen Daten des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds.
Die letzten Jahre haben Jürgen Baur zunehmend Krankheiten und Einschränkungen seiner Beweglichkeit gebracht. Zuletzt musste er sogar pflegerisch betreut werden. So war sein Tod letztlich eine Erlösung. Nun hat Jürgen Baur sein Leben nach über achteinhalb erfüllten Lebensjahrzehnten in die Hände seines Schöpfers zurückgelegt, befreit von irdischen Beschwernissen. Wir wollen seiner in Freundschaft und mit Respekt für dein Lebenswerk ehrend gedenken und ihn in unser Gebet einschließen. Unsere herzliche Anteilnahme gilt seiner Familie, insbesondere seiner Ehefrau Barbara, seiner Tochter und seinem Sohn.
Für den KStV Rheinpfalz: Reinhard Elzer