Als Landeshauptmann prägte er die Rheinprovinz

Zum neunzigsten Mal hat sich im Februar der Todestag von Kb Johannes Horion gejährt, nach dem die Villa Horion ihren Namen trägt.

Bei den Feiern im August 2022 zum neunzigsten Bestehen der A 555 zwischen Köln und Bonn als älteste Autobahn wurde auch an ihre Väter erinnert: Neben dem damaligen Oberbürgermeister von Köln, Kb Konrad Adenauer (Arm, Bsg, Sx) und dem Oberbürgermeister von Bonn, Wilhelm Lürken, gehörte auch Kb Johannes Horion (Arm, Ask, Sx), der Landeshauptmann der preußischen Rheinprovinz, dazu. Die erste Autobahn war nur eines von vielen Projekten, das Horion für den rheinischen Provinzialverband auf den Weg brachte.    

Als Sohn eines Gutsbesitzers am 27. März 1876 in Marienforst (heute Bonn-Bad Godesberg) geboren, wuchs Johannes Horion auf dem 1879 von seinem Vater erworbenen „Kopshof” in Sinnersdorf bei Köln auf. Nach dem Abitur in Köln studierte er in Bonn, München und Berlin Rechtswissenschaften und Nationalökonomie und schloß sich den dortigen KV-Korporationen an: Arminia Bonn, Askania Berlin (heute K.St.V. Askania-Burgundia) und Saxonia München. Zum Dr. iur. promoviert, arbeitete Horion als Jurist in der Rheinischen Provinzialverwaltung. Zunächst Dezernent des Landesarmenwesens, wurde er 1904 zum Landesrat ernannt und damit Leiter des Wohlfahrtswesens der Rheinprovinz.     

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs begründete Horion die Fürsorgearbeit für Kriegshinterbliebene und Kriegsgeschädigte – Leistungen, die in anderen Landesteilen Nachahmung fanden. Nach Ende des Krieges war er an der Regelung der Durchführung von Waffenstillstand und Friedensvertrag beteiligt. Eine Stelle als Staatssekretär für die besetzten Gebiete lehnte er ab, er wollte weiter in der Provinzialverwaltung tätig sein. Auch eine ihm später angetragene Kandidatur für das Amt des preußischen Ministerpräsidenten nahm er nicht an. Auf Vorschlag seines Bundesbruders, des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer, wurde Horion 1922 mit überwältigender Mehrheit zum Landeshauptmann der Rheinprovinz gewählt. In dieser Funktion, die er bis 1933 innehatte, widmete er sich neben seinem sozialen Engagement auch der Kulturarbeit; so gilt er als „Vater der Denkmalpflege” und, wie schon gezeigt, als Vater der ersten Autobahn.

Drei Kinder entstammten der Ehe mit Maria Krahe, von denen eines früh verstarb. Zwei Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau heiratete Horion 1928 in Maria Laach die Lehrerin Emma Abeck, verwitwete Kürten.

Mit seinem dienstlichen Wirken verband sich ein starkes Engagement auf karitativem Gebiet. Als Katholik brachte sich Johannes Horion im Verband der Vereine der akademisch gebildeten Katholiken ein, war von 1924 bis 1926 erster Vorsitzender des Düsseldorfer Vereins katholischer Akademiker und übernahm 1926 die Präsidentschaft des Katholikentags in Breslau.

Papst Pius XI. zeichnete 1926 Johannes Horion als „Comtur des St. Gregorius-Ordens mit Stern” aus, 1928 verlieh ihm die Technische Hochschule Aachen für seine Verdienste um die Förderung und Unterstützung der Studentenschaft in ihren gemeinnützigen Angelegenheiten die Ehrenbürgerwürde, die KV-Vereine Merovingia-Rheinland Düsseldorf und Langemarck-Bonn ernannten ihn zum Ehrenphilister.

Diffamierungsversuche durch die Nazi-Presse, die ihm 1932 wegen seiner Zusammenarbeit mit der SPD „schwarzrote Verbonzung” vorwarf, konnten Horion nichts anhaben. Sein Tod am 19. Februar 1933 im Alter von nur 57 Jahren bewahrte ihn davor, Opfer des Hitler-Regimes zu werden. Seine Frau Emma, die sich in der christlichen Frauenbewegung engagierte, sollte ihn um fast fünfzig Jahre überleben.

Zahlreiche Straßen und Einrichtungen wurden nach Johannes Horion benannt. Sein einstiges Wohnhaus, die Villa Horion in Düsseldorf, diente bis 1999 als Sitz des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen. In Köln-Deutz wurde das im Jahr 2000 vollendete Horion-Haus des LVR nach ihm benannt.

R.N./PD