Cheruscia Braunschweig veranstaltet Herbsttreffen in der Stadt an der Elbe

Gemäß dem Motto: „Warum denn in die Ferne schweifen, wo das Gute liegt so nah“ fand das Herbsttreffen 2022 des K.St.V. Cheruscia zu Braunschweig, der in diesem Jahr sein 100./101. Stiftungsfest feierte, im benachbarten Magdeburg statt. Bewusst hatten wir den Termin auf die Zeit Ende November verlegt, um neuen Aktiven eine Möglichkeit zu geben, die Familie der Cheruscer näher kennenzulernen.     

Die Aktivitas hatte nach dem Verlust des Hauses und der Coronazeit, wie in vielen unserer Vereine, mit Mitgliederschwund zu kämpfen. Umso wichtiger war es, mit den alten und neuen Aktiven gemeinsam dieses Wochenende zu gestalten. Die Nachbarstadt zu Braunschweig bot sich mit ihrer Nähe und ihrer Geschichte geradezu an.

Mit ihren Familien trafen sich die Cheruscer am Freitagabend in gemütlicher Runde und genossen die Gastfreundschaft der Landeshauptstadt. Seit vielen Jahren sieht sich Magdeburg als „Otto-Stadt”, zwei historische Figuren sind für diese Namensgebung verantwortlich: Kaiser Otto der Große, Begründer des Heiligen Römischen Reichs und erster Erbauer des Magdeburger Doms. Für Otto I. war Magdeburg seine Lieblingspfalz und er wurde im Jahr 973 neben seiner Frau Editha im Magdeburger Dom beigesetzt. Zweite große Persönlichkeit Magdeburgs war das Universalgenie Otto von Guericke. Er baute Magdeburg nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg 1646 als Bürgermeister wieder auf. Bekannter ist er den Ingenieuren der Cheruscia natürlich durch sein naturwissenschaftliches Wirken. Als „Harald Lesch des siebzehnten Jahrhunderts” verstand er es, mit spektakulären Experimenten Menschen für die Physik zu begeistern. Er ist auch Namensgeber der Universität zu Magdeburg.

In diesem historischen Umfeld spazierten die Cheruscer, geleitet von unserem Kartellbruder Andreas Schönsee (Rh-Mv, Stf), durch die alte und neue Stadt. Als „Zugereister“ und inzwischen „Angekommener“ brachte er uns seine Stadt näher. Wir bummelten am „Hundertwasserhaus”, am Haus des Ministerpräsidenten, an der Johanniskirche, den alten Festungsanlagen und dem Wehrturm „Kiek in de Köken“ vorbei. Der Wehrturm verdankt seinen Namen dem Umstand, dass man von dort in die erzbischöfliche Küche schauen konnte.

Höhepunkt der Besichtigungen war sicher die Führung durch den Magdeburger Dom. Der Dom beeindruckt schon durch seine Bauweise. Er ist die erste gotisch konzipierte Kathedrale auf deutschem Boden und wurde als Nachfolgebau 1207, nachdem der ottonische Bau des Kaisers einem Stadtbrand zum Opfer gefallen war,errichtet. Nicht nur unsere Architekten begeisterten sich für dieses Bauwerk, auch unsere rheinländischen Bundesbrüder aus Köln staunten.

Das Innere des Doms überwältigt die Besucher durch seine helle Ausstrahlung. Das Hauptschiff mit einer Deckenhöhe von 32 Metern ist mit lichtdurchfluteten, filigranen Fenstern in Szene gesetzt. Höhepunkte der sehr engagierten Führung waren die Besichtigung der klugen und törichten Jungfrauen, der Taufstein, den Otto I. aus einem römischen Springbrunnen fertigen ließ, das Grab Otto I. und die Skulpturen St. Katharina und St. Mauritius, als erste Darstellung eines Schwarzafrikaners im Mittelalter (1250). Im Hauptschiff steht die schwarze, eisenbeschlagene Truhe, die von Johannes Tetzel beim Ablasshandel genutzt wurde. Beeindruckend das von Ernst Barlach 1929 errichtete Ehrenmal für die Opfer des Weltkrieges.

Nach diesem Ausflug in die Magdeburger Geschichte hatte man sich das gemein-same Abendessen redlich verdient. Spät in der Nacht kehrten die Cheruscer aus der „Weinzeit“ in ihre Hotels zurück. Am Sonntag wurde der Ausflug mit der Teilnahme an der Gemeindemesse in der Magdeburger Kathedrale St. Sebastian abgeschlossen.

Für alle Cheruscer war dies ein besonderer Ausflug in eine Stadt, die man kennt und doch nicht immer so im Auge hat. Besonders gut tat es, nach der Coronazeit und den besonderen Herausforderungen in unserer Kirche wieder in der Gemeinschaft der Cheruscer aus Aktiven und Alten Herren, aus Freundinnen und Ehepartnern ins Gespräch zu kommen und das Lebensbundprinzip zu rekultivieren.

Günther Huth (Cher, Lt)